Full text : 15.1935/36, 7-12 (0015)

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Sanger⸗Zeitung des Gaues Westmark.

Nr.
Innersten gepackt wurden, die Revolution nicht in nefster Seele
zxlebt haben. Sollen wir sie übergehen? Sollen wir alle
Tradition abbrechen und plötzlich ein Reues an seine Stelle
etzen? Macht es so der Führer? Nein! Was gut und gesund
aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt, das nimmt
er als Baussein in das Fundament feines neuen Reiches. So
müfsen wir auch in unferer Sängerschaft die gesunde Tradition
erhalten und aus ihr ailmählich das Neue herauswachsen lassen,
ochhalten den Geist, der in den ersten Jahrzehnten die Sänger—⸗
chaft beseelte, der einst 1864 in Flensburg auf die Frage: „Was
st des Deutschen Vaterland?“ die Antwort fand: „Das ganze
deutschland joill es sein!“ Den Sängergeist, von dem einst Bis—
narch jagte, daß er geholfen habe, das Deutsche Reich vor⸗
ereiten uͤnd schafsen. Den Geist, der in Opferbereitschaft. Kame⸗
radschaftsgesinnung und Pflichtbewußtsein des einfachen Sängers
einen Ausdruck findet. So wollen wir stolz sein auf den
Zängergeist, der den Kampf um die Erhaltung unseres Volks⸗
ums in der bedrohten Westmark siegreich und in Treue be—⸗
tanden hat. Wir sagen uns los von engherzgiger, kleinlicher Ver⸗
einsmeierei, von persönlicher Interessenkrämerei, von Aeußer⸗
lichkeiten und Effekthascherei Streben nach ehrlicher
Léeistung und Dienst an der Volksgemeinschaft
zeichnen uns den künftigen Weg vor. Der Weg führt
uns über eine Reihe von Stationen:
1. Der gemeinsame Unterbau aller Liedarbeit ist das volks⸗
verbindende Volkstied. Es soll bei Kundgebungen, in
„Offenen Singestunden“, bei Werksingen die Herzen verbinden
und für unsere Arbeit in den Sängerschaften werben.
2. In den Vereinen leistet der Cherleiter Schuhlungs- und
Erzsehungsarbeit, indem er die Volksgenossen, die sich
hm anvertrauen, hinführt zu den Schätzen deutscher Liedkunst
aus Vergangenheit und Gegenwart, vom einfachen Volkslied bis
zur höchsten Stufe chorischer Leistung, je nach Veranlagung und
ZSchulungsstufe der Sänger.
3. Unter Ueberwindung des Konzerts sind die Volksgenossen
in Feier- und Weshestunden zu dem reichen Quell
deuischen Seelentums, der unserem Volke in Dichtung und Lied
so überreich quillt, hinzuführen.
4. Bei Kundgebungen der Gruppen, Kreise und des
Paues darf kein Sänger fehlen.
5. Es ist selbstverständliche Ehrenpflicht der deutschen Sänger⸗
chaft, bei Feiertagen der Nation, bei öffentlichen Kund⸗
gebungen und Aufmärschen, die Mitwirkung nicht zu versagen.
6. SEB. und Gau schulen und erziehen Sängerführer und
Sänger in Schulungslagern, Wertungsfsingen, durch
Beratung und Belieferung mit wertwollem Liedgut.
Wollen wir unsere Sängerschaft auf diesem Wege zu neuem
Ziele führen, dann brauchen wir ihr Vertrauen. Dieses zu er—
werben, ist notwendig. Aufgabe der Sängerführer ist
es nun, hinauszugehen und unermüdlich zu arbeiten, immer
wieder Ziel und Weg aufzuzeigen. Dann wird unser Bemühen
mit dem Erfolg gesegnet sein, daß unsere Sängerschasten ein⸗
münden werden in die große, lebendige Gemeinschaft unseres
Volkes, daß fie als wertvolle Glieder geschätzt sein werden und
daß manche Schwierigkeiten, die uns heute wie Albdruck auf
der Seele lasten, mit Leichtigkeit überwunden werden!
X
Nach dieser allgemeinen und grundlegenden Betrachtung er⸗
örterte der Sprecher noch eine Reihe von Tagesfragen,
deren Beantwortung nun gewiß leichter fallen wird:
1. Der Mitgliederbestand und die Ziffer des Probenbesuches
werden nicht sinken, wenn der Chorleiter seine Sänger — wie
oeben ausgeführt wurde — mit Ziel und Wegen unserer Be⸗
vegung vertraut macht. In der Kampfzeit waren viele Sänger
mehr in Anspruch genommen als heute, und sie kamen doch!
2. Zusammenschlüsse, Auflösung von Quartetten, Aufnahme
vilder Vereine sollen nicht durch Zwang erreicht werden.
Biele sind eben für den hohen Gedanken der Volksgemeinschaft
aoch nicht reif. Sie sind noch verhaftet in Wirtspolitik, in Inter⸗
essenkrämerei, in Vereinsmeierei. Alles Gesunde muß organisch
wachsen. Wir müssen zusammenarbeiten mit den parteiamtlichen
Stellen, dem Oris⸗, Kreisgruppenleiter, dem Kulturwart. Jedes
öffentliche Auftreten ist gesetzlich an die Mitgliedschaft der
RMK. gebunden.
3. Wir müssen die Hand bieten zur Zusammenarbeit mit den
Berkfängerschaften, mit Arbeitsfront, „Kraft
datrch Freude“. Neues Werden kündigt sich an. Wir dürfen
nicht nur Hüter und Pfleger des Alten. des Bestehenden fein,
sondern muͤssen heute in erhöhtem Maße Betreuer des neuen
ungen Lebens werden. Es gilt, den deutschen Arbeiter, die
Berkfängerschaften, in die Sängerfront einzugliedern. Wer sein
Leben behalten will, der wird es verlieren. Nicht unser Verein.
anser Sängergau ist die Hauptsache, sondern das fingende Volk!
. Laffen wir nicht Beunruhigung aufkommen über das neue
diedgut, über ein⸗ oder mehrstimmiges Lied, über Kongzert
»der „Offene Singestunde“. Nicht die Sanger, sondern die Chor⸗
leiter oder Komponisten schaffen die Beunruhigung. Sie sagen
—— Fert und meinen Ich Der DEM RM ο 3et

