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München ein Referat, in dem er ein Singtreffen schildert,
bei dem Walter Hensel die Kritik hatte. „Es waren viel—
leicht dreißig kleine Chorgruppen auf der weiten grünen
Matte unter einer gewaltigen Eiche im Kreis versammelt.
Manche sangen bescheiden einstimmig frische Soldatenlieder
alter und neuer Zeit (die ewigen vier Stimmen des roman—
tischen Männerchores sind wirklich keine ewige Notwendig—
keit und einzige Möglichkeit, sie töten mit ihren Füll—
stimmen den Sinn für die melodische Linie weit eher, als
daß sie ihn weckten und erzögen); andere sangen lustige
Kanons. Es war eine urdeutsche, volkshafte herbfröhliche
Sache ohne dummen Sportehrgeiz, blasses Aesthetentum
oder platte Vereinsmeierei — getragen von der Idee des
möglichst guten Liedes ...“
Dabei sind auch schon die Formen aufgezählt, deren
sich die Jugendbewegung bedient: einstimmige Volks—
tbieder, d. h. ungekünstelt, unverdorben. Wir kennen alle
den bekenntnishaffen Wert des einstimmigen Liedes aus
allen großen Zeiten, von der Reformation bis zum Welt—
krieg und zum nationalen Umschwung. Allerdings: wir
haben hier ein Singen des Sich-selbst-Gebens, des in sich
abgeschlossenen Kreises, das liegt in der Art des Singens,
wie es oben geschildert ist. Dann haben wir den Kanon
meist in seiner einfachsten Form, dem Einklangskanon mit
beliebiger Wiederholung. „Die Magie des Kanons schafft
sene Einheit im Vielfältigen, jenes Spannungsverhältnis
zwischen Zentripetalem und Zentrifugalem, das aus Indi
bviduen einen Organismus, aus einer Gesellschaft die Har—
monie von Persönlichkeiten schafft“ (Moser). Der Kanon
ist somit keine Kunstform des repräsentativen Vortrages
Er ist nur denkbar im geschlossenen Kreis, er ist nicht da,
gehört, sondern gesungen zu werden. (Damit sei beileibe
keine Begrenzung dieses Kreises gegeben; es können 10
und 1000 gleicherweise am Singen bdeteiligt sein. Wichtig
ist lediglich die Gemeinschaftsidee). Er gehört also auch in
den Chorverein dahin, wo wir die Arbeit nach innen, nach
der erzieherischen Seite des einzelnen Mitmenschen sehen.
Dann kam als dritte Form für das Jugendsingen in
Frage die Besetzung mit gleichen Stimmen und
das Musizieren mit freistehender Besetzung, in—
strumental oder vokal. Das möchten wir als eine zwangs—
läufig notwendig gewordene Gepflogenheit ansehen, weil
innerhalb der Judendverbände eine feststehende Besekune
Alh Saar-Sänger-Bund Ie77*
nach Klanggattungen nicht immer möglich ist. Doch dürfte
diese Seite für ein künftiges Musizieren im Chorverein
nicht von der Hand zu weisen sein; denn Tenoöreitelkeit,
die bekanntlich durch die Vierstimmigkeit stark gezüchtet
vurde, hat, nie etwas anderes, als Störungen zur Folge
gehabt. (Das jedoch ist mehr eine äußere Angelegenheit.'
Wie wir vorhin sahen, ist also der Männerchor mitten
n der Gestaltung vaterländischer geschichtlicher Ereignisse
tehend. Er ist aktuell und muß es sein. Die Jugendsing
zewegung hat sich die Wirkung in den kleinen Kreis er—
vählt, das ihr wesenseigen ist. Dazu möchten wir auch das
sdurrendesingen der Hitlerjugend rechnen, das
in Anlehnung an einen alten schönen Brauch in verschie—
denen Gegenden unseres Vaterlandes wieder eingerichtel
vurde. Damit wirkt, die Jugendorganisation entsprechend
hrer künstlerischen und geschichtlichen Provenienz nicht in
die Breite, sondern in die Tiefe. Und auch das gehört zu
der Zweckbestimmung des Jugendsingens. Hier wird das
einstimmige, vielleicht auch mehrstimmig-kanonisch gesetzte
bolkslied gepflegt, das geistliche Volkslied siteht im
Vordergrund. Es wird vor hohen nationalen und auch
irchlichen Festen gesungen. Und es unterscheidet sich wesent—
ich von dem alten Kurrendesingen. Damals sang ein kleiner,
riicht einmal aus der engeren Heimat hervorgegangener
Zchüler auf der Straße um Geld. Heute ist es die ge—
amte Jugend, die das Lied in ihr Elternhaus hinein—
rägt. Und auch nicht nur für eine Schicht Begüterter
vird gesungen; allen gilt das Lied gleichermaßen. Das
Zingen soll der Vertiefung des Gedankens der
Volksgemeinschaft gelten. Und damit ist ein gan—
neuartiger Sinn dem alten Brauch unterlegt.
