kommenden Bestimmung, das Betriebskapital. der
Unternehmungen wieder aufzufüllen, zur Zeit noch
nicht zugeführt. Fällt nun bei dieser ganzen Lage
das: spekulative Moment für die Anlage in französische
Franken weg und geht das flüssige Sparkapital.
zwangsläufig wieder in feste: Anlage‘ über,
dann muß sich naturnotwendig sofort eine völlige
Veränderung der Lage, die sich in einer scharfen
Verknappung des kurzfristigen Kredits auswirkt,
herausstellen. Hierin liegt zweifellos für die Saarwirtschaft
ein großes Gefahrmoment. Im
Saargebiet hat sowohl in der Inflation als auch jetzt
nachher ein großer Teil der kurzfristigen Frankengelder
Anlage gefunden. Andererseits ist im Saargebiet
durch die viel schärfere Wirkung, die die
Inflation hier gegenüber Frankreich gehabt hat, eine
starke Verschuldung der Wirtschaft eingetreten, die
— vornehmlich durch Fehlen ausreichenden Realkredits,
der vor allem auch für die Industrieunternehmungen
gegeben sein müßte, — in nur beschränktem
Umfange konsolidiert ist. Man kann
nicht eindringlich genug darauf hinweisen, daß es
notwendig erscheint, hier rechtzeitig vorzusorgen
und vor allem durch Ausnutzungsmöglichkeiten des
Realkredits der Wirtschaft des Saargebietes die nötige
Sicherheit durch Umwandlung ihrer kurzfristigen
Verbindlichkeiten in langfristige zu verschaffen,
Eine solche Warnung ist umso eher angebracht,
als sich Anzeichen dafür bemerkbar machen, daß
die augenblickliche Flüssigkeit des Geldmarktes hier
und da schon den Anreiz zur Anspannung der Mitrel
durch Lagervergrößerung usw. bildet, während
die ganze Lage, mit richtigem Blick gesehen, unbedingt
erfordert, daß nach größter Flüssigkeit der
Betriebe gestrebt werden muß.
Die aufgezeigten Gefahrmomente werden weiter
ständig scharfe Beobachtung erfordern. Darüber
hinaus ist schon jetzt zu erwägen, ob die Saarwirtschaft,
wenn tatsächlich die de jure-Stabilisierung
noch weiter auf sich warten läßt, nicht bald
den richtigen Zeitpunkt gekommen sieht, in dem sie
schließlich von sich aus de jure stabilisiert und
durch Uebergang zu einer festen Währung, die in
diesem Falle nur die Mark sein könnte, sich so früh
wie möglich aus der Unsicherheit auf sicheren Währungsboden
rettet. Die Bedenken, die man während
der andauernden Frankeninflation gegen einen
Uebergang zu einer festen Währung hegen mußte
angesichts der Tatsache, daß Frankreich dann ein
Valutadumping ausüben könnte, sind sicherlich bei
der augenblicklichen Lage uicht gegeben. Der Regierungskommission
des Saargebietes wird es obliegen,
die tatsächlichen Absichten der französischen
Regierung zu erforschen und nach eingehender Beratung
mit allen wirtschaftlichen Kreisen des Saargebietes
beschleunigt die erforderlichen Maßnahmen
zu treffen.
a
Die seit März d. Js. einsetzenden Feierschichten
im saarländischen Kohlenbergbau haben die
Oeffentlichkeit eindringlichst auf das Problem des
saarländischen Kohlenabsatzes hingewiesen
und allen denjenigen Recht gegeben, die schon
während der Inflation, als. dieses Problem unter
einem lichten Schleier lag, für die Zeit nach der
Stabilisierung die Schwierigkeiten für den Kohlenabsatz
prophezeit haben. Das Problem trat nicht zu
Tage, solange die nordfranzösischen Gruben. noch
nicht völlig wiederhergestellt waren, solange in der
Inflation ein vgesteigerter Ahsat7z im übrigen Aysland
und ferner auch in Frankreich im Wettbewerb
mit der englischen Kohle gegeben war, und dann
bei Ende der Inflation auch noch nicht sofort, weil
der englische Bergarbeiterstreik noch immer seine
Auswirkungen zeigte. Die heutige Lage wird zuıächst
davon beherrscht, daß die Kohlenerzeugung
in dem heutigen Frankreich gegen das Jahr 1913
von 44 Millionen auf 52 Millionen Tonnen jährlich
zestiegen ist. Die nordfranzösischen Gruben sind
ıach ihrer Wiederherstellung weit über der Frielensförderung,
ferner ist die Förderung des benacharten
Lothringen von rund 2% Millionen Tonnen
auf 6 Millionen Tonnen gestiegen und soll noch eine
weitere Steigerung auf 8 Millionen Tonnen erfahren.
