Nr. 6 Ilh
upuln Sängerzeitung shu
uvusph Seite 109
Am Pregel in Königsbera
phot. Binder
An der Steilküste bei Rauschen
vhot. Binder
Katzenserenade: Betz (Opernsänger) als Wolfram
macht selbst das Abendsternlied — halb Katzenserenade —
genießbar. (Truhn im „Berliner Figaro“,)
Lederstrumpf: Parsifal, in Musik gesetzter Leder—
strumpf. .. (Deutsche Musikerzeitung, Berlin.)
Misthaufen: Die schöne Musik umgibt den Tert
wie Blumen einen Misthaufen. (Walküre in London,)
Narr: Ein in allerdings genialem Anfluge rafend
gewordener Narr ist Wagner. (Dr. Kastan, Frankfurter
Zeitung.)
Ohrenschindend und herzzerbrechend nennt Lienau
(Echo) Wotans Abschied.
Peinigung: Nach zwei Stunden musikalischer Pei—
nigung. (H. Dorn — Lohengrin.)
Räuberkomune: Riesen und Zwerge eine höhere
Räuberkomune. (Gerliner Fremdenblatt.)
Schiffstaue: Dazu gehören Nerven von Schiffs
tauendicke. (KRKitt der Walküren.)
Tomgewinsel: . . ein frostiges, Sinn und Gemüt gleich
erkältendes Tongewinsel. (Lohengrin — Otto Gumprecht.)
Unzurechnungsfähig: Wagner, ein eitler, uün—
zurechnungsfähiger Schwärmer. (Gtto Friese.)
Vandale: Wagner, dieser Vandale der Kunst. Er
hat keine Idee von Form.
Viehmagd-Kavallerie: Bezeichnung sür die
Walküren. (Süddeutsche Presse.)
d W g elagerer: Königlich-bayrischer Wegelagerer. (H.
Dorn.
Zuchtha uusstrafe: Wagners Musik hören kommt
gleich nach der Zuchthausstrafe. (R. Wüst.)
Und wie läßt Wagner selbst seinen Sachs kritisch sprechen:
„Der Merker werde so bestellt,
daß weder Haß noch Lieben
das Urteil früben,
das er fällt.“
Erust Suter
Düsseldorf.
Die Entwicklung
des Männerchors.
Dit Februar-Nummer enthielt einen den Untertitel „Von
Michgel Haydn bis Hindemith“ tragenden Aussatz des
Wieners Othmar Wetchy, dessen Veröffentlichung schon des—
halb zu begrüßen ist, weil größere Arbeiten in unserem
Fachschrifttum in letzter Zeit nur selten zu finden gewesen
sind. Man darf die Veröffentlichung aber auch aus rein
sachlichen Gründen begrüßen, weil Wetchy das Thema von
einer besonderen Seite ansaßt und somit dazu beiträgt,
Ansatzpunkte für eine umfassende Erforschung und Dar—
stellung des ganzen Stoffgebietes, und zwar im Hinblick
auf die zeitlichen Parallelerscheinungen im allgemeinen
Musikleben zu bieten. Ob der D.S.B. sein 75jähriges Be—
stehen im Jahre 1937 zum Anulaß nehmen wird, eine
— ——
wäre es, eine neuträle Stelle unterzöge sich dieser Autf—
gabe (schon vor Jahren schien die „Deutsche Akademie“ in
München hierfür geeignet zu sein), denn sonst käme wieder
nur eine „Geschichte des D.S.B.“ zustande, womit unserem
Interesse kaum gedient wäre. Die vor einigen Jahren von
einem, inzwischen verstorbenen, lange Jahre sehr aktiv tätig
gewesenen und auf Sondergebieten zweifellos verdienst—
bollen Sängerführer aufgestellte Behauptung: „Der D.S. B.
hat den Männerchorgesang geschaffen“, wird sicher noch
von manchen Seiten geteilt werden, obgleich sie, wenn
sie wahr wäre, sich in vieler Hinsicht gegen den DSB. rich—
ten würde.
Daß Wetchys Auffassung und Darstellung stark „öster—
reichisch“ gefärbt ist, ift nicht weiter verwunderlich. Aehn—
liche, stark landschaftlich oder stammlich beeinflußte Auf—
fassungen sind nicht sellen und keineswegs nur bei Oester—
reichern zu spüren gewesen. Man hat sie sogar praktisch
angewandt bei Veranstaltungen, die mit der Pflege des
Heimatgedankens nichts zu kun hatten oder im Interesse
der Allgemeinheit nichts hätten zu tun haben dürfen. Die
Auffassung Wetchns paßkt übrigens in das Stimmungsbild
das augenblicklich in Oesterreich vielleicht allgemeiner zu
herrschen scheint. So hat Viktor Keldorser in der Februar—
März—eNummer der Sängerzeitung des Ostmärkischen Sän—
zgerbundes unter dem Titel „Wohin steuert der D.S. B.?“
zegen die nahezu vollständige Ausmerzung von österrei—
hischen Autoren aus dem Liederbuch des D.S. B. Front ge—
nacht (der Aufsatz hat durch Nachdruck in der Berliner
„Tonkunst“ auch Eingang in das reichsdeutsche Fachschrift—
um gefunden). Völlig verschwinden aus der Gedankenwelt
vird sicher das nie, was früher als Partikularismus be—
zeichnet worden ist, und wosfür über kurz oder lang nur
eine andere Bezeichnung gefunden werden wird. Bei der
Riesenfülle des Gesamtwerkbestandes der Männerchorlite—
ratur wird es nie dahin kommen können, daß irgendwo
hevorzugte Tonschöpfer überall die gleiche Wertschätzung
ind, was viel wichtiger ist, die gleiche Berücksichtigung
inden werden. Der Auswahlband des Liederbuches des
D.S. B. steht hier nicht zur Erörterung, aber es darf gleich—
vohl gesagt werden, daß mit den österreichischen Ton—
schöpfern das gleiche Schicksal auch viele reichsdeutsche haben
eilen müssen, die nicht minder klangvolle Chöre geschrieben
»aben, und zu ihrer Zeit, sprechen wir es ruhig einmal
aus, ebenfalls Halbgötter gewesen sind. Am 31. März
haben wir des 50. Todestages von Franz Abt dankbar
zu gedenken, berechtigten Anlaß gehabt. Wer schon vor
30, 40. 50 Jahren gesungen hat, wird sich erinnern, daß
er damals Abt-Chöre mit der gleichen Freudigkeit gesun—
gen hat wie Chöre der Wiener Schule. Man braucht wirk—
lich nicht bloßer Fatalist zu sein und wird doch anerken—
nen müssen, daß die Zeiten andere dgeworden sind, und
wir mit ihnen.
Erörterungen über den Wert oder Unwert, über die Be—
zorzugung oder Uebergehung, nicht einmal bestimmter Stil—
richtungen, sondern einzelner Tonschöpfer, sind übrigens für
eden mit dem Stoffgebiet einigermaßen vertrauten Sän—