Konkurseröffnungen im Saargebiet.
Inhaber der Neuen Fraulauterner Holz- und Sägewerke in
Fraulautern, Kaufmann Paul Hirtz, Busendorf (Lothr.).
Eröffnungsternin: 12, ‚Jul 1927, vormittags 12 Uhr.
Konkursverwalter: Rechtsanwalt Kropf, Saarlowis.
Kaufmann Paul Marchlewski, Saarbrücken 1, Kanalstraße 10.
Eröffnungstermin: 25. Juli 1927, vormittags 11 Uhr. Konkursverwailter:
Rechtsanwalt Gustav Levy I, Saarbritcken 3.
Firma Vogt & Köhler, offene Handelsgeselischaft, Saarbriicken
3, Cäcilienstraße 9. Eröffpungstermin: 25. Juli
1927, vormittags 111% Uhr. Korkursverwalter: Rechtsanwalt
Dr. Karl Levy H, Saarbrücken 3.
Mitteilungen des Wir.
Tätigkeitsbericht
des Arbeitgeberverbandes für das Baugewerbe
und der verwandten Betriebe
im Saargebiet für das Jahr 1926.
A. Die allgemeine Wirtschaftslage im Saargebiet.
Das Wirtschaftsjahr 1926 erhielt sein Gepräge durch die
Schwankungen der französischen Währung. Eine Reichsmark
kostete zu Beginn des Jahres 6,35 Fr., Ende Jul 11,85 Fr.
(höchster Stand), am Jahresende 6 Fr. Diese erheblichen
Währungsschwankungen waren naturgemäß von ‚einschneidender
Bedeutung für die Wirtschaft im Saargebiet.
Die Frankeninflation brachte für Industrie und Handel eine
Belebung des Cjeschäftes mit sich. Da die saarländische
Geschäftswelt reichliche Erfahrungen im «der Markinflation
gesammelt halte, ging sie zur Goldrechnung über, so daß
Substanzverluste nicht sehr erheblich waren. Dies tiraf insbesondere
für die Fisenindustrie zu, die bei niedrigen Selbst:
kosten in Gold vielfach die Weltmarktpreise erzielen kannte
Achnlich war die Lage im saarländischen Handel. Da für die
Mehrzahl der Unternehmen nur wertbeständige Kredite zu
erhalten waren, mußte naturgemäß die Rechnung in Gold
erfolgen, so daß praktisch gesehen die Inflation im Saargebiet
wenig &n Erscheinung trat, Dementsprechend erfolgte in
verhältnismäßig kurzer Zeit die Angleichung sämtlicher
Warenpreise an das Weltmarktniveaut. Die Löhne (im weitesten
Sinne) paßten sich ebenfalls, wenn auch in langsamerem
Tempo, der Gekdentweritung au, So daß auch im
Innenmarkt Vermögensverluste in größerem Umifange ausblieben.
Der Bergbat hatte in Anbetracht des englischen Bergarbeiterstreiks
eine einzigartige Konjunktur zw verzeichnen,
die allerdings dem Saargebiet nicht zugute kam.
Die Deflation des Franken brachte eine gewisse Stabilisterungskrisis
mit sich, die jedoch bis zum Ende des
Jahres noch nicht in erheblichem Ausmaß in Erscheinung
trat, Da man praktisch bereits seit langem in stabiler
Währung rechnete, dürfte sich die Krisis nicht erheblich
verschärfen. Die Erhöhung der Selbstkosten in Gold hatte
somit in der Hauptsache eipe Verringerung der Gewinne
zur Folge,
Größere Verluste entstanden allerdings der Geschäftsweht
und weiten Kreisen der Bevölkerung durch ein sicherlich
hoch zu bezifferndes: terminmäßiges Eindecken in Devisen.
Durch die Erfahrungen &n der Markinflation glaubten viele.
zwischen der Mark- und Frankenöinflation eine Parallele
erblicken zu müssen. Weite Kreise der Wirtschaft kauften
sich daher übermäßig mit Edelvaluten ein, zur Versorgung
für den Einkauf von Rohmaterialien und Warenvorräten auf
erheblich lange Zeit, Darüber hinaus legten weite Kreise
der Konsumenten ihre Ersparnisse in Edelvaluten an, um
sich vor Entwertung zu schützen. Diese Kapitalien haben
an Goldwert nicht verloren, die Verluste sind jedoch nicht
zu bestreiten.
Die Verluste der Geschäftswelt infolge Eindeckung in Edelvaluten
‘sowie infolge Vorversprgung beim Einkauf von
Waren machten sich besonders in einer großen Zurückhaltung
bei der Durchführung größerer Reparaturarbeiten bemerkbar,
wodurch im Baunebengewerbe eine in diesem Ausmaß
bis dato nicht gekannte Arbeitslosigkeit festzustellen war.
B. Die Lage des Baumarktes. Hs .
Im Gegensatz zur Konjunktur im Bergbau, Industrie und
Handel! muß das Jahr 1926. für das saarländische Baugewerhe
ak das seit Jahren schlechteste angesehen werden.
Devisennotierungen in Paris und Berlin
vom 21. bis 27. Juli 1927.
