bahn übernommen, bei dem wir, soweit er auf Holzschwellen
verlegt wird, gewisse vorteilhafte Vereinfachungen nach dem
Muster des französischen und belgischen Oberbaues zur Anwendung
bringen. Der neue Oberbau ist von einer außerardentlich
starken Stabilität und für die starken Lasten be-‚echnet,
welche in den kommenden Jahren durch die neuen
Lokomotivkonstruktionen und Großraumgüterwagen zu erwarten
sind, Der fertige Oberbau einschließlich der Bettung
kostet zur Zeit für das laufende Meter etwa 320 Fr., d. h.
320000 Fr. für 1 km.
Von den zahlreichen Problemen, weiche auf dem Gebiete
des Oberbauwesens zur Zeit untersucht werden, ist die
Konstruktion einer neuen Finheitsweiche der Reichsbahn mit
dem starken, neuen Schienenprofil hervorzuheben.
Ferner die Zusammenschweißung der Schienenstöße zur Erzielung
größerer Schienenlängen und zur Verminderung der
Zahl der Stoßstellen, deren zerstörende Wirkung auf ÖObervau
und Fahrzeuge bekannt ist. Die Eisenbahndirektion wird
in nächster Zeit die Schweißung von Schienenstößen nach
dem Elektrothermitverfahren auf einer durchgehenden Hauptstrecke
mit schwerem Verkehr erproben und durchgehende
Schienenlängen von 54 m herstellen.
Im übrigen sind wir im Begritte, die beı der Reichsbahn
bereits bewährten Methoden der Rationalisierung im Oberbauwesen,
insbesondere die Verwendung von Gleisbaumaschinen,
sowie mehrere Verfahren zur Einschränkung der mühsamen
und teueren Handstopfarbeit bei uns einzuführen.
Bezüglich des Brückenbaues erfordert die Betriebssicherneit
große Erneuerungsarbeiten. Wir haben eine Klassi-Hzierung
unserer Strecken unter Berücksichtigung der künftigen
Verkehrslasten und der bestehenden Linienführung vorgenommen,
wonach unsere durchgehenden Hauptstrecken in
die höchste Klasse fallen, für welche ein Achsgewicht der
Fahrzeuge von 25 t in Aussicht genommen ist. Demnach
müssen sämtliche eiserne Brücken des Bahngebietes zunächst
neu berechnet, sodann zum Teil nach einem bestimmten
Programm verstärkt oder erneuert werden.
Auch auf dem Gebiete des Brückenbaues werden wir neue
wirtschaftliche Methoden zur Durchführung bringen. Ich erwähne
die von der Reichsbahn in Aussicht genommenen
neuen Rostschutzfarben; ferner die neuen Vorschriften für
Eisenbauwerke und Holztragewerke, welche eine stärkere
Ausnützung des Materials bei Erhöhung der zulässıgen Beanspruchung
und bei Anwendung neuer Konstruktionsformen
gestatten, Ferner die Einführung des hochwertigen Baustahls,
mit dem die Reichsbahn die besten Erfahrungen
gemacht hat.
Auf dem Eisenbahnsicherungswesen stehen technische Verbesserungen
zur Erröhung der Betriebssicherheit bevor. Auf
den Hauptstrecken werden zur Ankündigung der wichtigen
Vorsignale sogenannte Baken, das sind große Wände, die
auffällig weiß und schwarz gestrichen sind, aufgestellt.
Die Sicherung der Planübergänge, welche starken Kraftwagenverkehr
aufweisen, beschäftigt die Fachleute in be-;onderem
Maße. Auch die Internationale Eisenbahnunion
jehandelt diesen Punkt in ihrem technischen Studienausschuß.
