jir. 27:28
gruß, indem er zugleich auf die Bedeutung der Ausstellung
aufmerksam machte. Sein Dank galt vor allem denen,
die in rastloser Tätigkeit zu dem Gelingen des Ganzen beigetragen
hatten. Alsdann erklärte er die Ausstellung für
eröffnet. Die Herren Stadtbaurat Ammer, Direktor Theo
Ekrhardt, Direktor Fritz Vohmann und Dipl.-Ing. Kar!
Wentzel, der von der Handelskammer mit der Organisation
der deutschen Abteilung betraut war, übernahmen
darauf die Führung der Gäste durch die Ausstellungshalle,
‚ugleich die nötigen Erläuterungen erteilend.
Wenn die Ausstellung, besonders die deutsche Abteilung
zuch auf einen kleinen Raum beschränkt war, so bot sie
doch den Beschauern Gelegenheit, ein Bild von der Mannigjaltigkeit
der erzeugenden wie weiterverarbeitenden Industrie
ıber auch des Handwerkes zu gewinnen und zugleich den
Gewerbfleiß der Saarbevölkerung in seinen Produkten kennen
und würdigen zu lernen. Namentlich die Bedeutung der
Saar-Eisenindustrie für das Wirtschaftsleben im engeren wie
weiteren Sinne war aus dem Gebotenen, den Gebrauchstabrikaten
wie Modellen, zur Genüge zu ersehen.
Den Abschluß des Eröffnungstages bildete ein Festessen,
das um 7 Uhr abends im Saale der Tonhalle statt-‘and
und zu dem sich etwa 150 Herren, Vertreter der verschiedenen
deutschen und iranzösischen Behörden, der Körperschaften
und Organisationen, des Handels und der Industrie,
sowie von Kircne und Presse eingefunden hatten.
Bei dieser Gelegenheit ergriff Herr Generaldirektor Müller-Neunkirchen
abermals das Wort, indem er sich folzendes
ausführend an die Erschienenen wandte:
Im Namen der Handelskammer Saarbrücken beehre ich
mich, Sie, hochverehrte Anwesende, die Sie von nah und fern
zusammengeströmt sind, herzlich willkommen zu heißen und
Ihnen die Grüße des Saarlandes und seiner Einwohner zu
übermitteln. j
Die Ausstellung, welche Herr General Andlauer die Güte
hatle, heute nachmittag zu eröffnen, verdankt ihr Entstehen
seiner tatkräftigen Unterstützung und wir danken ihm für
das Wohlwollen, welches er uns bei dieser und bei anderer
Gelegenheit in so reichlichem Maße bewiesen hat. Der Gedanke,
durch Ausstellungen und Messen die Erzeugnisse
der Landwirtschaft, Industrie, der Kunst und Wissenschaft
möglichst weiten Kreisen vor Augen zu führen, hat neuerdings
in allen Ländern wieder an Boden gewonnen, wie man aus
den vielen Ausstellungen des vergangenen Jahres in allen
europäischen Ländern feststellen kann.
Ausstellungen bieten die beste Gelegenheit, die Leistungs-‘ähigkeit
eines Landes einer großen Anzahl von Besuchern
vorzuführen. Sie sind darüber hinaus aber auch geeignet,
die persönlichen Beziehungen zwischen den Völkern von Land
zu Land anzubahnen und sie zu befestigen. Gerade von diesem
Gesichtspunkte aus gebührt der Saarbrücker Ausstellung
eine besondere Bedeutung. Zum ersten Mal nach 5
langen Kriegsjahren kommen in Saarbrücken, der Hauptstadt
des zukünftigen Saarlandes, obwohl der Friede noch
ı1icht ratifiziert ist, Vertreter vieler Länder zusammen, um
die unterbrochenen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen
wieder anzuknüpfen und sie nach Möglichkeit zu ijestigen.
Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, begrüßen wir
diese Ausstellung als Symbol einer beginnenden Verständizung
unter den Völkern und der wiederkehrenden Zivilisation
und Kultur.
Wenngleich die Ausstellung noch nicht in allen Teilen
tertig ist, — wo hätte man je eine Ausstellung erlebt, die
am Tage der Eröffnung ganz vollendet gewesen wäre? —
so bietet sie doch ein Bild des Fleißes der Völker, der In-'elligenz
und Schaffenskraft seiner Kaufleute und Ingenieure,
4er hohen Vollendung von Kunst und Wissenschatt. Möge
das Streben der Völker dahtin gerichtet sein, diese Eigenschaften
zur höchsten Blüte zu entfalten, damit einst unsere
Nachkommen mit Stolz und Befriedigung auf die jetzige
"Jeneration zurückblicken können.
