Full text : 32.1927 (0032)

Die Pafignalisierung der deutschen Fisen- umı

"Windustria

Rationalisierung ist vernunftsgemäße Anpassung
der verschiedenen wirtschaftlichen Erscheinungen
an die vorhandenen Wirtschaftsgrundlagen, General-Revision
 aller wirtschaftlichen Faktoren aufihre
wirtschaftliche Zweckmäßigkeit und Leistungsfähigkeit
 nach dem Grundsatz optimalen Erfolges unter
Einsatz der niedrigsten Kosten. Rationalisierung in
diesem weitesten Sinne des Wortes beginnt bei der
Größe des Briefbogens, Briefumschlages (DIN-Format)
 und endet bei den großen Fragen weltwirtschaftlicher
 Zusammenarbeit aller Länder der Erde.
Die Verwendung geeigneter Arbeitsmaschinen, die
Typisierung, Normalisierung von Werkzeugen, Geräten,
 Maschinen, Roh-, Halb- und Fertigprodukten,
die organisatorischen Fragen der Betriebsführung,
der Zentralisierung und Dezentralisierung, des vertikalen
 und horizontalen Aufbaues von Unternehmungen,
 der vertragsmäßige Zusammenschluß selb:
ständiger Unternehmungen für bestimmte gemein
same Zwecke, die nationale und internationale Kartellierung,
 die Neugestaltung aller handelsvertrag:
lichen Beziehungen und schließlich der Gedanke
einer europäischen Zollunion und einer Weltwirt
union sind alles mehr oder weniger große Teil
aufgaben für die Neuordnung und Neufundierung deı
Wirtschaft, für die Sanierung der Wirtschaft nach
dem Weltkrieg.
Unter Rationalisierung im engeren Sinne wird
unter dem Eindruck der Ereignisse des vergange
nen Jahres der Zusammenschluß bisher selhständiger
 Firmen zu Gemeinschaftsunternehmungen
zwecks Vereinfachung der Betriebsführung, Herab:
setzung der Selbstkosten und Sicherung der wirt:
schaftlichen Lebensfähigkeit dieser Unternehmungen
verstanden. Die deutsche Eisen- und Stahlindustrie
hat mit der Gründung der Vereinigten Stahlwerke
Akt.-Ges., Düsseldorf, das bisher machtvollste Bei
spiel der Rationalisierung in diesem Sinne gegeben
Diesem Beispiele sind drei oberschlesische Werke
durch Gründung der Vereinigten Oberschlesischer
Hüttenwerke A.-G., Gleiwitz, und mehrere mittel.
deutsche Werke durch Gründung der Mitteldeut
schen Stahlwerke A.-G., Berlin, gefolgt. Um diese
drei Hauptgründungen des Jahres 1926 gruppierer,
sich eine Reihe weiterer Zusammenschlüsse. In ver
antwortungsfreudiger Zusammenarbeit der wirt.
schaftlichen Führer der deutschen Eisen- und Stahl.
industrie wird durch diese Zusammenfassung versucht,
 die wertvollen Betriebe durch die Krise der
Gegenwart einer besseren Zukunft zuzuführen.
Diesem neuen kraftvollen Leben stehen die Verluste
 auf dem Trümmerfeld des Krieges und der
Inflation gegenüber: Konzerne, wie Stinnes, Stumm,
Rombach, die durch Veräußerung der teilweise
wertvollsten Bestandteile ihrer Unternehmungen versuchen,
 wenigstens auf bescheidener Grundlage noch
das zu retten, was noch als lebensfähig angesehen
werden konnte.
Die folgenden Ausführungen wollen versuchen,
diese Rationalisierung im engeren Sinne, die Zusammenfassung
 bisher selbständiger Firmen in neue
Gemeinschaftsunternehmen und den Abbau von
Unternehmungen, die sich in ihrem bisherigen Umfange
 nicht als lebensfähig erwiesen haben, in
großen Zügen für die deutsche Eisen- und Stahlindustrie
 aufzuzeichnen.

Als Vorläufer für die Vereinigten Stahlwerke
Akt.-Ges., Düsseldorf, wurde am 14. Januar 1926
mit dem Sitz in Düsseldorf eine Studiengesellschaft
von 60000 Reichsmark gegründet. Die Vorarbeiten
reichen bis in die Mitte des Jahres 1925 zurück.
Nach Ueberwinduung zahlreicher Schwierigkeiten in
der Frage der Anteilsbemessung, des Wertes der
einzubringenden Produktionsanilagen, der Gesellschaftsform,
 der Höhe des Kapitals und nicht zuletzt
der Frage der Gründungssteuer wurde durch Beschluß
 der außerordentlichen Generalversammlung
vom 7. Mai 1926 das Grundkapital der Studienzesellschaft
 auf insgesamt 800000000 Reichsmark
arhöht und gleichzeitig die Ausgabe von 125 000 000
Reichsmark Genußscheinen beschlossen. Die Ver->nigten
 Stahlwerke A.-G., Düsseldorf, traten hierdurch
 mit Wirkung ab 1. April 1926 in die Erscheinung.
 Der ZusamMenschluß umfaßt folgende
Gruppen unter Angabe der Aktien und Genußscheine
 A und B, die den Einzelgründern zugeteilt
wurden.
in Mill RM
Rhein-Elbe-Union
Gelsenkirchen ....
Deutsch-Luxemburg
Bochumer Verein...

120 791
20 791
71 304
315 97°

26 000

Thyssen-Gruppe
A.-G, für Hüttenbetrieb
Aucust Thyssen Hütte .
Gew, Fri-drich Thy-sen
Gew Lohberg .....
Gew Rhein I.....
Thyssen & Co. A.-G.

92 78
GA \)OE
”7 193
16 686
12 660
33 607
207 99F

97.000

Phönix-Gruppe
Phönix A.-G.
Zypen Wissen

27 00

15 000
15.000
70
50.000 75.000
Die von den Gründern eingebrachten Werksanlagen
 umfassen folgende Kohlenbergwerke und
Eisenwerke, die in der Eröffnungsbilanz mit insgesamt
 1077C00000 Reichsmark erscheinen:
Kohlenbergwerke: Eisenwerke:
Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G.
Ver. Rhein-E'be & Alma, Schalke, Gelsenkirchen
Ver. Stein und Hardenberg, (Hochöfen, Gießereien),
Erin, Hansa, Zollern, Ver. Hütte Vulkan, Duisburg
Germania, Westhausen, Ver. (Hochöfen), Weiß- u. Fein-Bonifazius,
 Ver. Hamburg u. b'echwalzwerke in Hüsten.
Franziska, Pluto. Bruchhausen und Soest.
Deutsch-Luxemburgische
Bergwerks- und Hütten-A.-G.
Dannenbaum, Prinz Regent, Dortmunder Union einschl.
Fried’icher Nachbar, Bruch- Rote Erde und Horst, Friedstraße,
 Wiendah'sbank, rich-Wilkelm-Hütte, Mühl-Glückauf
 Tie‘bau Adolf von heim, Weber Brandenturg,
Hansemann, Karl Friedrichs- Meggener Walzwerk Meggen
Zrbstollen, Kaiser Friedrich, und Langenei, Gebr. Knip-Tremonia.
 ping, A'tena, Wilh. Heinrichswerk,
 Düsseldorf, Carl Schlie-„er,
 Grüne, Nordseewerke
Emden.
Bochumer Verein
für Bergbau und Gußstahlfabrikate.
Ver. Carolinenglück, Ver. Gußstahlfabr. Bochum, Stahl-Engeisburg,
 Teutoburgia. industrie Bochum, Werk Höntrop.

            
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