Full text : 32.1927 (0032)

Wir möchten es uns versagen, bei dieser Gelegenheit auf die
zroßen Schädigungen hinzuweisen, die vielfach durch die
sogenannte Luxussteuer für alle Kreise der Bevölkerung entstehen,
 möchten jedoch darauf aufmerksam machen, daß
hier ein besonders krasser Fall vorliegt, der dringend der
Abänderung bedarf. Wir hoffen deshalb, daß die Regierungskommission
 sofort eine Verordnung erläßt, die den gerügten
schweren Mißstand abändert. Gleichzeitig möchten wir auf
unsern wiederholt vorgetragenen dringenden Wunsch hinsichtlich
 einer Erhöhung der in der saarländischen Luxussteuerliste
»nthaltenen Preisgrenzen hinweisen. Unser erster Antrag in

lıeser Frage liegt nun schon fast 3, Jahr zurück. Dabei liegt
lie Berechtigung unserer Forderung (Anpassung der Preisrrenzen
 an Frankenentwertung und Preissteigerung durch eine
erhöhung um mindestens 100 Prozent) so klar aut der Hand,
laß es uns einfach unverständlich erscheint, daß trotz wieder-1olter
 dringender Vorstellungen bis heute noch nicht die von
ıns angeregte Verordnung erlassen worden ist. Da wir uns
ıun unmöglich länger vertrösten lassen können und wir auf
ine klare Entscheidung Wert legen müssen, bitten wir Sie
ıns mitzuteilen, ob wir überhaupt noch auf eine baldige
°ntscheidung in dieser Frage rechnen dürfen.

Aus dem Geschäftsbericht der Vereinsbank Saarbrücken.
Dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht der Vereins-3ank
 Saarbrücken über das Geschäftsjahr 1926 entnehmen
wir auszugsweise folgende Ausführungen:
Das Geschäftsjahr 1926 stand im Zeichen größter
Währungsunsicherheit. Während der französische Franken,
lie derzeitige gesetzliche Währung des Saargebietes, in den
Es notierten an der Pariser Börse:

arsten sieben Monaten fortgesetzter Entwertung unterlag,
<onnte sich sein Kurswert nach dem gegen Ende Juli einzetretenen
 Umschwunge im weiteren Verlauf des Jahres
wieder bis unter die Jahresanfangsnotiz bessern. Dabei vollzogen
 sich Verschlechterung und Besserung nicht ohne mehr
oder weniger große Schwankungen.

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Jahresanfang 6,41 20, Juli 49,22
(höchster Kurs)

20. Dezember 24,62 Jahresschluss 235.29
(niedrigster Kurs)
Es war den betreffenden Mitgliedern, die übrigens auch
;onstige bankgeschäftliche Umsätze mit uns tätiren, damals
ıicht möglich, anderweit anzukommen. Die Notwendigkeit
i;olcher ausnahmsweisen Gewährung von festen Hypotheken
lürfte sich indessen für uns jetzt kaum noch ergeben, da
nit der im Saargebiete seit einiger Zeit begonnenen Bereittellung
 von mäßig zu verzinsenden Baugeldern und Bau-‚eld-Zuschüssen
 aus öffentlichen Mitteln und mit der am
3. vorigen Monats erschienenen Verordnung der Revierungs-:ommission,
 die nunmehr die Eintragung von Feingold-„.vpotheken
 im Saargebiete zuläßt, der Baugeldmarkt eine
rünstige Beeinflussig erfahren hat. Allerdings machen es
lie Ausführungsbestimmungen der Regierungskom-rission zu
aner Verordnung den Hypothekenbanken im Reiche immer
ıoch unmöglich, Hypotheken, die in Reichsmark auf Feinroldbasis
 lauten müßten, nach dem Saargebiet zu geben.
Es ist aus dem Kreise unserer Mitglieder hie und da
‚eäußert worden, man würde gerne noch einige Geschäftsnteile
 zeichnen bzw. größere Zahlungen auf die Geschäftsnteile
 leisten, wenn man nicht befürchtete, daß man aus dem
leschäftsanteilguthaben bei weiterer Verschlechterung des
ranzösischen Franken Einbußen zu erwarten hätte. Wir
aben jenen Mitgliedern erwidert und heben es auch an
lieser Stelle hervor, daß sich die jetzigen Verhältnisse von
‚enjenigen zur Zeit der Papiermark-Inflation insofern grund->gend
 unterscheiden, als damals der Satz „Mark gleich
Aark“ galt, und sich deshalb die von den Banken ausreliehenen
 Gelder mit dem Markschwund genau so entwerten
1ußten, wie die bei ihnen angelegten Beträre. Aus den
semachten Erfahrungen heraus aber ist die Bankkundschaft
jeit einigen Jahren dazu übergegangen, ihre Erührirungen in
ler Hauptsache nur noch in hochwertivzen Valuten, insjesondere
 in Reichsmark und U.S.A.-Dollar, anzulegen, wie
» auch bei den Banken längst Brauch ist, Kredite in der
Tauptsache nur noch in Reichsmark und U.S.A.-Dollar hinausugehen
 und bei den noch wenizen in der Frankenwährung
‚ewilligten Vorschüssen die Währungsgarantie zu verlangen.
So nach menschlichem Ermessen geven Währunmssverluste
us den Ausleihungen geschützt, hat die Verwaltung unserer
jenossenschaft die feste Ueberzeueung, daß sie bei früher
der später vorzunehmender Umstellung unserer Bilanz in
ine stabile Währung aller Voraussicht nach in der Lage
ein wird, das auf die Geschäftsanteile eingezahlte Franken-:anital
 im Verhältnis des Goldkerns zur Zeit seiner Enttehung
 umstellen zu können. Zu dieser Hoffnung dürften
vir um so mehr berechtigt sein, als wir von jeher bei
nserer Geschäftsführung die Pflege der Suhstanzerhaltung
len anderen Gesichtspunkten vorangestellt haben. Die Mitlieder
 können also normalerweise in aller Ruhe nach besten
Zräften Einzahlungen auf die übernommenen Geschäftsanteile
sisten und, soweit möglich, neue Geschäftsanteile hinzu-‘rwerben.
 Eine Gefahr, infolge der Entwertung des fran-‚ösischen
 Franken aus ihrem Geschäftsanteilguthahen Veruste
 zu erleiden, besteht, wie wir heute die Dinge sehen,
ach menschlichem Ermessen nicht. Wie nun auch feststeht.

