Full text : 15.1935/36, 7-12 (0015)

Ar. 12

Sänger-Jeitung dea Gares

Ne tue

Seite 80

Schifferklavier schwingende, klingende Lieder und lernten uns so in
serzlich gediehener Kameradschait näher kennen.
In diesen kurzen drei Tagen wurde viel und gründlich gearbeitet.
Dowohl das Lager nur als Auftakt und erster Versuch zu einem
BSemeinschaftslager gedacht war, war es doch ein Erfoig gewesen,
Teun wie von nanden kleinen Unebenheiten, die eben so ein erftes
dager mit sich bringt, absehen. Erfahrungen daraus werden zur
esseren Gestaliung und Vervollkommnung fuͤr künftige Lager ergän—
jend oder grundlegend angewandt werden müssen. Die Schuld daran ist
einzig und allein in der Kürze der Zeit zu suchen. Dadurch erhält
nämlach die gesamte Arbeit eine gewisse Hast und ungestümes Vor—
vpartsdrängen und Zeit zur Rückschau, Besinnung und Zufammen⸗
assung sowie zur notwendigen Gründlichkeit steht nicht zur Ver—
ügung. Künftige Lager werden mit größerer Zeitdauer angelegt
verden müssen. Gauchormeister Braun keniit nur zu gut alle Nöte
ind wird sich tatkräftig für kommende Lager einsetzen. Er sprach
ioch über die Vorbereitung und das Organisatorische des Gaufänger⸗
estes in Saarbrücken. Gegen Ende des Schulungslagers stattete uns
Znukulturwart Kolsch einen kurzen Besuch ab, ein Zeichen, mit welch
zroßem Interesse man von berufener Stelle unserer Sache entgegen—
ommt. Mit überzeugten und warmen Worten gab er, u. a. einen
zleinen Aufriß über Aufgabe und Sendung des deutschen Liedes,
nsbesondere in der Westmark als Vorposten des Reiches. Auch der
Bouführerrat des Sängerbundes Westmark bekundete lebhaftes
Interefse an unserer Arbeit, indem er seine Sitzung auf die Lichten—
burg gelegt hatte. Am Dienstag, bald nach dem Mittagessen, ver—
ließen die Teilnehmer wieder die Burg, um in ihre Wirkungsorte
zurückzukehren. Kreischorleiter Kipp-⸗Kusel gab den Scheidenden
Jerzliche Worte mit zum Geleit.
Wir haben viel mit nach Hause genommen und hegen nur den
einen Wunsch, in diesem Jahr an altem Ort in alter Kameradfchaft
ind mn denfelben Leitern ein recht freudiges Wiedersehen erleben
zu dürfen. Mit doppelter Kraft und Freude wollen wir gestärkt
inser gut Teil mit beitragen zum glückhaften Gelingen des gewaltigen
unde bedeutsamen Schauspiels der Sängerschaft in der treuen deut⸗
schen Westecke. Rudolf Michel. Oberweiler i. Tal.
2 — 7 2 x60
etersttinde. Deutschland. heilger Name
gestaltet von einem Männerchor, einem gemischten Chor, einem Sprecher
und einem Sprechchor.

von der Orgel her; er liebt die größeren Formen, beherrscht meister⸗
sich die klanggeftaltenden Mittel, türmt die Klänge mächtig auf, formt
in breiter Linienführung, originell in Stil und Haltung. Wir erleben
den hexrlich musikalischen Satz eines Otto Siegl. Die Chormusik
dieser Feierstunde ist musikalische Inhaltsformung des Wortes, heraus—
gehört aus den elementar musikalischen Kräften des gesprochenen
Bortes — keine Jllustration. Aus den Tiefen des Wortgedankens
öst sich die Rhythinik, formt sich die Melodik, baut sich die Har—
nonik. Sprechen wird zum Singen — Wort wird Musik.
Und so wird diese Feierstunde mächtig in die Seelen derer
ichwingen, die kommen, um zu hören. Sie soll ein Gottesdienst wer—
den; fie wird Zeugnis ablegen von dem kulturellen Willen unserer
Lhorvereine, sie wird dactun, daß unsere Chöre nicht in unpolitischenm,
eigenbrödlerischem Tun abseits einsame Straßen ziehen, sondern mit
aller Kraft mithelfen bauen an dem erhahbenen kulturpolitischen Zie!
unserer Zeit: den deutschen Menschen zu formen.
Karl Gödtel.

FSängerteg der Wellmark in Spevyer.

