Full text : 32.1927 (0032)

errechnen. Und diese Ersparnisse werden später nach Aufstellung
 der neuen Maschine nachgeprüft.
Der Austauschbau hat es mit sich gebracht, daß eine weitzehende
 Spezialisierung und wirtschatt.iiche Zusammenfassung
(Zentralisation) von Arbeiten in einzelnen Werkstätten ernöglicht
 wurde, Zunächst haben wir in unserem Gebiet eine
Grobzentralisierung vorgenommen dadurch, daß alle Wagen
in der Hauptwerkstätte Burbach ausgebessert werden (früher
auch in St. Wendel), ferner daß von den Lokomotiven, die
irüher ohne diesen Unterschied in den Hauptwerkstätten
Saarbrücken und St. Wendel ausgebessert wurden, die Heißidampflokomotiven
 nur noch in St. Wendel, die Naßdampfokomotiven
 nur noch in Saarbrücken bearbeitet werden.
Alle die zahlreichen Gerätearten werden je nach ihren Eigenschaften
 nur noch in je einer besonders geeigneten Werkstätte
 behandelt. Zentralisiert sind ferner in Saarbrücken die
Kesselschmiede, die Eisengießerei mit Modellschreinerei, die
Rotgießerei, die Werkzeugmacherei, die Großschweißerei, die
Herstellung der Heizungskuppelungen und vieles andere,
in Burbach die Luftbremsteile, die Holzbearbeitung, die Sattierei,
 die elektrischen Arbeiten, die Federherstellung und
anderes, in St. Wendel die Weichenbauten, Pumpenarbeiten
für Lokomotiven und Preßarbeiten,
Die letztgenannten Arbeiten, ausgeführt in der Gesenkschmiede
 St. Wendel, geben ein Beispiel, wie eine Rationalisierung
 durch Zusammenstellung, Ergänzung und zweckmäßige
Anlage vorhandener Einrichtungen erreicht wird. Früher
wurde in allen drei Hauptwerkstätten eine unvoilkommene
ınd Zzersplitterte Reihenherstellung der verschiedensten
Schmiede- und Preßteile betrieben. Ueberall waren Hämmer,
Pressen, Feuer und Oefen im Gang, je nach dem örtlichen
Bedarf und dem Ermessen der örtlichen Leitung. Kürzlich
wurde nun zur Auffrischung gebrauchter Oberbauteile eine
Spindelpresse und ein Siemensofen in St. Wendel aufgestellt.
Es Jag nahe, die dadurch nicht voll beanspruchte Presse durch
Ausführung von Gesenkschmiedearbeiten für den Fahrzeughau
voll auszunutzen und die vorhandenen gleichartigen Einrichtungen
 aus ihrer bisherigen Zerstreuung in St. Wendel zusammenzubringen,
 sie zu ergänzen und so eine kleine Gesenkschmiede
 zu erhalten, in der nunmehr durch Zentralisierung
aller derartigen Arbeiten die vorhandenen Einrichtungen wirtschaftlich
 voll ausgenutzt werden. Ist doch die Ausnutzung
aller vorhandenen Einrichtungen ein sehr wichtiger Teil jeder
Rationalisierung.
Eine nicht zu unterschätzende Auswirkung der Rationalisierung
 im Werkstättenbetriehe zeigt sich naturgemäß in der
Verbesserung der Lagerwirtschaft und der Beschaffung. Durch
systematische Verringerung der zu lagernden Sorten konnte
:ine Verminderung des Kapitalaufwandes für Lagerhaltung
ınd eine Vereinfachung im Beschaffungswesen erreicht werden.
 Durch Einführung von Karteien für Lagerhaltung und
Fahrzeugbau werden diese Bestrebungen noch beschleunigt.
Mit besonderem Nachdruck hat sich die Rationalisierung
des Werkstättenbetriebes auch auf die eigent'iche Arbeitsarganisation
 und deren Leitung geworfen. Huldigte man
irüher dem Bestreben, möglichst viele Fahrzeuge zu gleicher
Zeit in die Werkstätten aufzunehmen und dem einzelnen
Fahrzeug wenig Köpfe zuzuteilen, so ist dies jetzt umgekehrt.
Möglichst wenig Fahrzeuge so!len aufgenommen, aber mit der
vollen Wucht aller verfügbaren Kräfte hearbeitet werden.