Die Eisenbahndirektion des Saargebietes hat bereits praktische
Versuche mit der Anbringung von Blınklichtsignalen an
?2inem Ueberweg auf der Strecke Neunkirchen—Kohlwald
unternommen und wird demnächst den durch mehrere Kraftwagenunfälle
bekannten Niveauübergang der Provinzialstraße
Saarlouis — Merzig über die Linie Dillingen — Nalbach
mit einer Blinklichtanlage versehen, welche in automatischer
Abhängigkeit von dem herannahenden Zuge und der Stellung
der Schranke steht und sich als ein System abwechselnd auf“:
leuchtender, auffallend farbiger Lichter dem Auge des Kraftwagenführers
aufdrängt, mit einer Lichtstärke, die auch bei
hellem Sonnenlicht durchdringt.
Wir verfolgen mit besonderem Interesse die eingehenden
Versuche der Reichsbahn mit den Lichttagesignalen, welche
lie bisher üblichen Flügelsignale ersetzen sollen und den
Vorteil bieten, daß sie dem Lokomotivführer schärfer in
Erscheinung treten wie das Formsignal, dessen Sichtbarkeit
stark von dem Hintergrund abhängig ist. Auch der Gedanke,
den an ein Haltsignal heranfahrenden Zug automatisch zum
Stillstand zu bringen oder die verbotene Einfahrt durch
eine selbsttätig wirkende Vorrichtung auf der Lokomotive anzuzeigen,
wird durch umfangreiche Versuche der Reichsbahn
der Verwirklichung nähergebracht.
Die endgültige Lösung des Problems der Zugbeeinflussung,
welche voraussichtlich mit elektromagnetischer Vebertragung
ereicht werden soll, wird die Sicherheit des durchgehenden
Zugverkehrs auf ein außerordentliches Maß erhöhen.
Auf dem Gebiete des Telegraphen- und Fernsprechwesens
st eine Vermehrung der direkten Leitungen zwischen den
auptknotenpunkten erforderlich und in Aussicht genommen.
Der vollkommene Ausbau dieser Anlagen, insbesondere die
Ausrüstung der wichtigsten Verkehrszentren mit Fernsprech-Selbstwähleranlagen,
von denen wir nur eine in Homburg
ıesitzen, kann von uns erst im Laufe der kommenden
ahre erreicht werden. Der Ersatz von Freileitungen durch
Cabel und Schutz der Telegraphen-, Fernsprech- und Blockeitungen
gegen auftretende fremde Ströme durch vorhandene
<raftleitungen werden in Zukunft erhebliche Arbeiten heınspruchen.
Die im Bezirk vorhandenen elf Eisenbahntunnels mit einer
jesamtlänge von 5000 m bereiten manche Schwierigkeiten.
Die Tunnelbauwerke haben zum Teil ein erhebliches Alter
‚on 50 bis 60 Jahren und leiden unter der zerstörenden
Wirkung des Wassers und der Druckstellen im Gebirge.
Jeberall, wo Mängel im Mauerwerk oder geringe Deforı1ationen
bekannt werden, muß sofort an eine Ausbesserung
‚erangegangen werden,
Durchgreifende Erneuerungsarbeiten werden seit Januar 1926
mn Bildstocktunnel, auf der wichtigen Strecke Saarbrücken—
deden, vorgenommen und haben infolge der Einrichtung des
ingleisigen Betriebes und der Beschränkung der Fahrgeıchwindigkeit
Erschwernisse für den Betrieb zur Folge. Wir
ı1offen, die gesamten Arbeiten, die außerordentliche Vorsichtsnaßregeln
beanspruchen, bis September 1927 vollkommen zu
°nde zu führen.
Der Eisenbahnverwaltung werden fortlaufend Wünsche der
Communalverwaltungen und der Verkehrsorganisationen vorjetragen,
die sich erstrecken auf die Erstellung von Neujauten
an den Kreuzungen der wichtigsten Verkehrsstraßen
nit den Eisenbahnlinien und auf die baulichen Erweiterungen
‚on Bahnhofsanlagen. Diesen Wünschen wird die Eisenbahn-'erwaltung
nach Möglichkeit im Rahmen der ihr zur Verügung
stehenden Geldmittel nachkommen. So soll z. B. demıächst
die Gemeinde Wiebelskirchen einen Bahnhof für den
’ersonenverkehr erhalten.
