Full text : 15.1935/36, 1-6 (0015)

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dem Klang sicher zugute kommt. Trotzdem sind die meisten
Lhöre recht anspruchsvoll, sogar schwierig, was sie eher
ür den gerügten „Konzertbetrieb“ geeignet macht, denn
ür das Gemeinschaftssingen.
Der große Vorzug des Liederbuches ist es, daß es eine
zroße Reihe von bisher unerreichbaren Werken aus dem
16. und 17. Jahrhundert zum ersten Male erschließt, und
zwar von Originalwerken für Männerchor oder wenigstens
ür gleiche Stimmen. Allerdings werden diese im Frauen—
hor wesentlich besser klingen. Namhafte zeitgenössische
Meister sind dazu mit zum Teil sehr feinen Bearbeitungen
ertreten, so vor allem Hugo DSistler, einer der in
üngster Zeit viel genannten und aufgeführten Erneuerer
»er protestantischen Kirchenmusik, der einige treffliche Be—
arbeitungen („Sichres Teutschland“, „Es ift ein Ros' ent
prungen“ im Kanon zwischen 1. Tenor und 1. Baß),
owie das wundervolle „Abendlied eines Reisenden“ bei—
gesteuert hat, dann W. Hensel, der mit dem Satz des
Wilhelmusliedes aus seinem „Aufrecht Fähnlein“, dies—
nal mit einem neuen vaterländischen Text von Gneist, und
nit einer schönen Bearbeitung des Adventsliedes „O Hei—
and, reiß die Himmel auf“ vertreten ist. Ferner sind zu
iennen Gerh. Schwarz, Konrad Ameln und
Walter Rein.
Von alten Meistern nimmt Michael Praetorius
einen breiten Raum ein, vor allem mit einigen Choral—
zearbeitungen, z. B. „Vom Himmel hoch“. Zwei hübsche
Liedlein von Joh. Herm. Schein in einem leichten drei—
timmigen Satz Note gegen Note werden um ihres Wohl—
langes ebenso willkommen sein wie etwa Haßlers „Ach
zchatz, ich sing“ oder die Chöre von Lechner und Seufl.
die berühmte Innsbruckweise ist in zwei Bearbeitungen
uu finden, einmal in einem reizvollen kanonischen Satz
;on Meister Jfaak selbst, zum andern mit dem Text
„Nun ruhen alle Wälder“ in einer herrlichen Bearbeitung
on Leonhard Lechner. Zwei fünfstimmige Sätze, „Die
Zonn' kommt“ von Thomas Sporer und „Christ ist
rstanden“ von St. Mahu sind wahre Meisterwerke
eines kunstvollen, sich verschlingenden polyphonen Satzes.
Erwähnt seien noch die schmissige „Studentenmusik“ bon
J. Jeep, die Chöre von Zelter, Mich. Haydn
und Schumann.
Die alten Sätze sind meist nur mit Andeutung der
Taktstriche notiert, was eine Einstudierung zunächst außer—
ordentlich erschwert. Natürlich wird das Liederbüch ähn—
ich wie das Lobedasingebuch nicht der gesamten Arbeit
des Männerchors gerecht werden können, da es ausschließ—
ich alte Meister zu Wort kommen läßt. Und umgekehrt,
die Zeit, da unsere Männerchöre in der Musik des 16.
und 17. Jahrhunderts ihr Genüge finden, ist noch nich
gekommen. Dr. Ernst Stilz.

