Der relative Anteil der deutschen Schwerindustrie
an der Rohstahlerzeugung der fünf beteiligten Länder
ist nicht ganz so stark zurückgegangen, wies
dies soeben für die Roheisenerzeugung erläutert
wurde. Von dem früheren Prozentsatz von 67,5 %
im Jahre 1913 ist die deutsche Rohstahlerzeugung
auf 44,2% im Jahre 1926 zurückgegangen. Rechnet
man auch hier die Saarerzeugung für das Jahr
1926 mit 6,2% zur Erzeugung des deutschen Wirtschaftsgebietes
hinzu, so ergibt dies einen Gesamtanteil
Deutschland-Saargebiet von 50,4 %, also etwas
mehr als Frankreich, Luxemburg und Belgien zusammengenommen.
Auch in der Rohstahlerzeugung
ist der Verlust Deutschlands im wesentlichen Frankreich
zugute gekommen, das seine Quote von 17,9 0
im Jahre 1913 auf 30,1% im Jahre 1926 steigern
konnte. Eine sehr wesentliche Steigerung hat ferner
Luxemburg von 5,1% im Jahre 1913 auf 8 %
im Jahre 1926 = fast drei Fünftel mehr als seine
Vorkriegserzeugung, und Belgien von 9,5 % im Jahre
1913 auf 11,5% im Jahre 1926 = einem guten
Fünftel mehr als sein früherer Anteil erzielt.
Die allgemeine Tendenz sämtlicher an der E.R.G.
beteiligten Länder zu weiterer Steigerung ihrer Roheisen-
und Rohstahlproduktion geht mit aller Deutlichkeit
aus den monatlichen Erzeugungsziffern für
das vergangene Jahr 1926 hervor. Im einzelnen
nahm die monatliche Erzeugung für Roheisen und
Rohstahl im Jahre 1926 folgende Entwicklung:
Tabelle VII. Monatliche Roheisenerzeugung der Länder der
E.R.G. im Jahre 1926.
Monatsdurchschn Deutschland Sar-nehiet Frankreich Luxemb. Belgien
1013 1609098 48 433917 212322 207 0538
:G:5 38058 088 705083 195938 211811
102 803627 2654 787742 200207 9283 288
1926:
Januar 689 468 130405 762810 203673 137790
Februar 63137414 118388 706514 185098 202400
März 716651 134102 772416 212729 281 260
April 668211 129760 767825 196651 287 890
Mai 7362% 134228 7825090 1948096 299 630
Juni 720093 136366 777928 211251 2094750
Juli 767871 139033 791542 211279 306 590
August 8502190 138925 813503 2095349 318390
September 880025 13748) 785070 214917 312880
Oktober 935279 114061 315694 222836 319590
November 983 208 1424809 789648 216356 300520
Dezember 10617091 151911 827368 232326 2328570
Tabelle VIII. Monatliche Rohstahlerzeugung der Länder der
E.R.G. im Jahre 1926.
Monatsdurchschn. Deutschland Saargebiet Frankreich
1913 1579591 173319 3905C8
1925 1016208 131221 617923
1926 1028470 144513 698 854
na
1926:
Januar 791 656 136757 660566 173875 110930
Februar 816122 123941 630348 170447 161420
März 948974 153421 725611 195784 253 11C
April 867968 140581 683269 180528 260 68C
Mai 890 218 1341507 667149 169756 265 65C
Juni _9760% 137196 693772 190354 290 73C
Juli A 150 204 718109 191538 303 850
August 46.142 704447 184280 310350
September '5P 653 706128 1809152 304 790
Oktober 1 1691 741748 195246 313 530
November 1238058 15094 714041 194106 302140
Dezember 1303141 158104 741061. 208 656 319670
Vor allem hat die Roheisen- und Rohstahlgewinnung
in den ersten Monaten des vergangenen Jahres
in Deutschland unter den besonders ungünstigen
Marktverhältnissen für den Inlandabsatz und für den
Export unter dem Einfluß der französischen Inflationsangebote
und die Erzeugung Belgiens unter
dem Einfluß des belgischen Streiks gelitten. Belgien
ist es gelungen, in den letzten drei Monaten
des Jahres 1926 seine Verluste aus dem «ersten
Vierteljahr 1926 einigermaßen auszugleichen und
die Produktion um 19,8% über den Jahresdurchschnitt
zu steigern. Dagegen bleibt die deutsche
Roheisenerzeugung hinter dem Jahresdurchschnitt
m letzten Vierteljahre 1926 um 3,3 % zurück. Frankreich
konnte seine Roheisenproduktion um 16,5%,
Luxemburg um 19,6 % und das Saargebiet um 1,1 %
im letzten Quartal 1926 gegenüber dem Jahresdurchschnitt
1926 heben. Auf der Grundlage der
Roheisenproduktion des letzten Vierteljahres 1926
wird man im laufenden Jahre 1927 mit einer Gezamt-Roheisenproduktion
von rund 29967000 t gezenüber
rund 26585000 t im Jahre 1926 rechnen
<önnen.
