Full text : 15.1935/36, 1-6 (0015)

Lob der

Sängerzeitung lllll'
Heimal.

usphh Nr.

Viele haben die Becher zum Gruß dir erhoben,
nanche besangen dein Antlitz und priesen feurig den Wein.
Ich will dich inniger, tiefer, glühender loben,
deimat geliebte, Garten Gottes, Wiege am Rhein!

Dunkeler raunen die Quellen verborgener Stunden.
Horch, auch die Klage, sie tönt und verstummt nicht so bald!
Aber die Erde vernarbt immer wieder mit frischem Grün ihre Wunden
und die heimlichste Trauer wird nur in den Herzen Gestalt.
O, wie brennt mir die Seele dich ganz zu begreifen!
Bräutlicher duftet und zärtlich im Mondlicht dein Strauß.
Weit noch werd ich, ein Wandrer, die Welt durchschweifen;
aber die einsamste Sehnsucht ist immer bei dir zuhaus.

Ist nicht ein Teppich gebreitet von schimmernden Hügeln?
deere von reisigen Betern wallen die Reben herab.
Ferne klaftert der Strom mit silbernen Flügeln,
nalt in der dämmernden Ebene Schwurhand des Domes sich ab.

Wenn ich die Wälder, die kühnen, im Abend durchschreite,
liegt noch der Duft überm Hang, den die Sonne beschien,
zeben die wogenden Felder mir tief ins Dorf das Geleite,
zlänzt wie im Spiegel die Burg. Unterm Dach der Kastanien wandelt
lein Träumer dahin.
Keiner kennt dich, Geliebte, der dich eilig im Fluge durchsauste.
Ach die Stimmen des Tags sind immer so laut!
Mancher nennt dich bekrönt, den nur dein Jubel umbrauste;
aber die Nächte sind kühl und von Sternen und Tränen betaut.

Stößt noch der Bauer den Pflug in die dampfende Erde?
Grüßt mir den Winzer, wenn er die Harke schwingt!
Geht doch die Treue im Zug und lenkt ins Schweigen des Abschieds die Pferde
Weiß ich das Lied, das im Reigen der Mäadchen zur Erntezeit klingt?

Einmal wird sich der Herbst mir bunter färben,
blühen die Rosen wie Blut, entblättert im Winde der Wein.
Tröstlich dann, am Herzen der Mutter sterben,
süß, unter Sternen der Heimat begraben sein. Kurt Kolsch

WMW—oman

1ingt.

Ith war über Feld gewesen und ging nach Hause. Der
AAbend war schön, das Wandern über Berg und Tal
eine Lust. Da kamen ein paar Leute hinter mir her,
Arbeiter auf dem Heimweg. Ihre Hacken geschultert gingen
sie in ruhigem Trab und — sangen: „Im schönsten Wiesen-—
grunde ist meiner Heimat Haus“. Eine junge, helle Stimme
führte, drei, vier andere sangen in der Baßlage mit.
Schön war's, eigen war mir zumut. Ich kannte das Lied,
hatte es oft von Kindern singen gehört, gedankenlos, wie
Kinder singen. Das da war anders. Die Männer sangen
nit einer völligen Hingabe an ein Gefühl, das scheu und
doch vertraut aus der Tiefe ihrer Seele aufstieg und
auch mich mitriß. Ich ging langsam, die Männer an mir
dorbeizulassen. Wir grüßten uns wie gute Bekannte, aus
der Stimmung heraus, die das Lied in uns geweckt hatte.
Sie gingen abwärts, ich stieg an. Aber von fern noch
klang es zu mir herauf: „Dich, mein stilles Tal, grüß'
ich tausendmal —“
Nachdenklich ging ich weiter. Wir haben Hunderte solcher
stimmungsvoller, dus den Tiefen des Volksgemütes her—
vorgegangener Lieder. Warum erklingen sie so selten?
Warum hört man sie höchstens an Sommerabenden manch—
mal auf den Dorfstraßen?
Wunderliche Frage. Wie kann man im Lärm und Jagen
der Stadt, der Großstadt zumal, singen, solche Lieder
singen? Da kann höchstens einmal ein Gassenhauer von
den Lippen springen. Nein, im lauten Straßenleben der
Städte kann man freilich nichts mit ihnen anfangen. Da
zehören sie auch nicht hin. Aber versuch's einmal zu
HPause, nach dem Abendessen, im Kreise der Deinen ein
röhliches Lied anzustimmen oder von den Kindern an—
timmen zu lassen, dich für die Lieder, die sie in der
—„chule fingen, zu interesssieren und ein bißchen mitzu—
ingen. Ihr werdet erstaunt sein, liebe Eltern, welche
Fröhlichkeit sich im Handumdrehen entwickelt. wie hei—

nelig und gemütlich es in der Stube wird, wie glück
iche Gesichter die Kinder haben, wie ein Hauch von Abend—
rieden der Natur auch in die enge Stadtwohnung dringt
und euch hinauslockt, daß Ihr kaum den Sonntag er—
varten könnt.
Ach, ja, Singen! Wenn man hundemüde und verärgert
o»om Tagewerk draußen heimkommt oder gar von vergeb—
lichem Suchen nach Arbeit, da ist es einem wahrhaftig
nicht um's Singen.
Ja, freilich, aber gerade da wirkt der Zauber. Es
zjibt nichts, das uns leichter über alles Trübe hinweg—
rägt, als ein fröhliches Lied. Gerade wenn wir draußen
uins plagen und mit hundert Unannehmlichkeiten kämpfen
nußten, sollten wir unser Heim, unsere Erholungszeit da—
»on freihalten, sollten wir alles draußen lassen und aus
hm neuen Mut und neue Kraft schöpfen zum Kampf mit
den Widrigkeiten der Welt.
Wie oft ist unser Vater heimgekommen, durchnäßt,
durchkältet, mide. Dann brachten wir Kinder ihm die
varmen Hausschuhe, die Mutter kam mit dem trockenen
Rock und dem Abendessen, und dann hieß es: „Wer fängt
denn heute an?“ Jedes von uns durfte anstimmen, was
ꝛs auf dem Herzen hatte, und jedes von uns war froh
und stolz, wenn der Vater, auf sein Lied eingehend,
nitsang.
Noch jetzt, wenn mir die Erinnerung an den Frieden
dieser Stunden kommt, nehme ich in der Abenddämmerung
mnein Cello zur Hand und spiele mir die alten lieben
dieder. Und es isi mir wohl dabei, als wäre das Leben
nicht hart und schwer und der Tag nicht voll Mühe und
Not. Und ich befinne mich darauf, daß es noch etwas
im Menschen gibt, das tagüber nicht zu seinem Rechte
kommt und das ausklingen möchte in Frieden und Harmonie
Pauline König,
Wolfstein (Psalz).
4—)- Helfe am Wiederaufbau
—A — — 4 Deines Vaterlandes!

Sparlasse der tadt aarbrücken

y
            
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