Full text : 14.1934/35 (0014)

Seite 70 IIIi
herausgegebenen Zeitschrift „Die Musikpflege“ zuteil
werden ließ: „Die Vertonung wird der prachtvollen
Dichtung voll gerecht. Mit einem rezitativartigen
Unisono-Aufgesang beginnt das Werk: Höre Dein Volk!
Der langsame erste Satz ist eine ergreifende Klage über
die Zwietracht und entwickelt sich zu einem kraftvollen
Mahnruf zur „Einigkeit“. Durch den herben zweiten
Satz geht ein Aufbäumen gegen die Ungerechtigkeit und
ein machtvolles Fordern nach dem „Recht“. Der letzte
Satz wird zu einem glaubensvollen Gebet, aus dem in
machtvollen Tönen die Zuversicht erwächst: Er macht
uns frei! Das Ganze ist ein großer Wurf und eine
dankbare — wenn auch nicht ganz leichte — Aufgabe
für einen guten Chor. Wir haben es uns zur Pflicht
gemacht, mit unsern Mitteln an den nationalen Auf—
gaben treu mitzuarbeiten. Das Einhämmern des
Wortes „Deutsch ist, deutsch bleibt die Saar!“ in alle
deutsche Herzen ist so eine Aufgabe. Hier ist das ge—
gebene Werkzeug dafür. Greift zu!“
Im Herbst 1933 wurde Bruno Stürmer zum. Chor—
meister des Grfurter Männer-Gesangvereins
berufen. In den „Monatlichen Mitteilungen“ des Vereins
widmete ihm Kurt Menzel einen Aufsatz, der auch
für unsere Leser von starkem Interesse ist. Da heißt es:
„Bruno Stürmer, der Nachfolger von Professor Wilh.
Rinkens, ist kein Unbekannter. Bereits im Zahre 1929
veranstaltete der EMGV. unter Mitwirkung der be—
kannten Konzert- und Oratoriensängerin Maria Toll,
Berlin, einen Stürmer-Abend. Auf dem Sängerbundes—
fest in Frankfurt erregte „Die Messe des Maschinen—
menschen“ Aufsehen, und zahlreich sind die Werke, die
Bruno Stürmer dem deutschen Männerchor geschenkt
hat. Die Vertonung des Goethe-Textes „Ueber allen
Gipfeln ist Ruh“ hat wohl die weiteste Verbreitung ge—
funden. Bruno Stürmer ist ein deutscher Musiker, in
seinen Adern fließt alemannisches Blut. Im Breisgau
wurde er 1892 geboren. Auf dem Gymnasium zu
Karlsruhe bestand er 1910 das Abitur und studierte
nun in Heidelberg und München je 4 Semester Musik
wissenschaft, Philosophie, Literatur- und Kunstgeschichte.
Das Konservatorium zu Karlsruhe vermittelte seine
Ausbildung im Klavier- und Cellospiel. Von 1914 bis
1919 war Stürmer Soldat und nahm am Weltkrieg
teil. 1915 wurde er schwer verwundet; jedoch mußte
er bis Kriegsende den Waffenrock tragen. Mit dem
Kampf ums tägliche Brot begann nun ein wildbewegtes
Leben. Stürmer sollte seinen Namen in der Tat tragen.
Als Theaterkapellmeister war er in Karlsruhe, München,
Heidelberg, Remscheid und Essen tätig. Daneben leitete
er Chöre in Karlsruhe, Heidelberg und Duisburg. Als
Musikschriftsteller gab er von 1919— 1920 eine eigne
Zeitschrift heraus, daneben war er Mitarbeiter aller
bedeutenden Fachzeitschriften. Auch sehen wir ihn als
Kritiker in den Konzertsälen zu Freiburg, Karlsruhe
und Heidelberg. Große Erfolge errang er als Pianist
in Köln, Berlin, Dresden, ebenso als Kammermusik—
spieler mit einem eigenen Trio. — Hatte sich Stürmer
schon sein Studium im Kabarett als Pianist verdient,
so spielte ihm die Inflationszeit noch schlimmer mit. 24.
Im Kino und Kaffeehaus (zu Lörrach, Konstanz, 25.
München, Zürich) erwarb er sich das tägliche Brot. 236.
1926 gründete er in Homberg am Niederrhein mit
städtischer Unterstützung eine Musikschule, vor allem 27.
unterrichtete er im Klavierspiel und in Komposition. 28
Seit 1931 ist Bruno Stürmer in Kassel ansässig und

