Full text : 15.1935/36, 1-6 (0015)

—A Sängerzeitung
Mufikpolhlitik.

sl

Mushiß und Politik. Kunst und Staat — was
DBN haben sie miteinander zu schaffen? Das eine der
tiefste Ausdruck des inwendigen Menschen, das andere
die Zusammenfassung aller nach außen gerichteten Kräfte
der Nation.
Niemand, hat so entschieden und so entscheidend diese
Problematik zur Lösung gebracht, als unser Führer
and Kanzler Adolf Hitler in seiner berühmten
weit ausholenden und weit ausschauenden Kulturrede in
Nürnberg in der er „die deutsche Kunst als die
stolzeste Verteidigung des deutschen Volkes“
ins Licht rückte. Es gibt eben keine von der ewigen Welt—
gerechtigkeit getragene und deshalb auf die Dauer be—
stehende völkische Machtentfaltung, die nicht im Letzten
aund Tiefsten mit starken Wurzeln verankert wäre im
Inwendigen, im Geistigen, im Sittlichen, ja iim Reli—
giösen. Turnen ist nicht Turnen und Spoͤrt ist nicht
Sport — sondern das Sichtbarwerden innerer Gesundheit,
geraden aufrechten Denkens, kameradschaftlicher, tatbereiter
und opferbereiter Hingabe an einsatzwerte Ziele. Und Singen
ist nicht Singen und Hören ist nicht Hören — sondern
die Aufgeschlossenheit von Herz und Gemuͤt für das Große,
Schöne, Edle, Volkhafte, Jenseitige, Ewige. Ein Volk kann
sich nicht besser verteidigen gegen den ehrabschneiderischen
Vorwurf, es sei ein Volk von Vandalen und Hunnen —
als durch das Oeffnen der Truhen, in denen es seine
geistigen Schätze aufbewahrt hält: kunstvolles Handgerät
und Schmuck, mit dem es in den Morgen der Geschichte
eintrat, Zeugnisse seiner Gottnähe in Sprüchen und Liedern,
heldenepos, Minne- und Volkslied, mit denen es sein
heldisches Leben und seinen Feierabend begleitete, Musik,
dichtung, Malerei, Baukunst, Bildhauerarbeit, mit denen
seine Besten gestalteten, was ihres Volkes tiefinnerstes
Wesen ausmacht.
Zu dieser stolzen Verteidigung aus dem
Seistigen steht unser deutsches Volk jederzeit bereit.
Auch aus seiner schöpferischen Leistung in der Welt des
Klanges durch alle Jahrhunderte seines schicksalvollen
Lehens und Kämpfens ne der tiefen Innerlichkeit
und herben Schlichtheit seines Volksliedes, der weltweiten
Bläubigkeit seiner Ehoräle, Messen, Oratorien und Fugen
eines Bach, den himmelstürmenden Sinfonien eines
Beethoven, den heldischen Opern eines Wagner, den Lands—
knechts, Soldatens, Freiheits- und den Liedern seiner
marschierenden Kolonnen und seiner für das Vaterland
zegeistert aufgeschlossenen Jugend, den Hymnen des schaffen—
den Volkes. Welch eine Füllei Welch ein Reichtum nach In—
jalt und Umfang!
„Gib den Flamberg nicht aus Händen, in
Triumph nicht und Genuß, denn du brauchst ihn aller
Enden bis zum letzten Alemschluß!“ Waffen, die der
Berteidigung dienen sollen, dürfen nicht beiseite gelegt
verden, sonst verrosten sie. Und auch die Kunst, die
deutsche Musik, das deutsche Lied dürfen nicht ruhen und
perstummen, wenn sie deutsches Volk halten, verbinden,
bertiefen, seine Ehre verteidigen sollen. Aus inne—
wohnenden Kräften steht die deutsche Musik ganz
zatürlich und ursprünglich im Dienste der Staatspolitik,
zjie wird nicht etwa gus der Befehlsgewalt des Staates
heraus künstlich als Instrument der Staatspolitik einge—
setzt. Und wenn sich das neue Reich in der Reichse
musikkammer eine amtliche Stelle für die Pflege
deutscher Musik schuf, so eben zur Pflege, zur Betreuung
und Förderung aller ehrlichen volksdeutschen musikalischen
kulturarbeit. Sie stellt den „Großsiegelbewahrer deutscher
Nation“ dar für den —A Reichtum unseres Volkes
an singender, klingender Kunst. Und unter ihrer Förde—
rung und Betreuung steht auch der Deutsche Sänger—
sund, die Millionen-Armee singender deutscher Maͤnner
und Frauen, seit über 70 Jahren, vielfach unbewußt und
ungusgesprochen, und doch ziel- und planvoll, unerschüttert
und unerschütterbar, ein Stoßtrupp volksdeutscher Staats—
bolitik im Inland, in den Grenzmarken, im Ausland
is weit in Uebersee! Welchen unmittelbaren Anteil der
DSB. an staatspolitischen Entscheidungen hat — wir er⸗
lebten es jüngst im Sieg an der Saaär, der unbestritten

zu erheblichem Maße ein Sieg des deutschen Liedes war,
ind wir erleben es eben wieder in der bedrohten deutschen
Astmark, in der das deutsche Lied wieder seine gemein—
chafthildende und volkstumerhaltende Kraft zur Geltung
zringt. Und aus ihrer geopolitischen Lage heraus be—
drohte Marken wie das Saarland werden, wenn sie im
Verlauf düsterer Schicksale einmal wieder — wie nun
chon dreimal seit Ludwig XIV! — in die letzte Ent—
scheidung gedrängt werden, aus dem deutschen Liede Kraft
zu Widerstand, Abwehr und Sieg schöpfen.