cKonzertsäle heute so leer? Ich sage: Die Konzertjäle des 19.
dJahrhunderts sind vergangen. sie werden sich nicht mehr füllen.
Sie werden hier einwenden: Wenn auch im allgemeinen das
zegeichnete Bild von der Entwichlung unseres kulturellen
ebens der vergangenen Epoche richtig ist, für unser Männer⸗
horwesen gilt dies nicht. Sie haben recht: Bei allen unvermeid⸗
ichen Einflüssen des Zeitgeistes auf unsere Vereine haben diese
doch bis zu einem gewissen Grade ihre Verbundenheit mit dem
Volksganzen behalten; denn fie sind ja aus dem Volk gewachsen,
hr Ziel lag ja im Volk, ihr Wollen war ja politisch bestimmt.
ine Sängerkundgebung aus dem Jahre 1850, also lange bevor
Bismarck jein Einigungswerk schuf, gipfelte in dem weitschauen⸗
den Bekenntnis: „Nicht eine nur vorübergehend zur Geltung ge⸗
kommene Zeitidee hat unsern Bund ins Leben gerufen, sondern
ein tief uͤnd allgemein gefühltes Bedürfnis, das Bedüurfnis
öherer Volksbildung und der Erweckung und Hebung des deut⸗
schen Sinnes. Stehen wir auch noch so sern von der politischen
kinheit Deutschlands, so soll doch hier ein Band gewoben wer—
den, welches allmählich alle deutsche Bruderstämme umschlingt.“
Es ist ein Verhängnis für die deutsche Sängerschaft, daß sie
(1871 geglaubt hat, dieses Ziel erreicht zu haben. Denn dadurch
drang der Geift des Liberalismus und des Individualismus
mehr und mehr auch in ihre Reihen.

