Mitteilungen des Wirtschaftlichen Vereins,
Die Lage am Saareisenmarkt.
Saarbrücken, den 12. April 1927.
Die Kohlen- und Erzversorgung der Saarwerke hat
sich in letzter Zeit mengenmäßig gebessert, die Preise sind
jedoch in der alten Höhe beibehalten worden. Angesichts
der Feierschichten des saarländischen Kohlenbergbaues kann
die Saarwirtschaft kein Verständnis dafür aufbringen, wenn
die französische Grubenverwaltung in ihrer Preispolitik noch
kein weiteres Entgegenkommen zeigt. Die Schrottpreise haben
weiter um etwa 20 Fr. nachgegeben.
Die Selbstkosten der Saarwerke lassen noch immer kein
Geschäft in Konkurrenz mit den lothringischen Werken zu.
Weder auf dem Saarmarkt noch auf dem französischen Markt
sind infolgedessen für die Saarwerke nennenswerte Geschäfte
zu machen. Selbst ein größerer glatter Auftrag von 1000 t
a einem Profil soll kürzlich von der saarländischen weiterverarbeitenden
Industrie in Lothringen untergebracht worden
sein, weil die Saarwerke nicht in der Lage waren, in die
lothringischen Konkurrent reist trotz ihres Frachtvorsprungs
einzutreten. Auch in Blechen unterbietet Lothringen die
Saarwerke nach wie vor bis zu 70 Fr. Bei diesen überaus
ıngünstigen Konkurrenzverhältnissen rechnen die Saarwerke
ım so mehr damit, daß die Großverbraucher im Saargebiet,
vie die Eisenbahndirektion und die Bergwerksverwaltung bei
hren laufenden Submissionen die Saarwerke in erster Linie
berücksichtigen.
Besonderen Wert legt die saarländische Schwerindustrie aui
lie sofortige Einführung der direkten Tarife zwischen
ien Saarbahnen und der deutschen Reichsbahn, die bereits
'‘ür den 1. April in Aussicht genommen waren. Bei der ohnelies
nachteiligen Selbstkostenlage muß sich die gegenwärtige
Frachtbelastung durch die doppelte Anfangsstaffel auf deı
3aar- und der Reichsbahn und die doppelten Abfertigungszebühren
besonders nachteilig auswirken. Der deutsche
Markt ist im übrigen im wesentlichen unverändert. Ledig:
ich in verzinkten Blechen ist in letzter Zeit auf dem deutschen
Markt ein stärkerer Rückschlag eingetreten, der in
ler Hauptsache darauf zurückzuführen ist, daß der Ver-‚inkereiverband
seinen Mitgliedern die Preisstellung freizegeben
hat. Der erwartete Preisaufschlag für Eisenerzeugıisse
auf dem deutschen Markt ist vorläufig zurückgestellt.
— Im Exportgeschäft kommt eine nennenswerte Beteiligung
ler Saarwerke wegen der ungünstigen Selbstkosten- und
Prachtlage nach wie vor kaum in Frage.
Wirtschaftsstatistik, —
Uebersicht über die Tätigkeit des Arbeitsnachweises
der Stadt Saarbrücken im Monat März 1077.
Rest des
Jormonats
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März
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Februar
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Der Berichtsmonat brachte eine leichte Entspannung des
Arbeitsmarktes, die sich besonders in der letzten Monatsnälfte
bemerkhar machte. Während in der ersten Monatshälite
die Zahl der Unterstützungs-Empfänger noch über
1000 betrug, war am Schlusse des Monats ein merklicher
Rückgang zu verzeichnen. In der Landwirtschaft konnte deı
zeforderte Bedarf restlos gestellt werden. Die Schwerindu-;strie
hatte in den letzten Wochen geringen Bedarf. In der
Metallverarbeitung konnten von 277 Arbeitsuchern nur 37
untergebracht werden. Im Holzgewerbe ist die Lage un-„erändert
schlecht. Die Nachfrage war äußerst gering. Auch
ler Bedarf im Nahrungsmittelgewerbe blieb hinter dem des
Vormonats zurück. Gut war dagegen die Nachfrage im Bexleidungsgewerbe,
In den letzten Wochen war es nicht
mmer möglich, den Bedarf zu decken. Diese Besserung ist
jedoch lediglich auf die bevorstehenden Feiertage (Ostern,
Pfingsten) zurückzuführen. Auch im Baugewerbe war eine
Besserung — besonders bei den Malern — festzustellen
Für die Angestellten im Handel und Gewerbe ist die Lage
äußerst schlecht. Bedarf besteht fast gar nicht.
