AUPPh Saar⸗Sänger-Bund Ifu Ann Seite 51
Staate behandelt werden kann, ja, daß ein Dichter, der terischen Sendung dient und dadurch in höherem Sinne
sich — wie in diesem Stück — in besonderer Weise der auch der Gemeinschaftsidee
Armen und Bedrückten annimmt — auch dann noch Die Kunst, die der nationalsozialistische
die Achtung des nationalsozialistischen Staates verdient, Staat will, ist eine freie Kunst und keine
wenn sein Werk im dramatisch-künstlerischen Sinne nich von erhobenem Zeigefinger begleitete
restlos gelungen sein sollte. oder in alle möglichen engen Normenge—
Die Gegenwartsaufgaben des Dichters bestehen nicht, preßte. So entschieden ich auf dem Ge—
wie Ihr Kritiker meint, darin, daß jeder Dichter nun biete der Kunst alle Moralschnüffelei ab—
nur der Gemeinschaftsidee (äußerlich) dienende Dramen lehneso entschieden weise ich jede pedan—
schreibt, was eine entsetzliche Uniformierung der Dra- tische Bevormundung der deutschen Dichter
matik zur Folge haben müßte, sondern daß jeder Dichte in bezug auf ihre Stoffwahl zurück.
in möglichst reicher Vielseitigkeit und Fülle seiner dich— Dr. Joseph Goebbels.
G die krilische Ueb lichkei
egen die kribische Ueberschwenglichkeit.
Als die Tonfilme aufkamen, genügte es nicht, diesen
SBoder jenen Film schlechthin als „Tonfilm“ zu be—
zeichnen. Nein, es mußte schon ein „hundertprozentiger“
Tonfilm sein, wenn er Aussicht auf Erfolg haben wollte.
Wenn ein neues Thegterstück aus der Taufe gehoben
wird, so ist das kleine Wörtchen „Uraufführung“ viel zu
unbedeutend, viel zu nichtssagend. Erst begann man das
unsinnige Wort „Deutsche Uraufführung“ zu prägen, als
ob ein Werk mehrere Uraufführungen erleben könnte. Die
höchste Steigerungsform erzielte man aber mit dem Be—
griff „Welt-Uraufführung“. Das ist der absolute Gipfel—
punkt aller möglichen und unmöglichen Uraufführungen.
Mit diesem Prädikat müssen wir uns solange begnügen,
bis die Astronomie ein künstlerisches Leben auf dem Pla—
neten Venus oder auf dem Mars entdeckt hat. Dann wird
man nicht zögern, die Reklamewirkung einer Uraufführung
durch den Zusatz „Universum“ oder „Kosmos-Uraufführung“
zu steigern.
Größer aber ist die Gefahr der Uebersteigerung des
Ausdrucks auf einem anderen geistigen Gebiet: in der
musikalischen Kritik. Hier wird mitunter ein geradezu
hemmungsloser Gebrauch von Superlativen gemacht. Ge—
wiß soll die Kritik in der Kunst aufbauend, fördernd sein.
Sie soll aber nicht zu einer mehr oder minder verantwor—
tungslosen Verhimmelung einzelner Persönlichkeiten, ein—
zelner Namen führen. Zumal wenn dies vielleicht aui
Kosten minder berühmter, aber darum nicht minder tüch
tiger anderer Musiker geschieht. Ein währhaft soziales
Herzensempfinden muß auch den Kritiker von heute be
seelen. Jene „Kritik des Herzens“, die Reichsdramaturg
Dr. Rainer Schlösser vor einiger Zeit im „Völkischen Be—
obachter“ als den „richtigen Weg“ bezeichnete, um „fort—
Nr. 3 UIIhhie
zukommen von jenen bequemen, überschwenglichen Hymnen
auf einige wenige Prominente, die auf Kosften aller sonst
Mitwirkenden abgestimmt zu werden pflegen“.
Eine Kritik, die nur anerkennt, die Vorzüge eines
Rünstlers nur in den leuchtendsten Farben ausmalt, die
nur von Meister- und Musterleistungen in gleichmäßiger
Wiederholung derselben Dithyramben spricht, entbehrt der
naötigen sachlichen Grundlage und erweckt den Verdacht, als
sei sie in ihrer Tendenz vielleicht schon vor dem Beginn
des Konzertes festgelegt. Es hat noch niemals spoviele
„Meister“ der Musik gegeben wie heute. „Meisterdirigent“
und „Meisterkomponist“ reichen sich die Hände. Vielleicht
mpfiehlt sich demnächst die Einführung eines „Weltmeister“
Begriffes und — wenn das noch nicht ausreichen sollte —
die Ernennung zum „Hundertprozentigen Weltmeister“?!
