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Sänger⸗Zeitung des Gaues Wesimark.
Nr. 10
HFüngerkundgebung auf der Ebernburg.
An einem herrlichen Herbsttag traf sich ein Großteil der Vereine
des Donnersbergkreises zu einer eindrucksvollen vaterländischen
sundgebung auf der Ebernburg. Es waren wohl 700 Sänger, welche
gegen3 Uhr nachmittags den geräumigen Platz vor dem Denkmal der
deiden Vorkämpfer für ein einiges, nach innen und außen
geschlossenes deutsches Reich ansüllten, Dazu gesellten sich noch einige
hundberl Zuschauer und Zuhörer. Heller Sonnenschein lag über dem
in Zeugen aus alter, großer Zeit so reichen nordpfälzer Bergland.
Die Fahnen des Drittes Reiches grüßten von der Burg ins Tal. Um
3 Uhr begann die Kundgebung mit einer herzlichen Begrüßung aller
Mitwirkenden und Anwesenden durch den Führer des Donnersberg—
zreises Bezirks-Oberlehrer Riedinger. Er führte aus: „Wenn ich zu
Füßen unseres Denkmals die Sängerscharen sich drängen sehe und
meinen Blick emporlenke zu den mit der Ebernburg unlöslich ver—
bundenen Heldengestalten, Franz von Sickingen und Ullrich von Hutten,
diesen wackeren Vorkämpfern für ein starkes und einiges Deutsch—
land, dann erklingt in meinem Innern eine gewaltige Sinfonie. In
hren mächtigen Akkorden hallt es von deutscher Kraft, deutschem
Heist und deutscher Seele. Deutsche Kraft sehen wir versinnbildlicht
in der schwertführenden Faust Franz v. Sickingens, deutscher Geist
strahlt aus dem durchgeistigten Antlitz Ulrichs v. Huttens und deutsche
Seele schwingt in unseren Liedern ..“*
Nach den beiden Massenchören „Wo gen Himmel Eichen ragen“ und
„Kein schöner Land ...“, die unter der Leitung von Kreischormeister
Dexheimer ausgezeichnet und mit tiefer Inbrunst gesungen wurden,
ergriff Gauführer Kipp das Wort zu einer begeisternden Ansprache.
Anknüpfend an die geschichtlich so erinnerungsreiche Stätte und die
beiden Vorkämpfer für deutsche Einheit und Freiheit führte er etwa
folgendes aus. „Für uns Sänger sind diese beiden Kämpfer von
symbolhafter Bedeutung; denn wie in ihren Herzen, so lebte in
unseren schönsten Liedern immer eine Liebe zu uüunserem Volk und die
Sehnsucht nach dem Reich. Zwar begegnet man ab und zu der
Meinung, die Sänger seien unpolitische Menschen, die einem kämpfe—
rischen Leben aus dem Wege gehen und in ihren Liedern abseits
von der harten, rauhen Wirklichkeit ein unterhaltsam-geselliges Dasein
führen wollten. Ihr muß die Tatsache entgegengestellt werden, daß
die Grundhaltung der deutschen Sängerschaft zu allen Zeiten eine
politische war, wie sie in den weitschäuenden Worten zum Ausdruck
kommt, die im Jahre 1850 auf einem Sängerfest gesprochen wurden;
„Stehen wir auch noch so fern von der politischen Einheit Deutsch—
lands, so soll doch hier ein Band gewoben werden, welches allmählich
alle deutschen Bruderstämme umschlingt“. In wieviel deuischen Herzen
Nnag der Wille und die Sehnsucht nach einem Reich der Größe und
Kraft geweckt worden sein, allein durch die Klänge des Liedes: Was
ilt des Deutschen Vaterland? — Das fnanze Deunchland joll es' fein
Zoweit die deutsche Zunge klingt!“ Den Anteil des deutschen Liedes
in der politischen Willensbildung unseres Volkes hat Bismarck einmal
nit den Worften zum Ausdruck gebracht: „Ich zähle der deutschen
eieder Klang zu den starken Imponderabilien, die den Erfolg unserer
kinheitsbestrebungen vorbereitet und erleichtert haben; ich möchte das
died als Berbündeten auch für die Zukunft nicht unterschätzt wissen!““
deine Kunst vermag einen solch starken gemeinschaftsbildenden Ein—⸗
luß auf die Menschen auszuüben als der gemeinsame Gesang. Darum
»flegen wir Sänger im Lied, das aus der Seele unseres Volkes
zommt und formend wieder in die Seele dringt, eines der edelsten
Mittel zur Förderung und Vertiefung der Volksgemeinschaft. Unsere
dieder bringen uns immer neu zum Bewußtsein, daß das Höchste für
ins auf dieser Erde unser deutsches Volk ist. Und wenn man früher
Jlaubte, die Zugehörigkeit zu dieser oder jener Berufsschicht, zu
ziesem oder jenem Bekenntnis in den Vordergrund stellen zu müssen,
vann frage ich Euch, ihr deutschen Sänger: Habt Ihr je beim Singen
zes gewaältigen Chores von Beethoven „Die Himmel rühmen des
ẽwigen Ehre“ gedächt, das sei das Lied der Katholiken? Oder kam
Euch beim Erklingen des Liedes vom Guten Kameraden einmal in
den Sinn, das könnte etwa das Lied eines Protestanten sein? Nein,
wir Sänger haben nur das eine Bewußtsein: In diesen Liedern singt
die deutsche Seele, singt das gesamte einige deutsche Volk! So sollen
denn unsere Lieder auch in aller Zukunft erklingen, um unser Volk
zu den stärksten und reinsten Quellen unseres Seelentums hin—⸗
zuführen, um unser Volkstum zu erhalten und den Geist der Volks⸗
zemeinschaft immer stärkber in uns werden zu lassen. Darum sei
inser Gelöbnis: unsere Liebe unserem deutschen Volk und seinen
herrlichen Liedern, unsere Treue dem Führer!
Der „Gemeinschaftsgesang“ ist eire Neuerung in der Arbeit des
deutschen Sängerbundes. Auch ihm ist in jedem Programm ein be—
jonderer Platz eingeräumt. Es ist der einfache, einstimmige Gesang,
vie er insbesondere in der Familie, im kleinen Kreis gepflegt wer—⸗
den soll. In der Vortragsfolge dieser Kundgebung war diese
Singart vertreten durch zwei wirkungsvolle Gemeinschaftslieder
„Erntesegen“ und „Bauernlied“. In die nun folgenden Massenchöre
waren passende Worte zweier Einzelsprecher eingeflochten. Als erster
sprach Karl Krösch Verse von Weyland-Kandau— Als zweiter sprach
J. K. Ruster ein selbstverfaßtes Werk „An die Heimat“, das in
eindrucksvollen Spruchzeilen eine tiefe Liebe zu Heimat und Scholle
atmete. Den Schluß der Kundgebung bildete der herrliche Chor
„Deutschland, heiliger Name“,.
Anschließend begaben sich die Vereinsführer in die Gaststätte der
—— wo noch eine Tagung des Sängerkreises Donnersberg
attfand.