Full text : 24.1919 (0024)

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Saar-Wirtschaftszeitung

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Es ist daher nötig, daß die deutschen Handelskreise
des In- und Auslandes sich fest aneinander anschließen
und intensiven Handelsverkehr untereinander ptlegen. Um
die Anbahnung von Beziehungen zwischen den hiesigen
deutschen Handelskreisen und denen in der Heimat und
dem übrigen Auslande zu erleichtern, hat «die Deutsche
Handelskammer in Uruguay eine nach Geschäftszweigen geordnete
 Liste ihrer Mitglieder drucken lassen, von welcher
wir Ihnen hiermit ein Exemplar übersenden.“
Der besonderen Bitte der Schwesterkammer entspre-«hend,
 machen wir unsere Mitglieder auf diese Liste, die
in der Geschäftsstelle der Handelskammer
oilfen liegt, aufmerksam, damit sie sich ihrer im Bedarfsfalle
 bedienen können.

Noch einmal, bevor es zu spät ist, macht der Verfasser
auf die uns leider zu bekannte Erscheinung des seit dem
letzten Friedensjahr ständig sinkenden Wertes der Reichsmark
 aufmerksam. Raffen wir uns nicht zu energischster
Gegenmaßnahme auf, dann ist der Zeitpunkt nicht mehr
fern, zu dem sich kein ausländischer Käufer mehr für
deutsches Geld findet. Die in Friedenszeiten zum Auszleich
 geringer Valutaschwankungen geübte Gepflogenheit,
SGoldyeld nach dem Ausland zu senden, ist nicht mehr
angängig. Nur tiefgreifende und baldige Reformen in der
Wirtschaftspolitik können unser Vaterland vor dem Schlimum:
stern bewahren. Es kann und darf nicht so weiter gehen,
daß der Ausländer im Stande ist, in Deutschland seine Be-Jürfnisse
 auf billige Weise zu decken, das andererseits
Deutschland das „Dumping‘“, das uns früher so viel Gegnerschaft
 im Ausland eingetragen hat, in ungewollt stärkerem
Maße als bisher übt.
° Die sogenannten Weimarer Beschlüsse vom 18. August
1919, wonach die Ausfuhr grundsätzlich frei, die Einfuhr
dayvegen grundsätzlich verboten sein soll, sind nicht „eceignet,
 das Uebel bei der Wurzel zu packen. Austuhrverbote
sind erforderlich und zwar im Interesse der Versorgung
unseres Inlandes, dann aber auch mit Rücksicht auf die
DPreis- und Valutapolitik. Ebenso wenig können wir aber
ındererseits auf einen durch Einfuhrverbote zewährleisteten
Schutz vor fremden Erzeugnissen verzichten. Der Auspowezung
 seitens des Auslandes treten wir am wirksamsten
znigegen, inlem wir möglichst hohe Ausfuhrwerte — Abschluß
 in der betreffenden Landeswährunz — auf dem Aus-'andsmarkt
 zu erzielen suchen. Das allein kann uns uber
auch noch nicht helfen. Setzen wir vor allem die Birnenwirtschaft
 wieder in den Stand, die Bewegungen der Valuta
und der Weltmarktpreise mitzumachen.
Eine internationale Regelung, gestützt durch eine interıationale
 Anleihe, wie sie der Reichswirtschaftsminister fordert,
 führt nach Ansicht des Verfassers nicht zum Ziel.
Dafür sind internationale Bestrebungen mit anderen Endzwekken
 bisher von gar zu geringem Erfolg begleitet gewesen.
Es muß zweifellos ein Weg geiunden werden, der unsere
wirtschaftliche Gesundung von internationalen Maßnahmen
nicht ausschließlich abhängig macht; mit anderen Worten,
nur im Wege der Selbsthilfe vermag sich unsere siationale
Wirtschaft wieder empor zu arbeiten. Aus dieser Erkennt
nis heraus stellt daher Reichert die kurze, aber eindringliche
 Forderung an unsere künftige Wirtschaftspolitik: „Im
Innern frei und gebunden nach Außen!“ Fort
mit den Höchstpreisen! „Geben wir dem Erwerbssinn
Spielraum und stellen wir ihm ehrenwerte Aufgaben.“ Binden
 wir die Erzeugnisse bei der Ausfuhr ins Ausland an
Mindestpreise und bei der Einfuhr aus dem Ausland
 an Höchstpreise.
Der Verfasser verkennt nicht, daß mit der von ihm
vorgeschlagenen Regelung erneute Forderungen an die Notenpresse
 gestellt werden. Die Preise werden gewaltig in die
Höhe schießen, Löhne und Gehälter mit ihnen Schritt zu
halten suchen. Die Kaufkraft der Mark wird aber unteı
dem Einfluß der Inflation abnehmen. Was dann? Hierüber
hätten wir gerne: noch näheres gehört. Wie glaubt der
Verfasser, die gewaltige Menge von Zahlungsmitteln, die
zweifellos nicht geeignet ist, den Heilungsprozeß unsercı
Valuta in günstigem Sinne zu beeinflussen, auf ein erträgliches
 Maß herabzumindern. Gibt es einen anderen Äuswer
als den der Devalvation? Wird das Ganze vielmehr nich!
eine Schraube ohne Ende sein? Es wäre zu bezrüßen ge:
wesen, wenn Reichert seine sonst trefflichen Gedanken nac}
dieser Richtung weiter gesponnen hätte; so sind wir vol
dem Ergebnis stehen geblieben, daß die Auspowermng woh
aufhört, aber auch die Ausfuhr zurückgeht. Es wird alsc
u. E. im besten Falle ein Stillstand in der Fntiwer
tun unserer Mark eintreten. Ja, wir sind Tast geneizt zt
behaupten, daß nunmehr ein unmittelbarer, d.h. veldlesf

