Hüttenindustrie‘‘ in Berlin, die unter Kapitalerhöhung
auf 50000000 RM. und Firmenänderung in
die Mitteldeutsche Stahlwerke A.-G. in Berlin umgewandeit
wurde.
Die Kapitalbeteiligung an der neuen Mitteldeutschen
Stahlgesellschaft ist nicht vollständig‘ geklärt,
nominell erhält Linke-Hoffmann-Lauchhammer
A.-G. 33000000 RM. der neuen Gesellschaft
und die Vereinigten Stahlwerke 12000000 RM. für
die eingebrachten Werke, 5000009) RM. bleiben im
Portefeuille der Gesellschaft. Von den 33000 000
RM. der Linke-Hoffmann-Lauchhammer A.-G. werden
28000000 RM. unter Einziehung des entsprechenden
Betrages an Linke-Hoffmann-Lauchhammer-Aktien
den Aktionären von Linke-Hoffmann
zur Verfügung gestellt. Die restlichen 5000000
RM. verbieiben bei Linke-Hoffmann. Es schweben
jedoch hierüber bereits Verkaufsverhandiungen.
Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, daß die
neue Gesellschaft die Beteiligung von Linke-Hoffmann
an der Vereinigten Oberschlesischen Hüttenwerke
A.-G. von rund 50% übernommen hat.
Durch die Uebernahme dieser Beteiligung ist die
Verbindung Vereinigte Stahlwerke A.-G. Düsseldorf,
Mitteldeutsche Stahlwerke A.-G. Berlin und Vereinigte
Stahlwerke Oberschlesien hergestellt. Die
Vereinigten Stahiwerke haben rund 26 % des Aktienkapitals
der Mitteldeutschen Stahlgesellschaft, die
ihrerseits über rund 50% der Oberschiesischen Beteiligung
verfügt. Die indirekte Beteiligung dürfte
jedoch noch höher sein, insofern, als eine große
Aktionärgruppe von Linke-Hoffmann gleichzeitig
Beziehungen zu den Vereinigten Stahlwerken unterhält.
Genaue Angaben hierüber liegen nicht vor.
Auf wirtschaftlichem Gebiete und im Hinblick
auf die beabsichtigte Rationalisierung steht der
mitteldeutsche Zusammenschluß hinter den Neu
gründungen im Westen und im Osten Deutschlands
insofern zurück, als die Werke der Mitteldeutschen
Stahlgesellschaft örtlich weit auseinander liegen
Trotzdem hoffen die Gründer der neuen Gesell.
schaft, durch Vereinfachung des Produktionsprogrammes,
das in der Hauptsache Grob- und Mittelbieche,
in Henningsdorf außerdem Feinbleche umfaßt,
zu einer Senkung der Selbstkosten und erhöhter
wirtschaftlicher Stoßfähigkeit zu gelangen.
Die Gründung der drei großen untereinander in
Verbindung stehenden Stahlgesellschaften in West-,
Mittel- und Ostdeutschland haben in erster Linie
die Neuordnung der Produktionsgrundlage und diz
Rationalisierung des Produktionsprogrammes zum
Zwecke. Es kann jedoch gar nicht ausbleiben, daß
diese Konzentrationsbewegung sich weiter fortpflanzt
und sowohl in der Rohstoffversorgung als
in der Absatzorganisation, im Handel, zu weittragenden
Veränderungen führt. Beachtenswert ist
bei diesen Auswirkungen die Tatsache, daß sich
nicht nur die Gründergesellschaften der neuen Gemeinschaftsunternehmungen,
sondern auch selbständig
gebliebene Werke, wie die Gute Hoffnungshütte,
Hösch, Klöckner, Krupp und Mannesmann,
zu teilweise gemeinsamem Vorgehen mit den Vereinigten
Stahlwerken entschlossen, teilweise eigene
Gemeinschaftsgründungen ins Leben gerufen haben,
Unter den Gründungen, die der Rohstoffversorgung
dienen, ist der im November 1926 erfolgte Zusammenschluß
der Vereinigten Stahlwerke mit der
Gute-Hoffnung-Hütte, Oberhausen-Nürnberg; Henschel
& Sohn in Kassel; Eisen- und Stahlwerke
Hoesch in Dortmund; Klöckner-Werke Berlin:
Friedrich Krupp A.-G. Essen und der Mannesmann:
Röhrenwerke Düsseldorf zum gemeinsamen Schrotteinkauf
unter der Firma Vereinigte Stahlwerke Abt.
