Nenersfscheinungen.
Iuppu Seite 91
Verlag Kistner E Siegel, Leipzig.
Wilhelm Jung. „Stille Nacht“. Ein sehr brauchbarer,
schlichter Satz für vierstimmigen Männerchor.
Rudolf Müller. Drei Soldatenlieder für dreistimm.
Männerchor, Piccoloflöte und kleine Trommel. („Es
reiten itzt die ungrischen Husaren“, „Wenns die Sol—
daten“, „Wenn wir marschieren“.)
Drei hübsche, durchsichtige Sätze. Sehr sangbar in
den einzelnen Stimmen und vor allem sehr leicht.
Jon Leifs Z38sländische Weisen op. 154a.
Meereslieder op. 15b.
Isländische Singtänze op. 174.
Ausschließlich Bearbeitungen altisländischer Melodien in
der alten Art des Quintenorganums (die einzelnen Stimmen
meist in parallelen Quinten), der Jon Leifs nicht viel
eigenes hinzuzufügen braucht. Manche dieser Chöre zeigen
die nicht weniger alte Art der Dudelsackbegleitung. Sie
sind für den Musikwissenschaftler sehr interessant, stehen
aber unserm Empfinden in ihrer primitiven, einförmigen
Art zu fern. Ebenso gut könnte man Weisen der Inder
oder anderer Exoten herausgeben. Allenfalls die abwech—
selungsreicheren Singtänze könnten einem fachlich geschulten
Publikum vorgesetzt werden.
Verlag Heinrichshofen, Magdeburg.
Helmut Reinisch. Drei nationale Männerchöre.
Zur volkstümlichen Melodik mag die mit gewollten har—
monischen Härten gespickte Begleitung (etwa in dem Chor
„Das Hakeukreuz“ bei „Schicksalsstunde“ oder bei „Zeichen
schart“) nicht passen. Verschiedene unnötige Quintenparal—
lelen im Chor „Deutschland, wir glauben an dich“, dazu
nicht frei von Banalitäten. Im ganzen zu unausgeglichen,
um empfohlen werden zu können.
Verlag Tonger, Köln.
Richard Trunk „Feier der neuen Front“ op. 63.
(Ein Zyklus von 4 Chören für Männerchor nach
Gedichten von B. v. Schirach.
J. Gatter. „Es wollt' ein Mägdlein tanzen gehn“. Für
dreist. Männerchor, Sopransolo und Horn.
J. Gatter. Zwei Wanderlieder für vierst. Männerchor.
Heinrich Kaspar Schmid. Wanderlied.
Karl Kämpf. „Stiller Abend“.
Bruno Stürmer. „Ein deutsches Lied“.
Der Preis gebührt Richard Trunks großem Zyklus
Im Ausdruck und Charakter, wie auch im Stil sehr ver—
schiedenartige Chöre. Der schwierigste, aber eigenartigste,
in dem Richard Trunk über sich hinauswächst, der 1. Chor
„Hitler“, zweichbrig angelegt im Wechselgesang von star!
zu besetzenden Bariton und vierstimmigem Chor. Sehr fes—
sfelnd in der harmonischen Struktur. Schlicht volkstümlich
Nr. 2 „Des Führers Wächter“. Sehr — vielleicht zu weich,
dem Männerchor aber auf den Leib geschrieben, Nr. 3 ,0
vand“. Charakteristisch Nr. 4 „Horst Wessel“; allerdings
nuß man über eine weichliche, beinahe banale Stelle („Allen
hist du verwandt“) hinwegsehen. Dieser Chor klingt nach
ꝛinem marschartigen, fein gesteigerten Teil aus in einen
Anklang an das Horst-Wessel-Lied. Alle Chöre zeigen den
coutinierten Männerchorpraktiker, den raffinierten Textaus—
deuter, der manchmal allerdings zugunsten des „Maleri—
schen“ in instrumental gedachte Partien verfällt. Im gan
zen Chöre, die einschlagen müssen.
Bei den Chören von Kämpf und Schmid versteht
nan nicht recht, warum neben dem deutschen lateinischer
Text benutzt wurde. Dabei richten sich die Komponisten
rach der Akzentuierung des deutschen Textes, die häufig
der des lateinischen zuwiderläuft. „Ein deutsches Lied“
»on Stürmer scheint mir kein echter Stürmer. Es ist
aber volkstümlich und sicher wirkungsvoll. Die Lieder von
Batter sind bei geschickter Satztechnik (Kanon) etwas
rockene Polyphonie. Das beste „Es wollt ein Mägadlein
tanzen gehn“ mit Sopran und Horn.
Verlag Eulenburg.
Paul Graener. „Marienkantate“ op. 99. Für 4 Solo—
stimmen, gemischten Chor und Orchester.
Ein farbiges, großes Werk, das eine eingehende Be—
sprechung verdienle. Leistungsfähigen gemischten Chören,
die ja an ähnlichen Werken keine große Auswahl haben.
ist das romantische Werk mit seiner durchaus noblen Hal—
tung sehr zu empfehlen.
Zwei Sammlungen.
Kleines Lobedasingebuch für Männerchor
Hanseatische Verlagsanstalt).
Eine sehr notwendig gewordene Auswahl aus den beiden
rühmlichst bekannten Bänden, die finanziell nicht leistungs—
fähigen Vereinen willkommen sein wird. Die Zusammen—
stellung bringt Sätze für alle Gelegenheiten jeder Gattung.
Es fraägt sich allerdings, ob sich nicht eine Aufteilung
der beiden Bände in Einzellieferungen geordnet 8
Gattungen in der Zukunft überhaupt als zweckmäßkig er—
weisen wird.
„Die Fahne hoch“, vaterländische Gesänge aus alter
und neuer Zeit für drei gleiche Stimmen, heraus
gegeben vvon Bruno Leipold. Verlag Hochstein.
Eine sehr ungleiche Sammlung, die mir für Männerchor
deshalb ungeeignet erscheint, als sie eine große Anzahl
Bearbeitungen von im gleichen Verlag bereits erschienenen
Astimmigen Männerchören enthält. Die übrigen Sätze schlicht
dreistimmig, auch im polyphonen Satz.
Dr. Ernst Stilz.
Waldbegegnung.
Kommt es mir schon enkgegen
Auf taubestäubken Wegen,
Von Vuchen —WValdackinen überdacht?
Klingk durch der Speckte Wufen
Des Einkorns weiches Hufen
Nuf Moosesteyppich weich und sackt?
Hchau, wie die Wunder fropfen!
Hie senken sich ins Klopfen
Des Herzens, das in Andacht stehtk!
Mick überströmf's wie Segnung
Bei dieser Waldbegegnung, —
Vin ich ein Blatt, aus Golkes Wald verwehl?
Walftker Steite
Nun steigk der Tag in Sonnen,
Von Seiden übersponnen,
Die blau wie Wogen sind.
Smaragden schimmern die HGökren,
Durck die es von schläfrigen Wöen
Wie zaubrige Quellen xinnk.
In morgenfrülrem Blinken
Weckt mick der Hcklag der Finken
Zu neuem Woanderkritt.
Nock mag der Juß nicht steigen
In dieses liefe Schweigen,
Durck das zur Nackt das Märchen schrill.