Letzteres ist durch die Normung und den damit verbundenen
Vorratsbau, die Reihenarbeit, die Spezialisierung, d. h. in
seinem Wort zusammengefaßt: durch weitgehendste Arbeitsteilung
 ermöglicht. Wo früher beispielsweise eine Arbeiterkolonne
 ihr Fahrzeug übernahm, es zerlegte, die Transporte
der Einzelteile besorgte und die Wiederherstel!lung und
Wiederanbringung vornahm, haben wir jetzt für folgende
Arbeitsausführungen Spezialgruppen, die immer nur ihre bestimmte
 Einzelarbeit vornehmen: Zerlegen des Fahrzeuges,
Transporte der Teile nach bestimmten Plänen und mit modernen
 Transportwerkzeugen, Reinigen der Teile, Wiederherstelung
 der Achsen, der Lager, der Stangen, der Rahmen, der
<essel, der Röhren, der Pumpen, der Ventile usw., Vermessen,
Zusammenbau und Fertigstellung. Diese Arbeiten werden
'eilweise an den Fahrzeugen selbst ausgeführt, teilweise in
»nzelnen Sonderwerkstätten, in die die früheren Groß-Abteiungen,
 wie Dreherei usw., zerlegt worden sind, und die ihren
Dlatz jeweils dicht bei der Stelle gefunden haben, wo die
hergestellten Gegenstände gebraucht werden. Mit einem trefienden
 Ausdruck läßt sich diese konzentrierte Arbeitsweise
as „Gleichzeitigarbeit“ bezeichnen. Sie ist die
Seele der Rationalisierung in der Arbeitsorganisation
 von Ausbesserungs betrieben. Zu ihrer Sständigen
 Verbesserung und damit zu einer wesentlichen Herabninderung
 der Ausbesserungsdauer werden Arbeitsdiagramme
aufgestellt, die erkennen lassen, an welcher Stelle der Hebel
zur immer weiteren Verminderung der Ausbesserungszeit anzusetzen
 ist, Was aber bedeutet die Verminderung der Ausdesserungsdauer
 und die Verminderung der gleichzeitig in
Ausbesserung befindlichen Fahrzeuge anders als die

jerabsetzung des sogenannten Ausbesse-'ungsstandes.
 Unter Ausbesserungsstand verstehen wir
las prozentuale Verhältnis der in Ausbesserung befindiichen
7ahrzeuge zum Gesamtbestand. Seine Verminderung bedingt
:ine entsprechende stark fühlbare Verminderung des An’agezapitals
 infolge Verkleinerung des Fahrzeugparks und der
Verkanlagen. Die „Gleichzeitigarbeit“ läßt sich bid.ich mit
jinem Flußnetz vergleichen, bei dem der Gang des auszu-‚essernden
 Fahrzeugs den Hauptstrom darsteilt, während man
ich die Herstellung aller Einzelteile als die Nebenflüsse
'enken kann, die ihrerseits wieder kleinere Nebenflüsse haben
verden, Zum Ausgleich in dem verschieden schnellen Lauf
ijeser Nebenflüsse wird man ab und zu gewissermaßen
‘een oder Staubecken bilden müssen. Diese sind dann nichts
nderes als Zwischen!ager fertiger oder halbfertiger Teile.
\ber je größer ihre Zahl, um so unwirtschaftlicher der Berieb.
 Es ist unsere Aufgabe, diese Seen- oder Zwischenagerbildung
 ebenso ängstlich zu vermeiden wie die Pausen
n Gang der Fertigung. Wegen der Wichtigkeit der Verzürzung
 der Ausbesserungsdauer-Frage werden die durchichnitt'ichen
 Ausbesserungszeiten aller Fahrzeuge monatlich
‚erglichen mit bestimmten Sollsätzen. Das Verhältnis von
st zu Soll gibt einen annähernden Anhalt für den richtigen
„auf des Werkbetriebes, und alle Organe haben das Betreben,
 dieses sogenannte Zeitenverhältnis zu verbessern,
Ziner besonderen Ueberwachung wird auch die Ausbesserungseit
 der in Burbach unterhaltenen Privatwagen unterzogen,
amit die FEinsteller möglichst wenig Verluste durch Still->gung
 ihrer Fahrzeuge erleiden.
