Full text : 15.1935/36, 7-12 (0015)

Seite 88

Sänger⸗Zeitung des Gaues Westmark.

Nr.198

Aus den

100

Ame

*

Die Fahne flattert uns
orandt Unter dieser Ueberschrift
deröffentlichten wir in voriger Num⸗
ner als Leitartikel einen Aufsatz, der
anläßlich der bevorstehenden großen
zängerkundgebung einmal grundsäütz—
ich Bedeutung und Werden von Fahne,
ztandarte, Wimpel, Banner und
Flagge ins Licht rüchte und die Auf⸗
orderung des Gauführer—
rats con Kreise und Berein
weitergab, sich zur Erzie—
ung eines einheitlichen
Bildes noch vor dem Feste
nit zeitgemäßen Fahnen zu
dersehen. Jedem Verein wird in⸗
zwischen ein Kunstblatt in Fünffarben—
zruch als Vorbild einer solchen Fahne
zugegangen sein. Es ist daraus zu
ersehen, daß die Vorderseite einheitlich — wie das Bundesbanner — mit
unserem Gausymbol: Hakenkreuz, Leier und Schwett zu versehen ist,
die Rückseite mit dem örtlichen Symbol. Dafür ist in jedem Faälle.
wo es möglich ist, auf das Orts wappen zurückzugreifen. Das
Kunstblatt zeigt z. B. den Anker als sinnvolles Wappen der Gemeinde
NReuburg am Rhein. Uns ist eine erst im vergangenen Jahr geweihte
Fahne bekannt, die ein heraldisch völlig falsches Wappen, noch dagu
in falscher Lage, aufweist. obwohl die Gemeinde über ein eigenes
Wappen verfügt. Wir verweisen auf das prachtvetl farbig aus
gestattete Werk: Otto Hupp, „Wappen und Siegel der deutschen
Städte“, von dem uns gerade der 7. Band des Kreises Rheinpfaiz
WVerlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft,
Speyer), vorliegt und in das jede gutgeleitete Fahnenfabrik gern Ein—
schau gewährt. Man hüte sich vor Schwarzarbeit und vertraue sich
bielmehr einer der Fahnenfabriken an, die seit der Februar—
nummer ihre Anzeigen in unsere „Sänger-geitung“ auczeben. Sie
beraten gern und arbeiten auf Grund besonderer Abmachungen nach
den Weisungen des Gauführerrates, dem übrigens alle Entwürfe vor
Anfertigung unbedingt zur Genehmigung vorzulegen sind. Die Preise
— zum Beispiel Ausführung J in Baumwolle mit Stange und Spitze
l125 Mark, Ausführung 11 in Seide 225 Mark, Ausführung III in
reichster Ausstattung, silbergestichte Buchstaben 300 Mark — ergeben
fich aus direkten Verhandlungen mit den genannten Fahnenfabriken.
Schärpen werden nicht getragen, die Kosten fallen also weg. Gewiß
werden auch diese Ausführungen dazu dienen, Kreisführer und
Bereinsführer für baldige Lösung dieser Aufgobe besorgt zu machen,
am so auch äußerlich durch die Fahne das einmütige
Bekenntnisder Sängerschaft des Gaues Westmark
zum Reiche Adolf Hitleussichtbar werdenzulasfssen
Sit.

MNüdigkeit wurden dabei gründlich aus den Knochen geschieden. Wäh—⸗
end noch Tal und Dorf Lichtenberg in Dunst- und Nebelschwaden
agen und der anbrechende Tag vollends die Dämmerung verscheuchte,
ilten wir gestählt und ermuntert in das Lager zurück, um uns zu
vaschen und zu striegeln. Nach dem Bettenherrichten und dem
zimmerreinigen traten wir zur feierlichen Flaggenhissung vor dem
Zzeim an. Noch im letzten Zwielicht traten wir an die Burgmauer
ind ließen einen eigenartig schönen, alten, im Kanon gesungenen
Wächterruf hinab zum Tale wallen. Nun aber erwartete uns der
eichgedeckte Kaffeetisch, wie überhaupt die gesamte Verpflegung eine
iberaus reiche, gediegene und ausgewählte war. Nach dem Morgen⸗
zaffee wurde mit Eifer die Arbeit in Angriff genommen, und zwar
echt nachdrücklich, da unsere Zeit knapp bemessen, jeder Augendlick
zostbat war und trotzdem ein abgeschlossenes Ziel erreicht werden
nußte.
Hempel-Thüringen führte uns in flotter und gewandter Weise in
das Wesen des neuen deutschen, sowie die volkhafte Bedeutung des
deutschen Liedes überhaupt ein? zeigte Stellung und Aufgabe des
DSeB. in der Gliederkette der Reichsmusikkammer und im deutschen
MNusikleben, erörterte mit uns u. a. die Fragen der Ein- und Mehr—

Der Bauführerrat der Westmark auf der Lichtenburg.
Photo: W. HSans.

