Full text : 32.1927 (0032)

Hand eingehenden Zahlenmaterials gemachten Darlegungen
der verschiedenen Sachreferenten gaben ein klares und um
Fassendes Bild der von der Eisenbahndirektion des Saarge
bietes im Jahre 1926 entfalteten Tätigkeit. Sie ließen er
kennen, daß es der Eisenbahnverwaltung trotz mannigfache
Schwierigkeiten auch im verflossenen Jahre gelungen ist
den gegenüber dem Vorjahre nicht unwesentlich gesteigerter
Verkehr im allgemeinen reibungslos abzuwickeln.
Von Interesse dürfte in diesem Zusammenhang die Mitteilung
sein, daß die Eisenbahndirektion, dem Vorbild anderer Ver
waltungen folgend, sich entschlossen hat, künftig durch regelmäßige
 Berichte die Oeffentlichkeit über die
Verkehrsentwicklung und die Betriebsergebnisse auf den Saarbahnen
 zu unterrichten. Seitens der Vertreter der Wirtschaf
wurden im Anschluß an die Berichte der Verwaltung ver
schiedene Anregungen und Wünsche vorgetragen. Im Mittel
punkt dieser Wünsche mußte selbstverständlich die Forderung
nach einer baldigen und fühlbaren Senkung der Tarife
stehen, da, wıe allgemein bekannt, die Wirtschaft durch die
gegenwärtige Höhe insbesondere der Gütertarife in ihrer
Wettbewerbstätigkeit außerordentlich beeinträchtigt wird. Naturgemähß
 konnte die Besprechung, die ja in erster Linie
unterrichtenden Charakter trug, eine Klärung dieser überaus
bedeutungsvollen Frage noch nicht bringen. Allgemein durften
jedoch die erschienenen Vertreter der Wirtschaft aus der Besprechung
 die Ueberzeugung mitnehmen, daß die Eisenbahndirektion
 nach wie vor aufs nachdrücklichste bemüht ist, den
Bedürfnissen der Wirtschaft nach Möglichkeit zu entsprechen
und die aus den besonderen Verhältnissen des Saargebietes
erwachsenen Schwierigkeiten in engster Arbeitsgemeinschatt
mit der Wirtschaft zu überwinden.

Hinsichtlich des Verlaufs der Sitzung im einzelnen und der
von der Eisenbahnverwaltung gemachten Mitteilungen dürfen
wir auf die in unserer nächsten Nummer zur Veröffentlichung
 gelangende Niederschrift verweisen, deren Lektüre,
 insbesondere auch im Hinblick auf das hierin enthaltene
 statistische Material, allen Wirtschaftskreisen auts
anvyelerentliichste empfohlen werden kann.

Verschiebung der Gütertarifreform
der deutschen Reichsbahn.

Der Verwaltungsausschuß der deutschen Eisenbahnen, der
aut Veranlassung der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft
 von der Ständigen Tarifkommission im
Jahre 1924 zur Prüfung der Neuregelung des Normalgütertarits
 eingesetzt wurde, hat das Ergebnis seiner Untersuchungen
 in einer Denkschrift zusammengetaßt, die am
20. und 21. Januar d. Js. in der Sitzung der Ständigen
Tarifkommission und des ihr beigeordneten Ausschusses der
Verkehrsinteressenten zur Beratung stand. War schon beim
Bekanntwerden der Denkschriftt wenig Hoffnung vorhanden,
daß einschneidende Frachtermäßigungen mit der neuen Tarifreform
 verbunden sein würden, so hat das Ergebnis der
Beratungen der Ständigen Tarifkommission die Möglichkeit
ırgendwelcher Tariferleichterungen in weite Entfernung gerückt.
 Der Verwaltungsausschuß der deutschen Eisenbahner
hat folgende Vorschläge zur Beratung gestellt:
I. Die gegenwärtig vertikale Staffelung der Streckensätze
unverändert beızubehalten.
Zwischen den Klassen D und E und E und F je eine
neue Klasse einzuschieben und die horizontale Staffel der
Frachtsätze unter Senkung der Verhältniszahl der Klasse
A von 100 auf 97 wie folgt festzusetzen:
AP SA DM EZ FF
N 82 68 55 45 36 31 26
oder in Prozentzahlen .... 100 85 70 57 426 27 32 27
(ermäßigter Frachtsatz der Klasse A = 100.)
3. Für die Bildung der Nebenklasse folgender Zuschläge
zu den ausgerechneten Frachtsätzen der jeweiligen Hauptklasse
 festzusetzen:
Nebenklasse 10 Tonnen.
A B C D D1 E E1 F
{%%o 7°%o 10% 15% 20°% 20°% 25% 25%
Nebenklasse 5 Tonnen.
A B C D DIE EI
25° 0 25°%0 35% 45% 55% 55% 60% 0
Die Zaht der Stückgutklassen unverändert zu lassen
und, ihre Verhältniszahlen, wie nachstehend, festzusetzen:


in Punkten 150 120 97
in Prozentzahlen 154,6 123,7 100
oder abgerundet 155 124 100
5. Die horizontale Staffelung der Abfertivungsgebühren wir
folgt zu gestalten:

IN ABC DD EELF
in Verhältniszahlen .... 160 160 100 9% 80 70 65 60 55 50
in Pfg. für 100 kg .... 32 32 2u 18 16 14 13 12 11 10
6. Die Wiedereinführung ermäßigter, Abfertigungsgebühren
ım Nahverkehr abzulehnen.

