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Der Große Herder.
Der Große Herder: Band 10*). Das Werk wächst also
mit Sicherheit seiner Vollendung entgegen; noch zwei
Bände, und das jüngste deutsche Großlexikon ist fertig,
— nicht nur das jüngste, sondern auch das nach Inhalt
und Form modernste. Gerade dieser neue zehnte Band
legt es einem nahe, wieder einmal die Hauptfrage in
der ganzen Lexikonsache zu stellen, denn er ist besonders
reichhaltig, zu reich, als daß die längste Schilderung einen
hinlänglichen Ueberblick geben könnte. ...
„Braucht man überhaupt ein Lerxikon?“ heißt diese
hauptfrage. Mit dem „Großen Herder“ wird eine Ant—
vort gegeben.
Ja, je länger die Bekanntschaft mit diesem „Großen
derder“ dauert und in je größerem Maß man ihn benutzt,
desto mehr lernt man einsehen, daß dieses Werk nur
richtig begriffen wird von denen, die sich von der alten
Meinung trennen, — ein Lexikon Fet eigentlich zum Auf—
uchen ausgefallener Wissenseinzelheiten, von Fremdwör—
ern usw. da. Man muß einsehen, daß mit dem „Großen
herder“ ein neuer Weg in der Lexikographie begangen
wvird, den zu beschreiten der Leser aufgefordert ist: es
entsteht hier ein Lexikon der Lebensführung und der Lebens—
praxis! Nur wer diese Eigenart sieht und sich zunutze
nacht, hat die richtige Antwort auf die Frage bereit, ob
‚man“ überhaupt ein Lexikon braucht; der weiß, daß jedes
gute Großlexikon als Nachschlagewerk für das bloße Sach—
vwissen genügende Dienste tut, daß aber einzig dieser „Große
Herder“ mehr als Auskunft, nämlich ein Weltbild in
Einzelschilderungen gibt, zugleich auch ein Ratgeber in
der Lebenspraxis ist. In einem Ausdruck: Mit dem
„Großen Herder“ ist das alte „ßFonversations—
bexikön“ aus der Rolle des passiven Aus—
kunftgebers in die Aufgabe der Lebensfüh—
rung durchs Lexikon hineingewachsen!
Daß dem wirklich so ist, beweist dieser neue Band auf
eder Seite und mit mehr als 1700 Spalten. In diesem
Band ist — sozusagen durch die Willkür des Alphabets —
eine solche Fülle des Schönen und Interessanten, wie sie
nicht jeder vorhergehende Band bieten konnte. Um nur
zin schwaches Abbild dieses Querschnitts durch Welt und
Leben von „Reue“ bis „Sipo“ zu geben, zählen wir doch
einige Beispiele auf:
Aus den Rahmenartikeln, die hier wie früher in den
Bezirken des Geistes und der Praxis gewissermaßen Leit—
inien ziehen, — „Rokoko“, ein abgerundetes Kultur—
geschichtsbild auf vier Spalten und zwei Tafeln (ein Vier—
arbendruck und sechs Schwarzbilder); „Romantik“, eine
ausgezeichnete Darstellung dieser tiefdeutschen und bis in
die Gegenwart wirkenden Geistesbewegung; „Röntgen—
strahlens; „Rundfunk“, ein sehr klarer Artikel über kul—
urelle Bedeutung und echnische Einrichtung, mit vielen
Bildern; „Säuglingspflege“, hier findet jede junge Frau
and Mutter „in der Nuß“ alles, was über dieses Thema
wichtig ist; „Schauspielkunst; „Schicksal““ „Scht und Schi⸗
lauf“, wiederum auf wenig Seiten alles Wichtige über
Regeln und Technik; „Scholastik“; „Schöpfertüum“; „Der
schöpferische Mensch““ „Schulkind“, allen Eltern ein vor—
trefflicher Führer; „Schwangerschaft“, gilt, was für Säug—
lingspflege gesagt wurdez „Schwimmen und Schwimm—
sport“. wie beim Schilauf: „Seele“: „Selbstbildung und
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Sängerzeitung
j1 Nr. 2
Selbsterziehung“, wahrlich der hier bezeichnendste Artikel
für die Art des „Großen Herder“, — män hätte früher
m Lexikon überhaupt diese Frage nicht erörtert gefunden,
sier ist sie klar und lebensmäßig brauchbar dem Benutzer
ntwickelt; „Siedlungswesen“, was auch sehr viele direkt
aingeht und ihnen weiterhilft. Aus den Buntbilder-Bei—
agen, den Tiefdruck-Tafeln usw. wollen wir zitieren:
„Rhein“, „Riemenschneider“, „Rinder“, „Rom“ (eine
wunderbare Darstellung mit entsprechendem Text, worin
der riesige Komplex bis ins letzte aufgerollt und lebens—
ooll gezeigt wird), „Romantik“, „Philipp Otto Runge“,
„Rußland“, „Sahara“, „Salzkammergut“, „Schmetter—
unge“, „Schnee“, „Schreibmaschine“ „Schweiz“, „Semme—
ing „Siebengebirge“, „Siebenjähriger Krieg“, „Sing—
oögel“.