Und dennoch! Es geht je und je ein Raunen durch
insere Tage, der DEB, habe seine Mission erfüllt, sie
ei nan beendet. Das singende Volk habe sich nach dem
iationalen Umbruch soziologisch umgeseeet Es seien
iteue Singgemeinschaften entstanden: die mar—
chierenden Kolonnen, die politisch organisierte Jugend, die
Berks- und Betriebsgemeinschaft. Und in den RS Kultur—
jemeinden habe sich auch ein neuer Rahmen für die volks—
ümliche Liedpflege gefunden. Tatsächlich finken bereits
ier und da die Mitgliederzahlen der Bundesvereine. Mit—
Jlieder der Formationen finden kaum noch die Zeit zu
Singstunden, Nachwuchs aus den Kreisen der Jugend bleibt
uus gleichen Gründen aus. Die Singfreudigkeit unseres
Bolkes ist mehr und mehr auf das einstimmige Lied,
uuf rasch eingängige Marsch- und Vaterlandslieder ge—
ichtet. Höhnend weist man gelegentlich schon auf die
vesangvereine als Sammelpunkte der „Spießer“ hin. Es
iegt hier sicher — wie stets — nicht das Recht auf der
inen, das Unrecht nur auf der anderen Seite. Jeden—
alls gilt es, eine für das deutsche Volk und die deutsche
stunst —Ax Gefahr zu erkennen und rechtzeitig
— ehe es zu spät ist — zu bannen.
Da werden vielleicht Vorschläge Begchtung finden,
die um der heiligen Sache volksdeutscher Liedpflege willen
—. wenn aus Raungründen hier gewissermaßen nur in
„chlagzeilen vorgetragen — zur Erörterung gestellt werden
nüssen: 1. Der DSB. sollte unter dem Schutze der RMK.
die einzige Organisation für das gesamte planmäßiqg
ingende deutsche Volk im In- und Ausland sein. Dazü
egitimiert ihn die Traditfon, daß er unentwegt auch
in den demütigendsten Zeiten die deutsche Linie gehalten
jat, die Volkstümlichkeit der Bewegung, die ohne
»ehördlichen Aufruf im Volk entstanden und vom Volke
illzeit lebendig gehalten wurde und die Freiheit, mit
der er das einigende Band um alle deutschen Volks—
genossen in der Welt schlingen kann. 2. Die Musikpolitik
des DSEB. müßte sich — wie einleitend ausgeführt —
auf den ganzen Umfang deutscher volkstümlicher
Musikpflege beziehen. 3. In seinem Musitkausschuß
nüßten deshalb die führenden Männer der deutschen volks—
ümlichen Musik, namentlich des Chorwesens, im Verein
mit den Führern der RMK. zu Rat und Tat zusammen—
geschlossen sein. 44 74qDer DSB. müßte es als seine vor—
tiehmste Aufgabe ansehen, einen eigentlichen Chor—
eiterstand zu schaffen, wobei die Frage der Vor—
zildung, ob Berufsmusiker oder Lehrerdirigent, weil un—
achlich, von untergeordneter Bedeutung ist. Hauptsache ist
die volksdeutsche Gesinnung, die menschliche, charakterliche
Fignung, wie sie neuerdings in den Schulungslagern er—
vorben wird, die musikpädagogische und technische Durch—
dildung. Der Chorleiter hat eben im deutschen Volke
ein wesentliches Stück Volkserziehung und Volksbildung
zu leisten. „Der Menschheit Wuͤrde ist in eure Hand ge—
seben. Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.“
5. Die Chorleiter des DeB. müssen sich den Forma-—
ionen, der politischen Jugend, der Werk—
ameradschaft, der Volksgemeinschaft —
etzteres in offenen Singestunden — zur Verfügung halten.
im hier das einfache Marschlied, das vaterländische und ge—
ellige Lied zu pflegen. Es sollten mit den zuständigen
Stellen Abmachungen dieser Art getroffen werden damit die
Mühewaltung des DSB. in der Ausbildung seiner Chor—
eiter nicht eine Art von Leerlauf wird, damit seine Chor—
eiter vielmehr übexrall voll eingesetzt werden, wo es
iot tut. Der Chorleiter darf sich nicht in seinen Vereinen
zünftig abkapseln, sondern muß als Mann des Volkes
            
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