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Mitteilungen des Wirtschaftlichen Vereins,
Die Lage am Saareisenmarkt.
Saarbrücken, den 3. Mai 1927.
Die Verhältnisse auf dem Saareisenmarkt haben sich nicht
wesentlich geändert. Begrüßt werden von der saarländischen
Eisenwirtschaft die nunmehr ab 15. Mai 1927 endgültig vorzesehenen
direkten Tarife zwischen der Saarbahn und der
Zeichsbahn für Eisen- und Stahlerzeugnisse, Erze, Steine
‘ff. Steine), Erde, Form- und Klebsand. Durch diesen direkten
Tarif kommt die doppelte Abfertigungsgebühr und die
doppelte Staffel, die bisher die Frachtlage der Saarwerke
nachteilig beeinflußte, in Wegfall. Die durch den neuen
Jeutschen Wettbewerbtarif nach Antwerpen eintretende
Frachtermäßigung bringt noch keine ausreichende Erleich-‚erungen
für den Export saarländischer Eisenerzeugnisse.
Die Erz-, Kohlen- und Schrottpreise halten sich unverändert
auf der bisherigen Höhe. Aus Frankreich laufen neuerdings
Bestellungen etwas reger ein, jedoch nach wie vor zu sehr
yedrückten Preisen. Der Saareisenmarkt selbst ist stark not:
leidend, mit Rücksicht auf den Streik der weiterverarbeiten:-den
Eisenindustrie des Saargebietes. Die Belebung des deutschen
Eisenmarktes durch das Frühjahrsgeschäft und die
verstärkte Wiederaufnahme von Bauten wirkt sich im Rahmen
der Verbandsbeteiligung auf die Saarwerke aus. Die Preise
sind auf dem deutschen, saarländischen und französischen
Markt im wesentlichen unverändert. Im Export ist nach der
vorübergehenden Besserung aus der ersten Hälfte des Monats
März wieder ein Rückschlag eingetreten, für Stabeisen werden
neuerdings nur noch 4,14 bis 4,15 erzielt. Der Exportmarkt
wird vor allem auch durch die politischen Unruhen
in China und dem Bankkrach in lapan ungünstig beeinflußt.
Ver‘
Die Lage auf dem saarländischen Holzmarkt.
Saarbrücken, den 28. April 1927.
Der Rundholzeinkauf ist beendet. Die Preise haben
ch während der ganzen Einkaufsperiode im Durchschnitt
ziemlich auf gleicher Höhe gehalten. In den Vogesen werden
zur Zeit allerdings sehr hohe Preise für Rundholz angelegt,
;o daß auch mit einer Erhöhung der Schnittholzpreise zu
-echnen ist. Auch die neuen erhöhten deutschen Eisenbahn-Jurchiuhrtarife
für Holz aus den östlichen Ländern machen
sich bei den Verkaufspreisen geltend.
Der Grubenholzverbrauch, der im Zusammenhang
nit dem englischen Bergarbeiterstreik stark gestiegen war,
ıat im Einkauf derart verteuernd gewirkt, daß zwischen den
Zinkaufs- und den zur Zeit erzielbaren Verkaufspreisen ein
zroßes Mißverhältnis besteht. Es macht sich daher in letzter
Zeit eine allgemeine Zurückhaltung im Einkauf bemerkbar
im Schwellenholz geschäft sind die Absatzmöglichkeien
zur Zeit sehr eingeengt, da der laufende Bedarf er
Zisenbahndirektionen in Deutschland und Elsaß soweit einge:
ljeckt ist, daß größere Mengen hier nicht mehr abgesetzi
werden können. Im Zusammenhang damit ist eine rück:
rängige Preisbildung im Einkauf zu verzeichnen.
Das Brennholz-Exportgeschäft wird durch den fran-‚ösischen
Ausiuhrzoll, welcher zur Zeit 2 Fr. pro 100 kg
‘inzwischen auf 1 Fr. ermäßigt) beträgt, sehr beeinträchtigt
as Platzgeschäft ist nach wie vor unbedeutend und wird
Jurch den schwunghaiten Brennholzhandel, den die Stadl
Saarbrücken mit allen Mitteln forciert, mit jedem Tage
veniger und unrentabler
zn.
Eis nbahn.
Saarbahnen.
Direkter Tarif Saarbahnen — deutsche Reichsbahn.