Und nun ein Kaleidoskop von Stichwortbehandlungen,
uiur deshalb hierher gesetzt, damit der Leser einen Ein—
druck von dem Reichtum des Bandes und wiederum von
der Eigenart des „Großen Herder“ bekommt! Aus Lebens—
childerungen bedeutender Menschen: Fritz Reuter, Ludwig
RKichter, Rainer Maria Rilke, Auguste Rodin, der ältere
ind jüngere Roosevelt, Peter Rosegger, J. J. Rousseau,
Peter Paul Rubens, Rübezahl, Friedrich Rückert, die
dönige und Kaiser Rudolf, John Ruskin, Hans Sachs,
Bischof Sailer, Girolamo Savonarola, Richard von Schaukal,
Kuth Schaumann, Max Scheler, ßF. W. J. Schelling,
Friedrich Schiller, die Brüder Schlegel, General Schlieffen,
Arthur Schopenhauer, Franz Schubert, Robert Schumann,
Albert Schweitzer, Walter Scott, William Shakespeare.
veorg Bernard Shaw, Werner Siemens.
Dann: „Römische Kunst und Literatur“, „Rose“, „Ru—
dern“, „Rügen“, „Ruhr und Ruhrkampf“, „Rumänien“,
„Runen“, „Russen“ — eine tiefdringende Darstellung des
russischen Volkscharakters, der Wesenszüge des Russen—
rums, „Rüstung“, „San Franzisko“, „Saar“, „Sachsen“,
„Salz“, „Salzburg“, „Sanität“, „Schädel“, „Scharlach“,
Schießen“, „Schiffahrt“, „Schiffbau“, „Schlesien“, „Scho—
olade“, „Schrift“, „Schuh“, „Schweden“, „See“, „Segel—
liegen“, „Seide“, „Seligkeit“, „Serben“, „Siam“, „Si—
zirien“, „Siebenbürgen“, „Silber“.....
Wenn es sich nun um das Stichwort „Roman“ z. B
jandelt, so wird nicht allein eine Geschichte dieser Literatur—
pezies, sondern auch eine Wertung, gewissermaßen eine
Anleitung der systematischen Lektüre moderner Epik ge—
zoten; handelt es sich um das Stichwort „Rousseau“, so
vird nicht nur erzählt, wer Rousseau war und wie er
iuf seine Zeit mächtig wirkte, sondern auch eine Wertung,
ine geistesgeschichtliche Einordnung wird geboten; wenn
eine Stadt wie „Salzburg“ etwa geschildert ist, so nicht
illein geographisch, sondern im allerweitesten Sinn kultur—
ritisch; von „Schiller“ gibt der „Große Herder“, man
nöchte wohl sagen, die endgültige, großherzige und weit—
ichtige Wertung und Deutung von der Warte des tradi—
ionssicheren Christentums aus; nun und bei dem Stich—
vort „Samen“ etwa oder „Salz“ wird nicht allein natur—
vissenschaftlich alles Nötige berichtet, sondern auch im
rsten Fall gärtnerisch, im zweiten sozusagen „Hausfrau—
ich“ alles Brauchbare auseinandergesetzt. Das ist also
Bänd 10 des „Großen Herder!“ — Der zehnte Band
eines Lexikons, das eben zurecht kommt für eine Zeit, in
er die Forderung nach einem festen, gut fundierten Stand—
bunkt wieder gilt: der „Große Herder“ ist innerlich ein—
sjeitlich und erzieht zur Einheit. Der zehnte Band eines
dexikons auch, das eben zurecht kommt für die vielen Men—
schen, die aus Angst vor der Zahllosigkeit der Lebenserschei—
nüngen des Alltags sich allzu sehr spezialisieren“ — und
dabei unpraktisch werden: der „Große Herder“ ist ein Er—
zieher zur Kenntnis und Beherrschung der ganzen Lebens—
hraxis. Mag der neue Band nur Freunde werben!
*) Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen
und Leben. 4., völlig neubearbeitete Auflage von Herders
Konversationslexikon. 12 Bände und 1 Welt- und Wirt—
schaftsatlas. Lex.“8o Freiburg im Breisgau, Herder.
X. Band: Reue bis Spio. Mit vielen Bildern im
Text, 22 Rahmenartikeln und 17 Bildseiten. (VI S., 1728
Sp. Text und 122 Sp. Beilagen: 12 mehrfarbige Stadt—
»zw. Planbeilagen, 7 mehrfarbige Kunstdrucktafeln, 14
Schwarzdrucktafeln und 4 einfarbige Tiefdrucktafeln; zu—
sjammen 1892 Bilder) 1935. In Halbleder mit Kopffarb—
chnitt 34.590 M.; in Halbfranz mit Kopfgoldschnitt 38 M.
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