Full text : 32.1927 (0032)

Lothringische und französische Eisenindustrie.
Von Dr. Cartellieri, Saarbrücken.

Die lothringische Eisenindustrie hat im Jahre 1926
nach dem Bericht des Comite des Forges 3573 808
Fonnen Roheisen und 2800311. t Stahl erzeugt. Dies
bedeutet gegenüber 1925 eine Zunahme
ım 286531 t Roheisen = 7,5% und 171136
Tonnen Stahl = 6,1%. Sie bleibt jedoch hinter
der Zunahme der gesamtfranzösischen Erzeugung,
die beim Roheisen 11,4 und beim Stahl 13,2 © ausmacht,
 nicht unerheblich zurück. Im Vergleich mit
dem Jahre 1913, wo Lothringen 38635241 t Roheisen
 und 2286354 t Stahl erzeugte, ergibt sich,
daß die Vorkriegserzeugung in Roheisen noch nicht
xyanz erreicht ist. In Rohstahl dagegen ist die Friedensziffer
 bereits seit 1924 überschritten. Die Entwicklung
 der Eisenproduktion in Lothringen erfolgt
in umgekehrter Richtung wie im Saargebiet, wo
die Roheisenerzeugung höher als 1913 ist, während
die Stahlerzeugung dahinter zurückbleibt. Der gesteigerten
 Eisenproduktion der lothringischen Hütten
entspricht eine Zunahme der Fabrikation von Halbzeug
 und Fertigprodukten, die 962 661 bzw. 1 792 222
Tonnen erreichte. Gegenüber 1913 mit 797150 t
Halbzeug bzw. 1363800 t Fertigprodukten macht
sich eine starke Verschiebung zugunsten einer erhöhten
 Fertigfabrikation bemerkbar. Die lothringischen
 Hütten sind seitdem mehr und mehr
dazu übergegangen, ihre Eisenerzeugung selbst zu
verarbeiten. Im einzelnen ergibt sich für die letzten
drei Jahre im Vergleich zu 1913 folgendes Bild:
Lothringens Erzeugung an:
Roheisen Rohstahl Halhzeug Fertigprodukte
1913 DO 75354 797150 1363 800
1924 ‚& „999 1828361 1500778
1925 3287.16 29175 948638 1615518
1926 3.573 802 2800311 962 661 1 792 222
Die Roheisenerzeugung setzt sich in 1926
zusammen aus 34793093 t phosphorhaltigem Roheisen,
 67415 t Hämatitroheisen und 27 000 t Spezialroheisen.
 Die Stahlerzeugung umfaßt 2341 133
Tonnen Thomasstahll und. 459178 t Martinstahl.
Von den 66 Hochöfen, die das lothringische
Hüttenrevier zählt, waren am Jahresanfang 1926
16, um Jahresmitte 47 und zum Jahresende 48
Einheiten unter Feuer. Die Produktionskapazität
 pro Tag der unter Feuer befindlichen Hochfen
 wurde von 8690 t in 1924 und 10029 t in
1925 auf 10440 t in 1926 gesteigert.
Interesse beansprucht das Verhältnis desAnteils

 der lothringischen Eisenerzeugung
 zu der Gesamtfrankreichs. Für das
Jahr 1926 ist Lothringen mit 37,9% an der französischen
 Roheisenerzeugung und mit 32,2% an
der französischen Rohstahlerzeugung beteiligt. 1913
var, wenn man von der anderen politischen Zurehörigkeit
 absieht, das Verhältnis für Lothringen
rünstiger. Es ergäben sich dann 40 bzw. 36,8 ©.
Die lothringische Eisenindustrie hat also ihre Stelung
 seit dem Uebergang in französische Hände
ıicht ganz behaupten können. Mit den ostfranzöischen
 Hüttenwerken zusammen erzeugt Lothringen
ıeute 79,4 ©% der Roheisenerzeugung und 71,3 00 der
Stahlerzeugung Frankreichs. Diese Ziffern kennzeichnen
 die überragende Stellung, die der Osten
Frankreichs in der Eisenwirtschaft einnimmt. Nachstehend
 die mengenmäßigen Ziffern der Eisen- und
Stahlerzeugung Frankreichs und die prozentuale Beveiligung
 Elsaß-Lothringens daran:
Gesamterzeugung Frankreichs Anteil Lothringens
einschließlich Lothringens in Prozenten
1913 Roheisen Rohstahl Roheisen Rohstahl
Frankreich 525)7 3097 4686 866
Lothringen 3863524 2285351
Zusamme, 9070%31 6973 229 100% 36,8 %
1924 169: 018 6920310 39,0 00 35,0 9%
‚925 8494111 7 46 463 38,8 0 35,0 06
1926 9 431 607 8 430 002 37,9 000 33,2 0%
An Haibzeug lieferte Lothringen in 1926 30,58 %
ınd an Fertigprodukten 33 % der französischen Erzeugung.
 Der Erzverbrauch der lothringischen
Hochöfen belief sich auf über 11 Millionen Tonnen,
davon wurden 109602096 t aus Lothringen selbst
und dem Departement Meurthe-et-Moselle bezogen
und 311987 t aus Luxemburg geliefert. Der Koksverbrauch
 beziffert sich auf rund 4 Mill. Tonnen.
Charakteristisch für die Weiterentwickeiung der
othringischen Eisenindustrie ist das Streben
ı1ach Unabhängigkeit vom RuhrkoKs.
Die Errichtung eigener Kokerzien macht bedeutende
7ortschritte. Die ehemals Röchling’sche- Carlshütte
n Diedenhofen hat bereits eine zweite Anlage proektiert,
 nachdem sie mit der ersten gute Erfah-‚ungen
 gemacht hat. Zum Einsatz gelangt eine
Mischung von etwa 50% Saarkohle, 35% Ruhrxohle
 und 15% Magerkohle. Für die nächsten
Jahre sind auf diesem Gebiete weitere bedeutsame
Veränderungen zu erwarten

Amtlickher Teil.

Einladung der Sektion I der Gewerblidhen Beruisgenossens@halt
 für das Saargebiet,
Gemäß 8 25 der Satzung der Gewerblichen Berufsgenossenschaft
 werden die Mitglieder der Sektion
 zu der am Donnerstag, den 2. Juni
1927, nachmittags 5 Uhr, im Sitzungssaale
des Verwaltungsgebäudes in Saarbrücken 3, Paul-Marien-Straße
 Nr. 14, stattfindenden diesjährigen
ordentlichen Sektionsversammlung
hierduch ergebenst eingeladen.
Tagesordnung:
Tahreshericht für das Jahr 10926

2. Prüfung und Abnahme der Jahresrechnung für
das Jahr 1926.
Wahl eines Ausschusses zur Vorprüfung der
Jahresrechnung für das Jahr 1927.
Feststellung des Verwaltungskosten-Voranschlages
 für 1928.
5. Beschlußfassung über etwa noch ‚eingehende
Anträge nach $ 25 Abs. 8 der Satzung.
Stimmberechtigt sind die zur Sektion gehörenden
Mitglieder der Berufsgenossenschaft. Jedes Mitglied
kann sich durch ein anderes stimmberechtigtes Mitglied
 oder durch einen bevollmächtigten Leiter
seines eigenen Betriehes vertreten lassen Die Mit
            
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