Full text : 15.1935/36, 7-12 (0015)

Nr. 11
zeigt es — von Adolf Bernd jr., Neustadt, geschaffen — die
Leier als Ausdruck der Kunstgefinnung, das Schwert als Zeug—⸗
nis des kämpferischen Geistes, ohne den der Gau, seine Kreise
und Vereine Sinn und Inhalt und damit ihre Daseinsberechti—
gung verlieren würden. Das ist das Banner, das uns auch bei
her großen Kundgebung in Saarbrücken voranflattern wird.
Wer in den letzten Jahren einmal an irgendeiner
großen nationalen Kundgebung teilgenommen hat, an
einem Reichsparteitag in Nürnberg, an dem Aufmarsch
der saardeutschen Formationen vor unserem Führer nach
dem Saar-Abstimmungssieg, an dem Traditionsmarsch
am 13. Januar 1936 in Sadarbrücken, der wird sich des
bezwingenden Eindrucks nicht erwehren können, den die
Bleichfoͤrmigkeit der Fahnen der NEDAP., der SS. und
SA., des RAD., der HJ. und des BDM. und wie die
Formationen alle heißen, auf den Beschauer machen
mußte. Deutlicher kann nicht sichtbar gemacht werden,
daß wir aus dem Parteienstaat, aus Gruppen und Grüpp⸗—
chen durch Adolf Hitlers geniale Führung endlich heraus—
gefunden haben zur — zur Reichseinheit und zur
Volksgemeinschaft. Wie anders sieht es noch auf unseren
Sägerfesten aus. Manche Kreise — lebendige, kämp⸗
fende Singgemeinschaften — haben überhaupt noch keine
Fahne! Und die in Formen, Farben, Bebilderung und Be—
schriftung grundverschiedenen Fahnen unserer Vereine,
bielfach küschig überladen, nicht nach innen, sondern
repräsentativ, marktschreierisch auf äußeren Schein nach
außen gerichtet, geben so recht ein Bild der Hohlheit, Zer—
splͤtterung, Eigenbrötelei und der Ungeistigkeit des
hinter uns liegenden, nun — so sollte man glauben und
hoffen — doch endlich überwundenen Zeitalters. Gewiß,
es kann ja nicht anders sein. Sie sind eben — wie alles
andere auch — zeitgebunden. Und gerade von unseren
Fahnen haben viele im Sturm gestanden. Wir wollen sie
wahrlich nicht lästern, sondern in Ehren halten.
Der Gauführerrat des Sängergaues Westmark hält
aber für unfere Kreise und Vereine nun die Zeit gekom—
men, sich auch in der stummen und doch so beredten und
eindruͤcksvollen Sprache der Fahnen zur neuen Zeit, zum
neuen Reich, zur Fahne des Führers zu bekennen. Es

Sänger-Zeitung des Gaues Westmark.

Seite 67
mußerreicht werden, daß alle Kreise und
möglichst viele Vereine der großen Kund—
gebung in Saarbrückendurch Beschaffung
zeitnaher Fahnen als Spiegel unserer
inneren Einheit auch geschlossenes Bild
unserer äußeren Einheit bieten. Deshalb
diese Fahnen-Nummer! Ein Kunstblatt, das allen Ver—⸗
einen zugeht, macht deutlich, wie die neue Fahne be—⸗
chaffen sein soll: die Schauseite mit dem Bildschmuck
inseres Sängergaubanners, die Rückseite in dem zur
Bebilderung bestimmten Kreis mit einem einfachen,
n seiner Schlichtheit doppelt eindrucksvollen Symbole
jrtlicher Art. Wir denken an Stadt- oder Gemeinde—⸗
vappen, an Förderturm mit Schlägel und Eisen für
einen Bergmannsgesangverein, an Traube mit Winzer⸗
nesser für einen Gesangverein der Weingegend, an das
Winterbergdenkmal als historischem Wahrzeichen Saar—⸗
»rückens, an Embleme mit bestimmtem Handwerkszeug
ür Pirmasenser Gesangvereine. Die Gauführung hat
ich an eine Reihe leistüngsfähiger Fahnenfabriken ge⸗
vandt. Ihre Anschriften sind aus dem Anzeigenteil dieser
ind nächster Nummer der Sängerzeitung ersichtlich. Die
zier verzeichneten Firmen sind aufgefordert, dreierlei
Fahnenentwürfe bereit zu halten: 1. eine billige für die
inänziell schwachen Vereine, 2. eine Durchschniktsausfüh—
rung und 3. eine la Ausführung, die höchsten Ansprüchen
genuͤgt. Interessierte Kreise und Vereine wollen sich mit
iner der von uns verpflichteten Fahnenfabriken baldigst
n Verbindung setzen und Entwürfe zur Genehmigung
zurch den Gauführerrat an die Geschäftsstelle des Sänger⸗
gjaues Westmark, Saarbrücken, Stadtpark Ludwiasberg,
einreichen.
Die Fahne flattert uns voran! Die neue
Fahneder neuen Zeit! Sichtbarer Aus⸗
druck des einmütigen Willens unserer ge⸗
famtfen Sängerschaft, ihre kulturpoli—
bische Sendung in der, Grenzmark nasch
bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen!
Walther Stein.