Daß der Ort der jährlichen Sängertage wechselt, liegt nicht nur in
dem Gedanken begründet, einen gerechten Ausgleich in den Schwierig—
zeiten und Kosten der Fahrt zu sinden, nicht nur in dem Bedürfnis,
iach und nach durch Sängertage unsere Bewegung im ganzen Gau—
jebiet zu beschwingen, sondern auch in dem Wunsche, die Schönheiten
der verschiedenen heimatlichen Landschaften mit ihrer geschichtlichen
und kunsthistorischen Vergangenheit erleben zu lassen.
So werden wir am 25. und 26. April dieses Jahres die will—
zommene Gelegenheit zu einer Frühlingsfahrt durch die gesegnete
pfalz haben, um zum Sängertag in Speyer Einkehr zu
jalten. Wir lassen uns von der gastlichen, türmereichen Stadt, die so
reundlich in der fruchtbaren Rheinebene eingebettet liegt, gern will⸗
iommen heißen! Sie weiß viel zu erzählen von schicksalreicher
»eutscher Vergangenheit. Speyer ist eine uralte germanische Sied⸗
ung. Aber sie verlor unten dem Ansturm der Römer unter Cäsar
hre Freiheit und blieb viereinhalb Jahrhunderte römische Hauptstad:
des oberen Germaniens. Unter dem Einbruch des wilden germanischen
Bolkes der Vandalen zerbrach zwar die RNömerherrschaft, aber
ie und nach ihnen die Hunnen unter Attila vernichteten die blühende
dultur von Stadt und Land. Bis sich dann 496 die Franken am
khein festsetzten, wieder geordnete Zustände schusen und dem Christenum
 Eingang verschafften. Sie gaben der auf Trümmern wieder—
erbauten Stadt nach einem kleinen Flüßchen den Namen Speyer.
Anter den Merowingern als Bischofsstadt, unter Karl dem Großen,
der hier eine Pfalz anlegte, als Kaiserstadt, kam Speyer rasch zu
Blüte und Wohlstand. Von der Zeit der Karolinger an bis weit
sinein in dos Reformationszeitalter fanden hier zahlreiche und ent⸗
cheidungsvolle Reichstage statt. Kaiser Konrad II. gründete 1080 den
aaiserdom, in dessen Krypta er und sieben seiner Nachfolger beigesetzt
vurden. In Dankbarkeit für die seinem Vater Heinrich IV. bewahrte
Treue erhob Heinrich V. Speyer gelegentlich der Beisetzung seines
Baters im Kaiserdom zur Freien Reichsstadt. Der 30jährige Krieg
drachte Speyer, das ebensowohl durch seinen Gewerbefleiß wie durch
deistungen in Kunst und Wissenschaft unter den Städten Deutschlands
zervorragte, schwere Schäden. Aber es erholte sich nach dem West⸗
alischen Frieden rasch und erhielt als Sitz des Reichskammergerichts
Asbald wieder allgemeine Bedeutung. Da fielen 1688 die Franzosen
derwüstend, mordend und sengend in die Pfalz ein, und am 81. Mai
wurde Speyer ihr schrechensvolles Opfer. General Monelar ließ die
Bewohner, die der Mordlust der Soldateska entronnen waren, ver—
reiben und die herrliche Stadt in Flammen aufgehen. Rur das
Altpörtel, das Heidentürmchen und die Osthälfte des Kaiserdomes
ragten hernach noch als Ruinen aus Schutt und Trümmern hervor.
Frit nach zehn Jahren durfte die Stadt von der inzwischen völlig
derarmten Bevölkerung aufgebaut werden. In vollem Ausmaße
viederhollen sich die Schrechen von 1688, als die Truppen der fran—⸗
zösischen Revolutionsarmee 1794 in Speyer einsielen, die Bürger
zrandschatzten, den Kaiferdom beraubten, die Kaisergräber aufbrachen
ind schändeten, die Glocken stahlen und den Dom zu einem Magazin
herabwürdigten. Durch den Frieden von Lunéville kam Speyer 1801
vie das ganze linke Rheinufer an Frankreich, der Zweite Pariser
Frieden 1816 brachte es als Kreishauptstadt der bayerischen Pfalz an
bayern. Wir werden in unserer nächsten Rummer in Bild und Wort
Ausschnitte aus Stadtbild und Stadtgeschichte Speyers bringen, um
Aen Verltretern des Sängertages Wegweisung für rechte Schau zu
zeben.
Der Sängertag wird am Samstag, den 25. April, seinen Auf⸗
akt nehmen mit Eingelsitzungen der Kreis— und Gruppensführer, der
rreis⸗ und Gruppenchorieiter, der Kreisschriftführer und Kreispresse⸗
darte, der Kreis⸗ und Gruppenkassenwarie, in denen die Vertreter
er Kreise und Gruppen Tätigkeitsberichte geben und zur Ausfprache
ringen werden. In der nachfolgenden Gesamtsitzung werden die Ver⸗
reter des Gauführerrats Bericht erstatten und Anregungen für die
Weiterarbeit geben. Der Abend bringt eine Feierstunde in der Stadt:;
Jalle, anschließend gemütliches Beisammensein im „Goldener Adler“.
der Sonntag vereinigt die Vertreter in der Festhalle zum Sänger⸗
ag. Er sieht zuerst vor: Eröffnung, Ehrung der Toten, Begrüßungen,
Jahresbericht des Sängergauführers Kipp uͤnd umschreibt alsdann in
inzelnen Referaten die kulturpolitische Arbeit des Gaues: Karl
gödlel Der Chorleiter als Erzieher“ (Pflichten und Aufgaben des
reis⸗, Gruppen- und Vereinschorleiter), Matthias Beck Notwendig⸗
eit und Praxis der Feierstundengestaltung“, Karl Braun „Sänger—⸗
chaft und Jugend“, Georg Hitzelberger „Chorleiterberatung“, Walter
Slein „Das gedruckte Wort“, Hellriegel „Reichsmusikkammer“, Karl
NRüller „Laienfspiel“. Gemeinschaftslieder und „Deutschland, heilige:
hame“ werden den Verhandlungen würdigen Aufklang und Nachhall
geben. Dem Mittagessen in den Gasthöfen der Stadt folgt eine Kund—
ebung auf dem Narktplatz. der ein Blasorchester mit Richard Wao⸗