Vorstehende Zusammenstellung spricht mehr als lange Auseinandersetzungen.
 Man bedenke nur. daß der höchste
Dollarstand vom 20. Juli, also ungefähr der Mitte des Jahres,
mit 490,22 Fr. fast das Doppelte der Anfangs- und Schlußkurse
des Berichtsiahres ausmachte. Die Begleiterscheinungen solcher
enormer Wertschwankungen der Landeswährung sind allen
bekannt, die im Wirtschaftsleben stehen. Sie wissen auch,
wie jeder Unternehmer unter der Möglichkeit zuverlässiger
Kalkulation litt, und wie die Verwalter fremder Gelder
je nach der Heftigkeit der Währungsschwankungen täglich
vor neue mehr oder weniger schwierige Erwägungen gestellt
wurden, wie sie die ihnen anvertrauten weitverzweigten
'nteressen wohl am besten wahren könnten.
Nach Vorgesagtem darf es nicht wundernehmen, daß sich
die Entwickelung des saarländischen Wirtschaftslebens von
derjenigen im Reiche in ungünstiger Weise stark -unterschied.
 Während sich drüben unter der stabilen Währung, der
Reichsmark, die Kräfte des Aufhaues durchzusetzen vermochten
 und besonders im zweiten Halbjahre 1926 aus
den verschiedensten Wirtschaftszweigen von deutlichen
Zeichen des Fortschrittes berichtet werden konnte, hatten
Handwerk, Industrie, Handel und Gewerbe im Saargebiet,
las an und für sich schon unter den Folgen der Abtrennung
vom übrigen Deutschland und unter der Einbeziehung in
das französische Zollgebiet leidet, gerade in jenem letzten
Halbjahre infolge der geschilderten Schwierigkeiten und iniolge
 der verringerten Kaufkraft der Bevölkerung selbst bei
tüchtigster und vorsichtigster Geschäftsführung über mehr
oder minder große Rückvänge der Umsätze und auch sonst
über ungünstigen Geschäftsgang zu klagen.
Dies alles spiegelt sich natürlich auch in den Betrieben
der Banken wider, und es muß erneut hervorgehoben werden.g
daß die saarländische Wirtschaft nicht eher zur Ruhe Knmman N
kann, bis die Probleme der Währung und des Zolles die j$
yzeeignete Lösung gefunden haben werden. #
Wie aus unseren Gegenüberstellungen an anderer Stelle
hervorgeht, hat sich im Berichtsjahre die Zahl der bei
uns geführten Konten und die Summe der uns anvertrauten
Gelder auch weiterhin nicht unerheblich vermehrt. Für das
unserer Kreditgenossenschaft damit entgegenvebrachte Vertrauen
 danken wir auch an dieser Stelle allen Beteiligten
aufs beste; die gute und gesicherte Verwaltung der uns anvertrauten
 Gelder wird stets unsere erste Sorge bleiben.
In dem Bestreben, allen aus dem Kreise unserer Mitglieder
an uns ‘herantretenden berechtigten Wünschen — soweit
tragbar — zu entsprechen, haben wir im Berichtsiahre, obwohl
 die Ausleihung fester, d. h. umsatzloser Hvpotheken
nicht im Rahmen unseres Geschäftskreises als Kreditgenossenschaft
 liegen kann, sondern Sache der öffentlichen Sparkassen
 und Hypothekenbanken ist, welche sich durch die
Hereinnahme von Mündelgeldern bzw. durch die Ausvabe
‚on Hypothekenpfandbriefen die entsprechenden langfristigen
Mittel beschaffen können, in einigen besonders gelagerten
7ällen ausnahmsweise feste Hypotheken in bescheidenem
Zahmen und mit entsprechender Kündigungsfrist bewilligt.
            
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