Saar- Wirt [Haftszeitun:;.
6;
Arbeit adelt! Arbeit in allen Formen des Lebens. Ohne
Arbeit keinen Fortschritt in der Kultur. Für das Leben selbst
ist Arbeit in allen Teilen der werktätigen Bevölkerung notwendig,
um leben zu können. Diese Wahrheiten haben
groß. Teile der Weltbevölkerung heute vergessen. Es wäre
wünschenswert, wenn das Verständnis dafür bald wieder
überall zum Durchbruch käme, da wir sonst einer noch nie
dagewesenen Weltkatastrophe gegenüber stehen.
Es sei mir gestattet, auf die Bedeutung des zukünftigen
Saarstaates bei dieser Gelegenheit kurz hinzuweisen. Got!
hat das Saarland mit Glücksgütern aller Art reich gesegnet.
Grüne Wälder wechseln in ihm mit lachenden Tälern und
blühenden Fluren. Dank dem Fieiß seiner Bewohner steht
es in hoher landwirtschaftlicher Kultur. Was ihm aber seine
wahre Bedeutung verleiht, sind die reichen Naturschäize
mit denen. es ausgestattet ist.
Insbesondere ist es die Kohle, welche in unermejßlichen
Mengen unter der Erde sich ausdehnt und des Fleißes deı
Bergknappen harrt, um sie zu Tage zu fördern, wo sie be:
jebend und befruchtend allen Teilen der Industrie, des Han:
dels, der Landwirtschaft und vor allen Dinzen der Bevölkerung&
zugute kommt. Auf diesem reichen Kohlenvorkomnen
hat sich im Laute der Jahrhunderte eine manniyfache
ndustrie aufgebaut. Insbesondere nimmt die Eisenindustric
in allen Stadien der Erzeugung und Verarbeitung cine führende
Rolle ein.
Das kleine Saarland hat vor dem Kriege jährlich über
11, Millionen t Roheisen und Stahl erzeugt, also ungefähr
in drittel der ganzen damaligen französischen Erzeuzung
Außerdem sind im Saarlande vertreten bedeutende Maschinen
'abriken und Werke, welche das Roheisen zu den verschiedenartigsten.
Erzeugnissen weiter verarbeiten.
Zement, Glas, keramische Erzeugnisse, Steine aller Art
und vieles mehr vollenden die Vielseitigkeit der Industrie,
von der Sie bei dem Durchgang durch den Saarteil der Ausstellung
eine kleine Vorstellung bekommen haben werden.
Die lange Zeit des Waffenstillstandes, der Mangel an
Kohle in der ganzen Welt, haben zwar im Saarstaat eine
vorübergehende Erschütterung herbeigeführt, welche für ihn
von den bedrohlichsten Folgen sein kann, jedoch rechnet eı
darauf, daß durch Hilfe der militärischen und wirtschaftichen
Organe und später durch Unterstützung des Völker:
aundes, der nach dem Willen des Friedensvertrages in Zu-<unft
seine Geschicke lenken soll, bald wieder Ruhe und die
alt gewohnte Ordnung einkehren, welche allein geeignet sind,
der Saarbevölkerung zu weiterem Glück und Gedeihen zu
verhelfen.“
Zum Schluß forderte Herr General-Direktor Müller die
anwesenden Vertreter von Handel und Industrie auf, mit ihm
zu trinken auf das Wohl der Förderer der Ausstellung, unc
ihrer heutigen Gäste, insbesondere auch derjenigen Mitarbeiter,
die die Ausstellung zur Voilendung geführt haben
Dann erhob sich Herr Urban Fabvrier, der Präsiderm
der „Französischen Kaufleute und Industriellen des Saar.
yebiets.‘“ Er betonte vor allem die Notwendigkeit :iner be:
sonderen Pflege der wirtschaftlichen Beziehungen zwischer
Frankreich und dem Saargebiet. Auch er sprach allen denjenigen,
die sich um das Zustandekommen der Aussteliung
in hohem Maße verdient gemacht hatten, insbesondere Herrr
General Andlauer seinen Dank aus. Er schloß mit einem
Trinkspruch auf den Herrn General und das Saargebiet.
Als letzter ergriff Herr Hayem, der Vizepräsident deı
Pariser Handelskammer das Wort. Er wies auf das Interesse
hin, das der französische Handel und die französiscne Indu
strie an der Ausstellung, zu der jene angeregt hätten, neh.
men, und erinnerte auch seinerseits an die alten wirtsenaft
ichen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Saaryebhirt