Die Förderung der Saargruben ist augenblicklich mit
:und 14 Millionen Tonnen dieselbe wie im letzten
Vorkriegsjahr. Von dem Absatz nach Frankreich
dürfte bei den gegebenen Zahlen eine Rettung aus
der augenblicklichen Absatzschwierigkeit nicht zu
erwarten sein. Die während der Infiation von der
Saarkohle gehaltene Position sowohl in Frankreich
als auch im übrigen Ausland ist mit der eingetretenen
Stabilisierung endgültig dahin. Jetzt zeigt sich,
daß der Saarkohle der Absatz fehlt, den sie in der
Vorkriegszeit gehabt, aber in der Zeit der franzözösischen
Kohlennot und in der Zeit der anderwei:
:igen Inflationsabsatzmöglichkeiten verloren hat,
ı1ämlich der Absatz nach dem übrigen Deutschland,
der vor dem Krieg beinahe 4 Millionen Tonnen betrug.
Der Absatz nach Deutschland ist augenblickich
von deutscher Seite auf etwa 120000 Tonnen
monatlich kontingentiert, während er vor dem Krieg
deinahe das dreifache betrug. Zu der Kontingentierung
ist zu bemerken, daß die französische Grujenverwaltung
ein höheres Kontingent offenbar
nicht angestrebt hat, weil sie früher eben glaubte,
len deutschen Markt nicht brauchen zu müssen.
Das verhältnismäßig geringe Kontingent wird abeı
ıoch nicht einmal voll ausgenutzt, beispielsweise
wurden im März d. Js. uur 81000 t, im April sozar
nur 66000 t Saarkohle in das übrige Deutschand
eingeführt. Die Nichtausnutzung des Kontinzents
hatte schon während des englischen Bergırbeiterstreiks
begonnen, wo sogar die Belieferung
ler deutschen Abnehmer trotz laufender Verträge
ängeschränkt wurde. Es war natürlich schwer, nach-1er
den früheren Absatz wiederzufinden. Hinzu
sam, daß nach der inzwischen eingetretenen Stabiisierung
die gegen die Vorkriegszeit verschlechterte
“rachtlage der Saarkohlen in Erscheinung trat, die
rorher durch die Inflationserscheinungen überdeckt
var. Eingehende Berechnungen ergeben, daß hier
m allgemeinen nur ganz besondere Maßnahmen,
ıcht nur direkte Tarife, die die Nachteile der
jetzigen gebrochenen Abfertigung beseitigen, helfen
können, Es bleibt also das Bild, daß es für die
Saargruben gelten muß, den deutschen Absatz
wieder zu gewinnen, was ohne Mitwirkung des Abıehmers
allerdings. nicht möglich ist. Ganz offenkundig
tritt hier der wirtschaftliche Fehler des
Versailler Vertrages zu Tage, der in der Uebereigaung
der Gruben an den französischen Staat liegt.
Die einzig mögliche Schlußfolgerung ist möglichst
baldige Verständigung mit dem künftigen Eigenmer,
der heute und in Zukunft gleichzeitig der
anentbehrliche Abnehmer ist.
Die Absatzmöglichkeiten der Saarkohle können
naturgemäß durch Ausnutzung aller derjenigen
Verwendungsmöglichkeiten von Kohle, die
die neuzeitliche Technik bringt, gesteigert
werden und gs taucht hier sofort das Problem der
Flektrawirtschaft. der Gasfernversargung und der