Full text : 32.1927 (0032)

haben, sowie ihre Verbesserungswünsche zur Kennt-1is
 zu bringen, damit diese an den Verlag weitergegeben
 werden können. Bei der besonderen Bedeutung,
 die dem Zollhandbuch gerade für das
3aargebiet zukommt, darf erwartet werden, daß den
Wünschen der Handelskammer in weitgehendstem
Maße Rechnung getragen wird,

Warnung!

Ein Herr Karl Ostermann vertreibt im Saargebiet,
angeblich im Auftrage der Industrie- und Handelskammer
3erlin, ein Buch „Kaufmännische Bibliothek“. Die Industrieınd
 Handelskammer Berlin hat erklärt, daß sie Herrn Osternann
 keinerlei Auftrag zum Vertrieb des Buches erteilt habe,
Abgesehen davon, daß durch einen solchen Vertrieb dem
niesigen Buchhandel unlautere Konkurrenz gemacht wird,
‚st das Buch nach Mitteilung sachverständiger Kaufleute als
solches keineswegs zu empfehlen.

Verlängerung der Frist für die Stellung von Anirägen
 auf Barablösung von Reichs- und Staatsanleihealtbesitz.

Der deutsche Finanzkommissar für das Versorgungswesen
im Saargebiet teilt mit:
Der Herr Reichsminister der Finanzen hat
die Frist für die Stellung der Anträge auf
Barablösung von Altbesitz an Reichs- und
Staatsanleihen bis zum 30. April 1927 verlängert.
 Innerhalb dieser Frist können also Altbesitzer
von höchstens 900 Mark Reichs- und Staatsanleihen, soweit
sie im Jahre 1926 ein Einkommen von nicht mehr als
11250 Fr. gehabt haben, beim zuständigen Bürgermeisteramt,
in der Stadt Saarbrücken im Rathaus, Zimmer 21, Antrag auf
3Zarablösung, also auf Auszahlung des auf ihren Anleihealtbesitz
 entfallenden Barbetrages stellen.
Es ist festgestellt, daß ein großer Teil der Anleihealtbesitzer,
 die nach den geltenden Bestimmungen Anspruch
auf Barablösung haben dürften, bisher noch keinerlei Schritte
unternommen haben, um ihren Anspruch geltend zu machen,
Insbesondere sind Anleihen noch heute bei den Banken und
Sparkassen hinterlegt. Die Banken und Sparkassen sind nicht
‚erechtigt, die Anträge zu stellen. Wer sich also vor Ver-\usten
 schützen will, muß sofort selbst für die Antragstellung
die nötigen Schritte unternehmen.

Zum 50jiährigen Dienstjubiläum
des Herrn Direktor Högel, Sulzbach.
Am 1. April dieses Jahres konnte Herr Direktor
1ögel auf eine 50jährige ununterbrochene Tätigzeit
 im Dienste der Vereinigten Vopelius’schen und
Wentzel’schen Glashütten G. m. b.H., Sulzbach, und
hrer Vorgängerin zurückblicken. Zu diesem Ehrentage
 haben die Handelskammer und der Verein
zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen
 im Saargebiet Herrn Högel ihre herz-;ichsten
 Glückwünsche übermittelt und dem Wunsche
Ausdruck gegeben, daß dem Jubilar noch lange
fahre besten persönlichen Wohlergehens und nach
getaner Arbeit ein ungetrübter Lebensabend hbeschieden
 sein möpre.

Niederschrift über die zweite Vollsitzung der Handelskammer
 zu Saarbrücken am 21. März 1927.
(Schluß.)
Zu Punkt4 der Tagesordnung: „Bericht über die
allgemeine Wirtschaftslage (Kohlenpreise, Frachten, Steuern)‘
weist der Syndikus zunächst einleitend auf die Entwickelung
 und den jetzigen Stand der Kohlenmpreis:

