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Mitteilungen des Wirtschaftlichen Vereins.
Einladung
zur Vorstandssitzung des Wirtschaftlichen Vereins
am 26. September 1927.
Der Vorsitzende unseres Wirtschaftlichen Vereins, Herr
Dr. Max von Vopelius, Sulzbach, hat auf Montag,
den 26. September 1927, vormittags 10% Uhr,
eime im Sitzungssaale des Hauses Saarindustrie, Königin-Luisen-Straße
33, stattfindende Vorstandssitzung anberaumt.
Nachstehend. geben wir die vorläufig festgesetzte
Tagesordnung wieder:
1. Vorbereitung der Oktoberverhandhingen über die Saarzollfrage.
i
2 Revision des saarländischen Steuer,
rechts.
Das Saarkohlenproblem.
Verkehrs- und Tariffragen.
5. Kreditfragen,
6. Verschiedenes,
Wir bemerken zu Punkt 2 der Tagesordnung, daß eine
:ingehende Aussprache über das Pi des saarlänlischen
Steuerwesens und über seine Revisionsbedürftigkeit
;m ganzen Aufbau und in den Einzelheiten geplant ist. Es
ırscheint nach den bisherigen Erfahrungen notwendig, nicht
ıur jeweils einzelne Wünsche ‘herauszugreifen, sondern die
\ngelegenheit umfassend und grundlegend zu betrachten.
Mit Rücksicht auf den breiten Raum, den die Verhandlungen
iiber diesen Punkt der Tagesordnung beanspruchen, ist die
Tagesordnung im übrigen nicht mit umfangreichem Beratungsstoff
belastet.
Verein zur Wahrung der gemeinsamen
wirtschaftlichen. Interessen im Saargebiet.
Der Generalsekretär: Lütke.
Wirtsche
Die Entwicklung
der lothringischen Montanindustrie.
Ein Ueberblick über die Entwicklung der lothringischen
Montanindustrie in den letzten Jahren zeigt einen unverkennbaren
Aufschwung. Die drei Hauptzweige des lothringischen
Bergbaues, Kohlen-, Erz- und Salzgewinnung, haben im
Jahre 1926 ihre Aufwärtsentwicklung fortsetzen können. Die
Ausbeute erstreckt sich auf drei Konzessionen für Kohlengruben,
29 Konzessionen für Erzgruben und 15 Konzessionen
für Salzgewinnung. Eine Liquidation der noch unter Sequester
stehenden Konzessionen fand in 1926 nicht statt. Die Förderziffern
kegen — mit Ausnahme des Erzbergbaues — über
denen der Vorkriegszeit. Nähere Angaben darüber bringt der
Bericht des Bergbauamtes, der auf der Herbsttagung des
Generalrates des Moseldepartements vorgelegt wird. Unter
Zugrundelegung desselben und Ergänzung verschiedener
Punkte ergibt sich folgendes Bild:
Kohlenbergbau.
Die drei Kohlengruben Lothringens (de Wendel, Saar
& Mosel und La Houve) 'haben im Jahre 1926 insgesamt
5321239 t Kohle gefördert gegen 5279916 t im Jahre 1925.
Die Förderung erreichte damit 140 Prozent
der Vorkriegsproduktion von 1913. Die Nachfrage
nach Kohlen war dermaßen stark, daß die
Betriebe Mühe ‘hatten, allen. Aufträgen gerecht zu werden.
Die Förderung wurde zır 48,3% in Elsaß-Lothringen selbst
abgesetzt, zu 39,8% iin Innerfrankreich und zu 11,9 % im
Ausland, Im Jahre 1925 betrug der Anteil des Auslandes
15,5%, der Rückgang der Ausfuhr dürfte auf den durch den
englischen. Bergarbeiterstreik verursachten erhöhten Brennstoffbedarf
Frankreichs zurückzuführen sein. Die Preise
sind im Laufe des Jahres bedeutend gestiegen. Sie
erreichten 161 Fr. pro Tonne für die beste Sorte gegen
111,50 Fr. zır Beginn des Jahres und 123 Fr. pro Tonne
für die billigste Sorte gegen 75,50 Fr. zw Beginn des Jahres.