Alles Singen hat Dienst am Volk zu sein. Aus
dem Gedanken an diesen Dienst heraus lesen wir die großen
Aufgaben: Wiederspiegelung des großen Gesamtgeschehens
in der Nation im Wesen und Geist der Männergesang—
bewegung. Hineintragen dieses Geistes in den kleinen Kreis,
in Haus, Familie, in den Freundschaftébund durch die
Jugendmusik. Beide berühren sich, wie auch schon gesagt
worden ist. Aber es stehen immerhin zwei große Komplere
nebeneinander; nicht gegeneinander, wie es lange Zeit schien:
heide im Gedanken des Dienstes an der Allgemeinheit
Dr. Walter Leib.
Da nun durchaus keine Ursache mehr vorlag, den Rotten—
teinern den Ausgang zu wehren, zogen sich die Musikanten
halb zufrieden, halb verdrießlich zurück, und die Aufge—
regten stürmten ins Freie.
„Geholfen hat's haält nicht viel!“ meinte Hanshenner
und kraute sich unter der Pelzmütze, „na! der Schülzle
veiß, was ihm bevorsteht, er soll seine Haut eben beizeiten
ichern!“
Hernien wir ihm nicht beispringen?“ fragte der Eckenpeter
„Daß das ganze Dorf rebellisch wird?“ fragte Hans—
zenner dagegen, „nichts da! Draußen soll er sich selber
zurchhelfen; ist übrig genug, wenn wir im Wirtshaus zu
einem Rückhalt beisammen bleiben!“
„Hast recht!“ sagte auch der Zimmerdick, „der Wildfang
hat uns schon Sorge genug gemacht! — Hör', Hanshenner,
konntest du es über das Herz bringen, deinen Baß in solche
Befahr zu bringen?“
„He, mit einem gewöhnlichen Baß. hätt' ich's auch nicht
riskiert!“ lachte Hanshenner und betrachtete bewundernd
das Instrument, „da, seht selber, nicht ein Sprüngle oder
Rißle hat er davongetragen. — Ja, ich hab' ihn aber auch
verwahrt — Heiden nochmal! Zwei armdicke Eichenprügel
habe ich inwendig der Länge nach eingezapft, der andern
Sperrhölzer und Widerlager gar nicht zu denken. Allein
für sechs Kreuzer an Nägeln habe ich daran verklopft!
Buckt ihr? Ja, das ist ein Baß! 8wei dürfen sich darauf
setzen, und er bricht nicht durch!“
„Donnerwetter! Darum also klappert, rasselt und schnarrt
der Kasten gar so schändlich!“ rief der Zimmerdick. Und
der Wasserfuchs sagte bedächtig: „Ja, wenn das vorliegt,
dann hast du freilich recht! Solchen Baß wird man nickt
wieder finden Land auf und Land ab!“
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Glücklich es Unglück. Von Heinrich Schaumberger.
Fortsetzung.)
Natürlich eilten auf diesen jammervollen Hilferuf die
Musikanten einmütig herbei, das gefährdete Instrument zu
retten. Schon nach wenigen Sekunden waren die Rotten—
steiner vollständig von der Tür abgedrängt. Nun folgte ein
großer Krawall. Der Wirt jammerte laut um seinen Ofen
der bei einem Kampf in ärgste Gefahr geriet. Zu Tätlich—
keiten kam es nicht. Einmal fehlte den Rottensteinern der
Schmiedspitter, der den Eckenpeter im Schach gehalten hätte,
dann gebot auch Martin mit so mächtig hallender Stimme
Ruhe, daß nach kurzem Getümmel die Gegner schnaubend
auseinander wichen. Natürlich hielten die Musikanten die
Türe besetzt.
M Idtit ihr Bergheimer den Ausgang freigeben?“ fragte
Martin.
„Nicht eher, bis ihr unsern Baß bezahlt, den ihr ruiniert
habt!“ schrͤen die Musikanten grimmig.
„Ich will nicht fragen, ob der Hanshenner den alten
Kafsten uns nicht absichtlich zwischen die Beine warf,“ sagte
Martin finster, „laßt ihn reparieren, ich will's bezahlen.
was es auch kostet!“
Diese unerwartete Großmut brachte die Musikanten
sichtbar in Verlegenheit. Endlich schrie Hanshenner: „Was
da, Reparatur, das besorg' ich selber! Bezahl' eine Zecho
Bier, so soll's gut sein!“
„Schenk' ein, Wirt!“ schrie Martin, dessen Stirn und
Schläfé sich röteten, „schenk' ein, was sie trinken, ich be—
zahl's! — Wollt ihr jetzt die Tür freigeben?“
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