Nachdem es den beteiligten Eisenbahnverwaltungen mit
Rücksicht auf die umfangreichen Vorarbeiten nicht möglich
war, den von der Handelskammer wiederholt beantragten
direkten Tarif zwischen Stationen der Saarbahnen und der
deutschen Reichsbahn zum ursprünglichen Termine am 1.
April einzuführen, wird nunmehr der direkte Tarif für eine
Reihe verkehrswichtiger Güter zum 15. Mai dieses Jahres
mn Kraft treten. Aus diesem Anlaß wird zu dem bisherigen
Verbandstarif Saarbahnen—Reichsbahn ein besonderes Tarif-1eft
4 erscheinen, dessen Drucklegung in den nächsten Tagen
beendet sein wird, so daß die Ausgabe im Verlaufe der
ıächsten Woche erfolgen kann. Wie bereits in der „Saar-Wirtschaftszeitung‘‘
wiederholt dargelegt, hat die Handelsxammer
von vornherein den Antrag gestellt, für alle Güter
gleichmäßig direkte Frachtsätze nach dem Muster der deutschen
Reichsbahn unter Durchrechnung nach den Saarbahnstationen
einzuführen. Da ein solcher allgemeiner Tarif
mehrere Monate umfangreicher Arbeiten notwendig gemacht
hätte, wurden von den beteiligten Eisenbahnverwaltungen
für die wichtigsten Güterarten besondere Artikeltarife vorgesehen.
Dazu hatte die Handelskammer beantragt, folgende
Güter in den direkten Tarif aufzunehmen: Kohlen, Koks,
Erze, Eisen und Stahl, Eisen- und Stahlwaren, Nebenprodukte
der Eisen- und Stahlerzeugung, Maschinen, Ton, sonstige
Erde, Tonwaren, Fensterglas, Flaschen, Steine, auch künstliche,
Kalk, Zement, Holz und Holzwaren, Getreide- und
Mühlenerzeugnisse, Feld- und Gartenfrüchte. Kartoffeln,
Düngemittel, auch künstliche,
Bedauerlicherweise sind nicht alle diese Güterarten in den
1euen direkten Tarif aufgenommen worden. Es fanden darin
Aufnahme: 1. Eisen und Stahl, Eisen- und Stahlwaren ein:
schließlich Fahrzeuge; 2. Erze; 3. Dolomit; 4. Düngemittel:
3. Steine; 6. Holz; 7. Ton und Tonwaren.
Damit hat die Eisenbahn die ursprüngliche Zahl der aufzunehmenden
Güter, entgegen den im Verlauf der Verhandungen
angedeuteten Maßnahmen, weiter erheblich eingeschränkt.
Besonders wird die Auslassung des direkten Tarifs
bei Fensterglas, Getreide und Mifhlenerzeugnissen, Kartoffeln
ınd schließlich auch für bestimmte Kiesarten, z. B. Bimskies,
als völlig untragbar empfunden. Aus diesem Anlaß hat die
Yandelskammer erneut den Antrag gestellt, diese Güterarten
10ch in den am 15. Mai erscheinenden Tarif aufzunehmen
Vie wir feststellen mußten, wird diesem Antrag nicht entprochen
werden können. Die Erfüllung unserer Wünsche
vird hoffentlich bald erfolgen.
Zum Inhalt der neuen direkten Artikeltarife ist besonders
ıu erwähnen, daß künftig der Absender nicht mehr gehalten
ist, den Beförderungsweg durch Angabe der deutsch-saarlänlischen
Grenzstation zu bezeichnen. Der Tarif wird grund-:ätzlich
dann angewendet, wenn der Absender im Frachtbrie{
ıichts Gegenteiliges vorschreibt. Die Frachtberechnung erolgt
über den kürzesten Beförderungsweg, der durch Anstoß
ler Entfernung der Saarbahnen an die Entfernung der deutchen
Reichsbahn ermittelt wird. Für die auf diese Weise
ırmittelte Gesamtentfernung wird die Fracht entsprechend
ler Gütereinteilung des Reichsbahn-Gütertarifs, Teil IB, und
lem Frachtsatzzeiger der deutschen Reichsbahn berechnet.
Die näheren Einzelheiten werden infolge Raummangel mit
Zundschreiben bekanntgegeben und in nächster Nummeı
eingehend behandelt. Auch steht das Verkehrs- und Tarifbüre
den Interessenten 7zur weiteren Auskunft zur Verfügung
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