rage hin, wie sie aus den Presseveröffentlichungen der
etzten Zeit hinreichend bekannt ist. Er berichtet dann weiter
ängehend über die Bestrebungen zur Senkung der Güter-‚arife.
 Die am 15. März vorgenommene Ermäßigung der
Tarife habe sich in dem Rahmen zwischen 2% und 7%
zehalten, aber der Durchschnitt der Ermäßigung liege er-1eblich
 näher bei 2% als bei 700. Es sei ganz unabveisbar,
 daß dieser Ermäßigung eine weitere Senkung folge.
Man habe bei den Verhandlungen mit der Eisenbahndirektion
‚ofort auf die Notwendigkeit einer stärkeren Ermäßigung hinzewiesen.
 Die Eisenbahndirektion habe demgegenüber geltend
zemacht, sie müsse erst eine weitere Senkung ihrer Getehungskosten
 als Auswirkung der allgemeinen Senkung des
‚aarländischen Preisniveaus abwarten. Sie sei ja auch umsekehrt
 in der Frankeninflation mit der Heraufsetzung ihrer
Tarife immer der Kurs- und Indexentwickelung nachgehinkt.
die Geschäftsführung habe es demgegenüber für notwendig
jezeichnet, daß die Eisenbahndirektion ein — nur sehr
zeringes — Risiko in der sicheren Erwartung der Senkung
jer Geschäftskosten übernehme, indem sie schon, bevor ein
‚ahlenmäßiges Ergebnis der allgemeinen Senkung des Preisuniveaus
 eingetreten sei, auch ihrerseits die notwendige Senkung
 vornehme und so selbst zu einer Senkung des allzemeinen
 Niveaus beitrage. Die Eisenbahndirektion habe aber
zeglaubt, nicht von ihrem Standpunkt abgehen zu können,
5s sei notwendig, jetzt erneut an die Eisenbahndirektion
jeranzutreten und die erforderliche weitere Senkung der
Farife zu erbitten. Die Senkung dürfe sich nicht nur auf die
3ütertarife, sondern müsse sich auch auf die Nebengebühren
irstrecken. Die Versammlung beschließt einstimmig, sich entsprechend
 diesem Vorschlag erneut an die Eisenbahndirektion
zu wenden. Das in Verfolg dieses Beschlusses abgesandte
Schreiben ist in dieser Nummer der „Saar-Wirtschaftszeitung‘“
zeite 201, veröffentlicht.
Der Syndikus gibt ferner Bericht über die Bestrebungen
zur Herbeiführung direkter Tarife im Verkehr mit
der Reichsbahn, die wegen Wegfall der doppelten Staffelung
und doppelten Abfertigungsgebühr eine wesentliche, aber
auch unbedingt notwendige Senkung der Frachtkosten im
Jerkehr mit dem übrigen Deutschland bedeuten würden. Wie
‚chon mitgeteilt, habe die Eisenbahndirektion in Aussicht
zestellt, daß der direkte Tarif für alle Erzeugnisse der
>isenindustrie bereits am 1. April in Kraft träte, Leider
ießen neuere Nachrichten darauf schließen, daß die Anrelegemheit
 noch nicht so ganz glatt verliefe, Die Geschäftsüchrung
 halte sich in dieser Frage natürlich ständig in
‘ühlungnahme mit der Eisenbahndirektion und mit den in
'rage kommenden Stellen der Reichsbahn. Die Reichsbahn
vünsche — was selbstverständlich auch von der gesamten
jaarwirtschaft als dringend erwünscht bezeichnet werden
nüsse —, daß nicht nur für die Erzeugnisse der Eisenndustrie,
 sondern mindestens auch für alle anderen
wichtigen Waren, wenn nicht sogar ganz allgenein
 direkte Tarife erstellt werden sollten. Die Eisensahndirektion
 des Saargebietes glaube aber, sich zunächst
ediglich auf die Eisentarife beschränken zu müssen, und verveise
 darauf, daß sonst eine Verzögerung dieses wichtigsten
lirekten Tarifs eintreten könne. Es sei also kein grund-‚ätzlicher
 Gegensatz, sondern lediglich eine technische oder
uch taktische Frage, die noch zu lösen sei. Man müsse
elbstverständlich auf dem Standpunkt stehen, daß nach
Möglichkeit für alle Waren der direkte Tarif erreicht werden
olle und daß irgendwelche Verzögerungen vermieden werden
nüßten. Die Geschäftsführung wird von der Vollversammlung
jeauftragt, in diesem Sinne die Verhandlungen weiterzuführen,
Der Syndikus berichtet dann weiter über die Aktion zur
jenkung der Steuerlast. Leider hätten die besonders vom
Jandel unterstützten Bestrebungen zur Senkung der Um -
‚atzsteuer kein besonders geneigtes Ohr bei der Rerzierungskommission
 gefunden. Die Regierungskommission
;tehe auf dem Standpunkt, daß der Zeitpunkt zur Senkung
ier Umsatzsteuer noch nicht gekommen sei, wenn sie sich
auch den zwingenden Gründen für zum mindesten allmähichen
 Abbau der Umsatzsteuer nicht verschließe. Es sei
laher wenig Hoffnung vorhanden, daß man auf dem Gebiete
ler Umsatzsteuer zu einem augenblicklichen Erfolg komme,
Man dürfe dann weiter. erwarten, daß die Regierungskomnission
 gewisse Milderungen der Gewerbesteuer und
ne Ermäßigung der Lohnsteuer durch Erhöhung der
\bzüge vornehme. Bei der Gewerbesteuer handle es sich
ım eine Erhöhung der Ertragsgrenzen bei der degressiven
Staffelung der Umsatzsteuer zu Gunsten der kleineren Be-:riebe
 und ferner um besondere Maßnahmen für die hilfsweise
 Besteuerung nach dem Umsatz bei denjenigen Unterı1ehmen,
 bei denen regelmäßig der Ertrag nur einen geringen
Drozentsatz des Umsatzes ausmache. Man müsse betonen,
laß diese geplanten Erleichterungen durchaus nicht genügend
;jeien und daß die Regierungskommission energisch an den
weiteren Abbau der Steuerlast im Saargebiet herangeher
nüsse Hierzu sei allerdings notwendig. daß sie das Prn-
            
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