Full text : 14.1934/35 (0014)

Nr. 2 UIIII..

Iu PSaar⸗Saãnger⸗Bund.

Jpppuu Seite 47
RKreis Trier⸗Stadt.
M.G.V. Merzlich-Karthaus zählt zu seinen Sänger—
zeteranen Sangesbruder Peter Scheuer, dessen Bild wir
zeute veröffentlichen. Er wurde am 3. August 1858 in
Derbillig, Landkreis Trier, geboren. Dortselbst war er
1882 Mitbegründer des M.G.V. Oberbillig. Nach seiner
Versetzung als Eisenbahner im Jahre 1896 nach Karthaus
trat er in den Gesangverein Cecilia als Sänger ein und

Stenger (Klavier), Quierschied, statt. Die gewählte Vor—
tragsfolge brachte: „Sanktus“ aus der Mustermesse Papac
Marcillus von Palaestrina (Reformer des polyphonen A-capp.-Stiles
 des 16. Jahrhunderts) mit 6 selbständig nebenein—
ander herlaufenden Stimmen, „Erde“ von Czajanek (Deutsch⸗
böhme), klangschwelgerisch, bei lebendiger rhythmischer Glie—
derung, Kauns ,Hütte“ mit weicher stimmungsvoller Lyrif
und ein „Lebensbild“ mit lebensvoll gesteigertem Rhyth—
mus, Marschners Freiheitslied aus der Zeit vor 100 Jahren:
„Und hörst Du das mächtige Klingen“, Volksliedersätze von
Silcher oder im Silcher-Stil, die in ihrer Schlichtheit immer
slebensnah bleiben, und zum Schluß eine gute Gebrauchs—
musik in „Drei Wanderer“ von Gaber. Otto Schrimpf
zeigte sich wieder als vortrefflicher Chormeister, der bei
dem guten Stimmaterial der „Flora“ aller Schwierigkeiten
spielendleicht Herr wurde und die Darbietungen mit her—
borragendem Kunstverständnis so gestaltete und formte, daß
bei der dankbaren Zuhörerschaft rauschender Beifall aus—
gelöst wurde. Die Einlagen bestritt Heinrich Bohn, be—
gleitet von Rudi Stenger. In der ersten Gruppe zeigte
sich Bohn als Geiger von Qualität. „Andantino“ von
Kreisler ließ besonders seinen gesangvollen Strich in Er—
scheinung treten, während in Beethövens „Romanze“ ein
doppelgriffiges Spiel fest im Sattel zeigte. Im 2. Teile
der Vortragsfolge spielte Bohn die Teufelstrillersonate“
von Tartini, einem Meister der italienischen Geigerschule
des späten Mittelalters. Den Namen trägt das Stück nach
den Trillerketten gegen eine zweite Gesangeslinie der
Geige. Ein Bravo auch dieser Leistung und besten Dank
den Zuhörern für ihre Spenden zum guten Zweck der
Veranstaltung! H

Der Sängerverein „Ktonkordia“ Sulzbach beendete mir
einer geistlichen Abendmusik am 30. März seine dieswinter—
liche Tätigkeit. Zur Wiedergabe gelangten die Kantate
„Jesu meine Freude“ und die Motette „Singet dem Herrn
ein neues Lied“ von Dietrich Buxtehude, sowie der 23.
Psalm von Heinrich Schütz, Werke, die erst seit kurzem
wieder ans Tageslicht gelangt sind, es aber wegen der
schlackenlosen Reinheit ihrer Tonsprache und ihres tiefen
fittlichen Gehaltes verdienen, weitesten Schichten des Volkes
zugänglich gemacht zu werden, denn dieses bedarf auch einer
musikalischen Wiedergeburt aus dem Geiste echten Deutsch—
tums. Es ist ein gutes Zeichen, daß gerade ein saarlän—
discher Sängerverein, der bisher nur kleineren Dingen
nachgegangen ist, sich die Erweckung von Werken zweier
der größten deutschen Meister vorgenommen hat, und es
gehört schon ein gut Teil Selbstlosigkeit dazu, wenn Men—
schen, die in der harten Fron des Alltags stehen, die
innere Bereitschaft zu monatelangen, mühevollen Proben
finden, um sich solch herbe Kunst zu eigen zu machen
und sie ihren Volksgenossen zu übermitteln. Ueberraschend
glücklich ist der erste Versuch gelungen. Der Chor, in dem
nur wenige der Mitglieder nach Noten zu singen ver—
mögen, haät sich die ihm ganz fremde Welt schnell und
mit Hingebung eingelebt und alle Anforderungen in bezug
auf musikalische Festigkeit, Aussprache und Erfassung des
Gedankengutes, die man billigerweise an ihn zu stellen
berechtigt ist, erfüllt. Die Einzelgesänge mußten der Not
der Zeit entsprechend von begabten Chormitgliedern ge—
tragen werden. Wenn man diesen zugestehen darf, daß
sie sich in den Rahmen des Ganzen nicht uünpassend ein—
fügten, so bedeutet das angesichts der hier zu bewältigen—
den Aufgabe schon eine Anerkennung. Besonders die beiden
Sopranistinnen sangen ihren schwierigen Part bemerkens—
wert sicher und mit ansprechender Tongebung. Die feste
Grundlage für Chor und Einzelsänger bildeten das ver—
stärkte Kirschquartett und der Organist Fritz Lösch, Saar—
brücken, in dessen bewährten Händen die Orgelbegleitung
lag. Er wurde auch der Partitur über „Jesu meine Freude“
von J. G. Walther, sowie mehreren Werken von Buxtehude
und J. S. Bach, besonders dessen gewaltigem C-Moll-Prä—
ludium, ein beredter und überall spielsicherer Ausdeuter.
Das Verdienst, den Abend erfolgreich zustande gebracht
zu haben, gebührt dem mutigen Vereinsleiter Peter Marrx
aus Wehrden. Der junge Musiker, der in Chorkreisen nicht
unbekannt ist, hat hohe Ziele im Auge. Mit straffer Hand
lenkt er seine Sängerschar, und diese folgt willig seiner
Führung. Nach seiner süngsten Tat verdient Peter Marx
weitere Beachtung. Ueber der ganzen Veranstaltung lag
Feiertagsstimmung, die in lautloöͤser Ergriffenheit der Zu—
hJörer ißren Nusdruck fand. Prof. WeMüller