Berlin,
Börse
Frankr, | London !New-York
100 Fr R_M |1Pfd.Sterl' * Dollar
Pariser Börse
Holland
100 FL
Schweiz | Belgien
100 Fr. gan
elga
354,75
355, —
21.7.
22, 7.
28.7,
24,
28.
26
97
1F 48
16.47
6.07
6.07’):
124.021
124.021/:
25.541
25,55
25,56
25.5612
25.5534
1023 50| 492,—
1023,50} 491,75 |
16.45 16.072
16.46 {6.06%
16.45 51 6.07%
124.08
124.10
124.10
1024.75! 491,50
1024.50: 492 25
1024 —! 492,925
355.25
355.25
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Die Depression des Baumarktes ist in erster Linie auf
lie Lahmlegung der Wohnungsnmeubautätigkeit zurückzuühren,
die durch die Beibehaltung der Wohnungszwangswirtschaft
hervorgerufen wurde. Die immer noch in Kraft
befindliche künstliche Niedrighaltung der Wohnungsmieten
ljurch die Gesetzgebung schließt eine angemessene Verıinsung
des im Wohnungsbau angelegten Kapitals aus. Das
rivate Kapital sucht naturgemäß nur in solchen Wirtschafts-:weigen
Anlage, die eine Rentierlichkeit gewährleisten. Da
zudem ein erheblicher Mangel an langfristigem Kapital —
zur solches kommt für den Wohnungsbaumarkt in Frage —
wich noch im vergangenen Jahre festzustellen war, ist die
ıngünstige Auswirkung ‚auf den Baumarkt erheblich verstärkt
vorden. Erst durch die Möglichkeit der Eintragung von Feinzokihypotheken
ist hier eine gewisse Entlastung eingetreten.
Es ist erfreulich, daß die diesbezüglichen Bemühungen der
Hypothekenbanken von Erfolg gekrönt waren.
Das Erliegen des Wohnungsbaumarktes wirkt wie elmne
‚ronie des Schicksals angesichts der Tatsache, daß weite
<reise der saarländischen Bevölkerung nach wie vor unter
ainer scharf hervortretenden Wohnungsnot zu leiden haben
und ‚an einer raschmöglichsten Behebung des Wohnraumnangels
aufs lebhafteste interessiert sind. Diesen Gesichtsyunkten
wurde Ausdruck verliehen in Eingaben des Verbandes
an die Regierungskommission des Saargebietes sowie
is dem Entwurf des Landesrats zur neuen Wohnungsverardnung
vom Sommer 1926. Der Entwurf, dem die großen
Parteien, Zentrum, Sozialdemokratie und Deutsch-Saarlänlische
Volkspartei, zustimmten, sah eine Freigabe der Wohaungen
vor, deren Voarkriegsmietpreis die Summe von 1500
3oldmark überstieg. Entsprechend waren für Wohnungen
nt geringen Mietpreisen höhere Prozentsätze der Vorkriegsmieten
festgesetzt, als sie die gesetzliche Miete vorsieht.
Lediglich die Kleinwohnungen wurden tür eine Uebergangszeit
‚als schutzbedürftig angesehen.
Die Regierungskommission des Saargebietes ist über diese
Wünsche der Bevölkerung, die gleichzeitig aus Mieter- wie
Vermieterkreisen kamen, ohne stichhaltige Begründung hinweggegangen
und 'hat auf die -Dauer von einem weiteren
fahr die bisherige unzulängliche Regelung beibehalten.
Dies ist um so bedauerlicher, als Staat und Gemeinden
in ‚erster Linie dazu berufen sind, die Behebung der
Wohnungsnot in die Wege zu leiten und mit ‚allen Mitteln
zu fördern. Der gesetzliche Mietpreismultiplikator wurde
nur in ganz unzureichendem Maße erhöht — er beträgt heute
3,55 —, obwohl die Entwertung und Erholung des französischen
Franken im vergangenen jahre eine stärkere Erhöhung
dadurch begünstigt hätte, daß sie bei der allgeneinen
Angleichung der Preise an das Goldniveau nicht
so sehr in Erscheinung getreten wäre. Die Regierungskommission
‘hat also eine günstige Gelegenheit für die Anassung
an die Mieten zunächst an das Vorkriegsniveau, wie
2s zur Zeit im Reich erreicht ist, unbeachtet vorübergehen
lassen. Dabei st festzustellen, daß weiteste Kreise der
Bevölkerung den Einkommensverhältnissen nach sich nicht
ungünstiger stellen wie im Reich, so daß eine Tragbarkeit
ebensolcher ‚Mieten gegeben erscheint,
Nachdem im Jahre 1926 die Wiedereingliederung des Wohaungsmarktes
in die freie Wirtschaft nicht bewirkt worden
ist, bliebem ihm die privaten Kapitalien verschlossen. An
ihre Stelle mußten öffentlääche Mittel zur Behebung der
Wohnungsnot treten. An erster Stelle ist hier die Tätigkeit
der Stadt Saarbrücken zu erwähnen, die durch die
Siediungspgesellschaft die Erstellung von Wohnraum in