Full text : 32.1927 (0032)

Auch im Expreßgutverkehr nach umd von Stationen der
Deutschen Reichsbahn ist eine wesentliche Vereinfachung
in der Abfertigung und eine Verbilligung der Expreßgut-Frachten
 ‚eingetreten, die gleichfalls mit Wirkung vom
l. Oktober 1927 ab in Kraft tritt, Während bisher die
Expreßgutfrachten für jedes Bahngebiet besonders errechnet
worden sind, wird nunmehr die Expreßgutfracht für die
Gesamtentfernung von Saarbahnstationen nach Reichsbahnstationen
 durchgerechnet, Die neuen Expreßgutfrachten im
Verkehr mit Reichsbahnstationen sind aus nachstehender
Tabelle zu ersehen

Expreßgutfrachtsätze
im Verkehr mit Reichsbahnstationen.
Expreßgutfracht für bei Gewicht, üb. 20 kg
5kg 10 kg 15 kg 20 kg für je 10 kg
RM, ki RM. RM. RM.
0,40 J.40 0,40 0,20
040 0 060 0,30
040 380 0,40
0,4 30 - 0,50
(0E +40 7q 0,60
0,40 ) 0,70
04 0,80
05 9,90
0.55
0,60
0,70
0,80
0.90
an

km

1—15
16—30
31—50
51—70
71—90
91—110
111—130
131—150
151—175
176—200
201—250
251—300
301—350
351—400
401—450
451—53920
501—600
601—700
701—800
801— 1000
1001—1400
1401—1800 1.39

a

120
1740
160
80
-9
Y
0
2,80
320
340
360

J
„)

40

1zn

Hierzu treten als Abgeltung für die Mitwirkung der Eisen-Dahn
 bei Erfüllung der Zollvorschriften 0,50 RM. für die
Deutsche Reichsbahn und 6,— Fr, für die Saarbahnen. Die
vorstehend in Reichsmark angegebenen Beträge werden bei
der Abfertigung auf Stationen der Saarbahnen zum jeweils
festgesetzten Umrechnungskurs In Franken erhoben. Im
Expreßgutverkehr zwischen Saarbahnstationen und Stationen
in Elsaß und Lofhringen werden bei der Berechnung der
Frachten für die Strecken der Saarbahnmen gleichfalls die ab
1. Oktober 1927 für den Saarbahnbinnenverkehr geltenden
Frachten und Frachtsätze in Anwendung gebracht. Die Mindestfracht
 für die Strecken der Saarbahnen wird auch für
diesen Verkehr von 3,— Fr. auf 2,40 Fr. ermäßigt.
Eine Acnderung der Frachtsätze für die Strecken der Eisenbahnen
 in Elsaß und Lothringen tritt nicht ein. Durch die
von der Eisenbahn getroffenen Maßnahmen steht zu erwarten,
daß der Expreßgutverkehr weitere Anziehungskraft ausübt.
Der Expreßgutverkehr ist heute die einfachste und schnellste
und daher die zeitgemäße Beförderungsart für die Pakete
und Kleingüter.

Deutsche Reichsbahn.
Ausnahmetaxen für Güter aller Art Basel SBB
und Basel—S$St, Johann-Buchs (St. G.)
Unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs treten am 1. Oktober
1927 für die frachtgutmäßige Beförderung von Gütern aller
Art von und nach Wien folgende Ausnahmetaxen in Kraft:
5000 kg 10000 kg,
. Cts, pro 100 kg
Basel SBB a
Basel SBB_ X Buchs (St. Gallen) transit 358 317

Flug-Eisenbahnverkehr (Flei-Verkehr),
Vor einiger Zeit wurde zwischen der deutschen Reichsbahnverwaltung
 und der Deutschen Lufthansa ein besonderes
Abkommen über den Flug-Eisenbahn-Fracht-Verkehr
 abgeschlossen.
Am 1. Oktober dieses Jahres wird aunmehr der Flug-Eisenbahn-Verkehr
 (Flei-Verkehr) eingeführt werden, Mit
Rücksicht auf die große Bedeutung dieses Abkommens lassen
wir dasselbe zur Unterrichtung der Verkehrsinteressenten im
Wortlaut folgen:

