Frankreichs Kohle”
Von Dr. W. Cartellieri, Saarbrücken.
scho:
Die französische Kohlenförderung hat im
Jahre 1926 mit 52,5 Mill. t einen neuen Höchststand
erreicht. Die Zunahme gegenüber 1925 berägt
4,4 Mill. t = 9% und gegenüber 1913 11,6
Millionen t = 28%. Bei dem Vergleich mit der
Vorkriegszeit muß allerdings der durch die Einvereibung
Elsaß-Lothringens verursachte Zuwachs berücksichtigt
werden. Läßt man die lothringischen
Gruben außer Betracht, so ergibt sich für das altfranzösische
Gebiet gegenüber 1913 immerhin noch
eine Steigerung von 15,4%, also in einem Ausmaße,
wie sie außer Holland kein europäisches .Land
für 1926 aufzuweisen hat. Darin kennzeichnet sich
der gewaltige Aufschwung des französischen Kohlenbergbaues.
Der englische Bergarbeiterstreik hat
diese Entwicklung außerordentlich begünstigt.
An der gesamtfranzösischen Förderung des Jahres
1926 nehmen die Kohlengruben des Nord und Pasde-Calais
mit 32,5 Mill. t und die lothringischen
Gruben mit 5,3 Mill. t teil. Die nordfranzösischen
Gruben sind damit auf 19% über Vorkriegsförderung
angelangt, nachdem sie bereits im
Jahre 1925 den Stand von 1913 wiedererreicht
hatten. Diese Tatsache hat auch für das Saarzebiet
Bedeutung insofern, als ja die Saargruben an
Frankreich als Ersatz für den Ausfall der kriegszerstörten
Zechen Nordfrankreichs übereignet wurden.
Diese Begründung ist seit Jahr und Tag
hinfällig geworden.
Noch stärker ist die Steigerung der Förderung
bei den lothringischen Gruben, die ihre
Vorkriegsförderung von 3,8 Mill. t um 1,5 Mill. t,
also um 10 Prozent erhöht haben und mit 5,3 Mill. t
mehr als ein Zehntel der gesamtfranzösischen Förderung
liefern. Genau genommen müßte allerdings
ein Teil dieser Förderung dem Saargebiet zugeschrieben
werden, da von Lothringefi her ein Abbau
von Saarkohle unter der Grenze hinweg stattfindet.
Für das Jahr 1926 handelt es sich hierbei um etwa
278 000 t.
Die Kokserzeugung Frankreichs weist gegenüber
1925 eine Zunahme um 700000 t, die Briketterzeugung
um 500000 t auf. An der Gesamtkokserzeugung
von 3,8 Mill. t ist Nordfrank-:eich
mit 2,9 Mill. t, Lothringen mit 152000 t beeiligt.
Im einzelnen ergibt die Kohlenförderung, Koksand
Briketterzeugung Frankreichs im Jahre 1926
folgendes Bild (in t):
Kohlenförderung:
davon Nord und
Frankreich Pas-de-Calais
52477 972 32523 746
48 033 564 28 730 224
44 955 320 25 646 514
10844 218*) 273091 307
Kokserzeugung:
3 767 400 2902167 152 797
3.064 918 2335 585 138512
Briketterzeugung:
1926 4 102 370 2443 203 —
1925 3 653 702 2174 797 —
In den Ziffern der Kohlenförderung ist auch die
Förderung an Braunkohle enthalten. Diese ist
*\ Ohne Lathrincen
jedoch sehr gering. Sie beträgt in 1926 rund 1
Million t, fällt also für die französische Kohlenwirtschaft
— im Gegensatz zur deutschen — kaum ins
Gewicht.
Im Zusammenhang mit der Förderung verdienen
die Ziffern über Belegschaft und Leistung
beachtet zu werden. Es beträgt die
Durschnittl.
Belegschaft Durchschn. Leistung
«nt. u. über Tage pro Kopf in To,
7151 0,56
704 0,54
91 0,52
„ 86 804 0,51
191, 130. 203 208 0,67
Wie ersichtlich, ist die Zunahme der Förderung
nit einer außerordentlichen Vermehrung der Beiegschaft
verbunden. Diese ist von 203000
Köpfen in 1913 auf 333000 Köpfe in 1926 angewachsen.
Einer Förderungszunahme von 28%
steht somit eine Belegschaftsvergjehrung von 64%
gegenüber. Eine ähnliche Erscheinung ist ja auch
m Saarbergbau zu beobachten. Die durchschnittliche
Tagesleistung des Arbeiters unter und über
Tage hat, obwohlvon Jahr zu Jahr sich verbessernd,
den Friedensstand noch nicht wieder erreicht. Auf
Französischer Seite wird darauf hingewiesen, daß die
Arbeitsleistung um 60% geringer als in England
ınd um 53% geringer als an der Ruhr sei. Man
arklärt dies aus der Verschiedenheit der Abbauverhältnisse
einerseits und der Arbeitsdauer andererseits.
Die Ziffern der durchschnittlichen Tagesförderung
führen nochmals die Aufwärtsentwicklung
der Förderung vor Augen. Nach dem Dezemberergebnis
1926 entfallen von der durchschnittlichen
Tagesförderung von 185922 t 114920 t auf die
Gruben des Nord und Pas-de-Calais, 51 715 t auf die
Gruben in Mittel- und Südfrankreich und 19287 t
auf die Gruben in Lothringen.
Trotz gesteigerter Produktion bleibt Frankreich
noch ein Kohleneinfuhrland. Aber es rückt
von Jahr zu Jahr seinem Ziele, unabhängig vom
Auslande zu werden, einen Schritt näher. Nach dem
kürzlich erschienenen Bericht des Zentralkomitees
der Kohlengruben hat Frankreich im Jahre 1920
12%, im Jahre 1923 56%, im Jahre 1924 60%
und im Jahre 1925 64% des Verbrauchs aus der
Eigenproduktion decken können. Im Jahre 1926 ist
dieser Prozentsatz weiter auf 66% gestiegen. Einer
Kohlenförderung von 52,5 Mill. t steht ein Kohlenverbrauch
von 79% Mill. t gegenüber. Die Kohleneinfuhr
macht also noch ein Drittel des französischen
Bedarfs aus. Hierbei ist Frankreich jedoch
nicht lediglich auf das Ausland angewiesen, sondern es
stehen ihm noch die Saargruben mit einer jährlichen
Förderung von 13 bis 14 Mill. t zur Verfügung.
Die ausländische Kohleneinfuhr Frankreichs ist
dementsprechend von 25,1 Mill. t in 1924 und 18,4
Millionen t in 1925 auf 15,4 Mill. t in 1926 zurückgegangen.
England, das 1925 10 Mill. t lieferte,
fiel durch den Bergarbeiterstreik auf 4,2 Mill. t
zurück. Dafür trat Deutschland mit 7,7 Mill. t (1925
5,5 Mill. t) an die Spitze, an dritter Stelle kommt
Belgien-Luxemburg mit 2,3 Mill. t (1925 1,9 Mill. t).
Der Anteil der ührigen Länder wie Halland. Ver
Janur