„Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht ist auf
30 Jahre festzusetzen. Um den vorbereitenden Reichswirtschaftsrat
von der Reichsregierung unabhängig zu machen,
st die Vorschrift, wonach alle sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen
Gesetzentwürfe von grundlezender Bedeutung
von der Reichsregierung vor ihrer Einbringung in
len Reichstag dem vorbereitenden Reichswirtschattssat zur
Begutachtung vorgelegt werden sollen, in eine Muß-Vorschrift
umzuwandeln und das Wort „grundlezender“ zu
streichen. Die Mitgliederzahl der wirtschaftspolitischen und
50zialpolitischen Ausschüsse ist auf 34 zu erhöhen, da sonst
die Interessen von Industrie und Handel in diesen Ausschüssen
kaum irgendwie gewahrt werden können. Dem
vorbereitenden Reichswirtschaftsrat muß das Recht zu selbst.
ständiger Auskunftseinholung gegeben werden. Dem wirtschaftspolitischen
Ausschuß ist, wie im Vorentwurf vo gesehen
war, das Recht zu geben, eine erschöpfende Prüfung
der gesamten Geschäftsführung der Kriegsgesells-haften und
sonstigen wirtschaftlichen Kriegsorganisationen vorzunehmen.
Saar-Wirtschaftszeitung
Yir. 37:86
A
gestellt. Jeder kann im Falle der Not mithelten und jcder
hilft dadurch nur sich selbst, seiner Familie und seinem
Volke. Die Vorwürfe aber, die der Technischen Nothilfe
naturgemäß von radikaler Seite gemacht werden, sind leicht
zu entkräften. Wenn die Technische Nothilfe die Zechen
vor dem Ersaufen, die Hochöfen vor dem Zerstören bewahrt,
dem Arbeiter Gas und Wasser verschafft, wie jedem
anderen Hausstand, wenn sie also dem Arbeiter die Arbeitsmöglichkeit
und seiner Familie die Lebensmöglichkeit
2rhält, so kann von einem Streikbruch wahrlich nicht die
Rede sein. Und ganz abgesehen von dem positiven Wirken
der Technischen Nothilfe ist nicht zu vergessen, daß sie
durch ihr Eingreifen, wie durch die immer weiterzehende
Verbreitung ihres sozialen Gedankens eine wichtige Aufgabe
erfüllt, nämlich den vernünftizen und einzig heilsamen
Gedanken der Arbeit wieder zu Ehren zu bringen. Wenn
das erreicht sein wird, dann wird in allen Betrieben kein
Rad mehr stillstehen, keine Produktion mehr stocken. Die
Technische Nothilfe treibt keine Parteipolitik, wenn sie ein
Darteiprogramm hat, so ist es das der Menschlichkeit und
damit hofft sie nach allem Unglück mitzuwirken an der
Wiedergesundung und dem Wiederaufbau des deutschen
Vaterlandes im Interesse aller werktätizen Kreise.
Technifche Nofhilfe.
Wenn auch das segensreiche Wirken der Technischer
Nothilfe in den letzten Wochen anläßlich der mannivfachen
Streiks in Elektrizitäts- und anderen Werken die Aufmerksamkeit
stark auf diese junge und große Organisation gelenkt
hat, so sind ihre Grundsätze und ihr Arbeitsplan doch noch
in weitesten Kreisen unbekannt. Die Einrichtuny der Technischen
Nothilfe ist aber von so weittragenister Bedeutung,
und betrifft das Allgemeininteresse derart, daß nicht nur
2ine eingehende Aufklärung, sondern auch die weiteste Verbreitung
ihrer Gedanken erwünscht ist. Die Technische
Nothilfe, die aus der Technischen Abteilung der Garde-Kavallerie-Schützen-Division
hervorgegangen ist, und auch
neute noch in engster Fühlung mit dieser arbeitet, besteht
5eit ca. 2 Monaten als zivile Behörde. Sie hat sich zur
Aufgabe gemacht, bei Streiks in lebenswichtigen Betrieben,
wie Gas-, Wasser-, Elektrizitätswerken, Post-, Teleyraphie-,
Berg- und Hüttenwesen, Landwirtschaft etc. einzugreif2n und
die Notstandsarbeiten in diesen Werken gezebenenfalls so
weit zu erledigen, daß eine grundlegende Schädigung der Bevölkerung
nicht eintreten kann. Hierzu stehen der Technischen
Nothilfe gelernte und ungelernte Arbeiter, Ingenieure,
Studenten der technischen Hochschule etc. zur Verfüvrung,
lie sich ihr freiwillig für den Fall der Not verpflichtet haben.
