Full text : 15.1935/36, 7-12 (0015)

Nrob

Sänoer-Zeitung des WGaues Westmark.

Selte 29
werden soll im Erleben des Spiels. Verwurgelt in der
Volksseele wird der einfache Spieler das Spiel nach—
erlebend so gestalten, daß es die Gemeinde in seinen
Bann zwingt, und es miterlebt, so eine enge Gemeinschaft
schaffend zwischen Spielern und Hörern. Sas vermag das
Volksspiel, und darin liegt sein Wert und seine letzte Er—
üllung. Das gemeinsame Erlebnis volkhafter Kuͤnst ist
ein Zweck, hierzu ist das Spiel nur noch Mittel. So ver—
teht es sich von selbst, daß die Spieler nur Menschen sein
zönnen, die vollständig im Spiel aufgehen und sich nicht
elbst in den Vordergruͤnd stellen wollen Wer dem Laien—
piel so nicht gegenübertreten kann, wer es als eine
indere Form des Theaterspielens mit etwas verändertem
Stoff betrachtet, lasse die Finger vom Laienspiel, er ent—
vürdigt es nur, ähnlich wie man ein Volkslied entwür—
digt, wenn man es auf einer Drehorgel spielt.
Wir Sänger haben zum deutschen Lied zurückgefunden,
vir setzen uns für seine Pflege und Verbreitung ein, nun
nüssen wir auch den Mut haben, uns ebenso für die
Pflege und Verbreitung des Volksspieles einzusetzen;
henn in vielen Orten wird gerade nur der Gesangverein
dazu berufen sein, hier bahnbrechend zu wirken. Lassen
vir uns nicht abhalten durch die Schwierigkeiten, die sich
am Anfang sicher einstellen werden. Vor allem begegnen
vir der Verständnislosigkeit einer in ihrem Geschmack
derdorbenen Hörerschar. Die Jugend hat bereits den Weg
zum Volkspiel beschritten, wir dürfen nicht zurückstehen,
ondern müssen an ihrer Seite kämpfen um seine Vollen—
zdung. Können wir das nicht, dann wird diese Jugend
iber uns hinwegschreiten, und wir müssen abseits stehen.
Wie ein solches Laienspiel aber erarbeitet werden muß
ind wie man es praktisch durchführt, soll im nächsten Auf—
atz beleuchtet werden; hierbei werde ich auch aus der
reichen Literatur des Laienspiels einige in Vorschlag brin—
zen und besprechen. K. Müller-Olsbrücken (Pfalz).
NXB. Zu Auskünften bin ich schon jetzt jederzeit gerne
bereit, wenn mir Art der Veranstaltung, Bühnenverhält—
nisse und Spielerfahrung der Spieler mitgeteilt werden.
Rückporto nicht vergessen!

Das Spiel hat einen tieferen Sinn erhalten. Es ist nicht
nehr Selbstzweck und dient nicht mehr der Unterhaltung
und der Auffüllung leerer-Vereinskassen. Das Laienspiel
will aus dem Erleben heraus verstanden, gespielt und
empfunden werden. Daß hierzu nur echtes Spielgut
Boraussetzung ist, ist selbstverständlich. Wir haben diese
vahrhaft dichterisch gestalteten Spiele. Zum Teil sind sie
überliefertes Volksgut im Original oder in Bearbeitung,
zum Teil sind es Spiele, die aus dem Erleben der Volks—
gemeinschaft hervorgingen oder das Wollen unserer Zeit
gestalten. (Sie einzeln zu erwähnen und zu besprechen,
wird eine Aufgabe der Folgezeit sein.) Das Laienspiel ist
dichterischer AUusdruck des seelischen Er—
bebens des Volkes inseinen Beziehungen
zu Gott, Volk, Heimat und Natur. Es kann
niemals „gespielt“ werden wie die Theaterstücke ver—
gangener Zeiten. So wenig Dilettanten die Bühnen—
verke unserer Theater spielen konnten ohne sie herabzu—
würdigen, so wenig werden sie ein Volksspiel gestalten
können. Ja, selbst der Berufsschauspieler wird am Laien—
spiel scheitern, da er dem so natürlichen Empfinden des
Volksspieles zu verkrampft und mit zu lebensfremdem
Pathos gegenübersteht. Er, der gewöhnt ist, Rollen zu
spielen, wird hier nicht zu seinem Recht kommen; das
Spiel müßte zur leeren Form erstarren und seinen ur—
sprünglichsten, arteigenen Wert verlieren. Herausgewach—
sen aus dem Volkserleben verlangt es seine Gestaltung
durch unbefangene Menschen. Sie werden sich wieder ver—
tiefen müssen in seinen reichen lebensnahen Inhalt. Nach—
fühlend und miterlebend werden sie den Inhalt erfassen;
denn hier leben Gestalten, die schlicht und volkstümlich
denken, fühlen und handeln. Einfach und klar spielt sich
die Handlung ab, frei von fernliegenden und gekünstelten
oder gar unwirklichen Konflikten. Alles wird vermittelt
durch eine klare, ungekünstelte Sprache, die deshalb
seicht zur eigenen wird, weil sie volksmäßig ist. Das
Laienspiel ist wirkliches Spiel des Volkes und spricht
deshalb am unmittelbarsten die Volksseele an. Deshalb
kennen wir auch nicht mehr den Zuschauer, sondern nur
noch die Hörergemeinde, die mit der Spielgemeinde eins

Aus dem ode⸗

— 2*

NHerbund.

