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Sänger⸗Zeitung des Gaues Westmark.
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In Meckerbach kennt jeder den Schorsch. Er ist
— und das kann wohl nur in Meckerbach möglich sein —
noch immer Sängervereinsführer im Sinne eines „Vor⸗
itzenden“ der liberalistischen Zeit. Man ersieht daraus
ohne weiteres, welcher Körperteil außer dem großen
Vaul bei ihm der bestentwickelte ist. Seinen Anhang ver⸗
dankt er seiner Meisterschaft im Braten großer Extra—
würste. Und Extrawürste lieben die Meckerbacher nun
mal für ihr Leben.
Sangerkreistage besuchte Schorsch grundsätzlich nie.
Erstens wollte man dort von ihm nichts —3— und
weitens wußte er selbst ja alles besser. Ganz schüchtern
hatte ihn einmal ein Sangesbruder — es war ein zu⸗
eerich kein rassereiner Meckerbacher — auf das
orhandensein einer Sängerzeitung aufmerksam ge—
macht. Aber der ist schön angekommen! Ob er schon mal
berechnet hätte, daß man als Bezieher der Sängerzeitung
plich rund 6 Glaäs Bier weniger trinken dürftel Und
ier gehöre doch nun mal zu den fetten Extrawürsten
der Neckerbacher. Schorsch, und seine Meckerbacher
Sangesbrüder hätten wahrscheinlich nie etwas von der
Kundgebung 1936 in Saarbrücken —5—
wenn ihm nicht der Briefträger zuweilen Briefe der
Sänger-⸗Kreis⸗ oder Gauführung ins Haus getragen hätte
Simmer deutlichere Mahnungen, endlich die ihm über⸗
sandten Formblätter zur Notenbestellung ausgefüllt zu⸗
rückzusenden!
ESchorsch liebte keine raschen Entschlusse. Er liebte über⸗
haupt keine Entschlüsse, keine Anstrengungen, keine
Taten. Wie er trotzdem eines Tages dazu kam, persönlich
zur Geschäftsstelle nach Saarbrücken zu fahren,
um sich „den Kram“ einmal aus der Nähe anzusehen,
wird ewiges Geheimnis bleiben. Jedenfalls er kam. Und
zwar in der Woche vor Weihnachten. Unterwegs hatte
er sich in strahlenden Farben ausgemalt, wie warm man
ihn einpfangen würde, — den Vereinsführer von Mecker⸗
hach! Wie der Geschäftsführer den Federhalter nieder⸗
segen, ihm einen bequemen Sessel bereitrücken und mit
ihm — sagen wir mal eine Stunde — verplaudern
würde. Um sich einen guten Eingang zu sichern, wollte
er erst vom Wetter im allgemeinen, dann vom Regen
im besonderen sprechen, dadurch geschickt auf das schlechte
politische Wetter überleiten, das auf einmal von allen
friedlich schuummernden Mitbürgern aufregende Mitarbeit
am Wiederaufbau des Staates fordere und seine Wolken
——— gen
energisch Auskunft därüber einholen, mit welchem Recht
die Sangergauführung ihnen auf einmal soviele Noten
auf den Hals schicken und dazu noch ihr gutes, sauer
verdientes und noöch nicht in Bier und Extrawürsten um⸗
gesetztes Geld haben wollte. Das ginge denn doch zu
weit! Im Notenschrank des Meckerbächer Gesangvereins
lägen noch Berge von verstaubten Noten, an denen sich
chon die Ururgroßväter erfreut hätten! Die Herren vom
Hauführerrat sollten etwas mehr Respekt vor der „Tra—
dition“ haben. Ihr Verein wäre nicht der erste beste.
Er bestände schon an 60 Jahre. Und er habe doch jedes
Jahr so schön Theater gespielt, daß ganz Meckerbach nicht
dus dem Schluchzen herausgekommen wäre! Wie gesagt,
das alles wollte Schorsch einmal dem Geschäftsführer so
recht unter die Nase reiben. Vor dem Eintritt in die Ge⸗
schäftsstelle warf er sich noch einmal in die Brust wie eine
Pellkartoffel.
