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Saar: Wirtfhaftsgeitung.
Wir. 232
eine Stütze und Verbeserung ihrer sozialen Stellung
erblickt. Die Arbeitgeber jedoch verhehlen
sich keineswegs, daß auch ein Tarifvertrag keine
Gewähr für stabile Verhältnisse zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer in sich trägt, wie die
Entwicklung im Reich zur Genüge bewiesen hat.
Die Verhandlungen über den von den Metallarbeiterorganisationen
eingereichten Tarifvertragsentwurf
in der Arbeitsgemeinschaft sind im Gange
und führen voraussichtlich zu einem Abschluß. Anders
haben sich die Verhältnisse hinsichtlich des
Tarifabkommens mit den Anygestelltenverbändeun
entwickelt. Der eingereichte Vertragsentwurf ist
sowohl von dem Arbeitgeberverband der Industrie
als auch dem Schutzverband für Handel und Gewerbe
zurückgewiesen worden, da er eine Grund:
lage zur gegenseitigen Verständigung nicht ent.
hielt. Dem Ersuchen der Arbeitgeberorganisationen,
neue, den herrschenden Möglichkeiten gerecht werdende
Forderungen einzureichen, haben die Angestelltenverbände
damit beantwortet, daß sie die
Erledigung der Angelegenheit dem Schlichtungsausschuß
überwiesen. Nachdem die Zuständigkeit
des Schlichtungsausschusses von Arbeitgeberseite
angezweifelt war und diese Frage bisher einer end.
gültigen Klärung noch nicht engegengeführt werden
konnte, hat sich der Schlichtungsausschuß mit
der Angelegenheit nicht mehr befaßt. Es ist je-Joch
auch hier die Möglichkeit offen gelassen, eine
Neuregelung der Arbeits- und Gehaltsbedingungen
ler Angestellten in Form eines Taritvertrages durch
ausgleichende Verhandlungen von Verband zu Veiband
zu erreichen.
Von Mitte August an kam es verschiedentlich
in den Hüttenwerken und auch in den Betrieben
der weiterverarbeitenden Industrie zu Arbeitsniederlegungen,
die ebenfalls in der Ablehnung von
Forderungen nach weiterer Lohnerhöhung und einnaligen
Wirtschaftsbeihilfen ihren Grund hatten.
Zum Teil wurden die Streiks durch Entgegenkomnen
in der Lohnfrage beigelegt, zum Teil dauern
je noch an, da verschiedene Betriebe weitere Be-:astung
in der Lohnfrage auf sich zu nehmen tat
sächlich nicht mehr in der Lage sind. Diese
neuen Lohnforderungen wurden erhoben, obwohl
Jen Arbeitern bekannt ist, daß der Abschluß eines
Tarifvertrages vor der Tür steht, und der Arbeitzeberverband
eine Einkaufs-G. m. b. H. ‘errichtet
nat, die den Zweck hat, durch Einkauf im Großen
len Angestellten und Arbeitern Lebensmittel und
Verbrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs zum
»illigsten Preise zur Verfügung zu stellen. Um
edes Mißtrauen gegen das Unternehmen von vorn.
herein auszuschalten, waren den Arbeitnehmeroryanisationen
die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrai
eingeräumt worden, eine Maßnahme, durch die den
Arbeitern eine hinreichende Kontrolle über Ge.
schäftsführung und Geschäftsgebahren der Gesell.
schaft gewährleistet ist. ;
II. Handel.
Die Frage der politischen Entwicklung hat für
den Handel die größte Bedeutung auf dem Gebiete
des Zoll-, Ein- und Ausfuhrwesens. Die alshaldige
Klarstellung der einschlägigen, dehnbarer
Auslegung fähigen Bestimmungen des Friedensvertrages
ist für eine gesunde Weiterentwicklung des
Mandels unbedingt erforderlich, damit der Kaufmann
für die Zukunft disponieren kann.
