Full text : 32.1927 (0032)

über deren Bedeutung man ja verschiedener Meinung
 sein kann, die aber nun einmal die unentbehrliche
 Voraussetzung für Gehaltszahlungen
 aller Art sind.
Erfreulicherweise mehren sich in letzter Zeit die
Stimmen, die diese gegenseitige Verbundenheit,
dieses gegenseitige Aufeinanderangewiesensein betonen.
 In der trefflich redigierten Zeitschrift der
Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände
„Der Arbeitgeber“ brachte unlängst Oberregierungsrat
 Dr.Oertel einen sehr beachtlichen Aufsatz
unter der Ueberschrift „Wirtschaft und Beamtentum‘“).


Dem Ausgleich zwischen den beiden Größen wollen
 die Oertelschen Ausführungen dienen. Das Ziel,
das ihm vorschwebt, formuliert er zum Schluß in
den ausgezeichneten Sätzen?):
„Zwischen Wirtschaft und Beamtentum kann von Gegensatz
 keine Rede sein,
Vielleicht ist dies Ziel fern, aber Utopie ist es nicht.
Warum sollte es denn unmöglich sein: auf der einen Seite
eine Wirtschaft, ‚die alle stahlharte Energie, allen kühlen
Scharfblick und allen erdumspannenden Unternehmungsgeist
spielen läßt, deren einzelne Betriebe sich gelegentlich an den
Schranken des Gemeinwohls stoßen und auch darüber murren
mögen, die aber in ihrer Gesamtheit, in ihren führenden
Köpfen, sich als Teilgebiet, wenn auch noch so wichtiges, der
nationalen Kulturgemeinschaft fühlt und sich in diese Aufgabe
 bewußt und gewollt eingliedert; und die in dem Gewinn
Ihrer Arbeit nicht die Möglichkeit zu müßigem und plattem
Genießen schätzt, sondern das Mittel und den Ansporn, ihn
in rationale Kulturwerte umzusetzen und zu veredeln!
Und auf der anderen Seite ein Beamtentum, durchdrungen
von dem Bewußtsein, daß es keineswegs selbst das Leben der
Nation bedeutet, sondern nicht mehr tun kann, als nach
seinen besten Kräften mit modernster Technik diesem Leben
zu ungestörtem Gang zu verhelfen und für jeden bescheidenen
Einzelfall seines Tuns als letzten Blickpunkt die Frage zu
fühlen, mehr als zu denken: wie dient das der Verwirklichung
der nationalen Idee?
In diesem Sinne sind Wirtschaft und Beamtentum nur
zwei Rosse desselben Gespanns, den Wagen des deutschen
Schicksals aus dunkler Nacht zum hellen Morgen hinauszuführen.“

Schmerzlich ist freilich das Echo, das diese Ausführungen
 in der Zeitschrift des Deutschen Beamtenbundes
 gefunden haben’). Dort schreibt in
einem Leitartikel unter gleicher VUeberschrift
Dr. August Müller, der einst an der Spitze
des Reichswirtschaftsministeriums stand:
„Man soll sich darüber nicht täuschen, daB selche theoretische
 Untersuchungen keinen großen praktischen Erfolg
haben können. Einmal wurzelt der Gegensatz zwischen Wirtschaft
 und Beamtentum in elementaren Entwicklungsformen
unserer Zeit: im Gegensatz zwischen Privatwirtschaft und
zunehmender sozialer und wirtschaftlicher Staatstätigkeit.
Dieser Gegensatz bedingt es, daß manchmal der Beamte
geprügelt, aber der Staat gemeint wird. Es ist
ganz selbstverständlich, daß die Beamten bei diesen Auseinandersetzungen
 auf der Seite des Staates stehen, nicht nur,
weil ste Beamte sind, sondern weil ihre allgemeinen würtschaftlichen
 und sozialen Interessen, ihre Eigenschaft als
Lohn- und Gehaltsempfänger sie in eine Reihe mit den
übrigen Verbrauchermassen zusammenschließt, deren Bedürfnisse
 einer der Hauptgründe für die erweiterte Staatstätigkeit
 ‚abgeben, Solche Gegensätze müssen durch die tatsächliche
 Entwicklung entschieden werden, Unterhaltungen
darüber, und seien sie noch so geistreich und objektiv, können
zwar den Ton der Auseinandersetzungen beeinflussen, die
gegensätzlichemn Anschauungen selbst aber nicht aus der Welt
schaffen. Es ist aber schon ein Gewinn, wenn man sich sachlich
 über diese Dinge ausspricht. Wenn in Zukunft an die
Stelle des Versuchs, mit Machtmitteln der Beamtenfrage eine
der Wirtschaft genehme Richtung zu er-41)