7, Die Frachtberechnung beı Eilgut in Wagenladungen künftig
 so zu regeln, daß für alle nicht der ermäßigten
Eilgutklasse angehörenden Güter die Fracht für das
doppelte Gewicht nach den Sätzen der für das Out
zutreffenden Tarifklasse — mindestens aber der Klasse
N — zu berechnen ist

Nach den Mitteilungen der ‚„Industrie- und _Handels-Zeitung‘‘
 haben die Vertreter der Wirtschatt übereinstimmend
Jer Meinung Ausdruck gegeben, daß beı der gegenwärtigen
Wırtschaftslage Tariferhöhungen und Erschwerungen, wie sie
als finanzieller Ausgleich für auf der anderen Seite gevährte
 Erleichterungen vorgeschlagen worden sind, von der
Wirtschaft zur Zeit nicht übernommen werden können. Bei
jieser Einstellung der Vertreter der Wirtschaft konnten mit
zücksicht aut die finanzielle Lage der Reichsbahn, die die
Jebernahme von Auställen nicht zuläßt, die Aenderungsvorschläge
 der Denkschrift, die im wesentlichen auf einer Umzruppierung
 der Lasten aufgebaut waren, keine Billigung
Hinden. Im Verkehrsausschuß kam hierbei von verschiedenen
Seiten zum Ausdruck, daß mit Rücksicht aut die noch nicht
zenügende Festigung der deutschen Wirtschaft der Zeitpunkt
Für einegrundlegende Tarıfreform noch nicht
zekommen sei. Zur Frage der Entfernungsstaf-Fe}
 ıst beschlossen worden, von der Wiedereinführung des
reinen Kilometertarifs abzusehen, die gegenwärtige
zertikale Staffel unverändert zu lassen, solange eine
Aenderung nur durch Belastung an irgendeiner Stelle des
Farifes erreicht werden kann. Im übrigen hat es die Verıammlung
 für zweckmäßig gehalten, zur Zeit von einer
\enderung des Tarifsystems, auch soweit sie etwa ohne finanzielle
 Ausfälle durchzuführen wäre, vollständig abzu-;ehen.
 Die Versammlung ist vielmehr in eine Erörterung
»ingetreten, ob etwa unter Benutzung der in der Denkschrift
zegebenen Anregungen die Prüfung des Tarifsystems aut
jreiterer Grundlage als bisher geschehen, vorzunehmen Sei.
Dabei nahm die Frage einer Entlastung der Nahent-’ernungen
 einen besonders breiten Raum ein. Ein Arbeits«
ıausschub aus Vertretern der Eisenbahnverwaltungen und des
Verkehrsausschusses wurde beauftragt, im Einvernehmen mit
lien bereits von den verschiedenen Gruppen der Verkehrsnteressenten
 — Deutscher Industrie- und Handelstag, Reichs-‚erband
 der deutschen Industrie, Deutscher Landwirtschaftsrat
— eingesetzten Ausschüssen Vorschläge über die Aenderung
des Tarifsystems auszuarbeiten, die einer späteren Sitzung
der Tarifkommission unterbreitet werden sollen.

Frachtberechnung für Kartoffeln als Frachtgut
auf den französischen Bahnen.

Bei der Prütung der Frachtbriefe über Kartoffelsendungen.
lie über französische Strecken befördert werden, ist festzestellt
 worden, daß in Kreisen der Verfrachter noch Un-<larheit
 darüber besteht, in welcher Form Kartoffeln im
Frachtbriet zu bezeichnen sind, um die zutreffende Frachtberechnung
 zu erzielen. Wir bringen darum nachstehend
die Tarifauslegungen der französischen Bahnen zur Unterrichtung
 der Verfrachter zum Abdruck.

Kartoffel und „Neue Kartoffel“ gelten nach dem Handelsbrauch
 als zweı von einander verschiedene Erzeugnisse; diese
beiden Erzeugnisse sind daher mit verschiedenen Tarifierunger
ın der Allgemeinen Güterklassifikation aufgenommen.

Der Absender ist verpflichtet anzugeben, unter welche
lieger beiden Bezeichnungen die aufgegebene Sendung fällt:
die Eisenbahn ıst ihrerseits berechtigt, die Richtigkeit diese:
Angaben nachzuprüfen.
Wird eine Sendung mit der Bezeichnung „Kartoffel“ (ohne
nähere Bezeichnung) als Frachtgut aufgegeben, so erfolgt
die Beförderung:
            
Waiting...

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