Die weitgehende Spezialisierung der Arheiten und der
?eihenarbeit ermöglicht nun auch die Einführung eines vielrenannten
 Zweigzes der Rationa'isierung von Betrieben, nämich
 der Fließarbeit. Sie besteht bekanntlich darin, daß
»äne Reihe gleichartiger Stücke von Hand zu Hand geht,
vobei jedesmal ein hestimmter Teil der Arbeit in immer
rleicher Weise vorgenommen wird. Wenn es auch nicht
‚erkannt werden darf, daß die Fließarbeit ihrer Natur nach
ıauptsäch'ich für Anfertigung von Massen gleichartiger
‚euer Teile geeignet ist, so sınd wir doch m't Erfolg hetreht,
 sie auch im Aushesserungswesen durchzuführen. Hier
»ntfaltet sie ihre Hauptwirkung dadurch. daß für die Weiterrabe
 des Werkstückes ein bestimmter Zeitakt fe:tresetzi
vird, der durchgeha'ten werden muß. In der Hauntwer-ktätte
 St. Wendel wandern die ganzen Lokomotiven in Fl'ießırbeit
 der Länge nach durch die Halle,
Für die Durchführung der Gleichzeitigarbeit und
ler Fließarbeit ist eine Voraufnahme der auszuührenden
 Arbeiten Voraussetzung. Sie wird von besonders
lazu bestimmten Beamten vorgenommen. Sie hbringt Ord-1ung
 und Besch'eunigung infolge genau begrenzter Auftrags-»rteilung.
 Für die Ueberwachung des Fortgangs der Arbeiten
ınd der Einha'tung der Tei'fristen sind zeichnerische und
nechanische Hi'fsmittel, die in der Hand des Betriehsleiters
{as Rückgrad für die ganze Arbeıt bilden. in Aufnahme
rekommen.
Um auch bei der Arheiterschaft, deren Arbeitswille einen
Jauntnfeiler der Rationa'isierung bildet, einen Anreiz zu
chaffen, die Arbeitszeit voll auszunutzen, ist ein Gedinge-‚erfahren
 eingeführt. das neuerdings durch Zeitaufnahmen
:ontrolliert wird. d. h. es wird für bestimmte Arheiten durch
7ersuche die nötige Zeit festgesetzt. Verhraucht der Arheiter
ür die Ausführung wenizer Zeit, so erzielt er damit einen
Jeberverdienst. Die Zeitaufnahmen werden unter Mitwirkung
ler Arbeitervertreter und unter Leitung eines Zei*studienneisters
 angestellt. Sie werden kein°swegs dazu ausmenutzt,
len Arbeitern mehr Anstrengungen zuzumuten. als mi* Rückicht
 auf die Arbeitslust und die Gesundheit mög'ich ist.
Die Zeitaufnahmen sind unter Mitwirkung der Arbeiterschaft
o aufgezogyen, daß die Arbeiter, die ja alle Rationalisierung
ınd Spezialisierung mitmachen sollen, sich gerecht behande!t
ühlen müssen. In erster Linie aber ergehen die Zeitaufahmen
 eine genaue Kenntnis der Arbeitsginge und damit
ler: Möglichkeit zu deren Verbesserung.
Es ist selbstverständlich, daß alle diese neuen, auf ge-‚auer
 Einhaltung der Fristen aufgehauten Verfahren eine
rroße Empfindlichkeit zeigen gegenüber etwaigen Schwancungen
 im Zulauf der Ausbesserungstahrzeuge. Eine wichige,
 aber ebenso schwierige Aufgabe ist es daher, einen
Zinfluß auf den Zulauf der Reparaturfahrzeuge zu gewinnen.
VYamentlich bei den Güterwagen war eine Erscheinung sehr
törend, die in der Uebernahme des Wagenparkes für das
jaargebiet ihre Ursache hatte. Die Güterwagen müssen alle
Irei Jahre zur Untersuchung der Hauptwerkstätte Burbach
ugeführt werden. Sie tragen ein entsprechendes Datum,
Jun traf es sich, daß diese Zuführungsdaten nicht gleichnäßig
 über den Zeitraum der drei Jahre verteilt waren, sonlern
 in einzelnen Jahren mehr, in anderen weniger Zulauf
ırachten. Durch Vorverschiebung der Daten wurde ein Ausrzleich
 geschaffen. An den Personenwagen wurden bisher
vahllos alle die Arbeiten ausgeführt, die nach dem Ermessen
            
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