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Nr. 4 II

Sängerzeitung

VJssupp Seite 71

Wohlauf Rameraden.“
2 0
Ein Liederbuch der jungen Mannschaft von Soldaten. Bauern. Arbeitern und Studenten.
Ior kurzem erst fanden an dieser Stelle zwei Männer—
liederbücher, ebenfalls aus dem Bärenreiter-Verlag,
ihre Würdigung, das „Aufrecht Fähnlein“ und das
„Männerlied“. Verlangt jenes mit der erfreulichen NRutz—
»armachung wertvoller, aber zum Teil recht anspruchs—
oboller originaler Chorsätze für Männerstimmen aus ältester
und neuester Zeit einen gut geschulten Männerchor, so ist
das „Aufrecht Fähnlein“ in seiner vielfache Möglichkeiten
offen lassenden Aufgelockertheit in erster Linie für volks—
tümliches Männersingen bestimmt, wobei zu betonen bleibt,
daß auch unsere zünftigen Männerchöre zu diesem Buch
ebenso gern und häufig greifen möchten, wie etwa volks—
zümliche Singkreise. Beide Liederbücher wandten sich an
mehrstimmiges Singen. „Wohlauf Kameraden“ —
Preis 1,30 RM. —, fast ausschließlich aus einstimmigen
Liedern bestehend, geht noch einen Schritt weiter zum
oolkstümlichen Singen und stellt bestes, einstimmiges Lied—
gut zusammen, wie es etwa in Singgruppen der jungen
Mannschaft, in SA, HJ, Arbeitsdienst und Studentenschaft
dringend gebraucht wird. Viele werden fragen: Was soll
eine Besprechung dieses einstimmigen Liederbuches in einer
Sängerzeitung, die sich an Chorvereinigungen wendet, die
mehrstimmig zu singen gewöhnt sind?! Nun, auch unsere
Männerchöre werden bemüht sein müssen,
den Anschluß an die oben genannten Singgruppen nicht
zu verlieren oder, wenn der Anschluß bereits verpaßt, ihn
wieder zu gewinnen, schon aus Sorge um den Nach—
wuchs. Wie soll das aber geschehen, wenn unsere Sänger
nicht in der Kenntnis des männereigenen Volksliedes,
also zumindest des Marschier- und Soldatenliedes, jenen
Gruppen der singenden Mannschaft voranzugehen in
der Aeand Wie will der Männergesangverein, primitiv
ausgedrückt, der singenden Mannschaft in SA, HJ, Arbeits—
dienst imponieren und auf sie Einfluß ge—
winnen — und das muß er, denn nur aus diesem
sreis kann der Nachwuchs kommen —, wenn er nicht zu—
mindest das Liedgut sich zu eigen macht, das da bereits
in großem Maße verbreitet ist, ja, wenn er nicht in der
Lage ist, ein Mehr an Liedgüt einzusetzen? Wäre es
nicht schön, ja müßte es nicht so sein, daß der DSB-Mann,
der überall in der SA und im Arbeitsdienst zu finden
ist, seinen Kameraden von der SAnaus seiner Sänger—
ätigkeit heraus eine Menge neuer Lieder zu geben im—
stande wäre, die von den Kameraden begeistert aufge—
nommen würden?
Dazu aber kann dieses Liederbuch verhelfen. Es bringt
die besten Lieder der Bewegung und fügt eine Fülle krast—
»oller Marschierlieder, prächtiger alter Landsknechts- und
Soldatenlieder hinzu, dazu eine Reihe neuer, bisher leider
seltener Lieder des Arbeiters, des Bauern, des Studenten,
die es wert sind, nicht nur gelegentlich in der Singstunde
unserer Männerchöre zum Erklingen zu kommen. Gerade
fiür das Marschierlied herrscht in unseren Männerchören
dringendstes Bedürfnis. Wie oft fehlte dieses bisher gänz—
lich auf Wanderungen und Ausflügen, auf Umzügen usw.
Wie rasch war bisher bei solchen Gelegenheiten der kleine
Vorrat an Marschliedern erschöpft, weil auch diese mehr—
sttimmig gesungen werden müßten, und das Einüben Zeit
kostete. Es kam dann vor, daß ausgerechnet Sänger auf
dem Marsche — nicht sangen und sich von SA-Mannschaften
darin beschämen lassen mußten!
Der Herausgeber des Liederbuches „Wohlauf Kameraden“,
Gerhard Pallsmann, ließ sich eine sorgfältige Auswahl
angelegen sein, und man kann ihm zugestehen, daß er
geschmäckvoll nur das Beste zu Wort kommen ließ. Einmal
scheint er freilich über das Ziel hinausgeschossen zu sein,
wvenn er die volksvertraute Melodie „Der Gott, der Eisen
wachsen ließ“ von Methfessel durch die alte Weise des

