Die Rationalisierung der deutschen Eisen- und Stahlindustrie.
(Fortsetzung.)
Von der Größe der in den Vereinigten Stahlwerken
zusammengefaßten Produktionskraft wird
man sich nur dann eine richtige Vorstellung machen
können, wenn man die angegebenen Zahlen für die
Produktion 1925 in Vergleich setzt mit anderen
Produktionsergebnissen. In den nachstehenden
Uebersichten ist versucht worden, für Kohle, Koks,
Roheisen und Stahlı die tatsächliche Produktion des
Stahlvereins im Jahre 1925 in Verhältnis zu den
Produktionsergebnissen der Länder der Internationalen
Rohstahlgemeinschaft zu setzen.
Die tatsächlich erreichte Produktion der Vereinigten
Stahlwerke und die Gesamtproduktion des
jetzigen Reichsgebietes, des Saargebietes, Belgiens,
Luxemburgs und Frankreichs erreichte im Jahre
1925 folgende Ziffern in tausend Tonnen:
Ver. Stahlw, Reich
Kohle 22885 132 662
Koks 6781 26 510
Roheisen 4777 10177
Rohstahl A 920 12193
Saar
12 990
.M53
1575
Belgien Luxemburg Frankr,
> 133 47 040
60 3.065
42 2363 84172
41 92075 7 415
Setzt man zum weiteren Vergleich dieser tatsächlichen
Produktionsziffern die im Jahre 1925 von den
Vereinigten Stahlwerken erreichten Produktionsergebnisse
für Kohle, Koks, Roheisen und Stahl
gleich hundert, und berechnet man demnach die
verhältnismäßige Größe zu den Produktionsergebnissen
der Internationalen Rohstahlgemeinschaft, so
ergibt sich folgende Uebersicht:
Ver. Stahlw. Reich Saar Belgien Luxemburg Frankr.
Kohle 100 580 57 101 — 206
Koks 100 395 —*) 61 — D
Ro-"eisen 100 213 30 53 49 178
Rohstahl 100 DAR 29 LU 49 151
Die Kohlenproduktion der Vereinigten Stahlwerke
erreicht nach diesen Ziffern fast die Gesamtkohlenförderung
Belgiens oder fast die Hälfte der französischen
Kohlenförderung. Sie übertrifft die Saarkohlenförderung
beinahe um das Doppelte und erreicht
ein gutes Sechstel der Gesamtkohlenförderung
des Reiches. Die Kokserzeugung der Vereinigten
Stahlwerke erreicht fast die Gesamtkokserzeugung
Belgiens und Frankreichs zusammengenommen.
An der Gesamtkokserzeugung des jetzigen
Reichsgebietes sind die Vereinigten Stahlwerke mil
einem guten Viertel beteiligt. In der Roheisen
erzeugung erreichten die Vereinigten Stahlwerke
1925 fast die Gesamtroheisenerzeugung Belgiens
und Luxemburgs zusammengenommen. An der Gesamtroheisenerzeugung
des jetzigen Reichsgebietes
waren die Vereinigten Stahlwerke mit der knappen
Hälfte beteiligt. Die Roheisenerzeugung Frankreichs
übertrifft die Produktion des Stahlvereins noch nicht
um, 80 V%.
In der Rohstahlproduktion ‚erreichten die. Vereinigten
Stahlwerke 1925 rund zwei Fünftel der
Gesamtproduktion des . jetzigen Reichsgebietes.
Frankreich gegenüber wurden zwei Drittel der Gesamtproduktion
Frankreichs erreicht. Belgien,
Luxemburg gemeinsam erzeugten 1925 nur 1%
mehr Rohstahl als die Vereinigten Stahlwerke.
*) Die Koksproduktion des Saargebietes ist nicht mitgerechnet,
da zuverlässige Zahlen für die. Gesamtkokserzeugung
des Saargebietes nicht vorliegen.
Faßt man die Produktionsergebnisse der Internationalen
Rohstahlgemeinschaft zusammen und vergleicht
man mit diesen Gesamtergebnissen die Produktion
der Vereinigten Stahlwerke für das Jahr
1925, so ergibt sich folgendes Bild (in 1000 t):
Ver, Stahlw. Gesamitproduktion d. Länder *% Teil der
d. intern. Rohstahlgemeinschaft Ver, Stahlw
215 825 10,6
34 035 19,9
25 029 19,1
25 660 19.2
Kohle
Koks
Roheisen
Rohstahl
Besonders bemerkenswert ist hierbei die Tatsache,
daß die Vereinigten Stahlwerke für das Jahr
1925 für Roheisen und Rohstahl annähernd den
fünften Teil der Gesamtproduktion sämtlicher an
der Internationalen Rohstahlgemeinschaft beteiligten
Länder erreichten. Die Belegschaft umfaßt
160000 Arbeiter und 60000 Beamte, zusammen
220000 Mann, gleich rund dem Dreifachen der
Gesamtbelegschaft der Saargruben. Es sei besonders
erwähnt, daß bei den Produktionszahlen 1925
und der Angabe der Belegschaft lediglich die Zah-'en
für die sieben Gründerwerke: Gelsenkirchener
Bergwerks A.-G., Deutsch-Luxemburgische Bergwerks-
und Hütten A.-G., Bochumer Verein für
Bergbau und Gußstahlfabrikate, Thyssen, Phönix,
Van der Zypen und Rheinische Stahlwerke, nicht
aber der weitere Produktionszuwachs mit berücksichtigt
ist, der den Vereinigten Stahlwerken durch
Erwerbung der Charlottenhütte, der fünf Stummschen
Werke, der Werke von Rombach und der
Oesterreichischen Alpinen Montangesellschaft außer.
dem noch zufällt.
Die Bedeutung der Vereinigten Stahlwerke drückt
sich weiter aus in den Verbandsquoten, die ihnen
m Kohlensyndikat, im Roheisensyndikat, in der
Rohstahlgemeinschaft und in dem Stahlwerksverjand
eingeräumt sind. Der Prospekt der Vereinig-:en
Stahlwerke gibt hierüber die nachstehenden
Ziffern unter Ausschluß der späteren Erwerbungen
der Vereinigten Stahlwerke. Die aus den späteren
Erwerbungen sich ergebenden Erhöhungen sind von
der Bankfirma Schwarz, Goldschmidt & Co., wie
in der zweiten Kolonne angegeben, mit berück:
sichtigt:
Kohlensyndikat 21,59 % — Stabeisen 32,5% 41,94 %
Roheisen 39 %o 48.47 °% Röhren 50,2% 50,2 %
Rohstahl 39 % 16,82% Bandeisen 49.1 °% 483.59 9
\. Produkte
lavon: Halbzeug
)berbaumaterialien
Formeisen
44
” Grobblech 40 %%, 47.13 %
Walzdraht 19.3% 0. 38.75 0
ZU
(Bei der Berechnung der letztgenannten Ziffern sind von
den Quoten Stumm und Roambach 70% für. die Vereinigten
Stahlwerke angerechnet.)
Diese privat- und volkswirtschaftlich überragende
Stellung in der Kohlen-, Koks-, Roheisen- und Rohstahlproduktion
konnte selbstverständlich von den
Zusammenschlüssen in Oberschlesien und in Mitteldeutschland
nicht ‚erreicht werden. Diese beiden
weiteren größeren Rationalisierungsmaßnahmen der
deutschen Eisen- und Stahlindustrie gewinnen aber
insofern an Interesse, als zu ihrer Gründung neben