Full text : 32.1927 (0032)

AR

Frankreich.
Zur Entwicklung
der französischen Maschinenindustrie,
Das Bureau of Foreign and Domestic Commerce in
Washington brachte kürzlich einen sehr unmfangreichen und
ins einzelne gehenden Bericht über die französische Maschinenindustrie
 und den Außenhandel Frankreichs in
Maschinen. Der Bericht läßt deutlich erkennen, daß Frankreich
 alle erdenklichen Anstrengungen macht, nicht allein
Selbstversorger in Maschinen, sondern darüber hinaus auch
Großexporteur zu werden,
Die französische Maschinenindustrie hat gegenüber den
Vorkriegsjahren einen ganz gewaltigen Aufschwung genommen.
 Der Goldwert der Industriemaschinenproduktion belief
sich wertmäßig auf 45 Millionen Dollar im Jahre 1913,
dagegen 1926 auf rund 119,9 Millionen Dollar. Die Werkzeugmaschinenproduktion
 allein stieg von 2171 600 Dollar im
Jahre 1913 auf 7081660 Dollar, Sie hat sich also nahezu
vervierfacht. Gegen Ende des Jahres 1926 erlitt die französische
 Maschinenindustrie infolge der Frankenkurssteigerungen
 wohl einen Rückschlag. Der Auftragseingang stockte,
hauptsächlich weil die Frankenkurserhöhungen schneller voran:
schritten, als die Preisverbilligung folgen konnte. Im ersten
Halbjahr 1926 erhöhten sich zunächst infolge der Frankenabschwächung
 die französischen Maschinenpreise um 35 bis
70%; im zweiten Halbjahr führte die umgekehrte Devisen:
kursentwicklung zu einer Höherbewertung des Franken um
60%, während die Preise für Maschinen nur um durchschnittlich
 20 0% fielen. Hier muß allerdings bemerkt werden,
daß während des Frühjahrs 1926 die französischen Notierungen
 für Maschinen um 30 bis 40% unterhalb der Welt-Marktpreise
 lagen, während Ende 1926 eine Uebertewerung
der Maschinenpreise festzustellen war,
Die Ausfuhr an Maschinen betrug 100191 t im Jahre 1926,
die Einfuhr 72340 t. Im Jahre 1913 bezifferte sich der
französische Maschinenexport auf nur 27343 t, die Einfuhr
noch auf 126294 t. Trotz dieser Verminderung des Importes
 gegenüber der Vorkriegszeit war der Konkurrenzkampf
 auf dem französischen Markte im verflossenen Jahre
ziemlich scharf. Im einzelnen zeigt die Einfuhr aus den
verschiedenen Lieferländern folgende Verschiebung (alles in
metrischen Tonnen):

1913 1924 1925 1926
ULS.A, 7425 5 4543 13 308
England 33 014 72 771651 14 834
Deutschland 58 430 79 16.057 20 459
Belgien 18 043 >70 11629 10 287
Schweiz 6820 7 459 7027 5 435
Uebrige Länder 2554 6 930 3927 8117

Der Anteil Deutschlands an der gesamten Einfuhr erhöhte
sich in der Zeit von 1923 bis 19269 von 22 auf 28,2%. Im
Jahre 1913 betrug der deutsche Anteil 46,2 %,. Trotz diesem
enormen Rückgang steht Deutschland ‘heute noch, sowohl
wertmäßig wie auch gewichtsmäßig betrachtet, als Maschinenlieferant
 an der Spitze. — Der Wert der Einfuhr aus der
Union betrug 1926 pro Tonne 540 Dollar, aus der Schweiz
485 Dollar, ferner aus England 435 Dollar und 390 Dollar
aus Deutschland, so daß also die Union im wesentlichen
hochwertige, Deutschland aber billige Maschinen lieferte. —
Amerika hat von 1925 bis 1926 eine. Verminderung seines
Einfuhranteils an dem französischen Gesamtimport von 18,9
auf 18,40% zu verzeichnen. Hält man dem gegenüber, daß
die Friedensquote nur 5,9% betrug, so ergibt sich, daß
bei einer nahezu 50prozentigen deutschen Einfuhrverminderung
 es den amerikanischen Maschinenfabriken gelungen ist,
ihre‘ Ausfuhr nach Frankreich um 300% zu steigern, —
England hat neben Luxemburg-Belgien die verhältnismäßig
geringste Veränderung seines Einfuhranteils aufzuweisen. 1913
betrug‘ derselbe 26,1 %, 1925 29,3 % und fiel dann im folgenden
 Jahre auf 20,5%, was in erster Linie auf die Auswirkung
 des englischen Kohlenstreikes zurückzuführen ist.
Der Verlust kam während. der Streikperiode anscheinend der
deutschen Industrie zugute. Zur genaueren Uebersicht soll
nachstehende Tabelle den Goldwert der Einfuhren veranschaulichen:

Herkunftsländer:

1925
(Dollar)
6 561 000
9 766 000
6 09 900
3 16 08
2920 007
„1.786.000
20 7:16 000