Peter Scheuer, Ehrenmitglied des MGV. Merzlich⸗Karthaus.
zlieb darin bis zur Auflösung desselben im Jahre 1910.
Sofort trat er dann zum M.G. V. Merzlich-Karthaus über,
vo er heute noch als 76-Jähriger aktiv an jeder Probe
teilnimmt. Bereits im Jahre 1924 wurde er wegen seiner
rührigen Sängertätigkeit, seines pünktlichen und regel—
mäßigen Probenbesuchs und seines Werbens neuer Sänger
vom Verein zum Ehrenmitalied ernannt. J. F.
LKreis Völklingen.

Die rege Beteiligung von aktiven und inaktiven Sängern
gab der Jahreshauptversammlung des M.G.V. Wadgassen
ein besonderes Gepräge. Durch dieses geschlossene Eintreten
für das große Ziel ist der Geist der inneren Verbunden—
seit in einer Weise gekennzeichnet, wie man ihn sich kaum
zesser denken kann. Vorsitzender Krämer läßt vor Ab—
vicklung des Geschäftsberichtes in seinem Mahnwort an
alle Erschienenen erkennen, daß der Ernst der Zeit und
die Schwere der Stunde restlosen Einsatz aller Kräfte ver—
lange. In einer kurzen Pause stillen Gedenkens ehrt er
die im vergangenen Jahre durch den Tod abgerufenen Mit—
zlieder. Der eingehend dargelegte Geschäftsbericht bezeugt.
daß der Verein im Jahre 1933 an nicht weniger als
17 Veranstaltungen teilgenommen und daß er, wie in
einer bisherigen Tätigkeit, der Forderung der Zeit im
Zinne der Volksverbundenheit in vollem Maße gerecht ge—
vorden' ist. Der Verein hat trotz der Not der Zeit seine
Mitgliederzahl erhöht. Am Schlusse des Berichtes dankt
der Vorsitzende allen Sängern für ihre treue, unverdrossene
Mitarbeit, dankt vor allen Dingen dem Chormeister Groß,
durch dessen unermüdliche, zielbewußte Arbeit der Verein
nanchen Erfolg erzielen konnte. Kassierer Kneip zeigt an
hand des Kassenberichtes, daß der allgemeine Wirtschafts—
iefstand auch an uns nicht spurlos vorübergegangen ist.
die Reisekasse legt beredtes Zeugnis ab vom Sparsinn der
Sänger. Nachdem Geschäfts- und Kassenbericht ausführlich
dargelegt und zu Beanstandungen irgendwelcher Art keinerlei
Anlaß gegeben ist, wird dem gesamten Vorstand Entlastung
erteilt. Der Vorsitzende dankt den Herren des Vorstandes
ür ihre pflichtbewußte Hingabe. Nach einer kurzen Pause
hetont der Vorsitzende, daß im Laufe des Geschäftsjahres
rzine Anzahl einschneidender Bestimmungen ergangen sind
die auch bei uns größte Beachtung erforderlich machen.
Darum habe er das Schwergewicht der heutigen Ver—
ammlung auf den 2. Teil der Tagesordnung, betreffend
vie neuen Bestimmundgden des Deutschen Sändgerbundes. de
            
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