Full text : 32.1927 (0032)

größerem Umfang in die Wege geleitet hat. Desgleichen
hat die Regierungskommission durch Erstellung von Beamtenwohnhäusern
 zur Linderung der Wohnungsnot in etwa
beigetragen, Die Tätigkeit der Kreise wie der Gemeinden
des Saargebietes auf diesem Gebiete 'hat ebenfalls einige Fortschritte
 gezeitigt.
Es ist zu begrüßen, daß grundsätzlich die Ausführung der
Bauten der Siedlungsgesellschaft nicht mehr in eigener Regie.
sondern durch das Unternehmertum vorgenommen wird,
Lediglich die Finanzierung und Oberleitung liegt in Händen
der Kommunen bzw. des Staates.
Solange die Wohnungszwangswirtschaft und die gesetzliche
Mietpreisfestetzung beibehalten wird, kann die Finanzierungs:
frage nur von seiten des Staates (Gemeinden) gelöst werden.
Die öffentliche Hand muß langfristige Gelder zu ermäßigtem
Zinsfuß zur Verfügung stellen, da die Behebung der Wohnungsnot
 in erster Linte in öffentlichem Interesse liegt.
Die Stadt Saarbrücken hat in ähnlichem Sinne bereits
eine Zinszuschußordnung mit dankenswerter Unterstützung
der „Rheinischen Wohnungsfürsorge Gesellschaft“ erlassen.
Wenn davon nicht in dem erhofften Ausmaß Gebrauch gemacht
 wurde, so lag das vor allem an der Kompliziertheit
der Bestimmungen und an der Beschränkung der rein Verfügung
 des Bauherrn, Eine neue Bearbeitung der Zinszuschuß-Ordnung
 der Stadt Saarbrücken wurde im Frühjahr
1927 vorgenommen. Zu fordern war vor allem Kürze und
Leichtverständlichkeit der Bestimmungen. Für den praktischen
Erfolg ist unumgängliche Voraussetzung, daß dem Bauherrn
möglcihst freie Hand gelassen und ein Gewinnanreiz gegeben
wird, Dabei ist insbesondere anzustreben, daß die Zuschüsse
jedermann gewährt werden, das heißt Beamten, Gewerbe:
treibenden und Unternehmern, — Für den Ausfall durch
das Darniederliegen des Wohnungsbaumarktes hatte das saarländische
 Baugewerbe im Jahre 1926 keinen Ersatz auf
anderen Gebieten. Die Bauten der Grubenverwaltung waren
auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Die saarländische Industrie
gab dem Baugewerbe ebenfalls nur geringe Beschäftigungsmöglichkeiten.
 Jedoch sind hier die Aussichten für das Jahr
1927 besser durch die im Rahmen der Rationalisierung
notwendigen Bauarbeiten. Eine gewisse Entlastung stellten
die Straßenbauten in Stadt und Land dar, die einen größeren
Umfang annahmen. Zu fordern ist, daß die Kommunal
betriebe ihre Bautätigkeit in eigener Regie auf ein Mindest:
maß beschränken und benötigte Bauarbeiten auf dem Wege
der Ausschreibung vergeben.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß das saarländische
Baugewerbe im Jahre 1926 eine bedauerlich geringe Beschäftigungsmöglichkeit
 aufzuweisen hatte. Die Folge davon
war ein harter Konkurrenzkampf, der insbesondere bei öffentlichen
 Submissionen zu Preisen führte, die keinen Nutzen zuließen,
 ja vielfach kaum die Selbstkosten zu decken vermochten.
 Die vom Verband ‘herausgegebenen Richtpreise
wurden häufig in einer Weise unterboten, daß man dies bedauer
 muß, und zwar weil im Grunde dabei jeder Sinn
für Zusammenarbeit und Gemeinschaftsgeist fehlt. Hier spielt
offenbar auch die Tatsache eine Rolle, daß die Ausscheidung
der durch die Inflation ‚emporgekommenen Unternehmungen
im saarländischen Baugewerbe noch nicht ihr Ende erreicht
hat

C. Die Lage des Arbeitsmarktes.
Die Lage am Arbeitsmarkt war verhältnismäßig günstig.
Durch die geringe Beschäftigung des saarländischen Baugewerbes
 war die Nachfrage nach Facharbeitern verhältnismäßig
 unerheblich, so daß der Bedarf aus den reichsdeutschen
Nachbargebieten gedeckt werden konnte. Trotzdem ist nach
wie vor der Heranziehung und Ausbildung von Lehrlingen
— besonders im engeren Baugewerbe — erhöhte Bedeutung
zuzusprechen.
) Die. Entschädigung der Lehrlinge ist nach wie vor in
Höhe des Lohnes gleichaltriger Bauhilfsarbeiter beibehalten
worden, um den notwendigen Anreiz zur Erlernung des
Baugandwerks zu bieten,
Der Verband war mit Erfolg bemüht, die Einreisegenehmi:
gung für Baufacharbeiter von dem Arbeitsamt der Regie
rungskommission zu erwirken, Wir müssen jedoch auf eine
negere Inanspruchnahme des amtlichen Arbeitsnachweises hinweisen,
 damit brauchbare Arbeitskräfte, die hier ansässig sind.
in ‚erster Linie berücksichtigt werden.
Im Gegensatz zu früheren Jahren waren im Holzgewerbe
durch die schlechte Konjunktur Arbeitskräfte genügend vor:
handen. Gegen Ende des‘ Jahres war sogar hier eine erhebliche
 Zahl von. Arbeitslosen zu verzeichnen.
D. Die Lohnbewegung. . .
‚Das Jahr 1926 brachte für das Baugewerbe den im Vor:
jahre entstandenen Lohnkampf zum Abschluß, Danach wurde
während des” ganzen Jahres der Friede im saarländischen
Baugewerbe aufrechterhalten. Durch. Verhandlungen mit. den