1926
(Dollar)
134 000
= N00
2.000
DO
„5 100
2 270 000
X 2370 A000

Deutschland
England
U,S.A.
Schweiz
Belgien
Andere Länder

A

nscesamt-Bei

 einem Vergleich der für 1925 und 1926 in Dollarwert
‚usgedrückten Einfuhren mit den Wertziffern für 1913 läßt
‚ich immerhin eine noch 20prozentige Verminderung der
'ranzösischen Maschineneinfuhr gegenüber der Vorkriegszeit
'eststellen, selbst bei Nichtberücksichtigung der Steigerung
ijer Weltmarktpreise gegenüber 1913.
Der Ausgang der deutsch-französischen Vertragsverhandungen
 wird in erster Linie für die Frage mitbestimmend
sein, ob es Deutschland möglich sein wird, seine Stellung
ıls wichtigster Lieferant des französischen Maschinenmarktes
auch fernerhin zu behaupten. Erfreulich wäre es jedenfalls,
jesonders auch für die saarländische Wirtschaft, wenn der
teutsche Einfuhrquotenanteil, der sich im Vorjahre gegen
925 schon bedeutend gehoben ‘hat, allmählich wieder an
len Friedensstand herankäme. Es wäre im übrigen jedoch
ınrichtig, wollte man das deutsche Maschinengeschäft nach
?rankreich schon im Augenblick als günstig bezeichnen,
an muß vor allem in Betracht ziehen, daß sich die fran-‚ösische
 Maschinenindustrie gegen die deutsche Einfuhr selbst
auf Reparationskonto wehrt und dann weiter berücksichtigen,
jaß auch die amerikanischen Firmen durch die Errichtung
xgener Werke in Frankreich immer mehr in die engere
<onkurrenz eingeschaltet werden.

Vom französischen’ Moselkanalprojekt.
Eine Verfügung des Präfekten des Moseldepartements
rdnet die Eröffnung einer Enquete über das Projekt der
Moselkanalisierung in der Zeit vom 15. August bis 16. Sepember
 an. Die Feststellungen sollen sich erstrecken auf die
Canalisierung der Mosel zwischen Metz und Diedenhofen,
lie Errichtung einer Verbindungsbahn zwischen dem Orne-1afen
 und den Rombacher Hüttenwerken und’ einer Ab-‚weigung
 von Hagendingen zum Moselkanal. In Diedenhofen
st man übrigens mit dem projektierten Kanalverlauf nicht
zufrieden, da der Kanal vor den Toren der Stadt endigen
‚oll. Die Bürgerschaft verlangt, daß der Kanal durch die
Stadt hindurchgeführt wird und hat bei den in Frage kommenden
 Stellen diesbezügliche Schritte unternommen. Ob
tjiese Erfolg haben, erscheint freilich sehr zweifelhaft,

Handelspolitische Rundschau.
Brasilien.
Elektrifizierungspläne.
Die Nachfrage nach elektrischen Ausrüstungsartikeln ist in
ten letzten Jahren im Brasilien zufolge des in Angriff ge-10mmenen
 Elektrifizierungsprogramms ständig im Steigen bezriffen;
 der gute Ruf, den die Erzeugnisse der deutschen
Elektrizitätsindustrie in der ganzen Welt ‘haben, ‘hat trotz
scharfer amerikanischer und englischer Konkurrenz zahlreiche
Zestellungen eingebracht. Besonders gesucht sind Dynamos,
Transformatoren, Kabel, Generatoren, große Drehstrommoto-‚en
 und Beleuchtungsartikel. Nach -den letzten statistischen
Zrhebungen nahm Deutschland in der brasilianischen Einfuhrtatistik
 für elektrische Erzeugnisse unter den Haupteinfuhrändern
 die zweite Stelle ein. Großbritannien exportierte
Zektroartikel im Werte von 2093456 Milreis, Deutschland
446999 - Milreis und die Vereinigten Staaten von Amerika
ı 381 796 Milreis. Unter Berücksichtigung des Umstandes, daß
lie USA. und Großbritannien finanziell an den bestehenden
Zlektrizitätsgesellschaften stark interessiert sind, ist die anteilsnäßige
 Beteiligung Deutschlands besonders ‘hoch einzuschätzen.

ltalien.
Goldzollaufgeld. .
Das Goldzollaufgeld beträgt in der Zeit vom 15. bis
21. August 255 %,
Polen.
Absatzmöglichkeiten für elektrische Maschinen.
Gegenwärtig besteht in Polen eine recht lebhafte Koniunktur
 für elektrische Maschinen, die vorwiegend aus dem
Auslande bezogen werden, zumal die polnische. Fabrikation
ehr gering ist und lediglich 15000 bis 20000 Leute beschäftigt.
 Namentlich kommen gegenwärtig für den Import
Maschinen mit über 1000 PS in Frage, aber auch für
zleinere Macchinen sind die Absatzmöglichkeiten deshalb gut
            
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