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Fulturelle Rückgliederung.
Zur kulturnolitischen Situation des Saargebietes.“
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Die kulturelle Rückgliederungsarbeit im Saargebiet ist,
2wenn auch nicht so vordringlich wie die polilische und
wirtschaftliche, doch von nicht weniger weittragender und
grundlegender Bedeutung. Die lebendig schöperischen Kräfte
zes Saärgebietes, die sich gerade hier unter dem Erlebnis
der Grenze und besonders im letzten Abschnitt der Abtren—
tung zu entfalten begonnen haben, müssen auch im neuen
ultürpolitischen Raum und insbesondere in engster Ver—
»indung mit der Nachbarlandschaft der Pfalz und der West—
mark wachgehalten und nach einem großen Plan der kultur—
‚olitischen Aktivierung dieser Landschaft eingesetzt werden.
Wenn die Westmartk allgemein schon eine kulturpolitische
Sendung, und zwar die Erneuerung der Kultur aus dem
Geist von Blut uünd Landschaft und dem Nationalsozialismus
heraus im Gegensatz zu dem westlichen Liberalismus und
ziner äußeren, großstädtischen und rationalen Zivilisation
zu erfüllen hat, so hat das Saargebiet als vorgeschobenster
Posten dieses Gaues erst recht Träger und tätiger Vor—
ämpfer dieser Sendung zu sein.
Theater.
In dem Mittelpunkt des kulturellen Lebens des Saar—
gebietes steht das Stadttheater Saarbrücken, das
hereits in den letzten Jahren sich immer mehr zu einem Hort
deutscher Gesinnung und zu einem äußersten Vorposten der
deutschen Theaterkültur im Westen entwickelt hat. Dieses
Theater ist die einzige stehende Musik- und Schauspielbühne
des Saargebietes, die nun freilich in einen größeren kultur—
politischen Raum übergeht und somit auch stärkere Ver—
hindungen mit den pfälzischen Bühnen, mit dem National—
theater Mannheim, dem Staatstheater Karlsruhe usw. be—
kommt.
Die Pfalzoper Kaiserslautern, die ebenfalls eine
beschränkte Gastspieltätigkeit im Saargebiet ausübte und
das Landestheater für Pfalz und Saargebiet,
das neben dem Stadttheater Saarbrücken die wohlaus—
gebaute Wanderbühne dieses Gebietes darstellt, werden
qauch nach wie vor ihre Bedeutung behalten und mit dem
Stadttheater Saarbrücken in engster Arbeits- und Inter—
effengemeinschaft stehen. Eine dringende Notwendigkeit für
das Stadttheater Saarbrücken ist die Erstellung eines
Theaterneubaues als einer würdigen Kunststätte. Die besten
chauspielerischen und musikalischen Kräfte, besonders auch
aus dem jungen deutschen Künstlernachwuchs werden es
sich zweifellos zur Ehre angedeihen lassen, an dieser
tationalpolitisch so bedeutungsvollen Bühne zu wirken. Der
Spielplan des Stadttheaters Saarbrücken wird im Rahmen
der größeren Kulturpolitik der Westmark einer Dramatik aus
dem Geist der Landschaft das Wort geben, wie sie in den
letzten Jahren bei den pfälzischen Bühnen, vor allem auch
hei den pfälzischen Freilichtbühnen, verfolgt worden ist.
Die Einbeziehung der saarländischen Freilichtbühnen in den
zroßen Plan einer westmärkischen Spielgemeinschaft, in
deren Mittelpunkt vielleicht die beiden größten Grenzland—
Freilichtbühnen QOueidersbach und Gräfinthal stehen dürf—
en, ist eine Selbstverständlichkeit. Die Reichsfestspiele in
Heidelberg, deren Pflege sich der Präsident der Reichs—
cheaterkammer, Ministerialrat Laubinger, selbst zur Auf—
gabe gemacht hat, sind der willensmäßige Impuls der
Theaterpolitik einer großen Landschaft, der bis in die
kleinsten Freilichtbühnen selbst von lokaler Bedeutung
veitergegeben werden soll. Der Bau von Thing⸗
stätten, der für dieses Gebiet ja ebenfalls auf dem
deiligenberg bei Heidelberg erstmals versucht worden ist,
nuß in der Pfalz mit dem Thingplatz am Brunholdis—
stuhl und im Saargebiet mit dem Ausbau einer geeigneten
rultischen und geschichtlich bedeutungsvollen Stätte fort—
gesetzt werden.
Schrifttum.