Und die Wirkung derart „hundertprozentiger“ Kritiken
auf den Künstler?
Wenn der Musiker wirklich so „gläubig“ ist, um derartige
Lobeshymnen als eine Selbstverständlichkeit des pflichtschul—
digen Kritikers anzunehmen, so tragen derartige dichte—
rische Ergüsse des Kritikers dazu bei, ein neues „Star—
System“ heranzuzüchten, das wir eben erst überwunden
zu haben glaubten. Der Künstler, dem jahraus, jahrein
dieselben Ueberschwenglichkeiten gewidmet werden, der sie
schließlich als das selbstverständliche Echo seiner künstle—
rischen Tätigkeit zu betrachten gewöhnt ist, vermag wohl
nicht immer den Gefahren zu entgehen, die ihm selbst aus
ziner allmählichen Einschläferung seiner Selbstkritik erwachsen
Darum: Mehr kritisieren — weniger beweihräuchern!
Es gibt auf dem Gebiete der Kunst keine hundertpro—
zentigen Weltmeisterleistungen, sondern nur gute und
schlechte Künstler. Dr. Fritz Stege.
n der Erzi d blik
Lon der Erziehung des Publikums.
Irgendwo in einer kleinen pommerschen Stadt gibt die
Stahlhelmkapelle ein Konzert. Auf dem Programm
steht ein großes „Schlachtgemälde“. Die übliche Salonmusik
mit minderwertigen Einzelbildern, großem Tamtam, Ka—
nonenschläge, Kriegslärm und so weiter. Der Kritiker greift
in seinem Blatt den Veranstalter an und tadelt mit Recht
derartige musikalische Kost. Der Kapellmeister setzt sich in
einer anderen Zeitung zur Wehr und wird persönlich, aus—
fallend. Er begründet die Berechtigung zu dieser Pro—
grammaufstellung mit dem Hinweis auf die Beliebtheit
solcher Schlachtgemälde beim Publikum. Erst ein Macht—
wort einer übergeordneten Instanz macht dem unerfreu—
lichen Zwist ein Ende.
Ja — das liebe Publikum! Sein musikalischer Geschmack,
sein Bestimmungsrecht in allen Ehren. Aber die Ab—
hängigkeit des Künstlers vom Publikumsgeschmack soll nicht
soweit gehen, daß man seine Forderungen nach seichter
Unterhaltüngsmusik bedingungslos unterstützt, anstatt es in
unauffälliger Belehrung darauf aufmerksam zu machen,
daß solche äußerlichen Lärmdarbietungen wie die Schlacht—
gemälde eines deutschen Konzertprogramms nicht würdig
sind. Es gibt bessere und gefälligere Volksmusik, die An—
spruch auf allgemeine künstlerische Beachtung verdient.
Aber die Erziehung des Publikums läßt noch in manch
anderer Hinsicht zu wünschen ührig. Sonst hätte hei—
spielsweise die Landesstelle Sachsen des Reichsministeriums
für Volksaufklärung und Propaganda keine Ursache gehabt,
zffentlich darauf aufmerksam zu machen, daß die national—
ozialistischen Lieder ebenso wie der Badenweiler Marsch
eine Tanzmusik sind, und daß es ein erhebliches Maß von
Taktlosigkeit erkennen ließe, wenn das Publikum zu diesen
nationalen Weisen zum Tanz antrete. Wie man aus Gast—
virtskreisen hört, ist man verschiedentlich dazu überge—
zangen, das tanzende Publikum höflichst darauf aufmerk—
am zu machen, daß ein solches Benehmen ungehörig sei.
Am sichersten ist es aber, wenn das Publikum überhaupt
richt erst in Versuchung geführt wird und wenn iin allen
Ldokalen, die einen gemischten Musikbetrieb mit Konzert—
»orträgen und Tanzeinlagen aufweisen, jedes Spielen
nationalsozialistischer Lieder grundsätzlich verboten wird
Im Konzertsaal selbst ist dem Publikum immer noch nicht
beizubringen, daß die Achtung vor der Musik und den aus—
übenden Künstlern auch eine achtungsvolle Haltung heischt.
Der Konzertsaal ist keine Gaststätte, in der man während
der Vorkräge mitgebraächte Speisen geräuschvoll auspackt
und verzehrt. Der Konzertsaal ist ebensowenig ein Unter—
haltungslokal, wo man sich ungeniert mit seinem Nachbar
ausspricht oder während der Musik Bekannte begrüßt.
Aber auch in anderer Beziehung ist das geringe Maß
Aunn Faftgaefühl ͤ im Göonzertpuhlifkmn ersichrecfkend Wenn