Und was geschah? Ihm blieb die Spucke weg, als er
die Büros beträt: Da waren durch alle Zimmer die
Tische zu einer gewaltigen Brücke aneinandergereiht,
und ihnen lägen 700 000, in Buchstaben: Sieben⸗
zunderttausend, Nosenblätter — die Partituren nicht mit⸗
jezählt — fein säuberlich nebeneinander zu Packen auf—⸗
jeschichtet Und der Geschäftsführer, feine Sekretärin
und fuͤnf für diesen Zweck auf 14 Tage eingestellte
arbeitslose Volksgenossen umschritten geschätti die
iesige Notenauslage: lasen die ausgefüllten Formblätter,
iannten Zahlen, — die entsprechenden Noten,
ügten sie zuͤsammen, schrieben Rechnungen und stellten
gaket auf Paket her, die dann hernäch im Auto zur Post
jeschafft wurden, um rechtzeitig in die Hände der streb⸗
amen Vereine zu gelangen.
Ach Schorsch, mein Schorsch, was ist Dir denn geschehen!
Wohl wurde fein Gruß freundlich erwidert, aber seine
Phze so schön überlegte Vorbereitung war für die Katz.
Nan fragte ihn nach seinem Begehr, aber ohne aufzu⸗
schauen und ohne Unterbrechung, der Arbeit. Das heißt,
das ist nicht ganz wahr. Als Schorsch bekennen mußte,
daß er seine Formblätler mit der Notenbestellung
überhauptnoch gar nicht eingeschickt habe,
entftand eine beängstigende Pause. Die Wallfahrt um die
rischbrücke stoppte. Eine Nadel hätte man zur Erde
allen hören' können. Und dann entluden sich die auf—⸗
gestauten Energien in einem herzhaften, beschämenden
dachen. Schorsch war rasch wieder draußen. Er machte
mit dem Tafchentuch eine Bewegung, als wische er sich
den Schweiß von der Stirn. Dann aber stieg er bedächtig
die Stufen hinab und erfrischte sich erst unten im Restau—
rant durch einen großen Kirsch uͤnd etliche Glas Bier.
Wäre Schorsch nicht Schorsch, dann würde die Ge⸗—
chäftsstelle am andern Tag aus Meckerbach einen Bries
rhalten haben: „Lieber Sangesbruder! Hier ist unsere
Rotenbestellung! Entschuldigt, deß wir so unverantwort⸗
ich gebummelt haben! Wir wollen in Zukunft fleißig
nitacbeiten. Wir bestellen auch für jeden unserer 26
Sangesbrüder eine Sängerzeitung, damit wir wirklich
is sebendige Glieder in der Sängerbewegung der West—
mnark stehen. Wir sind dankbar, daß Ihr ehrenamtlich
rine so ungeheure Arbeit schafft ohne zu murren, ohne
zu verzagen. Wir freuen uns auch, daß Ihr noch vor
weihnachten ein paar Arbeitslose glücklich gemacht habt!
yhr solltet Faulenzer wie uns viel fester anpacken, als
jhr es bis jetzt tut. Man spürt Euch an, daß Ihr nur ein
ziel vor Augen habt; Deutschland und seinem herrlichen
rührer zu dienen. Wir Meckerbacher waren bis jetzt
mmer beim Meckern die ersten, beim Arbeiten die
etzten. Von nun an wollen wir so mitarbeiten, daß wir
zor lauter Arbeit überhaupt nicht mehr zum Meckern
zommen.“
Aber Schorsch war nun einmal Schorsch, und Mecker⸗
»ach Meckerbach. Und so blieb alles beim alten. Und so
vird es noch lange bleiben, wenn nicht endlich einmal
ein deutscher Manmn kommt, der den Schorsch auf
seinen „Sitz“ setzt. Gibt es noch andere Vereine, denen
ein solch deutscher Mann nottut? Dann rasch zuge⸗—
faßt! Noch'isst es Zeit! Den Schorsch aber werden
wir alle bald vergessen haben, er ist ein gengz kleines,
armseliges Würstchen! Walther Stein.
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Mh oher willst Du als Amtswalter eines Gesangvereins wissen, was Du zu tun hast, wenn Du
unsere Sänger-Itg. nicht hältst? Die Sängergauführung macht allen Amtswaltern den Bezug
der Säünger- 3tg. zur Pflicht! Amtswalter sind: Der Dereinsführer, sein Stellvertreter, der shorleiter,
der Schriftwart, sein Stellvertreter, der Fassenwart, sein Stellvertreter, sowie die vier Stimmwarte.
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