Kurze Mitteilungen,
Entwurf eines Gesetzes zum Neuaufbau des
Schlichtungswesens,
Nach Informationen der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände
 ist ein Entwurf eines Gesetzes zum Neuaufbau
 des Schlichtungswesens im Reichsarbeitsministerhum
;eit längerer Zeit in Arbeit. Da nach Angabe des Reterenten
zanz eingehende und durchgreifende Arbeit geleistet werden
soll, hat sich die Herausgabe des Gesetzentwurfs zur Stellungnahme
 an die Interessenten bisher verzögert.
®
Erwerbslosenfürsorge und Arbeitslosenversicherung.
Die Frage der Erwerbslosenfürsorge und der Arbeitsiosenversicherung
 ist zur Zeit Gegenstand der Erörterungen im
Reichsarbeitsministerium. Was die Erwerbslosenfü-so-ge 3nbelangt,
 so ist mit dem Abbau dieser Fürsorge vor Frühjahr
1920 nicht zu rechnen, da vorher die Grundlagen für eine
zesetzliche Arbeitslosenversicherung nicht geschaffen werden
 können. Ueber ein Gesetz betreffend die Arbeitslosenversicherung
 haben bisher nur informatorische Besprechungen
anter Hinzuziehung einzelner Sachverständiger stattgefunden,
die dem Vernehmen nach allerdings zur Aufstellung eines
vorläufigen Entwurfs geführt haben, der den weiteren Ver-1andlungen
 zugrunde gelegt werden soll.
PA
Gesetz über Haftung aus Tarifverträgen,
Wie wir ferner erfahren, ist man im Reichsarbeitsministefium
 an die Ausarbeitung eines Gesetzes über die Haftung
zus Tarifverträgen herangetreten. Man beabsichtigt, bei diezer
 Gelegenheit der von der Vereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände kürzlich beantragten Aufhebung des
8 152 Absatz 2 der Reichs-Gewerbeordnung näherzutreten
und diese Aenderung gleichzeitig vorzunehmen.

Bücherschau.
Das Preußische staatliche Materialprüfungsamt, seine Entstehung
 und Entwicklung betitelt sich eine als Sonderab-Iruck
 aus den Mitteilungen aus dem Materialprüfungsamt
u Berlin-Lichterfelde West in der Verlagsbuchhandlung
Julius Springer, Berlin, erschienene kleine Schrift, ın der
Direktor Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Ing. Rudeloff einen in-‚eressanten
 Bericht über die Entwicklung der einzelnen Ab-‚eilungen
 des Amtes unter Anführung von Beispielen aus
hren Forschungsarbeiten gibt.

Dr. J. Reichert, Rettung aus der Valuta-Not. NOV. 3919,
Zeitiragen-Verlag, Berlin-Zehlendori-West.
Das Problem unserer Valuta, das bisher von den Reyierungsstellen
 mit wenig Geschick und noch geringerem Eriolg
 behandelt worden ist, wird hier von einem hervorragenden
 Kenner unseres Wirtschaftslebens zum Gegenstand
einer tiefgründigen, von großer Sachkenntnis yetragenen
Untersuchung gemacht in der Absicht, „zu einer Klärung
der Grundfragen unserer Volkswirtschaft einen Beitrag zu
liefern, um feste Grundsätze für ein schnelles Handeln in
inserer Wirtschaftsnot zu gewinnen.“
            
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