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8* NOVBMRER I1935
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lsag der deutschen Hausmu
Der 22. November, der
Tag der deutschen
ßaüsmusik, bedeutet
einen eindringlichen An⸗
cuf an das deutsche Volk,
sich auf eines seiner kost⸗
harsten Kulturgüter zu
besinnen. Vor allen Völ⸗
kern der Welt durch seine
Gemütstiefe ausgezeich⸗
net, hat es in allen Jahr⸗
hunderten seiner schick⸗
alreichen Geschichte alles,
was sein Herz an Freud
und Leid bewegte, immer
wieder in Singen und
Klingen zum Ausdruck
gebracht. Aus der prie⸗
terlichen und chorischen
Gebundenheit der Kirche
trat der Gesang im
Gewande des schlichten
Volksliedes in die Volks⸗
gemeinschaft, beschwingte
die Geselligkeit im Fami⸗
lienßkreis und — in der
Schenke, begleitete den
Wanderburschen auf fei⸗
ner Walz durch blühende
deutsche Gauen, adelte die
bräutliche Liebe, schmückte
den Feierabend und be—
seuerte heldisch den
Kampf. Das deutsche Volk
wollte nicht nur dem ge⸗
oflegten Vortrag des
Sängers, den glitzernden
Koloraturen der Sänge⸗
rin lauschen es wollte
lelbst singen! Und
der DSB. ist seit einigen Jahren erfolgreich bemüht, diese
alte, echt deutsche Liedfröhlichkeit — namentlich durch
„Offene Singestunden“ — in unserem Volke wieder zu
erwecken.
So hat das deutsche Volk auch allzeit Wege gefunden,
außerhalb der Kammermusiken des Adels und der Kon—
zertsäle des besitzenden Bürgertums, die anspruchslose
Laienmusik zu pflegen. Der Ruf des bekannten
Weihnachtsliedes: „Kommt ohne Instrumenten nit!“ hat
im deutschen Volke von jeher in allen seinen Schichten
reundliches Echo gefunden. Da wird marschiert zum
stlang der Pipen und Trummen, da erklingt in der Frühe
der e der Weckruf der Zinkenisten, da fliegt
unter dem Strich der Fiedel das junge Volk unter
der Linde zum Tang,: da vereinigt *der königliche
QDuerpfeiser und Poet Friedrich der Große seine
Schwertgenossen und
Räte im verschwiegenen
Schloß von Sanssouci
zum geselligen Kreis un—
er die Kantilenen seiner
Flöte, da schlägt Marti—
ius Luther im singenden
Familienkreis seine see—
envolle Harfe, da sitzt
versonnene deutsche Ju—
gend mit der Blockflöte
im blühenden Hang, da
vandert sie vor Tau und
Tag im bewegten Rhyth⸗
mus der Klampfe oder
der Mundharmonika durch
Wald und Feld und Auen,
da sammellt der Arbeiter
am Feierabend Weib und
Kinder um die fröhlichen
Weisen seiner Ziehharmo—
nika, seines „Schiffer—
klaviers“.
Unter der Vorherrschaft
der mechanischen Musik⸗
instrumente find leider
hottes viele Volksgenos—⸗
sen so genügsam gewor—
den, als reine Musik—
konsumenten nur noch
Vufik zu hören. Da ist
es eine Tat, daß unsere
Zeit wieder alle Volks—
chichten zu der alten
Musizierfreudigkeit unse—
res Volkes aufruft und
ihre Stimme erhebt:
Fanget an!“ Der „Tag
der deutschen Haus—⸗
musik“, sinnig auf den
Tag des Märtyrertodes der Heiligen Cäeilia, der
Schutzpatronin der Orgel, gelegt, ruft es allen
Volksgenossen zu: Gebteeuren Kindern Instrumente
u die Faänd! Greift selbst wieder zu Fiedel, Flöte
ind Harmonika! Weiht durch Lied und Hausmusik
wieder aus dem Reichtuͤm deutschen Volksgemütes eure
hier Wände zu einei echten Heim! Verscheucht die
Mühen und Sorgen des Alltags wieder in edler Gesellig⸗
zeit durch deutsche Hausmusik Erlebt in ihr täglich neu,
daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt, daß auch der
schlichteste Volksgenosse nach getaner Arbeit ein Anrecht
ruf Schoͤnheit und Fröhlichkeit hat, daß deutsche Musik
nicht ein Vorrecht einzelner, sondern wesentlicher Kultur⸗
hesitz unseres gesamten Volkes ist! Und so rufen wir am
Tage der deutschen Hausmusik auch in das singende Volk
unserer lieben Westmark hinein: Fanget an!“
their Sctbe in.
Deutsche Hausmusik.
Federzeichnung von Berta Vahlke