Die Kokerei der Saar- und Moselbergwerksgesellschaft
(di? einzige Zechenkokerei des Reviers) hat 152797 t Koks
erzeugt. Zu Beginn des Jahres 1927 ist eine Ammoniakfabrik
in Betrieb gesetzt worden, die täglich 10 t schwefelsaures
Ammoniak HKefert. Die elektrische Zentrale
der Bergwerks- und Elektrizitätsgesellschaft „La Houve“ in
Kreuzwald ‘hat 114308015 kW Strom erzeugt gegenüber
94 096 522 kW im Jahre 1925. Dieselbe Gesellschaft hat eine
Brikettfabrik in Betrieb genommen, die stündlich 15 t
leistet, Die lothringische Kohlenstatistik für Juli weist erstmalig
eine Briketterzeirgung von 793 t auf, In den Kohlengruben
waren zu Beginn des Jahres 1926 insgesamt 31 863
Arbeiter beschäftigt. Die Zahl. der Arbeiter sank im
Monat Jun: um 2000, weil, wie der Bericht des Bergamtes
bemerkt, die saarländischen Arbeiter infolge der geringen
Kaufkraft des Franken meistens ühre Stellem aufgaben. Am
Ende des Jahres. war die Zahl der Grubenarbeiter wieder auf
30889 gestiegen. Die durch den Abgang der Saarländer freigewordenem
Stellen wurden größtenteils durch Arbeiter aus
Polen und der Tschechoslowakei besetzt. Der Nationalität
nach setzte sich die Belegschaft wie folgt zusammen:
Franzosen (d.h. überwiegend Lothringer) 41,6 00, Saarländer,
m Lothringen ansässig 6,4 %, Saarländer, im Saargebiet ansässig,
17,2 %, Deutsche (d. h. aus dem übrigen Deutschland)
3,50, Polen 16,7 0% und andere Nationen 9,6 00. Von der
:imheimischen Arbeiterschaft abgesehen, stellen also die Saaränder
das stärkste Kontingent, doch ist die Zahl der polvischen
und tschechischen Arbeiter in ständigem Steigen
yegriffen. Die Durchschnittstagesleistung für
Jntertage- und Uebertagearbeiter belief sich mM Tag und
<opf auf 600 kg (im Saarbergbau auf 692 kg), für Untertageırbeiter
allein auf 850 kg. Im Verlaufe des AS wurden
nehrere Lohnerhöhungen bewilligt, so daß die Hauer-Ööhne
von 29,77 auf 39,44 Fr., die Schlepperlöhne von
25,46 auf 33,20 Fr. und die Löhne der Uebertagearbeiter von
20,77 auf 26,84 Fr. stiegen. Im Kohlenrevier wurden im Veraufe
des Jahres 137 Arbeiterhäuser mit insgesamt
2 Wohnungen gebaut. Es ereigneten sich 4345 Unfälle,
lenen 50 Menschenleben zum Opfer fielen. 183 Bergarbeiter
yurden schwer verletzt.
Erzbergbau,
In den Erzgruben wurden im Jahre 1926 insgesamt
7079828 t gefördert, d. h. 82% der Förderung von
‚913. Das geförderte Erz wurde zu 56% in den Hüttenwerken
Lothringens verhüttet; 383 weitere Prozent wurden
ı1ach dem Departement Meurthe-et-Moselle, nach dem Saarzebiet
und Luxemburg verfrachtet, die restlichen 8% nach
Zeigien und Deutschland. Der Preis stieg im Laufe des
Jahres von 17,50 auf 25 Fr. pro Tonne. Die Belegschaft
der Erzgruben stieg von 12333 auf 13985 Arbeiter.
Die Betriebe klagen sehr ‚über häufigen Wechsel des Perso-1als.
Die Durchschn ittstagesleistung belief sich
zuf 6,04 t pro Kopf des Untertagearbeiters und auf 4,5 t pro
Kopf der Gesamtbelegschaft, Die Löhne wurden im Erzzebiet
in demselben Maße erhöht wie im Kohlenrevier, Es
vurden insgesamt 165 Arbeiterhäuser mit 375 Wohmungen
gebaut, so daß 3350 Familien eine Unterkunft haben.
nn den Erzgruben ereigneten sich im Laufe des Jahres 10942
Jnfälle, denen 42 Menschenleben zum Opfer fielen. 116
Arbeiter wurden schwer verletzt. Der Nationalität nach
waren die im Eerzbergbau beschäftigten Arbeiter: Italiemer
26,8 %, Polen 25,8 %, Franzosen 25%, Deutsche 9,3 %,
Luxemburger 5,4% und verschiedene Nationen 7,7 %.
Salzgewinnung,
Die sieben Salinen des Moseldepartements :haben in 1926
nsgesamt 80259 t Salz gewonnen gegen 76672 t in
925. Sie wurden zu einem Durchschnittspreis von
300 Fr. pro Tonne abgesetzt. Die Salzgewinnung des Jahres
1926 'hat 104% des Jahres 1913 erreicht. Die Solvayverke
in Saaralben haben 99500 t Soda erzeugt gegen
37000 t im Jahre 1925,
Eisenindustrie,
im Zusammenhang mit der günstigen Entwicklung des
<ohlen- und Erzbergbaues hat auch die Eisenindustrie an der
viosel im Jahre 1926 einen beachtenswerten Fortschritt genacht
und ühren höchsten Fabrikationsstand seit
jem Wafliffenstillstand erreicht. Die Erzeugung an