Der Handel leidet naturgemäß wie die Industrie
unter der bereits dargestellten Haltung der Arheitnehmerschaft
Mosmann, Wilhelm Grebe und. Joseph Klein sind Liquidaoren.‘
Die Genossenschaft ist durch Beschluß der Generalversammlung
vom 25. Mai 1919 aufgelöst.
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Wirt[chaftlicher Teil
Rückblick auf die Wirt[chaffslage
des Saargebiets im Juli und Auguft,
Für die vergangenen Monate Juli und August
ist insofern eine gewisse Besserung in der allgemeinen
Wirtschaftslage des Saargebiets eingetreten,
als mit der Aufhebung der Blockade ‘die örtlichen
Beschränkungen für die Einfuhr und Aus-'uhr
zu einem großen Teil fielen und Erleichterungen
für den Verkehr im Saargebiet, im besetzten
Gebiet und mit dem unbesetzten Deutschland zugestanden
wurden. Auf der andern Seite wirkt die
hier im Grenzverkehr doppelt bedeutsame Wäh-*ungsfrage
mit ihren erheblichen Schwankungen
ungünstig auf alle wirtschaftlichen Betätigungen
ein. Ferner zeitigt die Erwartung auf die zukünftige
Gestaltung des Saargebiets im einzelnen, die
ja erst nach endgültiger Ratifizierung des Friedensvertrags
möglich ist, auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens
eine gewisse lähmende Unsicherheit.
I. Industrie,
Von der Neugestaltung der Verhältnisse erwartet
die Saarindustrie vor allem eine bessere
Belieferung mit Kohlen und weiter die Möglichkeit,
sich die Zufuhr der notwendigen Rohstoffe
zu sichern und günstige Absatzgebiete zu schaffen.
Diese drei Forderungen stellen die maßgebenden
Faktoren dar, unter denen die Saarindustrie ihre
frühere Bedeutung wieder gewinnen kann, sie
sind daher mit eine Existenzfrage des neuen Saarstaates
überhaupt. Bis zur Zeit ist es nur einigen
wenigen Industriefirmen infolge besonders günstiger
Verhältnisse möglich, ihre Betriebskraft voll
auszunützen und so einigermaßen den Friedensstand
ihrer Produktion zu erreichen. Die übergroße
Mehrzahl jedoch ist nach wie vor auf Notstandsarbeiten
angewiesen oder arbeitet, soweit die
Art des Betriebes es zuläßt, auf Vorrat, ohne bestimmte
Aufträge zu haben.
Neben die oben gekennzeichneten der Produktion
hinderlichen Faktoren tritt als viertes
Hemmnis die Stellungnahme der Arbeitnehmer,
die sich kurz in die Worte „Ständige Forderung
nach Lohnerhöhung und verminderte Arbeitsleistung‘“
kleiden läßt. Die Lohnerhöhungen wurden
in der Hauptsache mit der Verteuerung der
heutigen Lebenshaltung begründet. Insofern sind
ihre Forderungen nicht unberechtigt. Jedoch verkennen
die Arbeitnehmer, daß zur Zeit alle Teile
der Bevölkerung eine gewisse Not trifft, auch die
vielen Bevölkerungsschichten, die nicht in der Oeftentlichkeit
klagen und sich nicht wegen Erhöhung
der Löhne und um weitere Zuschüsse an einen
Arbeitgeber wenden können. Um eine gewisse
Stabilisierung der Verhältnisse zu erreichen, wurde
von den Arbeiter- und Angestelltenorganisationen
bei dem Arbeitgeberverband der Saarindustrie, von
den Angestellten auch bei dem Schutzverband für
Handel und Gewerbe Antrag auf Abschluß von
Tarifverträgen gestellt, die eine einheitliche Regelung
der Arbeits- und Lohnbedingungen schaffen
sollen. Die Industrie und auch der Handel glaubte
der Einführung von Tarifverträgen nicht länger
widerstehen zu sollen, da nun einmal die Arbeitnehmerschaft
in dem Abschluß eines Tarifvertrags