Der alte Saar-Sänger-Bund konnte seinem Ehrenmitglied
Vilhelm Lamny noch zu seinem 80. Geburtstag, den er in körper—
licher und geistiger Frische beging, telegraphisch seine Glückwünsche
aussprechen. Er war 40 Jahre Vorsitzender und zuletzt Ehrenvor—
sitzender des St. Arnualer MGB. Saarbrücken. Nun hai ihn — wie
aus der Sterbetaofel ecsichtlich — der unerbittliche Tod aus unseren
Reihen weggenommen. Der Gau senkt über der Gruft des verdienten
und verehrungswürdigen Sängerführers in Dankbarkeit und Ehr—
erbietung die Fahne!

timmigkeit im Männerchor und erarbeitete mit uns nicht zuletzt
vextvolle Lieder aus altem und neuem Liedgut. Dabei lernten wir
zigentlich zum erstenmal so recht überxzeugt und eindringlich den
Wert des „Aufrecht-Fähnleins“ kennen. Es ist ein wahres Schatz—
zästlein und kann jedem, der es mit gutem Willen vornimmt, nicht
aur eine reiche Fundgrube sein, sondern vor allem recht viel und
nnige Freude bereiten. Jedenfalls fanden wir darin viele kostbare
perlen. Gauchormeister Braun gab uns in seiner mit echtem und
inverfälschtem Humor durchwürzten Art recht brauchbare Finger—
eige und praktische Anleitungen für die Chorarbeit jedes einzelnen.
Im besonderen arbeiteten wir mit ihm sehr eifrig an Chören und
Liedern zum Gausängerfest der Westmark in Saarbrüchen. Wir
ernten diese in ihrer ganzen Struktur kennen und somit ist durch
zie einheitliche Schulung auch eine einheitliche Arbeitsweise und Linie
dei der Arbeit der einzelnen Chorleiter mit ihren Vereinen gewähr—
eistet. In einer Art Lehrbeispiel zeigte er am Rammelsbacher Werk—
hor, wie man auf recht leichte, heitere und doch gewissenhafte Art
n einer Liedstunde ein Lied erfassen und zum Erlebnis werden lassen
zann. Der genannte Chor war am Sonntagnachmittag zu uns auf
die Burg gekommen. Diese Liedstunde hatte bei den Sängern einen
iefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie hatten eine Feier—
tunde mit echter Begeisterung erlebt und an ihrem Aeußeren konnte
man die innere Wärme und Ergriffenheit erkennen. Daß dem wirk⸗
äch so war, bewies ihr Kommen nach Diedelkopf, wo wir am
RNontagabend einen Kameradschaftsabend, verbunden mit offenem
riedersingen, durchführten. Die Diedelkopfer bewiesen durch ihr zahl⸗
ceiches Erscheinen, daß sie freudiges Interesse an dem für sie Neu⸗
artigen hatten. Der Abend war in jeder Hinsicht ein großer Erfolg
und wird noch lange und gerne in aller Erinnerung bleiben.
Auch Emich-Landau arbeitete in seiner ruhigen und sicheren Art
als alter Pionier auf dem Gebiet der Chortechnik Chöre zum Gaufest
nit uns durch. Hans-St. Ingbert endlich führte draktisch in die
„Deutsche Humne“ ein.
Jede Stunde war in dieser Weise vollständig mit gründlichem
Schaffen ausgefüllt. Um 1 Uhr wurde endlich das wohlverdiente und
chmackhafte Mittagessen eingenommen. Anschließend war unbedingte
Ruhe bis 83 Uhr oder Spaziergang verordnet. Nach einem kleinen,
»ekömmlichen Nachmittagskaffee als Auftakt wurde wieder wie am
MNorgen mit demselben Eifer gesungen, vorgetragen und gearbeitet
dis kurz vor 7 Uhr. Nach dem Äbendltisch gab es nochmals alle Hände
holl zu tun, bis dann etwa von 9 Uhr ab die Zeit bis “ Uhr
zur freien Verfügung stand. Wir saßen dann in froͤhlichem Kreis bei⸗
ammen, erzählten, fauschten allerleü Gedanken aus, sangen begeistert
inter der Gesellschaft singender Geigen und einem temperamen wvollen

Musikdirektor Hans Müller aus Windhuk, Süd—
vestafrika, weilte vergangenen Monat auf Heimaturlaub in Deutsch—
sand und war vom Gauführerrat der Westmark ins Saarland
geladen worden, um ihn hier im Verein mit dem VDA. als einen der
wackersten Vorkämpfer für das Deutschtum im Ausland an einem
Festabend zu bewillkommnen. Leider gestattet es diesmal Sanges—
bruder Müller die Zeit nicht, unserer Einladung zu folgen. Wir hoffen
also guf die Zukunft! Sein in schwerer Kampfzeit für das Schicksal
der Saar bekundetes lebhaftes Jnteresse findet auch in dem ietzten
Schreiben wieder begeisterten Aüusdruch: „Am Jahreéstage des herr—
lichen Saar-Abstimmungssieges herzliche Grüße und Wünjche und ein
Sieg- Heil den Schwestern üund Brüdern an der Saar! Wie hier in
Dresden von fast allen Häusern die Fahnen des Dritten Reiches im
herrlichen Sonnenschein leuchten, so wird auch bei Ihnen Hoch⸗
stimmung sein. Sieg-Heil vor allem den Sängern an der Saat!“

Chorleiterschulungslager
atik der Lichtenburg.

Vom 5. bis 7. Januar 1836 fand auf der schönen Lichtenburg bei
Kusel ein Schulungslager für Chorleiter der Kreife in der Nordwest⸗
ecke der Pfalz statt. In der Tat hätte die Wahl des Ortes nicht
desser und glücklicher getroffen werden können. Ueber 40 Thorleiter
hatten sich eingefunden, wovon ein großer Teil bereits am Samstag⸗
abend eingetroffen war. Mit der Leitung des Lagers war Kamerad
Schröer-Waldfischbach betraut. Als Schulungsleitet waren Gauchor⸗
neister Braun, Leo Hempel aus Georgental in Thüringen. Schlicher⸗
Rehborn, Emich-Landau und Hans—St. Ingbert tätig. Die Tages⸗
arbeit verlief nach einem genau festgelegten Plan. Pünktlich 28 Uhr
wurden wir durch einen Hornruf geweckt und unverzüglich ging es
im morgenfrischeri Wind mit federadem Laufschritt durch die Burg⸗
anlagen zum erfrischenden Frühsport. Aller Rost und jedwe
            
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