Zeite 68 III
ulshclclsshh Sängerzeitung lIIIIIPhihhite erriphph Nr. 4
Arbeitsgeist und tatkräftige Regsamkeit ging aber hier
mit aller Kraft an die Ueberwindung der Schäden und
an die Eroberung neuer Absatzgebiete. An sich schon ver—
dankt die pfälzische Industrie weniger natürlichen Stand—
ortsfaktoren, als vielmehr dem Unternehmungsgeist des
pfälzischen Menschen selbst ihr Entstehen. Heute ist die
Pfalz mit industriellen Waren aller Art durchsetzt.
Im Mittelpunkt Ludwigshafen ballen sich die verschie—
densten Werke zu einer großen Industriestadt zusammen.
Rauchende Schlote verkünden, daß hier tagtäglich die
Arbeiter der Stirne und der Faust in Massen in die
weiten Fabrikhallen einrücken. Ununterbrochen hasten und
schaffen Menschen ihr schweres Tagewerk, lodern die Feuer,
dröhnen die Maschinen, rasseln die Krähne, stampfen die
Hämmer, rasen die Räder, schrillen die Sirenen in einer
zinzigartigen Symphonie der Arbeit.
Den Kern bildet die Anilinfabrik. Der Volksmund nennt
sie mit ihren zwanzigtausend Arbeitern und Angestellten
kurz die „Große Fabrik“. Deutschlands Weltgeltung in
Chemikalien und Farben wurde von hier aus begründet
Durch das Verfahren, Stickstoff aus der Luft zu ge—
winnen, konnte Deutschland endlich vom Ausland unadb—
hängig die Ernährung auf eigenem Boden sichern und
noch große Mengen für die Ausfuhr bereitstellen. Hier
wird auch der für die Landverteidigung so wichtige Salpeter
erarbeitet und die berühmten Indanthrenfarben hergestellt.
Es gibt in Ludwigshafen noch eine Reihe anderer ganz
bedeutender chemischer sowie industrieller Werke. Leider
liegen die Hafenanlagen Ludwigshafens immer noch
oerwaist.
Bedeutender noch als die chemische ist die über die
ganze Pfalz verbreitete Metall- und Maschinenindustrie;
das ist um so staunenswerter, als nennenswerte Roh—
materialien fehlen. Frankenthal, Kaiserslautern, Ludwigs—
hafen, Neustadt, Zweibrücken und Eisenberg sind die
Hauptstützvunkte. Alle erdenklichen Produkte werden her—
gestellt: Asuminium- und Emaillewaren, Blechamballagen,
Eisen- und Stahlkonstruktionen, Federn, Glocken, Guß
aller Art, Keltern, Kesseln, Motore, Pumpen, Röhren,
Rotationsmaschinen. Schnellpressen und vieles andere mehr
JZunger Logelträger. phot. Alfred Gerspach, Neustadt a. d. H.
Eine alte pfälzische Arbeit ist zu neuem Leben erwacht.
Die charakteristischen schmalen Leitern stehen wieder an
den Steinbrüchen und fleißige Menschen meiseln, hämmern
und schieben schwere Blöcke. Stemm⸗ und Brecheisen sind
vieder blank und wie der Rost verschwand, kam Zu—
iriedenheit in viele kleine Arbeiterhäuschen.
So behaupten all die, deren Arbeit in engster Ver—
sundenheit mit dem Boden steht, den Platz, auf den sie
das Schicksal stellte.
Hanudwerk und Heimarbeit.
Neben den gewöhnlichen Handwerksbetrieben hat die
Pfalz auch einige Vesonderheiten auszuweisen, die sonst—
wo nicht oder nicht in dem Umfange zu Hause sind.
So steht das Küserhandwerk seit Jahrhunderten auf
einer hohen Stufe. An reichgezierten Fässern sind die
Faßriegel osft wahre Meisterstücke handwerklicher boden—
ständiger Kunst. Noch geht manch schönes Stück aus den
Händen pfälzischer Küser hervor, wenn auch die Faß—
und Weinhandlung immer mehr ihr eigentliches Arbeits—
gebiet geworden ist.
Eigener Art sind auch die Diamantschleifereien im
iußersten Westrich. Es arbeiten heute viele Hunderte in
zahlreichen aber kleinen Betrieben. So kostbare Schmuck—
tücke auch aus ihrer Hand hervorgehen, so arm sind sie
doch geblieben, denn der Gewinn floß zum größten Teil
ins Ausland.—
Zwischen Rhein und Wasgau hat sich ein umfangreiches
Korbmacherhaudwerk entwickelt. Es sind kleine Betriebe,
die meist in Heimarbeit ihre Arbeit erledigen, wobei die
ganze Familie fleißitg mithilft. Der Lohn iüͤst gering. Um
so härter traf der Verlust Elsaß-Lothringens die Korb—
nacher. Aber sie kämpfen! Durch die Gründung von
Genossenschaften haben sie der größten Not gesteuert.
Dem Dorfe Namberg haben tüchtige Bürsteninacher durch
solide Arbeit und gute Qualität einen Nainen gemaäacht.
So ist das pfälzische Handwerk von jeher eine Haupt—
stütze völkischer Eigenart und war in Zeiten der Not
tets ein Rückhalt und Waährer deutschen Wesens.
Industrie.
Das Versailler Diktat mit seiner unsinnigen Grenz—
ziehung traf die pfälzische Industrie am härtesten. Pfälzer
—MMZ
zitronenernte in der Pfalz.
vphot. Alfred Gerspach, Neustadt a. d. H.