Werbung für die „Deutsche Sängerbundeszeitung“! Fragebogen sofort beantworten!

Der Bundesführer des DEB., Oberbürgermeister Meister hat so—
eben in der DSBZ. folgende Verlautbarung erlassen: Mitte Sep—
tember ist allen Vereinen des Deutschen Süngerbundes unmittelbar
von der Bundesführung ein Rundschreiben mit einem Fragebogen
 bezüglich der „Deutschen Sängerbundeszeitung“
zugegangen. Erfreulicherweise hat ein großer Teil der Vereine dem
Wunsch um sofortige Ausfüllung und Rücksendung Rechnung getragen,
Die Vereine, die dieses Rundschreiben noch nicht ausgefüllt zurück—
gegeben haben, werden hiermit gebeten, die Absendung bestimmt
innerhalb der nächsten acht Tage vorzunehmen. An Häand der
Vereinsmitgliederbartei wird eine genaue Kontrolle über den Ein—
dang der aucgefüllten Fragebogen geführt. Wir bitten unsere Ver—
eine, uns die Arbeit dadurch zu erleichtern, daß sie sosort die
Absendung vornehmen, wenn sie in der Zwischenzeit noch
nicht erfolgt sein sollte.
Wichtig für Vereinszeitungen.
DTas demnächst erscheinende Jahrbuch des Deutschen Sängerbundes
1935 36 wird ein Verzeichnis der von den Mitgliedsvereinen des
Deutschen Sängerbundes herausgegebenen Vereinszeitungen bringen.
Maßgebend für die Aufnahme in diefes Verzeichnis ist das Vor—
hgandensein der Zeitung im Archiv des Deutschen Sängerbundes (Ge—
ichäftsstelle des DEB. Berlin W. 885). In Heft 42 der DEBZ.
defindet sich ein vollständiges Verzeichnis aller erscheinenden Ver—
einszeitungen von DEB.Vereinen. Vereine, die ihre Anschrift in
diesem Verzeichnis vermissen. mögen sich umgehend mit der Ee—
schäftsstelle des DSB. in Verbindung setzen.

Der Auswahlband des DSB.Liederbuches.

Bekanntlich hat der DSB. im vorigen Jahr einen Auswahlband für
Männerchor herausgegeben, der das beste, heute noch singbare
Liedgut aus den vier Einzelbänden der Liederbücher des DSB., der
Jahre 1908-26, enthält. Unsere Vereine finden den wesentlichen
Inhalt der früheren BRusgaben im Auswahlband vereinigt, zumeist
ein Liedgut, das sich über Jahrzehnte oder gar über ein Jahrhundert
als gut bewährt hat und das dementsprechend auch noch länger be—
tehen wird. Die Anschaffung dieses Liederbuches, dessen Besitz ja
für die Gesamtveranstaltungen aller Vereine notwendig ist, wird auch
allen neu eingetretenen Vereinen zum wohlfeilen Preis von 2 RM
eicht gemacht. Da auch für Ergänzung des alten Buchbestundes künf—
tig nur der Auswahlband zur Verfügung steht, kann für Massen

höre in Zukunft nur der Inhalt des Ausvahlbandes gewählt werden.
Tie Benutzung des Auswahlbandes ist für jeden Chorleiter auch aus
inderen Gründen unentbehrlich. Ohne jede Aenderung im Tonatz
und Text ist gegenüber der alten Fassung der Inhalt des Aus—
vahlbandes streg redigiert und von jeder nachträglich hinzugefügten
Vortragsbezeichnung. die oftmals den Geschmack einer überholten
Zeit wiedergab, befreit worden. Außerdem sind wertvolle Hinweise
fuf Komponisten und Textdichter in besonderen Anmerkungen bei—
gegeben. Um also zu getreuer Wiedergabe jedes Werkes im Sinne
des Tonsetzers imstände zu sein, muß wenigstens jeder Chorleiter
ausschließlich nach dem Auswahlband arbeiten. Der Band ist zu be—
ziehen durch die Geschäftsstelle des DESB. Berlin W. 858. Pots—
dameritraße 123

Eine Umfrage des Amtes für Chorwesen und Volksmusik.

Das Amt für Chorwesen und Volksmusik innerhalb der Reichs—
nusikkammer teilt mit: In diesen Tagen (Anfang Obtober) gelangt
ein Fragebogen des Amts für Chorwesen an alle deutschen Chor—
dereine zur Versendung. Tas Amt für Chorwesen wendet sich un—
nittelbar an die Chorvereine um von ihnen selbst zu erfahren, mit
velchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. Durch das Matertal
vill das Amt für Charwefen einen zuverlässigen Gesamtüberblick
iber die Lage der deutschen Chorvereine erhalten. Das Amt bittet
die Vereine eindringlich, die Fragen des Fragebegens gewissen—
)aft, vollständig und rückhaltlos zu beantworten. Näheres erfahren
die Vereine durch den Fragebogen. Alle mit der Versendung beauf—
tragten Stellen, insbesondere die Herren Sängerkreisführer werden
gebeten, die Fragebogen ohne jeden Zeitverlust an die eingelnen Ver⸗—
zine weiterzuleiten

Theodor Behr
Dipl. Gesangspädag und Chormeister
Saarbrücken 3
            
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