Konert — Feierstunde. — wandalollen.

—

Ein „Herbstkonzert“, kurz nach Allerheiligen; Schubert,
Schumann. Zum Schluß das fruhlingsselige, duftdurchwobene
Werk „Der Rose Pilgerfahrt“. Draußen — düsterschwere Herbst⸗
stimmung, Allerheiligen — Zeit des Vergehens und Verwehens.
Im Konzertsaal — das hoͤhe Lied des Liebens und Lebens,
Frühling Zwei Welten — eine Welt der Wirklichkeit,
in der wir stehen, die den ganzen Menschen ergreift, Geist und
Seele erfaßt und erfüllt — und eine Welt des Scheines,
fern und unwirklich, die unser Herz nicht ergreift, für die wir
nicht bereit sind. Unterhaltung! (7) Das mag zu hart klingen;
denn für den Kenner und Könner bleibt immer noch die
musikantische Einwirkung, die Chorleistung, die musikalische
Haltung, die stilistische Einheit. Dem einfachen, schlichten Men⸗
schen aus dem Volke bringt dieses „Konzert“ keine innere Er—⸗
hebung, keine Feier; er empfindet allenfalls Achtung vor der
Leistung.
Es wäre gewiß eine ungerechtfertigte Uebertreibung, wollte
man dieses Konzert als Typ für alle Konzerte betrachten
und demgemäß alles, was sich „Konzert“ nennt, be⸗ und ver⸗
urteilen. Doch eines muß sestgehalten werden: Dem Konzert
fehlte vielfach die starke Beziehung zum Erleben und Leben,
weil wir alle mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit stilistische
Fragen zu sehr in den Vordergrund rückten. Das Pringzip
der stilistischen Einheitlichkeit und gedanklicher Geschlossenheit
in Ehren; das Konzert ist zuerst eine psychologische
Angelegenheit.
Die Kunst trägt in sich ihre eigenen Gesetze, sie steht aber
unter den beherrschenden Gesetzmäßigkeiten des Lebens. Ihre
Aufgabe ist es, das Leben zu adeln, zu weihen,
das äußere Lebensgeschehen aus dem Kreis des Gegenständ—
lichen, des „Grob-Sinnlichen“ zu erheben in,die Welt
des Seelischen, es mit Schönheit zu erfüllen, die
großen ethischen Grundwahrheiten des Lebens

zu formen und hineinzustrahlen in Geist, Herz und Gemüt
Zer Menschen. Das Kunsiwerk hebt die großen Zeitideen zu
dealer Höhe, rückt sie in ein ideales Licht ünd, wird so zu einer
inwägbaren Kraft der Menschen-, der Seelenformung und der
gefamsen inneren Haltung eines Volkes. „Dexr Künstler i st
zeriebendigste Sohn seines Volkes.“ Aber alle
Zunst muß lebensnah bleiben, sonst bleibt sie unverstanden
und verliert an Wert und Bedeutung.
Das Lied steht in taufendfältiger Beziehung zum Leben
ind Erleben. Die Tatsache, daß man eine Geschichte unsres
holkes in Liedern schreiben könnte, ist Beweis dafür, wie
nnig Leben und Lied Geschehen und Kunst verbunden sind.
xẽs ist fast. als ob das Lied uns den Weg zeigen wollte, der
us dem Leben um uns zu dem Leben in uns führt.
Das deutsche Volkslied nimmt seine Motive aus der deutschen
Raltur, es erzählt vom Leben und Lieben und Leiden um uns
ind in uns.“ Es formt Aeußeres und Inneres miteinander,
zieichnishaft, bildhaft. Und weil es die sichtbare, hörbare, fühl⸗
are Weit, die vom Volk erlebte Welt in sich trägt, ist es das
Volkstied“e, das „Volkskunstwerk“. Und hier soll das
holkslied uns Beifpiei sein dafür, wie wir unsere Darbie—
ungen gostalten sollen, wenn sie als formende, bildende künst⸗
erische Kräfte Sinn und Bedeutung für unser Volk haben
dlien. Wir müssen die Welt um uns liedmäßig gestalten, wir
nüfsen ans Leben anknüpfen, an die bewegenden Kräfte der
Zeit. Da sind die Festtage,des Volkes, da ist der Jahres⸗
kreislauf, da ist das polifische Geschehen und die daraus wer⸗
ende innere Situalion. Das sind die der politischen Gesamt—
ijtugtion entwäachsenden Fragen und Gedanken, deren künst⸗
lerische Aussormung in Wort und Lied die innere Haltung
bestimmend beeinflußt. Der Vollständigkeit halber seien einige
deltgedanken gebracht, die zur Feier stunde gestaltet werden
hönnen; Arbeit. Arbeit, du Herz der Zeit.“ (1. Mai), „Zu
inem Volsße follst du ftehen.“ Tag- des deutschen Volkstums),

sihror Lesen auch die passiven Mitglieder des Dereins die Sãnger· Jeitung? Es ist
Dereinsführer! Deine Pflicht, sie als Bezieher zu werben. Jeige Ihnen sofort eine Rummer,
nimm die Bestellung entgegen und gib diese an Verlagsleiter Gümbel in Niederauerbach weiter!
            
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