Full text : 15.1935/36, 1-6 (0015)

Seite 86 Il. ulp Sängerzeitung lIIl Runn Nr.
Ich hatte den Eindruck, daß gerade die Vertreter Bekenntnis unsere Losung bleiben wird: „Deutschland,
der Westmark für das Schicksal unserer Probinz ein Deutschland über alles“! In diesem Sinne grüßen
besonderes Verständnis zeigten, vor allem aber die Saar⸗ wir ostpreußischen Sänger die Brüder der West—
länder. Das Lied von Ostpreußens Not fand bei den mark und geloben auch in Zukunft für deutsches Wesen,
Bästen aus der Westmark starken Anklang, eine Folge für Heimat und Vaterland durchs deutsche Lied zu wirken,
ähnlicher Erlebnisse. Die Ostmark und die Westmark eingedenk der Mahnung, die einst Felix Dahn den ost⸗
stehen in geicher Weise als Hüter auf Vorposten. Beide vreußischen Sängern zurief:
haben den Einbruch fremder Voölker erlebt und Schweres „Hier an Deutschlands fernen Marken
zelitten. Beide haben in Zeiten größter deutscher Not trotz nahe fremder Volker Drang
allen Lockungen dem Vaterlande in einem herrlichen Be⸗ laßt uns pflegen treu den starken,
kenntnis die Treue gehalten. Beide wissen, daß es auch den herrlichen, den deutschen Sang!“
in Zukunft noch manchen schweren Kampf geben wird, W. Thiedmann
daß aber immer „in der Freude wie im Leide“ das Konigsberg.
Deut X i önigsb
eutscher Sängertaäg in Königsberg.
Menin der Gauführerrat des Sängergaues Westmark Vom rasenden D-Zug aus durchblätterten wir West—
so freudig, und vollzählig der Einladung zum närker, die wohl die weiteste Fahrt zurücklegen mußten,
deutschen Sängerbundestag nach Königsberg gefolgt ist, so degeistert unseres Herrgotts schönstes Bilderbuch: blühende,
namentlich deshalb, weil es ihm ein dringliches Anlͤegen grünende Auen und Weingärten, in denen in drückendster
des deutschen Herzens war, sich dem einmütigen Be- Sonnenglut Bauer und Winzer in schwerer Arbeit standen,
kenntnis aller deutschen Gaue zur ewig un- auschende Wälder mit verträumten, bachdurchplätscherten
veilbaren deutschen, Ostmark, anzuschließen, den Wiesen, in die sich im hereinbrechenden Däͤmmer das scheue
wackeren Sangesbrüdern Ostpreußens, die das Schicksal der Wild vorwägte, silberne Flüsse und Ströme. in die fich

Stadthalle in Königsberg
Westmark stets mit ihrer Sorge und Liebe begleitet haben,
fesi die deutsche Bruͤderhand zu drücken und dabei Ein—
schau zu halten in eine Landschaft, die etwas mit dem
Vorurteil der Reizlosigkeit belastet, in vergangenen Zeiten
bom Westen aus wenig besucht worden ist. Heute, nachdem
die Königsberger Sängerwoche — für uns alle, ach, nur
zu früh — abgeklungen ist, müssen wir bezeugen, daß der
Aufruf: „Nach Osten wollen wir reiten!“ mit vollem Recht
in unser aller Herzen ein so begeistertes Echo geweckt hat.
Denn wir kehrten aus dem Ostland mit dem herzerhebenden
Gefühl heim, daß die Ostmärker auf vorgeschobenem, wetter—
umbrausten Vorposten entschlossen und tapfer die Wacht
im Osten halten, daß die ostpreußische Sängerschaft mit
der ganzen zuversichtlichen Gläubigkeit des deutschen Herzens
das Lied von Heimat und Vaterland im Kampf uüm die
nationale Selbstbehauptung des Ostvolkes zielbewußt ein—
setzt, und daß die verkannte Ostmark im blühenden Kranze
der deutschen Lande eine der schönsten, stimmungsvollsten
Gaue ist! Bewegt von dem aufrichtigen Wunsche, deutschen
Volksgenossen in schwerer Notzeit Aufrichtung und Kraft
zu hringen, kehrten wir mit dem Gefühl heim, vielmehr
selbst neue starke vaterländische Impulse empfangen zu
jaben! Nun wissen wir es, im Riiche Adolf Hitlers ist
dom Osten zum Westen, vom Norden zum Süden in einem
nnerlich geeinigten, auf deutsche Ehre eingeschworenen
Volke, in dem die Sänger überall in der ersten Front
tehen wollen, alles auf den heiligen Akkord gestimmt:
D Deuntschland hoch in Ehren!

Fesisaal der Stadtbaule in Konigsbera.

—8*

feuversponnene Burgen und gewerbefleißige Städte spie—
—R0
bosen — Westpreußen — Deutschland! Wie demütigend auf
ieser stolzen Reise für uns die Fahrt durch den pol—
iischen Korridor war, und wie wir beim Anblick der ruhm—
vollen Marienburg wieder aufatmeten, ist in Worten
chlechthin unausdrückbar. Dann legten wir unsere Hand in
dönigsberg in die treudargebotene ostpreußischer Sanges—
zrüder, die uns warmen Willkommsgruß entboten. Trotz
der ergiebigen Beanspruchung durch den Deutschen Sänger—
undestag verfehlten wir nicht, unter Ausnutzung der
Morgenfrühe, heißer Mittags- und kaum kühlerer Abend—
tunden diese Perle des Ostens kennen zu lernen: Ordens—
chloß mit Stadtmuseum, Blutgericht, Krönungskirche der
»reußischen Könige, den ehrwürdigen Dom, die erinnerungs—
eichen, durch Imanuel Kant geweihten Stätten deutscher
veistigkeit, die moderne Großstadt mit ihren von kraft—
»ollem Wirtschaftsaufstieg zeugenden Hafenanlagen, in die
ins die Stadtverwaltung durch Einladung zu einer aller—
dings etwas verregneten Rundfahrt willkommenen Ein—
zlick gewährte.
Im Park des Tiergartens gaben sich auf einem von
der Sängerschaft Königsbergs wohlvorbereiteten Be—
grüßnuungsabend — gewissermaßen als Auftakt — die
Zängerführer und Delegierten aus allen deutschen Gauen
und des Auslanddeutschtums ein Stelldichein. Immer
vieder konnte man alten Freunden erfreut die Hand
            
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