Pavierliedes ersetzen zu müssen glaubt, weil sie ihm
hesser zu Arndts mächtigen Versen zu passen scheint, als
„das Hurrageklingel der gebräuchlichen Weise von Meth—
feffel, die besser zwischen die Bierbänke der Kegelklubs
»on gestern gehört, als in die Kolonnen der jungen
Mannschaft von morgen“. Eine gewiß sprachlich gelungene,
iber doch überhebliche Formulierung, da nämlich anderer—
eits dieser Gipfel künstlerischer Wertung bei einigen andern
riedern von ihm bedenkenlos verlassen wird, etwa bei den
rdiedern „Es zog ein Hitlermann hinaus“ und „Von allen
den Kameraden“, Weisen, die aufgenommen wurden, ob—
vohl sie gewiß schlechter sind als die so arg mißhandelte
Nelodie des guten alten Methfessel. Auch mit einigen
zugeständnissen an metrisch falsche, da und dort ins Volk
zjedrungene Fassungen einiger Lieder (Dehnung am Schlusse
her Lieder „Morgen marschieren wir in Feindesland“ und
„Wir ziehn auf stillen Wegen“) kann man nicht ganz ein—
erstanden sein. Gewiß, das „Zersingen“ gehört nun ein—
nal zum echten, im Volke Besitz gewordenen Volkslied,
iber ein Liederbuch hat auch erzieherische Aufgaben. Ich
»erweise in diesem Zusammenhang auf das Horst-Wessel—
dLied, das im Volke gewöhnlich ohne Durchhaltung der
Pause vor „Kameraden, die Rotfront ....“ gefungen wird,
das aber in dem Liederbuch mit vollem Recht metrisch
einwandfrei gebracht wird. Mancherorts ist es denn auch
in diesem Falle gelungen, das Volk zum richtigen Singen
zu erziehen; aber dazu gehört, daß die prominenten Lieder—
σ sich nicht zum Sklaven volksgemäßen Zersingens
nachen.

Ein paar neue Lieder werden vielleicht erst ihre Kraft
zeweisen müssen. So scheinen mir etwa „Deutschland und
Deutsch-Oesterreich“ von Distler oder „Ihr seid viel tausend
hinter mir“ von Pallmann u. a. trotz des Namens nicht
o gelungen, daß sie in dieser Sammlung unbedingt hätten
Aufnahme finden müssen. Aber diese Ausstellungen können
tatürlich den Wert des Liederbuches nicht beeinträchtigen,
der vor allem darin besteht, altes, echtes, kerniges Lied—
zjut an Soldaten- und Landsknechtsliedern zum Leben er—
veckt zu haben. Darüber hinaus ist es doch anzuerkennen,
daß dieses Buch, das ursprünglich für den deutschen
Ztudenten bestimmt ist, eine Form gefunden hat, die es
rus der Enge ständischer Begrenzung heraushebt zur
Weite der Volksgemeinschaft, daß es den Studenten von
jeute in seinem Lied in eine gemeinsame Front stellt mit
dem Arbeiter der Faust. Und darum möge auch der
Arbeiter zu diesem Liederbuch des Studenten greifen.
Eine Reihe zeitgenössischer Lieder des Liederbuches sind
ibrigens auf Postkarten im Bärenreiterverlag als „Neue
Ldieder des deutschen Volkes“ erschienen, so „Wir heben
uinsre Hände“, „Wenn alle untreu werden“, „Dem Führer“,
„Uns ward das Los gegeben“, „Wir wollen ein einiges,
tarkes Reich“, „Unter der Fahne schreiten wir“. Diese
ind überdies in wohlfeilen Ausgaben (10 Pf.) für drei—
timmigen Männerchoör herausgegeben worden, auf die
gerade die mehrstimmig zu singen gewohnten Chöre nach—
drücklich aufmerksam gemacht sein mögen. Dr. Ernst Stilz.

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