Schrottgemeinschaft, Dortmund, besonders hervorzuheben,
weil sich auf dieser Grundlage alle maßgebenden
Konzerne des Ruhrgebietes zusammen.
gefunden haben. Zur Ausführung von Erztranspor-‘en
ist weiter die Gemeinschaftsgründung der Firma
Friedrich Krupp A.-G. und Franz Haniel unter der
Firma Kruppval Rotterdam zu erwähnen.
Die Neuordnung der Absatzorganisation führte im
Juli für den süddeutschen Markt zu einer Gemein”
schaftsgründung, der Vereinigten Stahiwerke Düsseidorf,
Heinrich August Schulte A.-G., Dortmund;
Rheinstahl-Handelsgesellschaft m. b. H., Frankfurt;
Rheinstahl Eisenwalther-Handelsgesellschaft m. b.
YM., Erfurt, und der Tyssen’schen Handelsgesellschaft
m. b. H., Mannheim, in Gestait der Tyssen-Rheinstahl
A.-G., Frankfurt a. M., unter Angliede-‚ung
der Rheinstahl G. m. b. H., München-Nürnberg,
mit einem Aktienkapital von 60000 RM. Eine
entsprechende Gemeinschaftsgründung für den mit-:;el-
und norddeutschen Markt führte zu der Grünlung
der Tyssen-Eisen- und Stahl-A.-G., Berlin,
mit einem Aktienkapital von 60000 RM., an der
die Tyssen & Co. G. m. b. H., die Krüger & Stark
G. m. b. H., die Rheinstahl-Handelsgesellschaft m.
b. H., die Heinrich August Schuite A.-G., Dortmund,
und die Vereinigte Stahlwerke A.-G., Düsseldorf,
Deteiligt sind. Mit der Firma Otto Wolff, Köln,
‘ührten die Vereinigten Stahlwerke A.-G. Düssellorf
im Juli 1926 eine Interessenregelung in der
Neise durch, daß die Vereinigten Stahiwerke die
Firma „Eisenausfuhr Otto Woiff & Co.“ überı1ahmen
und dafür dem Otto Wolff-Konzern den
Alleinverkauf der Walzwerkserzeugnisse für Rußand
sowie die Bearbeitung der Staats- und Finanzyeschäfte
in der Türkei und Rumänien und der
Reparationsaufträge für Frankreich übertrugen.
Schließlich spielen in diesem Zusammenhang,
wenn von weiteren Einzelheiten im übrigen Abstand
genommen wird, noch die Gründung der
Edeistahlwerke Studien A.-G., Bochum, und der
Vereinigten Rohrleitungsbau-Gesellschaft, Berlin,
eine bemerkenswerte Rolle. In der neuen Gemeinschaftsgründung
der Edeistahlwerke sind mit einem
Aktienkapital von insgesamt 50C00 RM. die Ver-2inigte
Stahlwerke A.-G., Düsseldorf, die Gußstahl-Fabrik
Felix Bischoff G. m. b. H., Duisburg, die
Zergische Stahlindustrie A.-G., Remscheid, die Stahlverke
Brünnunghaus A.-G., Werdohl, das Stahlwerk
AHasiach, vorm. Wilhelm Haiss, Zweigwerk der
Aktiengesellschaft Bochumer Verein in Hasslach, zu
diem Zwecke vereinigt, den völligen Zusammenschluß
der genannten Edelstahlwerke vorzuberei-;en
und durchzuführen. An der Vereinigten Rohr-'eitungsbau-Gesellschaft
(Phönix-Märkische), Berin,
sind die Rohrleitungsgesellschaften der Vereinig-‚en
Stahlwerke, Phönix-Rohrleitung, Berlin, die
Märkische Rohrleitung, Düsseldorf, und die Hydor-Gesellschaft
beteiligt. — ,
Organisationen von dem Ausmaße, wie sie im
vergangenen Jahre in der deutschen Eisen- und
Stahlindustrie gegründet wurden, können selbstverständlich
positive Erfolge nicht von heute auf morzen
aufweisen. Es wird Monate und Jahre dauern,
bis im Rahmen der neuen Gemeinschaftsgründungen
der neue Produktions- und Verwaltungsapparat bis
aufs kleinste durchorganisiert ist und sich die einzelnen
Teile zu einem organischen Ganzen imeinandergearbeitet
haben. Reibungen persönlicher und sachlicher
Natur sind hierbei nicht zu vermeiden.
Diesen Schwierigkeiten im einzelnen gegenüber
steht die hohe Verantwortungsfreudigkeit, die nicht