„Um dem Luftfrachtverkehr eine breitere Basis zu geben, ist
uf Anregung der Deutschen Luft-Hansa ein Vertrag zwischen
ihr und der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zustande gec<ommen,
 der eine Verbindung zwischen Luft- und Eisenbahnirachtverkehr
 herstellt, Die bisherigen Erfolge, die auf dem
Gebiet des Luftfrachtverkehrs erzielt worden simd, und diese
1eue Verschmelzung von Flugzeug und Eisenbahn zeigen einteutig,
 daß der Luftfrachtverkehr ein unentbehrliches Glied
ier Wüärtschaft geworden ist, das im Begriff steht, seinen
Siegeszug durch die Welt anzutreten.
Nur durch zweckmäßige Kombination vom erdgebundenen
ınd Luftbeförderungsmitteln kann den Wünschen und Inter-»ssen
 der Wirtschaft entsprochen werden, Das hat auch die
deutsche Reichsbahn erkannt, und daraufhin war es möglich,
den Anfang zu einer engen Zusammenarbeit zu schaffen.
Daß die Vorteile des Lwftverkehrs im allgemeinen und
ies Luftfrachtverkehrs im besonderem in der Bewältigung
großer Strecken Kegen, ist eine bekannte Tatsache. Aus
liesem Grund ist das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung
des Luftfrachtverkehrs auf die internationalen Strecken zu
richten. Luftverbindungen beispielsweise von Berlin nach
London, nach Moskau, nach Konstantinopel, nach Ostasien
und schließlich nach Amerika weisen Vorteile auf, die vom
keinem anderen Verkehrsmittel, das jemals denkbar wäre,
geschweige denn bereits besteht, übertroffen werden können.
Derartige Verbindungen können aber nicht von Ken bekebigen
 Ort aus eingerichtet werden. Hier muß das bestehende
 Verkehrsnetz der Eisenbahn in Aktion treten und
den Zubringerdienst zu den großen internationalen Flugverbindungen
 ausführen. Durch den eingangs erwähnten
Vertrag zwischen der Deutschen Luft-Hansa und der deutschen
 Reichsbahn ist hierzu der Grundstein gelegt worden.
Bisher war es nur möglich, Warenbeförderung durch die
Luft zwischen solchem Orten vorzunehmen, die über einem
Flughafen verfügen, der von den flugplanmäßigen Flugzeugen
ter Deutschen Luft-Hansa angeflogen wird. Sollte die Ware
vor oder nach der Luftreise per Bahn befördert werden,
x mußten zwei Beförderungsverträge abgeschlossen werden,
vodurch nicht nur Zeit verloren ging, sondern auch Schwieigkeiten
 bezüglich der Abrechnung mit dem Auftraggeber
ntstanden, sofern nicht ein oOrtsansässiger Spediteur vom
\bsender mit der Weiterbeförderung beauftragt war, was sich
nfolge der meist geringfügigen Objekte selten gelohnt hat.
Aus diesem Grunde war es nur einem kleinen Wirtschafts-<reise
 möglich, die Vorteile des Luftfrachtverkehrs auszuyutzen.,
 Heute sicht die Sache schon wesentlich anders aus.
'eder nennenswerte Ort im Deutschen Reiche ist an das
/erkehrsnetz der deutschen Reichsbahn angeschlossen und
{aher jetzt durch den Gemeinschaftscdienst zwischen der deutschen
 Reichsbahn und der Deutschen Luft-Hansa auch an
ias Vierkehrsnetz der Detuschen Luft-Hansa. Hierdurch
viederum ist der Anschluß an alle großen internationalea
"lugstrecken erreicht, da diese alle Deutschland infolge seiner
zentralen geographischen Lage berühren. Dadurch ist es
möglich, die gesamten deutschen Wirtschaftskreise zur Benutzung
 dies Luftfrachtverkehrs heranzuziehen, und erst jetzt
wird sich herausstellen, wie groß das Interesse an der 1.uft-'rachtbeförderung
 tatsächlich ist.
Es ist natürlich nicht zu erwarten, daß mit Inkrafttreten
les Vertrages jetzt plötzlich die Benutzung der Luftfracht
n dem Maße zunimmt, daß die Bewältigung auf den
Aauptstrecken Schwierigkeiten bereiten wird. Es wird eine
zeraume Zeit vergehen, bis die neue Beförderungsart so in
ılle Betriebe eingedrungen ist, daß sie bis zur letzten Ausuutzungsmöglichkeit
 erfaßt wird. Wie an alles, so muß
ias Publikum sich atıch ‘hieran erst gewöhnen. Es wird
arforderlich sein, ihm die Vorteile ümmer wieder vor Augen
zu führen, bis es eine Selbstverständlichkeit geworden ist,
ılle in Frage kommenden Sendungen im Flei-Verkehr zu beördern,
 genau wie es heute eine Selbstverständlichkeit ist,
ne Bestellung per Telephon zu erledigen, statt einen Boten
ıermit zu beauftragen, wie es vor 30 Jahren üblich gewesen
‚st. Auch ist es selbstverständlich, daß sich der große Apparat
der Reichsbahn erst im Flei-Verkehr einarbeiten muß, denn
zs sind für ihn sehr viele Neuerungen entstanden, an die
sich der große Beamtenstab erst einmal gewöhnen muß,
\ber diese Uebergangszeit wird nicht zu lange dauern. Es ist
Jamit zu rechnen, daß bereits im nächsten Sommerflugverkehr
Pa bedeutende Zunahme der Luftfracht zu verzeichnen sein
wird,
Daß der Luftfrachtverkehr heute noch Mängel aufzuweisen
at, die seine Entwicklung hemmen, ist nicht von der
dand zu weisen. Es wird als großer Uebelstand Sn ANnden,
1aß die Zeiten der planmäßigen Flüge nicht den Wünschen
der Frachtverlader entsprechen. und daher die Möglichkeit
der Luftverfrachtung in vielen Fällen ilusorisch gemacht wird.
Es wird hierbei im allgemeinen richt in Betracht gezogen,
daß die Zeiten der Verkehrsflüge nicht unter Berücksichti-
            
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