Der Geist Les — nalionalsozialismus.
Besinnen wir uns nun auf Sinn und Wesen des gewaltigen
Umbruchs unserer Tage: Alles Leben ist bedingt durch und ge—
bunden an Blut und Boden. Die Zerklüftung des Volkes
wird überwunden durch den Gedanken der Bolkasgemein—
schaft. Ihr hat alles zu dienen; was ihr nicht nützen kann, ist
wertlos. Es gibt keine Kunst um ihrer selbst
wilhlen. Auch sie dient dem Volke: Man kann die Kunst
niemals vom Bolke trennen“, sagt Adolf Hitler. Alles libera⸗
sistische und individualistische Einzeldasein muß verschwinden.
Alles muß sich ausrichten auf die großen Ziele der Nation.
Ihnen muß alles zustreben.
Glauben Sie, daß man bei einem solch gewaltigen Umbruch,
der alle Lebensgebiete unseres Volkes in neue Bahnen drängt,
unseren Gesangvereinen n r eine Satzung nach dem Führer—
prinzip zu geben braucht, um „gleichgeschaltet“ zu sein, d. h. um
ohne weiteres im Dritten Reich daseinsberechtigt zu sein? So
einfach ist die Sache nun nicht. Eine große und schwierige Ar⸗
beit harrt unser noch: es ist unsere Aufgabe als Sängerführer
zunächst in uns selbit und dann in unseren Ver—
einen den Geistdes Natlonalsoztalismusleben—
dig werden zu laffen. Denn nur aus nationalsozialiftischem
Denken, Fühlen und Wollen heraus können wir all der Schwie⸗
rigkeiten Herr werden, die uns heute bedrücken. So haben wir
als Süängerführer heute in erster Linie eine Erziehungs—
gugabe an uns und unseren Sängern zu leisten. Aus ihr
ergeben sich für uns im Wesentlichen Ziel und Weg unserer
Sängerbewegung

Lied und Vollsgemeinschaft.

Oberstes Ziel all unseres Strebens ist die Volksgemeinschaft.
Ihr hat unser Lied zu dienen. Wie kann das geschehen?
Das Lied ist der tiefste Ausdruch deutschen Seelentums,
höchstes, kostbarstes Volksgut. Wir werten heute unsere Lieder
anders: nicht was gefsöllt, was Effekt macht, was den anderen
Herein aussticht, sondern was echt, wahr, de h. wahrhaft deutsch
ist. Lieder sollen Kunde von deutscher Seele geben, auf daß
deutsche Menschen an ihnen innerlich wachsen können. Alles
was das deutsche Volk in seiner schicksalhaften Geschichte erlebt
etles, was sein Herz bewegt, klingt in seinem Liede wieder
seimat, Freiheit, Treue, Liebe, Arbeit, Gott, Führer, Volk
Deshalbeijt uns das deutsche Lied mehr als Mittel der Gesellig
keit, der Unterhaltung. des Vergnügens, der Befriedigung per⸗
sönlichen Ehrgeizes oder der Ruhmsucht. Unsere Lieder und
Thöre müssen mitten ins Volk hineingestellt werden, wir müfsen
das singen. was unser Volk begeistert, was es emporhebt, was
ihm Widerklang seines eigenen Wesens ist. Unser Lied muß der
politischen Willensbildung dienen: der Sänger muß poutischer
Kämpfer, der politische Kämpser muß Sänger sein. Ein singen
des Volk wollen wir schaffen, ein Volk, das aus seinen Liedern
seine Seelenkraft und Seelenstärke holt. Unser Symbol, das
Banner der westmärkischen Sängerschaft wehe
ans voran; Leyer, Schwert und Hakenkreug.
8 Kämpfer und Glied der Volksgemein
aft.

Streben nach ehrlicher Leistung.
Aus Sem Wege zu unserm Ziel sind mancherlei Hemmungen
zu überwinden. Menschen die bislang andere Wege gingen, seldsft
wenn sie jetzt den besten Wisken zum Natronalsozialismus haben,
verden nicht plötzlich gang neue Vege gehen koͤnnen Viele sagen
ogar Eigentsich war ih doch mmer Nationetfozieuftte ve⸗
ind Nenschen die von der Fchbohe e— ——
            
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