nh ll Saar⸗Säuger⸗Bund II
als Komponist, Chorleiter und Pianist tätig. Unter
seiner Leitung stehen u. a. der Düsseldorfer Lehrer—
gesangverein und der Zulauf'sche Madrigalchor, Kassel.
Ferner ist Stürmer als Bundeschormeister der deutschen
Eisenbahngesangvereine tätig. Nun ist auch unser
FEMGV. seiner Stabführung anvertraut. Möge die
Zeit unserer Zusammenarbeit eine recht lange und
gesegnete sein!“

aunss Nr. «

Berzeichnis der Werke von Bruno Stürmer.
Verleger: E — Eulenburg, Leipzig; DSB — Deutscher
Sängerbund; I — Hug & Co., Leipzig; Hst — Hochstein,
Heidelberg; SV. — Süddeutscher Musikverlag, Karlsruhe;
RhdI — Rheinischer Musikverlag, Essen; Sen — B. Schott's
Zöhne, Mainz; T — J. P. Tonger, Köln; V — Vieweg,
Berlin. Die lLlaufenden Nummern sind die Opus—
zahlen. M-Ch. — Männerchor.)
Vom Tode, Z8Syklus für M-Ch. Sch. a) Der Feind
(Brentano); b) Der Tod (Claudius); (6) Grobschrift
Fontane); d) Chor der Toten (C. F. Meyer).
Zwei Kampflieder für M-Ch. ssch. a) Lied des
Trotzes (Hartleben); b) Lied der Bauern GReder).
Von fahrenden Leuten für M-Ch. Sch. a) Lied
der fahrenden Schüler (Scheffel); b) Bergstimme (Heine);
Die zierliche Geige, Variationen (Falke).
Meeresstille und glückliche Fahrt Goethe)
für achtstimm. M-Ch. Sch.
Drei Gesänge für vierstimm. Frauenchor mit
Sopransolo. Sch. a) Japanisches Mädchenlied (E.
Stürmer); b) Elfensang (Goethe); c) Maiandacht (E
v. Bodmann).
n g, ein Zyklus für sechsstimm. Fr-Ch. (E. Stürmer)
NC.
Der Zug des Todes, Ballade für achtstimm. gem.
IIyr mit vier Pauken, Becken und Tam-Tam Geidel)
ch.
Daes Jahr (E. Stürmer), ein Zyklus für gem. Chor
cn.
Suite für neun Soloinstrumente. Sch.
Landschaften (E. Stürmer), ein Zyklus für M-Ch.
Sch., noch nicht erschienen.
Erlösungen (E. Stürmer), ein Zyklus für Alt
und Streichquartett. Sch.
Drei Gesänge für Alt, Flöte und Klavier. 8Ich
Fünf kleine Klavierstücke (unstwart).
Sonate für Violine und Klavier.
Streichquartett.
Zwei Solo-Sonaten a) für Violine, b) für
Violoncello.
Der alte Müller (Chamisso), Ballade für gem—
Chor, Bariton und Orchester.
Musikt zu dem Schauspiel „Cuno, der
Broße, Beständige Diener“ von Alfons Paquet
(Altsolo, gem. Chor, Kinderchor, Sprechchöre und
Orchester).
19. Erstes Trio für Klavier, Violine und Cello.
20. An Gott, Zyklus für gem. Chor nach Worten von
Kurt Heynicke.
21. Ernste Musik für Violine und Cello.
22. Musik zu dem Märchen „Das tapfere
Schneiderlein von Römer.
23. Lieder für eine Solostimme und Klavier: 1. Ver—
schwebende Laute, 2. Verlassenheit, 3. Reine Nacht
Texte von Leo Sternberg), 4. Nordostwind (Löns),
5. Das Märchen von der Wolke, 6. Irgendwo muß es
Paläste geben (Texte von R. M. Rilke), 7. Die Ge—
trennten, 8. Erste Hoffnung, 9. Dann (Texte von R
Dehmel), 10. Und wenn du in die Fremde gehst
(H. H. Ehrler).
Tanzsuite für Kammerorchester. Sch.
Zeitgeschichte, 3 Tänze für Kammerorchester. Sch
Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und
Fagott.
Indroduktion, Scherzo und Fuge für
Klavier, Violine und Cello (zweites Klaviertrio).
Motette für Altsolo, M-Ch. und Orchester (Der
Mensch leht und hesteht — von Glaudius)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.