 „Der Arbeitgeber“, 17. Jahrg., Nr. 1 vom 1, Jan. 1927.
2) In dem folgenden Zitat sind einige Worte des Originals
gestrichen worden, die sich lediglich auf den dortigen Zusammenhang
 gründen,
3) 11. Jahrgang Nr. 16 vom 25. Februar 10927,

zwingen, das Streben nach einer Kompromißlösung
treten sollte, über die man sich unterhält, so würde sicherlich
 die Beamtenschaft eine solche Wandlung der Methoden
der Wirtschaft begrüßen,“
Besteht wirklich dieser als unabänderlich bezeichıete
 Gegensatz? Muß der Beamte, weil er Verbraucher
 ist, Anhänger einer um jeden Preis vermehrten
 Staatstätigkeit sein? Ist Staatsidee identisch
 mit Sozialisierung? Liegt es‘ wirklich
schlechthin im Verbraucherinteresse, daß die
Staatstätigkeit immer mehr erweitert und durch zu-1ehmende
 Belastung eine Entfaltung der Produkxjon,
 die in erster Linie im Interesse eben der
Verbraucher hegt, gehemmt wird?. „Einseitig
beurteilt und schief gesehen!“ ist die Note für die
Mülhlerschen Ausführungen, die weniger an sich bedauerlich
 ‘sind (es handelt sich ja schließlich um
Dr. Müllers Privatmeinung), sondern in erster Linie
wegen der Stelle, an der sie in gewissermaßen
»rogrammatischer Aufmachung erschienen sind.
Vielfach ist das schlimme Wort von „Beamtenıetze‘‘
 gebraucht worden; man könnte dem mit
rleichem Recht das Wort „Wirtschaftshetze‘“ geiberstellen.
 Am besten aber sollte beides vermieden
verden. Das Heil des Beamtentums liegt wahrlich
ıcht in bewußter Isolierung und in bewußter Herıusarbeitung
 von Gegensätzen zwischen ihm und
ıilcht unwichtigen anderen Gliedern des Volkes. Je
enger vielmehr das Beamtenschicksal
mit dem Schicksal der anderen Volksgenossen
 verkettet wird, um so besser
für den Beamten, um so besser für die
Gesamtheit.
Es ist darum auch töricht, wenn der gleiche Ver-Ddand
 und die gleiche Zeitschrift sich in einem Sinne
äußert wie etwa am 23. Oktober 1926, wo es hieß:
„Die Beamtenschaft muß es ablehnen, ihre Be-;oldungsentwicklung
 dem negativ wirkenden Einfluß
privatwirtschaftlicher Interessenvertreter unterstellt
zu sehen.“
Mit Verlaub! Eine solche „Ablehnung“ ist, höflich
 ausgedrückt, eine Anmaßung. Die Frage
des deutschen Berufsbeamtentums ist
eine nationale Angelegenheit, ihr Besoldungsproblem
 eine Angelegenheit
aller; der Deutsche Beamtenbund sollte eine
solche Einstellung nicht bekämpfen, sondern bezrüßen.
 Und ebenso wie jeder andere Staatsbürger
haben auch Angehörige der Wirtschaft nicht nur das
xecht, sondern auch die Pflicht, sich. eine Meinung
iber diese Dinge zu bilden und sie zu äußern.
'st sie nach Meinung anderer irrig, so suche man sie
mu berichtigen; aber man verschiebe nicht die Sachage.
 Und über allen Auseinandersetzungen sollte
stets eine Erkenntnis walten: Auf dem Wege
rzegenseitiger Verständigung werden beide
Teile, sowohl Beamtentum wie Wirtschaft, besser
fahren als mit gegenseitiger Bekämpfung.‘

Heckel£ NonweilerG.m.b.H.
Saa7- rücken
Fernsprecher; 78, 42%6, 4.7 — Gegründet 1870
Fabrik für gelundheitstechnilche Anlagen
Zentralheizungen — Sanitäre Einrichtungen
Gas-, Wasser- und Dampfleitungen — Be- und
Entwässerungen — Mechanische Werkstätte
Autogene Schweißungen,
            
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