1.3
Saarbrücker Werbeschau
vom 15. bis 21. Oktober 1927.
Dem Zwecke der pianmäßigen Kundenwerbung
diente die von der Ortsgruppe Saarbrücken des
Vereins Deutscher Reklamefachleute veranstaltete
Werbeschau vom 16. bis 21. Oktober 1927, der
die Handelskammer, Handwerkskammer und der
Schutzverein für Handel und Gewerbe ihre Unterstützung
haben zuteil werden lassen. Zum ersten
Mal fand in Saarbrücken eine derartige Veranstaltung
statt, die in anderen Großstädten schon häufiger
mit Erfolg vorgenommen wurde. Man kann
sagen, daß die Werbetrommel mit Erfolg gerührt
worden ist und das Interesse der Verbraucher auf
das lebhafteste erregt hat, denn am Hauptveranstaltungstage,
am Sonntag, den 16. Oktober 1927,
füllten Tausende von Menschen, die zum Teil mit
Sonderzügen nach der Saarhauptstadt hergebracht
waren, von früh bis spät in die Nacht hinein die
Straßen unserer Stdt. Durch eine Reihe wohlvorbereiteter
und. gut gelungener Veranstaltungen hat
die erst im Juli dieses Jahres gegründete Ortsgruppe
Saarbrücken der Werbeschau eine über
Saarbrücken hinausgehende Bedeutung zu verleihen
verstanden. ;
Im Beisein von Vertretern der Berufsvertretungen
von Handel und Handwerk sowie der Stadt Saarbrücken
fand am 16. Oktober die feierliche Eröffnung
im Foyer des städtischen Saalbaues
statt, wobei Herr Direktor Müller vom
Passagekaufhaus in seiner Begrüßungsansprache
„die Aufrüttelung der Masse‘ als das Ziel der
Werbewoche kennzeichnete. Der Vertreter der Handeiskammer,
Herr Großkaufmann H. Lampert,
überbrachte die Glückwünsche der Handelskammer.
Er hob u. a. hervor, daß kein Kaufmann das wertvolle
Mittel der Kundenannäherung entbehren könne
und daß die Reklameunkosten in keinem Verhältnis
zu dem Nutzen stehen, den eine zielbewußte Reklame
hervorrufe. Herr Beigeordneter Dr. Werle
wünschte dem Unternehmen, das vor allem den Interessen
eines der bedeutendsten Gewerbezweige
Saarbrückens, dem Handel, diene, volles Gelingen.
Der Vorsitzende des Schutzvereins für Handel und
Gewerbe im Saargebiet, Herr Richard Becker,
umriß die allgemeinwirtschaftliche Bedeutung des
Werbegedankens, dessen Pflege für das Saargebiet
durch den Verlust Elsaß-Lothringens, Luxemburgs
und der angrenzenden Gebiete des Hunsrücks bis an
den Rhein und der unteren Saar besonders wichtig
geworden sei. Auch der Syndikus der Handwerkskammer,
Herr Reutler, sagte den Bestrebungen
der Reklamefachleute wohlwollendste Unterstützung
zu.
Gleichzeitig wurde die Ausstellung graphischer
Erzeugnisse der heimischen Druckereien
eröffnet, durch die den Druckereien des Saargebietes
Gelegenheit geboten werden sollte, ihre Erzeugnisse
auf werbetechnischem Gebiete vorzuführen. Erfreulich
ist es, daß auch die staatliche Kunstgewerbeschule
in Saarbrücken Arbeiten für diesen
Zweck zur Verfügung gestellt hatte.
An demselben Tage, an dem die Eröffnung der
Werbewoche. stattfand, wurden auch die Schaufenster
der an dem Wettbewerb beteiligten Firmen
der öffentlichen Kritik übergeben. Es muß gesagt
werden, daß die Saarbrücker Kaufmannschaft
auf diesem Gebiete Erfreuliches geleistet hat. Die
Schaufenster waren in Gruppen A und B eingeteilt,
In Gruppe A befanden sich solche, die von Berufsldekorateuren
entworfen und ausgeführt worden
waren, Gruppe B enthielt Amateurdekorationen. Die
Beurteilung, welches das wirkungsvollste jeder
Gruppe war, war dem Publikum überlassen. Ueber
die Preisverteiung des Schaufensterwettbewerbs gibt
lie am Schlusse des Artikels angebrachte Zusammenstellung
Aufschluß.
Als über Erwarten wohlgelungen darf der ‚in Saarbrücken
zum ersten Male ausgeführte Reklameımzug
bezeichnet werden. Daß diese Umzüge,
die von den großen Messen und Ausstellungen eingeführt
wurden, ein sehr zugkräftiges Werbemittel
sind, ging aus der großen Anzahl der Zuschauer,
die Tausende betrug, hervor. In teilweiser Tagınd
Nachtarbeit sind die wirkungsvollen Dinge entstanden,
die an diesem Tage ihre werbende Wirzung
auf das Publikum ausübten. Es ist uns leider
ıicht möglich, auf die einzelnen Vorführungen, über
lie in der Tagespresse ausführlich berichtet worden
st, näher einzugehen. Wir verweisen auch hier auf
lie unten aufgeführte Preisvertelung.
Dem im ganzen Reklamewesen so äußerst wichlügen
Teil der Werbung durch die Tagespresse ist
der Verband dadurch gerecht geworden, daß
er in den drei großen Saarbrücker Tageszeitungen
„Saarbrücker Zeitung“, „Saarbrücker Landeszeitung“
und „Volksstimme“‘‘ einen Inseratenwettbewerb
veranstaltete. Auch hier war der Erfolg
äußerst erfreulich. Die genannten Zeitungen hatten
Ihrer regulären Ausgabe am 16. und 17. Oktober
eine Sondernummer der Werbeschau beigefügt, die
die verschiedensten Arten der Zeitungsreklame
wiedergab und vor allem auch zeigte, daß zu einer
wirkungsvollen Werbung nicht immer eine Zeichnung
nötig ist, sondern daß mit den in der Setzerei
vorhandenen Druckschriften auch gute Reklame-Ergebnisse
erzieit werden können. Die Ergebnisse
des Inseratenwettbewerbes sind leider zur Stunde
noch nicht bekannt.
In das Gebiet der Kundenwerbung, dem heutzutage
jeder Geschäftsführer vom kleinsten Lädchen
bis zum großen Warenhause höchste Beachtung
beizumessen hat, führte der am Montag, den
17. Oktober, gehaltene, schr gut besuchte Lichtbildervortrag
des Werbefachmannes Canis,
Bochum, mit dem Thema „Was macht die Werbung
arfolgreich?“ ein. Der Redner wies vor allem darauf
nin, daß die Werbung der Reklamenachrichtendienst
zei. Die Mittel der Werbung seien verschiedenartig
md richteten sich nach der Art der Waren. Dabei
müsse stets bedacht werden, auf welches Publikum
die Reklame ihre Wirkung ausüben solle. Sachkundige
Reklame habe daher psychologische Studien
zur Voraussetzung. Amerika sei nach wie vor
‚orbildlich für planmäßige und erfolgreiche Kundenwerbung,
wo der Werbefachmann nicht nur für Re-<lameaufmachung,
sondern auch für Beobachtung
der Konjunktur und für die Werbung durch geeignete,
den individuellen Verhältnissen angepaßte
Drganisation der Vertretungen verantwortlich sei