Bricht in einem der lebenswichtizen Betriebe ein Streik aus,
durch den die Bevölkerung von einem zur Lebensführung
unbedingt nötigen Faktor, wie z. B. Gas, Wasser, Elekt-izi-‘ät
abgeschnitten wird, so erledigt die Technische Nothilfe
bis zur Beendigung des Streiks die wichtigsten Arbeiten
in dem betreffenden Werk, um die unheilvollen Folgen
des Ausstandes zu verhindern.
Die Entstehung der Technischen Nothilie ist nur auf
die Erwägung zurückzuführen, daß der Klassenkampf, und
somit auch der Streik unvermeidlich sind, daß jedoch bei
jedem Klassenkampf, der sich auf lebenswichtige Betriebe
>rstreckt, die unbeteiligte und unschuldige Bevölkerunz in
Not und Tod getrieben wird und ein solch egoistiszhes Vertahren
vermieden werden muß. Hieraus ist ersichtlich, daß
das Wirken der Technischen Nothilfe ein völlig unpolitisches
ist und kein anderes Leitmotiv kennt, als das rein
nenschliche und soziale.
Die Berliner Zentrale ist nicht bei ihrem Wirken für
die Reichshauptstadt stehen geblieben, sondern hat ihre
angnsreiche soziale Tätigkeit über das ganze Reich hin
nieure” Ant. In alle Gebiete Deutschlands hat sie Inge-Klärun
"a Volkswirte entsandt, denen einerseits die Auf.
ührung des Werbung, andererseits die praktische „Durch-Verständnis
d Organisation obliegen. Immer mehr ist das
Nothilfe u de TEIL humanitären Zweckes der Technischen
Hat Sich n alle Kreise gedrungen und in großer Anzahl
Sich auch gerade die Arbeiterschaft ihr zur Verfügung
nn
Aus dem niederrheinifchweltfäli[chen
Induftriegebiet.
Weiterer Verlauf der Angestelltenbewegung in der Eisenund
Metallindustrie.
Nach Beendigung des Streiks der Angestellten in Gel.
senkirchen und Zurücknahme der von der Afa auszesprochenen
Beleidigung fand eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft
— Abteilung Angestellte — am 1. Dezember unter dem Vorsitz
des Herrn Reichskommissars Severing in Düsseldorf
statt. Der Reichskommissar schlug vor, unter Hinweis auf
die Bereitwilligkeit der Arbeitgeber, über die Ausgestaltung
des Vertrages im allgemeinen weiterhin in Besprechungen
>inzutreten und unter Bezugnahme auf eine Abmachmpg in
Münster, die zum Ausdruck bringt, daß das Listensystem
ıicht mehr den Zeitverhältnissen entspricht, eine Kommission
einzusetzen, die versuchen soll, eine Verständivung
zwischen den beiderseitigen Standpunkten zu suchen. Im
Verlaufe der Sitzung wurde von den Vertretern der Angestall-’enverbände
die Kündigung des Listensystems auszesprochen.
Die Kommission tagte am 5. ds. Mts. in Essen. Eine
zrundsätzliche Vebereinstimmung wurde dahin erzielt, daß
die Leistung nicht tarifiert werden kann. Auch darüber
herrschte Vebereinstimmung, daß eine Bemessung der Gehälter
mit dem 25. Jahre abschließen soll. Es wurde beschlossen,
daß die Angestelltenvertreter neue Tarifentwürfe
für die technischen und kaufmännischen Angestellten einreichen.
Die Arbeitgeber erklärten sich bereit, diese Entwürfe
auf ihren Werken einer eingehenden Prüfung auf ihre
Durchführbarkeit zu unterziehen. In einer späteren Komnissionssitzung
soll dann unter Zuziehung von Sachverständigen
über das Ergebnis dieser Prüfung beraten werden.
‘Von Arbeitgeberseite wurde zum Schluß ausdrücklich
betont, daß aus der Bereitwilligkeit, Vorschläge entgegenzunehmen,
keine Verpflichtung für die Annahme bestimmter
neuer Richtlinien gefolgert werden könne. Ob eine
Tarifierung bestimmter Vorschläge praktisch undurchführbar
sei oder nicht, müsse der sachlichen Prüfung vorbehalten
bleiben. Die Angestelltenvertreter bestätigten diese
Auffassung, betonten aber, daß in einem solchen Falle
die Gründe in gemeinsamer Beratung erörtert werden müssen
Die Arbeitgeber erklärten sich hiermit einverstanden.
Der Deutsche Metallarbeiterverband gegen Streiks.
Die neue Leitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes
die bekanntlich nach der Stuttgarter Generalversammlung
in ihrer großen Mehrheit aus Unabhängigen der schärfsten