tünsten überladene Papiermusik. Einzelne Lieder intimeren
Tharakters sind ein- oder zweistimmig mit Instrumenten
Geige, Laute) gesetzt, eine Gattung, die für unsere Männer—
höre zunächst weniger geeignet erscheint, an der sie aber
nicht achtlos vorübergehen sollten. Gerade sie stellt ein
Musiziergut dar, das die Forderungen in der Richtung des
Bemeinschaftssingens, die man heute an die Männerchöre
stellt, zu erfüllen berufen scheint.
Ein paar der schönsten Sätze seien wahllos herausgerissen.
SZo: „Es ist ein Ros' entsprungen“, ein leichter polyphoöner
Satz, „Schönster Herr Jesu“, „Sichres Teutschland, schläfst
du noch“, eine harmoniegetreue Uebertragung des alten
Originalsatzes für gemischten Chor (1635), das „Nieder—
ändische Dankgebet“, „Freiheit, die ich meine“, ein 3stim—
niger Satz, der den Vergleich mit anderen, in unsern
Männerchören gebräulichen Bearbeitungen nicht zu scheuen
braucht, „Wilhelmus von Nassauen“ mit der neuen, von
W. Hensel vorgeschlagenen Textunterlegung des Schenken—
dorfschen Freiheitsliedes „Wenn alle untreun werden“ (Er—
neuter Schwur). So mißtrauisch man sonst ähnlichen Ver—
suchen gegenüberstehen muß, hier ist es ein glücklicher Ge—
danke. In dieser Textfassung ist das Wilhelmuslied bereits
zu weiter Verbreitung gelangt. Eine Reihe von Lands—
nechts- und Soldatenliedern werden besonders willkommen
ein.
2. Das Männerlied. Herausgegeben von
Walther Lipphardt, Bärenreiterverlag Kassel.
Das Liederbuch will „an einer Reformation des Volks—
gesangs aus der Wurzel unseres Volkstums mithelfen“.
Es soll „durch die Auswahl des Liedgutes die gemeinschaft—
iche und gesellige Grundform chorischen Musizierens wieder
herausstellen und einem flachen, selbstgenügsamen Konzert—
hetrieb entgegenwirken“. Offenbar wird damit jenem Ge—
meinschaftssingen“ das Wort geredet, das für eine heute so
„moderne“ Richtung ausschließlich Sinn und Ziel jeder
Chorarbeit sein will und, wie die Parole heiftt, aus dem
Männerchor die „Singende Mannschaft“ machen soll. Wir
sind weit davon entfernt, das Gemeinschaftssingen etwa
abzulehnen. Daß wir darum aber den „Konzertbetrieb“,
der, wie wir wohl behaupten dürfen, hierzulande durchaus
ticht „flach“ zu sein pflegt, aufgeben müßten, scheint uns
in der Forderung zu weit zu gehen. Wir sind sonst gegen
stompromisse, aber hier scheint doch der Rat, das eine
zu tun und das andere nicht zu lassen, der beste zu sein.
Auch dieses Liederbuch bevorzugt den dreistimmigen Satz
uand vermeidet vorsichtig eine allzugroße Belastung des
Stimmumfangs, namentlich in den oberen Stimmen. Viele
Thöre werden von unsern Vereinen, die oft über Tenöre
mit größerem Stimmumfang nach oben verfügen, getrost
etwas höher transponiert gesungen werden können, was

Aus der Musfsfikwelt.

Als Generalmusikdirektor wurde soeben Wilhelm Schleu⸗
ning nach Saarbrücken berufen. Er war früher 1. Kapell—
neifter an der Leipziger Oper, dann Operndirektor der
Ztädtischen Bühne Wuppertal
Geheimrat D. R. Rohrhurst, Heidelberg, beantwortete den
Blückwunsch des Saar-Sänger-Bundes: gu meinem 785.
Beburtstag habe ich so viele freundliche Glückwünsche und
Zeichen lieben Gedenkens erhalten, daß ich nicht, wie ich
zerne möchte, jedem Einzelnen dankend die Hand drücken
kann. Darum bitte ich alle, auf diesem Wege meinen
herzlichsten Dank entgegenzunehmen.
Die Bolksmusikarbeit im Deutschen Sängerbund? findet
hren Niederschlag in einer fortlaufenden Reihe von Lied—
blättern „Singendes Volk“, in der den Mitgliedsoereinen
des DSEB. neues, vornehmlich einstimmiges Liedgut für
Bemeinschaftssingen zur Verfügung gestellt' wird. Zwei neue
Liedblätter werden in den letzten Heften der Deutschen
Zängerbundeszeitung angezeigt und äals Beilage veröffent—
licht. Das eine Blatt enthält „Marschierlieder“, das andere
unter dem Titel „Volk uͤnd Arbeit“ Weisen, die für den
Nationalen Feiertag des deutschen Volkes“ am 1. Mai
and andere vaterländische Veranstaltungen bestimmt find—
Berade für das Singen am 1. Mai fehlte es bisher an
geeignetem Liedgut, das zum Singen für Alle Ver—

vendung finden kann. Die Tatsache, daß die neuen Lied
zlätter jeweils in der DSBZ. als Beilage erscheinen,
ermöglicht es, daß alle Chorleiteéer fich sogleich ohne Probe—
drucke anzufordern, über Inhalt und Brauchbarkeit der
Blätter orientieren können. Die Hefte der DESBZ. enthalten
iberdies eingehende Erläuterungen über den Inhalt der
diedblätter aus der Feder von Alfred Rosenthal—
deinzel. — Neben dem Gemeinschaftssingen kommt aber
ruch in der DSBZ. die mehrstimmige Chorliteratur nicht
zu kurz. So finden wir eine ausführliche Würdigung
der neuen Saarkantate von Hermann Erdlen und Be—
prechungen der jüngsten veröffentlichten unbegleiteten
Männerchorliteratur. Die Händelfeier in Halle, bei der
ruch die chorischen Werke des großen Meisters eine Rolle
pielten, wird einer ausführlichen Würdigung unterzogen,
vährend die großen Gaufeste des DSB. im kommenden
Zommer, die jetzt schon ihre Schatten vorauswerfen, in
hren Grundzügen erläutert werden. So wird z. B. eine
Vorschau des großen Festes in Wiesbaden im Juli
zegeben, das unter der musikalischen Leitung des bekannten
Frankfurter Chordirigenten Dr. Rudolf Werner steht. In
den Konzerten dieses Festes werden nahezu alle zeit—
genössischen Chorkomponisten von Rang uͤnd Bedeutung
bertreten sein. Der übrige Inhalt der wieder stark be—
zilderten Hefte erstreckt sich auf das rege Bundesleben
            
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