‘bewerkschaften wurden die Löhne den Erhöhungen deı
„ebenshaltungskosten angepaßt unter Berücksichtigung deı
Verhältnisse in den Nachbargebieten. Durch die Arbeitslosigkeit
 äm Reich und die geringe Beschäftigung im Saargebiel
war stets ein genügendes Angebot von Arbeitskräften vorı1anden.
 Wenn trotzdem im Laufe des Jahres ‚eine Erhöhun
ler Bauarbeiterlöhne von 4,60 Fr. je Stunde (im Januar)
zuf 6,10 Fr. (im Dezember) stattgefunden hat, so ist dies
auf die eingetretene Erhöhung der Lebenshaltungskosten
murückzuführen,
Die Teuerungszahlen der Stadt Saarbrücken nahmen fol
genden Verlauf:
Teuerungs-Index und Lohn für das Jahr 1926:
Gesamt-‚lebens-
 Maurer N hn Steigerung
des Maurer | pilfsarbr,
Jamıar 191,4 4,90 3,40 6 %
*ebrual 495,8
März 504,3
April 518,5
Mai 551,4
Tau 573,7
Juli 612,2
August 651,2
September 659,5
Oktober 688,9
November 678,5
Dezember 652.0

ZT 3

E. Tarifentwicklung.
Wir betrachten den abgelaufenen Tarifvertrag im engeren
3augewerbe sowie der metallverarbeitenden Gruppen still-;chweigend
 als weiterbestehend, Im Schreinergewerbe läufı
der Tarifvertrag im Frühjahr 1927 ab.
Die Kündigungsfristen gaben des öfteren Anlaß zu ge:
verbegerichtlichen Klagen. Wir mußten daher unsere Mitglieder
 wiederholt darauf hinweisen, daß bei Einstellung
von Arbeitern der Tarifvertrag zum Bestand des individuellen
Arbeitsvertrages zu machen st.
F. Rückblick und Ausblick.
Wenn wir auf das Jahr 1926 zurückblicken, so müssen
wir leider feststellen, daß trotz andauernder Wohnungsnot
ier Baumarkt nach wie vor darniederliegt. Gegenüber einer
zestiegenen Zahl von Bauunternehmungen hat sich der Auf-:ragsbestand
 gegen die Friedenszeit nicht erweitert, Die Ausvirkungen
 der Wohnungszwangswirtschaft wurden durch die
ıllgemeine Wirtschaftskrise noch verschärft.
Für das Jahr 1927 besteht die Aussicht auf teßweise
„ockerung der Wohnungszwangswirtschaft im Saargebiet.
Wird gleichzeitig der Mietpreismultiplikator entsprechend ge-;teigert,
 so wird ein Anreiz zum Bauen geschaffen. Daneben
werden alsdann Reparaturarbeiten vorgenommen, die ‘heute
us Mangel an Geldmitteln unterbleiben. Die Frage des
Angleiches der Mietpreise der alten Wohnungen an die
Mietpreise in Neubauten muß in irgendeiner Form aufgegriffen
 und gelöst werden. Trotz bestehender Schwierigseiten
 ist das Problem befriedigend zu lösen, wenn man sich
andlich frei macht von der allzu großen Rücksichtnahme auf
lie Mieterinteressen, Anzustreben ist, daß für die Bestreitung
lies Wohnraumbedürfnisses annähernd die gleiche Einkomnensquote
 aufgebracht wird wie vor dem Kriege. Bis dahin
nuß die öffentliche Hand bestrebt sein, Kapitalien zu ver-»ligtem
 Zinsfuß zur Verfügung zu stellen bzw. Zinszuichüsse
 zu gewähren, wie dies in größerem Ausmaß die
Stadt Saarbrücken im Jahre 1927 tut. In dankenswerter Weise
indet Stadt und Land bet der Finanzierung von Wohnuten.
 ann bei der Rheinischen Wohnungsfürjorgegesellschaft
 in Düsseldorf.
Von der Regierung ist eine Ermäßigung des Steuerdruckes,
ler auf dem gewerblichen Mittelstand lastet, zu fordern.
Die Gewerbesteuer ist so zu staffeln, daß die Höchstgrenze
ıicht schon von mittleren Firmen in der Regel erreicht
wird. Die Umsatzsteuer ist im Interesse der Bauverbilligung
auf den deutschen Satz von 0,75 % zw senken.
Von unseren Mitgliedsfirmen erwarten wir, daß sie uns
m unseren Bemühungen, dem gesamten Baugewerbe gesunde
Existenzbedingungen zu verschaffen, tatkräftig unterstützen.
Dazu gehört u, a. eine privatwirtschaftlich gedeihliche Entfaltung
 der baugewerblichen Betriebe. Diese hängt aufs
engste jedoch mit einer Preispolitik im Baugewerbe zusammen,
 die nicht nur die Kosten deckt, sondern auch einen
Vutzen läßt, Die Berufssolidarität im Baugewerbe muß
stärker sein als der Egoismus des einzelnen! Schließen wir
die Reihen, der Erfolg zum Wohle der gesamten Bauwirtschaft
 wird nicht ausbleiben!
            
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