Gegenüber dem Jahresdurchschnitt war es den
einzelnen Ländern möglich, ihre Rohstahlproduktion
im letzten Vierteljahr 1926 ebenfalls, zum
Teil ganz wesentlich, zu steigern, so Deutschland
um 21,1 %, das Saargebiet um 6,3 ©%, Frankreich um
1,8 %, Luxemburg um 6,6 % und Belgien um 17 %.
Insgesamt wird man damit rechnen können, daß
auf der Grundlage der Produktion vom letzten Vierteljahr
1926 im Yaufenden Jahre 1927 mindestens eine
Produktion von 31700000 t gegenüber 27900 000
im Jahre 1926 erreicht wird.
Die Ergebnisse der Rohstahlerzeugung im letzten
Vierteljahr 1926 sind im Zusammenhang mit
den Quoten bei der E.R.G. von ganz besonderem
Interesse. Diese Quoten der E.R.G., die auf der
Grundlage des ersten Vierteljahres 1926 unter besonderer
Berücksichtigung des belgischen Streiks
festgesetzt wurden, sehen für Deutschland einen
Anteil von 40,45 ©, das Saargebiet 6,54 °0, Frankreich
31,89 0%, Luxemburg 8,55% und für Belgien
12,57% vor. Diese vertragsmäßigen Quoten können
schon dem prozentualen Anteil an der tatsächlichen
Erzeugung im Jahre 1926, die oben in Tabelle VI
erwähnt ist, nicht entsprechen. Die Benachteiligung
der deutschen Schwerindustrie hebt sich noch stärker
auf der Grundlage des letzten Vierteljahres
1926 ab, selbst wenn man. berücksichtigt, daß inzwischen
die Quotenverteilung der E.R.G. sich
etwas zugunsten Deutschlands gebessert hat. Auf
der Basis des letzten Quartals 1926 erzeugten, um:
gerechnet aufs Jahr:
Tabelle IX.
Errechnete Jahreserzeugung
auf Grundl
TV 5-42] 1926
4
Vertragsmäßige
Quote
F R.G.
„13 9%
78 0%
S
Tatsächliche
Quote
47,1 9%
5,8 9%
“Ce 27,7 %
x JY% 7,6 0%
3741 560 ı 11,56 0% 11,8 0%
31 707 800 t 100,00 0% 100,0 0%
Mit seiner tatsächlichen Produktion sind hiernach
nur das Saargebiet und Belgien quotenmäßig in dem
Vertrage der E.R.G. annähernd richtig erfaßt. Dagegen
ist in der vertragsmäßigen Quote Deutschland
mit annähernd einem Zehntel der tatsächlichen
Erzeugung benachteiligt. Frankreich und Luxemburg
ziehen hieraus den Vorteil. Die nächste Auswirkung
dieser mangelhaften Erfassung der deutschen
Produktionsleistung ist nach dem Vertrage
der E.R.G. die Entrichtung von namhaften Ausgleichszahlungen
seitens der deutschen Stahlindustrie
in die Gemeinschaftskasse. Es wird aber auf
die Dauer notwendig sein, eine Neuregelung der
Quoten und Anpassung an die tatsächliche Produktion
herbeizuführen. Die entsprechenden Verhand
lungen sind allem Anschein nach bereits im Gange
[)