In der weiblichen Abteilung sind ausgebildete Hausangestellte
gesucht, während an nicht ausgebildeten Kräften
Ueberangebot besteht. Im Bekleidungsgewerbe ist ebenfalls
eine Besserung eingetreten. Zur Zeit sind noch offene Stellen
als Schneiderinnen frei. Im kaufmännischen Gewerbe mach!
sich eine weitere Verschlechterung bemerkbar.
Das Berufsamt wird zur Zeit sehr stark in Anspruch
zenommen, Die Kinder sind aus der Schule gekommen, und
viele Eltern, die ‚sich bisher immer noch Zeit genommen
‘atten, haben jetzt‘ das Berufsamt aufgesucht. Die Berufsvünsche
konnten zum größten Teit befriedigt werden. Außer:
ardentliche Schwierigkeiten bereitet wieder die Unterbringung
ler Kinder, die geistig oder körperlich etwas zurückgeblieber
;ind. Auch die Schüler, die die 8. Volksschulklasse noch
ıicht erreicht haben, sind schwierig unterzubringen. Die
_ehrherrn werden auch von dieser Stelle aus gebeten, hieı
m volkswirtschaftlichen Interesse mit behilflich zu sein und
3Zedenken zurückzustellen, die etwa wegen Einstellung solcher
Schüler gekommen sind. Der beste Schüler ist nnch imme'
nicht der beste Handarbeiter.
An die Eltern, die für ihre Kinder noch keine Lehrstelle
pesorgt haben, geht die Bitte, nunmehr sich unverzüglich
nit dem Berufsamt in Verbindung zu setzen. das nach viele
chrstellen zur Verfügung hat
Verkehr: ‚esen.
Eisen bah A.
Saarbahnen.
Ausnahmetarif SBI Saarbahnen — Belgien.
‚ Wie bereits in der Nr. 15 der ‚„Saar-Wirtschaftszeitung“‘
‚om 16. April 1927 mitgeteilt, tritt am 1. Mai der. vorzenannte
Ausnahmetarif für Erzeugnisse aus Eisen und
Stahl im Verkehr zwischen bestimmten Stationen der Saarahnen
‚einerseits und der belgischen Stationen Antwerpen
Bassin et Entrepöt tr. und Antwerpen Süd tr. andererseits
ei Leitung über Strecken der deutschen Reichsbahn in
<raft. ;
Die Frachteatrzp Aiezec Tarlic werden vewährt. wenn der
Absender im Frachtbrief nichts Gegenteiliges vorschreibt und
liese Frachtgutsendungen unmittelbar von der Eisenbahn
auf das Seeschiff umgeschlagen werden oder während ihreı
Einlagerung dauernd unter Zollkontrolle bleiben. Die Leitung
jer Sendungen erfolgt über Saarhölzbach Grenze und Los:
ı1eim Grenze. Die in dem Tarif aufgenommenen Erzeugnisse
ıus Eisen und Stahl und ihre Einreihung in die verschie:
lenen Güterklassen A bis K ergeben sich aus der nach-°olgenden
Gütereinteilung. Die Fracht wird für die ganze
Zeförderungsstrecke zwischen Stationen der Saarbahnen unc
len Empfangsstationen Antwerpen Bassin et Entrepöt unc
Antwernen Sünd transit nach direkten Frachtsätzen in hel