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Sänger-Zeitung des Gaues Westmark.
Seite 23
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Vom Abschiednehmen im deutschen Volksteed.
Es geht ein dunkle Wolk herein,
nich dünkt, es wird ein Regen sein,
ein Regen aus den Wolken
vohl in das grüne Gras.
in einem Turm gesungen, da er am letzten Lebensmorgen
durch die Eisengitter in den hellen Sonnenschein sah,
oder ob ein verlassener Erdenpilger die übervolle Weise
weinte, da er seine todmüden Glieder auf ein Laubbett
treckte? Es kündet stets den gleichen Schmerz und
gleiche Liebe:
Und scheinst du, liebe Sonn, nit bald,
so weset alls im grünen Wald,
und all die müden Blumen
die haben müden Tod.
Gott gsegn dich, Laub, Gott gsegn dich, Gras,
Gott gsegn alles, das da was!
Ich muß von hinnen scheiden!
Ihr lieben Englein, steht mir bei,
weil Leib und Seel beinander sei,
daß mir mein Herz nicht breche.
Gott gsegn dich, Mond, Gott gsegn dich, Sonn,
Gott gsegn dich, Trautlieb, meine Wonn,
da ich von hinnen fahre.
Es geht ein dunkle Wolk herein,
es soll und muß geschieden sein.
Ade, Feinslieb, dein Scheiden
nacht mir das Herze schwer.
Das ist der regenreiche Herbst, dessen graue Nebel in
die von Sommer und Lenz erblühten Herzen liebender
Menschenkinder hineinhängen, daß sie sich nicht mehr zu
sehen vermögen. Da weint das feine Mädchen um den
dahinziehenden Burschen, und des Lied „schellt in
Jammerston“ ob der herben Trennung: „Groß Leid muß
sch jetzt tragen.“ Dies Lied bleibt immer die große „Ab—
schieds-Weis“, ob es nun „Innsbruck, ich muß dich
lassen“ singt, oder das Scheiden des Tages in „Nun ruhen
alle Wälder“. Wer anders könnte solch schwermutsträch—
tige Lieder gefunden haben, als jene reife Zeit der
tarken seelischen Spannungen und Rhythmen im Leben
unseres Volkes, da zu Markini die Dienstboten noch ihre
Stelle wechselten? Da trieb Kälte und Wind die Men—
ichen in die Häuser. Man holte die Spinnräder vom
Speicher, und der Gesindevater zündete in der Stube
das qualmende Licht an, weil die fahlen Tage nimmer
hell werden wollen. So ward der Lebensraum klein und
eng, und ein Teil der fleißigen und fröhlichen Schar
mnußte sich über den Winter anderswo nach Unterkunft
und Brot umsehen. Unbarmherzig zerschnitt so das
Schicksal die zarten Bande, die der milde Sommer miit
fSifer geknüpft hatte. Was in solch hartem Trennungs—⸗
schmerz der eine gedichtet, das sang der andere als eigene
bange Frage weiter:
Mich dünkt, ergreifender hat nie jemand Abschied ge—
tommen von all dem, das im Leben ihn durchdrang, von
dem wonnereichen Grün, den großen Himmelsleuchten
ind der größeren seines Herzens .. daß es „nicht
reche“! — Wie seltsam doch, daß all die Weisen dennoch
eben — — trotz soviel Tod! Die Ursach weist dieses Lied:
Ach Sorg, du mußt zurückestahn,
du bist zufrüh gekommen;
der Winter haät mir Leids getan,
das muß ich klagen dem Sommer
Hat dir der Winter Leids getan,
die gelben Blümlein springen,
und wer ein steten Buhlen hat,
der mag ihm fröhlich singen.
Ja, wer ein steten Buhlen hat,
der halt ihn lieb zu maßen,
und wann es an ein Scheiden geht,
daß er kann von ihm lassen.
Die „gelben Blümlein“ werden im Frühjahr wieder
pringen. In der Kammer aber, wo die verlassene Maid
jr Leid ausweint, da hört sie in der Ferne singen:
All mein Gedanken, die ich hab,
die sind bei dir.
Du auserwählter einz'ger Trost,
bleib stets bei mir.
Du, du, du sollst an mich gedenken:;
hätt ich aller Wunsch Gewalt,
von dir wollt ich nicht wanken.
Du auserwählter einz'ger Trost,
gedenk daran,
Leib und Gut das sollst du gar
zu eigen han.
Ddein, dein, dein will ich ewig bleiben;
du gibst Freud und hohen Mut,
kannst all mein Leid vertreiben.
Leonhard Blumberger. Dortmund-Hörde
Ich armes Käuzlein kleine,
vo soll ich fliegen aus,
bei der Nacht so gar alleine,
»ringt mir gar manchen Graus
Der Ast ist mir entwichen,
darauf ich ruhen soll,
die Läublein sein all verblichen,
mein Herz ist Traurens voll.
Muß ic mich von dir scheiden,
Herzlieb, ganz traurig bin,
es geschah mir nie so leide.
de, ich fahr dahin.
Das ist des Herbstes große Trauer, die aus den Wolken
tropft. Als ein dürres Blatt, das schaukelnd von dem
Baume fällt, schreibt sie die Melodie vom Scheiden in
den fahrenden Wind. Der trägt sie nun dahin über die
nassen Straßen und die müden Felder, wo alle Frucht
in dunklen Mieten ruht wie der Verstorbenen Leiber in
des Kirchhofs schwerer Erde. Die Einsamkeit gebiert den
Tod — und sei es nur im Wahn. Wer mag da noch ent—⸗
scheiden. ob dies Lied wirklich ein zum Tod Verurteilter
Anmerkung: Die angeführten Lieder finden sich in meisterlichen
Süätzen für gem. Chor in „Der Volkschor“ (GHanfeatische Verlags—
anstalt)z. „All mein Gedanken“ ist in vorbildlichem Satz für
——W von Walter Rein enthalten in „Lobeda-Singebuch
Rond 1*
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