Als Ersatz für aufzuhebende Planübergänge soll in Alten-7ald
eine neue Straßenunterführung und auf der Strecke
“ölklingen—Bous eine Wegeüberführung hergestellt werden.
Die Frage der Erweiterung von Bahnhofsanlagen, welche
n absehbarer Zeit den Anforderungen des Verkehrs nicht
nehr genügen, befindet sich bei der Eisenbahndirektion in
ortlaufendem Studium. Es sind Erweiterungsprojekte in Be-'rbeitung
für den Bahnhof Saarbrücken-Burbach, Völklingen,
Dillingen, Bexbach, Saarbrücken-Rangierbahnhof; Projekte, die
‘ur Zeit nicht spruchreif sind und die eines sorgfältigen
;tudiums unter Heranziehung der interessierten Verwaltunsen
und Verbände bedürfen. Der Bau des neuen Hauptpostımtes
an der Trierer Straße in Saarbrücken wird auch auf
lem Hauptbahnhof Saarbrücken bauliche Ergänzungen verangen,
die zur Zeit projektiert werden.
Ein von der Verkehrswelt seit längeren Jahren gefordertes
3auwerk wird voraussichtlich bald ın Angriff genommen
verden, nämlich die Ueberführung der Provinzialstraße Bre-)ach—Saärgemünd
über die Anschlußgleise der Halbergerıütte
in Brebach, unter Beseitigung der außerordentlich
ästigen und gefährlichen Niveaukreuzung. Das Projekt wird
n den nächsten Tagen zur landespolizeilichen Prüfung ge-*ellt
und von der Halbergerhütte finanziert.
Bezüglich der in Vorschlag gebrachten Neubauten an den
‚reuzungspunkten von Straßen mit Eisenbahnen, haben wir
or einiger Zeit eine Untersuchung angestellt über die
Costen, welche aufzubringen wären, wenn alle derartigen
Zisenbahnbrücken und Planübergänge im Zuge von verkehrsvichtigen
Straßen die gewünschten baulichen Aenderungen
'rfahren würden. Es sind dabei etwa 70 Bauobjekte mit einem
jesamtkostenaufwand von 58 Millionen Franken herausge-‚ommen.
An eine Verwirklichung aller dieser Proiekte ist
‚aturgemäß nicht zu denken.
Die Eisenbahndirektion ist bestrebt, Projekte finanziell
'u fördern, an denen die Sicherheit des Eisenbahnbetriebes
der wichtige Interessen des Eisenbahnverkehrs beteiligt sind,
ıder wo wirtschaftliche Ersparnisse für die Verwaltung zu
warten sind. *
Die bauliche Ausgestaltung des Eisenbahnnetzes muß sich
;aturgemäß im Rahmen einer angemessenen Wirtschaftsührung
auf Grundlage des gesamten Etats der Eisenbahnvervaltung
bewegen. Auch in der Zeit der allgemeinen wirt-Chaftlichen
Depression muß die Eisenbahnverwaltung die
jisher geübte Sparsamkeit in ihren Bauausgaben beibehalten.
die Durchführung großzügiger Bahnhofserweiterung ist zur
Zeit nicht beabsichtigt und erscheint auch nicht nötig. Die
Aeinung der Eisenbahnsachverständigen geht allgemein dain,
daß an große Bahnhofserweiterungen mit Vorsicht
lerangegangen werden soll, und zwar erst dann, wenn die
iußerste Leistungsfähigkeit der vorhandenen Anlagen erreicht
st und wenn alle Maßnahmen der Organisation und der
lationalisjierung des Betriebes nicht mehr zum Ziele führen.
Dagegen ist es ein Gebot der Voraussicht, jetzt schon
ıberall da großzügig zu projektieren, wo die zukünftige
/erkehrssteigerung annähernd übersehen werden kann, danit
die bauliche Entwicklung auf den anliegenden Grund-‚tücken
nach einer Richtung geleitet werden kann, welche die
cünftige Ausdehnung der Eisenbahnanlagen nicht behindert