Die planmäßige Förderung und Pflege, die das Stadt
heater Saarbrücken dem deutschen Schrifttum und insbe
ondere dem Schrifttum der Westmark im letzten Jahre be—
reits zuteil werden ließ, wird es auch mit der gleichen
diebe fortsetzen in dem Wissen, daß die Dichtung die
ichtbarste schöpferische Quelle des lebendigen Volkstums
uind immer der erfste Ausdruck einer neuen Kultur eines
Lolkes ist. Die Dichtung des Saargebietes hat sich unter
»er verantwortungsbewußten Pflege aller maßgebenden
ztellen im Saargebiet und im Reich in der letzten Zeit
neiner Weise entfaltet, die zu den schönsten Hoffnungen
erechtigt, aber auch zu einer ernsten Verpflichtung der
zchaffenden selber mahnt. Wir nennen nur den Erzähler
zohannes Kirschweng, den Lyriker Rupert Rupp und
den Sprechchor-Dichter und Dramatiker Theo Jörg, in
deren Schaffen jeweils stärkste und verheißende Zukunfts
hoffnungen beschlossen liegen. Die Organisation der Schrift—
fsteller und die Zusammenarbeit derselben mit den noch
am Buch beteiligten Faktoren, Buchhandel, Verlag, Wer
zung usw., ist im Saargebiet schon immer eine enge ge—
vesen und wird unter der neuen planmäßigen Zusammen—
sassung aller am Schrifttum beteiligten Kräfte in der
seichsschrifttumskammer, beziehungsweise der hier
uständigen Landesstelle Pfalz-Saar nur noch fester und
nniger werden. Das erste Zeugnis dieser Zusammenarbeit
verden die Ehrentage der pfälzisch-saarlän—
dischen Dichtung sein, die bereits im Monat März
in den ersten Tagen nach der Rückgliederungsfeier statt
inden werden. Der Erfassung weitester Kreise der saar
ändischen Bevölkerung als Leser des guten deutschen Buches
dienten in den Jahren des Abstimmungskampfes in ge—
teigertem Maße die Volksbüchereien, die auch nach der
Ksückgliederung an Bedeutung und Ausmaßen keinesfalls
rinbüßen dürfen. Die Volksbüchereiberatungsstelle des Saar—
jebietes bei der Stadtbücherei Saarbrücken, die
n engster Verbindung mit den pfälzischen Büchereibera—
ungsstellen in Speyer und Kaiserslautern, ferner mit der
Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer und mit den wissen—
chaftlichen Büchereien des Gebietes steht, wird hier nach
vie vor Ausgangspunkt der intensivsten Grenzarbeit sein,
die sich des Büchereiautos und aller technischen Hilfsmittel
zur Verbreitung des guten deutschen Buches bedienen muß.
Außer den ostdeutschen Provinzen ist zur Zeit vielleicht
in ganz Deutschland kein Gau, der so wie das Gebiet von
Pfalz und Saar bis in den letzten Grenzort im Warndt
und an der elsaß-lothringischen Grenze mit Büchereien
betreut wird.
Musik.
Für die Musikpflege des Saargebietes hat sich außer dem
Orchester des Stadttheaters Saarbrücken in erster Linie
das Landessymphonieorchester für Pfalz und
Saargebiet unter seinem Leiter Musikdirektor Professor
Boehe in den letzten fünfzehn Jahren vor allem eingesetzt.
Dieses Orchester, das bis in mittlere und kleinere Orte
zinein selbst in den schwersten Jahren der deutschen Politik
die Werke unserer klassfischen und modernen Komponisten ge—
racht hat, wird erst recht nach der Rückgliederung des
Zaargebietes ungehindert seine reiche Kulturtätigkeit ent—
alten können. Mit Genugtuung kann die Tatsache ver—
eichnet werden, daß das Landessymphonieorchester für
Pfalz und Saargebiet im letzten Jahr wieder nicht allein
m Saargebiet und in der Pfalz, sondern auch in Mann—
zeim, Worms, Kreuznach, Oberstein-Idar. Hanau und
Aschafsenburg konzertiert und somit tatsächlich einen ganz
zeschlossenen Kulturraum erfaßt hat. Auch die jungen
bfälzischen und saarländischen Komponisten
sind durch dieses Orchester verschiedene Male gebührend
zu Gehör gebracht worden, nicht zuletzt der begabte Albert
Jung, St. Ingbert, dessen Kompositionen zu Ehren seiner
Vaterstadt am Tag der Saar in der Darbietung durch
ieses Orchester sogar über alle deutschen Sender gebracht
vurden. Ein großes Verdienst, vor allem für das volks—
ümliche Musikleben im Saargebiet haben sich die verschie
denen örtlichen Musikvereinigungen und Sängerbünde er—
*Dem Märzheft der vorbildlichen Monatsschrift „Die
Westmark“ (Westmark-Verlag, Neustadt a. d. H, Jahres—
dezugspreis 11, — RM.a, fuür Mitglieder der NS-Kultur—
zemeinde 6,— RM.) entnehmen wir folgende Ausführungen
zur Rückgliederung der Sadar.