Seite 88 Illlilit
illlhh Säugerzeitung lllißß.
IIlIhh Nr.
Musik einen neuen Sinn bekommen, sie muß volksverbun—
denfte Kunst werden. Der Tonschöpfer soll mit dem Licht
der Töne unseren Weg erhellen und die Musik zur heiligen
Angelegenheit des deütschen Volkes machen. Ein wichtiger
Teil hiervon sei der deutsche Chorgesang. Der DSB. trage
als die einzige Gesamtheit aller deutschen Sänger eine
kulturpolitische Staatsverantwortung. Die Sänger haben
nach dem Willen des Führers die Pflicht, mit ihren Liedern
und Gesängen die ganze Haltung des neuen deutschen Men—
schen zu formen und ihn für den Staat zu gewinnen.
Präsidialvat Ihlert, Berlin, folgte mit einem weitaus—
dolenden Referat über Ziele, Leistungen und Organi—
sation der Reichsmusikkammer, ihren Sinn und ihre Auf—
zjaben. Interessant waren seine einleitenden historischen
Ausführungen über die „Nicolai-Bruderschaft“ der deut—
schen Musikanten in Wien gegen Ende des 18. Jahrhun—
derts, die schon vor 700 Jahren ganz ähnliche Bestre—
zungen wie die jetzige RMRK. praktisch durchgeführt hat.
Die Bruderschaft gab sich selbst Gesetze, ernannte einen
Pfeiferkönig, den Oberspielgrafen, hielt Pfeifertage ab und
sorgte dafür, daß niemand, der nicht der Bruderschaft ange—
hörte, zum öffsentlichen Spielen in Städten und Dörfern
zer Veranstaltungen aller Art zugelassen wurde. Damit
zgehörte das Musikgewerbe zum mittelalterlichen Zunft—
—RDD—
oon den Musikanten verlangt, Unberufene wurden abge—
lehnt. Leider dauerte diese Gemeinschaft nicht lange und
lockerte sich bald. Durch das Reichskulturkammergesetz wur—
den die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, um eine zen—
trale Führung und Verwaltung aller Berufsgruppen und
Personenkreise, die mit dem Musikleben des deutschen Volkes
In Verbindung stehen, zu erreichen. Liebevolle, fürsorg—
liche Betreuung und Pflege des gesamten deutschen Musik—
lebens im Rahmen der kulturpolitischen Ziele der Reichs—
regierung war ihre Aufgabe. In der Nachkriegszeit war
das deutsche Volk seinen geistigen Gütern fast völlig ent—
fremdet worden, stand der Kunst wie den Künstlern fern.
Es war eine Zeit völlig zerrütteten Musiklebens. Die reine
und erhabene Muse „Polyhymnia“ wurde immer mehr in
den Dienst niedriger Instinkte und Leidenschaften gestellt.
Man hatte Sinn und Aufgabe der Musik: „mit der ihr
Nikolaiken
Nstseebad Rauschen.
nnewohnenden Heilkraft, die Seelen der Menschen zu läu—
tern und zu erheben“, völlig vergessen. Die Not der Be—
rufsmusiker war durch Zersplitterung und Uneinigkeit und
durch den Zerfall der deutschen Musikkultur ins Ünermeß—
liche gestiegen. Wer in Zukunft den Ehrentitel Berufs—
musiker führen will, müsse sowohl mit seiner Berufsleistung
als auch mit seinem Charakter dafür einstehen. Die be—
cufsständische Einheit wurde durch die Zusammenfassung
aller in der Musik tätigen Berufsgruppen im „Berufsstand
der deutschen Komponisten“ und der Reichsmusikerschaft
erreicht. Die RMK. hat hierbei zwei wichtige Grundsaͤtze:
Die Hebung des Leistungsdurchschnitts bei der Berufs—
nusikerschaft und die Bekämpfung der in diesem Beruf be—
onders starken Erwerbslosigkeit. Durch Prüfungen im
ganzen Reich, werde die deutsche Berufsmusikerschaft von
all den Tausenden von Nichtskönnern gereinigt, die den
Musikberuf in Mißkredit brachten. Gleichzeitig ist für die
Zukunft gesorgt, daß durch die Auswahl eines talentierten
Rachwuchses und einer behördlichen Ueberwachung der Aus—
zildungsstätten das Musikerproletariat verschwindet. In
einem Berufe gab es so viele „Unberusene“ und Stüm—
der, die in anderen Berusen nichts werden koöonnten. Man
'and dort z. B. Schlosser, Kaufleute, Buchbinder. Um ihre
Aufgaben am deutschen Volke zu erfüllen und zu Höchst—
leistungen anzuspornen, muß die RMK. von all diesen Ein—
flüssen gesfäubert werden. 24000 erwerbslosen Berufs—
musikern muß Arbeit und Brot geschaffen und 65000
Orchester- und Ensemblemusikern, Solisten, Musiklehrern
usw. dazu verholfsen werden, ihr Einkommen von unter
190 RM. zu verbessern. Daher waren einschneidende Be—
schränkungen für die nebenberuflich tätigen Musiker not—
wendig. Die RMRK. betreut auch das gesamte Chorwesen
und die Laienmusikbewegung, deren Vermittlerrolle zwischen
der Berufsmusikerschaft und den breiten Volksschichten be—
sonders anerkannt und bei der Neugestaltung des deutschen
Musiklebens an erster Stelle genannt werden muß. Ihlert
schloß seine von hohem Geist getragenen Ausführungen mit
dem Hinweis, daß die Bewegung die deutsche Schicksals—
gemeinschaft für eine wahre deutsche Volkskultur geschäffen
zätte, in der die deutschen Sänger ihre Aufgaben und
Pflichten erkennen müßten.
Stantliches Bernsteinwerk in Valmniken.
—WCW—
Aussortieren des Bernsteins am laufenden Band.