a) Inhaltund gedanklicher
Aufbau: Mit dem Begrisff Deu tsch⸗
and verbinden sich die Begriffe
Volk“ und „Führex“. Volk, verbun⸗
zen im Land, verbunden im Blut.
diesen Gedanken spricht das ein—
eitende Gedicht von Hch. Anacker
„‚Alles ist Teil von dir, o Vaterland“
lar aus. Vom schicksalhaften Ver—
zundensein aller deutschen Menschen
in Niedergang und Aufstieg fsingen
die vier „Lieder der deutschen Seele“
für gemischten Chor von Hch. Lang
Dichtung von Schuster). Jegliches
ktun, jegliche Arbeit muß gewertet
werden sals Dienst an Volk und
Baerland. Das ist jeder Arbeit
höchster Sinn, Adel und Weihe zu⸗
gleich. Das Dichterwort „An einen
Arbeiter“ („Ich fasse deine hacte Hand und halt damit das Vater⸗
ande) gibt dem Ausdruck und in dem gewaltigen Hymnus „Psalm
der Ärbeit“ für Mänerchor von K. Lißwann Gedicht von Morgisch)
schwingen die stählernen Rhythmen der Arbeit und das kraftgetragene
Holos der Liebe zum Vateriand zusammen. „Fausft und Stirne ehern
gestrafft, stärkste Liebe ist staͤrkste Kraft! Alles dem Vaterland!“
haldur v. Schirachs Gedicht, Der Priester“ erhebt des Bauern Tun
aus dem Stumpf-AÄlltäglichen zur völkifch bedeutsamen Handlung. —
Deutsches Volk und Wesen sind gedanklich klar gefaßt — zu ihnen
gesellen sich die Gedanken um Einheit und Geschlossenheit dieses
Holhes; das uralte Schnen klingt auf. „Wann doch, wann erscheint
der Meister, der o Deutschland dich ecbaut? Ruf nach dem Bau—
neister des Volkes. Fanfaren künden den Führer an, sein Wort
bom 88. Juli 1922 ist Verheißung, sein Kampf, seine Tat sind Er⸗
———— monumental
geformter Hymnus auf den Führer (Gedicht von B. v. Schirach, ver⸗
sont von R. Trunk), der durch das weitere Gedicht B. v. Schirachs
Dem Führer“ Vertiefung und Verinnerlichung erfährt. Zum Schluß
erklingt das hohe Lied der Liebe zu Volk und Land, die Kantate
Heiliges Vaterland‘ von Franz Philipp; der Mensch unserer Tage
singt sich darin aus: flammend begeisterte Jugend, starke, gerade
Mannheit, geläutert in Kcieg und Kampf, alle verbunden in dem
hzeiligen Gedanken „Deutschland“. „Deutschlands Jubelchor“ (Otto
Siegl) beschließt die Feierftunde.
p) Musikalische Haltung: Die ist in den vier Liedern der
deutschen Seele von Hs. Lang von vornherein gegeichnet. Es sind
Tonietzer unserer Zeit. die zu Worte kommen, jeder in seiner Eigen⸗
art, alle doch Zeugen des künstlerischen Wollens unserer Zeit. Das
ijt ein starbes Singen, abhold jeder unnötigen, inhaltsleeren Wen⸗
dung und jeder unmännlichen Sentimentalität, männlich auch im
Lyrischen. Da ist Hs. Lang in seiner freischwingenden, oft eigen⸗
willigen Melodik, deren Linien in kühnem Schwung zu grandiosen
Höhepunkten sich vereinen; oder der in knappen Strichen zeichnende,
boch äußerft schöͤrf charakterisierende K. Lißmann. Da ist der herbe
Satz Vollerthuns, klär gegliedert, fein deklamiert, oder der gekonnte
starke Chorsatz Rich. Trunks, aus dem Wissen und Können um die
Möglichkeiten und klanglichen Wirkungen des Männerchors ge—
chaffen, in mitreißkendem Schwunge gestaltet. Franz Philivp komm
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.