Full text : 15.1935/36, 1-6 (0015)

Nr. 8 Il. Sängerzeitung Ipphh Seite 57
J d di nusi
Deuteche und nordische Musik.
reinzelne bei der Auseinandersetzung mit nordischem Wesen
an den Tag legt.
Und worin besteht nun dieses nordische Wesen — bei—
pielsweise in der Musik? Gewiß gibt es eine ganze Reihe
oon Stilmerkmalen, die zur Charakterisierung der nordischen
Art dienen, Man findet sie in jedem Buch über Rassen—
unde verzeichnet. Aber es wäre letzten Endes ein Wider—
Pruch in sich selbst, wenn sich die nordische Seele so klar
uind einwandfrei jedem Besucher präsentieren würde, daß
s an ihrer Struktur nichts mehr zu tüfteln und zu deuten
zäbe. Denn das ist ja gerade das Kennzeichen nordischen
Wesens, daß es sich dem allzu begrifflichen Denken und
dem analysierenden Geist verschließt und mehr durch In—
uition zu erfassen ist, als durch den grübelnden Verstand.
Ebenso wie sich die Grenzen zwischen „klassisch“ und
„romantisch“ nicht klar gegeneinander abheben, so wird
zas nordische Wesen auch nur denen voll bewußt werden,
zie selbst in ihrer rassischen Veranlagung von nordischem
Sinnen und Trachten erfüllt sind. So wird das „Nor—
ische“ zu einem geheimen seelischen Losungswort für die
Angehörigen der nordischen Rasse, die in diesem Begrifi
das köstlichste rassische Ideal einschließen.
Damit ist nicht gesagt, daß sich das „Romantische“ in
inen stilistischen Gegensatz zum ‚Nordischen“ stellt. Man
vendet heute gern den Ausdruck „stählerne“ Romantik an,
In diesem Beswort „stählern“ tritt uns aber schon wieder
das Merkmal einer neuen Stilrichtung entgegen, die ge—
vonnen wurde durch die Synthese von „altromantisch“ und
„nordisch“. Dieses „Stählerne“ bedeutet den Koutrast zu
illem Weichlich-Sentimentalen“ der früheren Romantik,
zedeutet die Hinneigung zu jenem innerlichherben Stil, der
viederum das Kennzeichen nordischen Wesens ist.
Andererseits ist aber das „Nordische“ kein erdkundlicher
Begriff, der ausschließlich etwa auf die nordischen Völker
Zkandinaviens Bezug nimmt. Auch die Musik des Nord—
andes war im Laufe ihrer Entwicklung den verschieden—
artigsten Strömungen unterworfen — man denke etwa an
»en Einbruch polnischer Einflüsse seit der Herrschaft Sigis—
nunds in Schweden, an die Form der „Polska“ im Mazurka
Rhythmus. Es gibt deutsche Musikwerte, die ein nor
ischeres Gepräge aufweisen als, vielleicht gleichzeitig auf—
retende Schöpfuͤngen der skandingavischen Staaten. Schon
m Jahre 1909 hat Dr. William Behrend auf dem Wiener
nustkwissenschaftlichen Kongreß angeführt, daß „der Däne
taunend das eine Mal nach dem andern bei Franz Schubert
züge von nordischem Charakter findet; es mag zwischen
hm und dem nordischen Volkslied eine geheime Wahl—
»erwandtschaft bestehen“. Wohl aber kann uns das Nord—
and mit fseiner musikalischen Jugend, mit seinem Ueber—
eichtum an Volksmusik vorbildlich werden in denjenigen
Wesenszügen, in denen sich das deutschnordische Ideal mit
einrassigen Merkmalen nordländischen Volkstums berührt
Dr. Fritz Stege, Berlin.
Muslik l
ufßikwelt.

UDD

Anus

der

Warum Königsberg? Wie bereits mitgeteilt, findet in
den Tagen vom, 12515. Juni in Königsberg der dies⸗
sährige ordentliche Sängertäg des D.S. B. statt. In der
Deutschen Sängerbundeszeitung wird die Frage erörtert,
varum die Buͤndesführung gerade den äußersten Osten
unseres Vaterlandes zur Tagung wählte.
Der Bundesführer des Deutschen Sängerbundes, Ober—
dürgermeister Meister, Herne, hat soeben die amtliche
Einladung zum diesjährigen Ordentlichen Sängertag des
D. S B. ergehen lassen. Als Ort hierfür wurde schon früher
die Metropole Ostpreußens, die Kantstadt, Königsberg, be⸗
timmt. Einen weiten Weg haben diesmal unsere Saͤnger—
ührer vor sich. Mehr als eine Tagesreise müssen die süd—
und westdeutschen Vertreter zurücklegen, um nach Ost—
oreußen zu gelangen. Aber sie bringen dieses Opfer gern,
dee wissen, daß Königsberg nicht willkürlich gewählt
vurde.
Die Lage der Bevölkerung des deutschen Ostens, ist durch
den Versailler Vertrag besonders hart und schwer ge⸗
worden, Der ,Korridot“, mag man jetzt auch ungehindert

jindurchkommen, teilt den Osten in zwei Teile, deren Un—
atürlichkeit sich verheerend auswirkt. Ganz abgetrennt
purde Danzig, die deutsche Stadt, die noch vor wenigen
Wochen durch das Ergebnis ihrer Wahlen sich zum national—
ozialistischen Deutschland bekannte. Noch schlimmer ist man
nit der deutschen Stadt Memel verfahren, deren Verge—
valtigung durch den Zwergstaat Litauen eben erst wieder
janz Deutschland in höchste Emphrung versetzt hat. So
at man Stück für Stück aus dem seit vielen hundert Jahren
erndeutschen Osten herausgerissen und nichts anderes übrig—
selafsen als einen Rumpf, dem die wichtigsten Gliedmaßen
ehleu, vermutlich in der stillen Hoffnung, daß der Rest
»er Ostmark sich vielleicht einmal freiwillig einem anderen
rande unterstellen würde.
Die Hoffnung dürfte allmählig begraben sein. Schon die
Abftimmungsergebnisse vor mehr als zehn Jahren zeigten,
zaß dieses Vand deutsch ist und deutsch bleiben will. Seit—
dem ist der Kampf um die Seele des ostpreußischen Men—
chen in den uns verbleibenden Gebieten äußerlich zwar
erstummt. aber immer wieder wird versucht, eine Bresche
            
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